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Die Stimme · 1933-10-12 · Heft 304 (12.10.1933) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 304 (12.10.1933)
Date
1933-10-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seffc 6 DIB SUMME Das Palästina- Informationsbuch S. Auflage •••ben erschienen kundigen Kritik: Das msiim seiner irii II Präzise Beantwortung aller Fragen über Palästina- I Verwaltung, Steuer, Recht, Zoll, Verkehr, Touristik, I Einwanderungs’. Stimmungen, Existenzmöglichkeiten, I Zionismus, — Führer durch das Land. — Hebräisches I Vokabularium in Lateinschrift. 120 Oktavseiten Tatsachen und Ziffern! Eine Landkarte. Im Inland S 4.20, im Ausland M. 2 50, Schw. Fr. 3.—, Pengö 4.—, Zloty 5 —, Kc 20.—, Dinar 45.— bei Vorauszahlung, inklus. Porto, erhältlich bei: „PAG“ r. g. m. D. H., Wien. m.. Landsirafler Gürtel 0 hebeb HflJESSOD-BUREflü. Wien, i., Hürninersir, 26, nt Kleine Kimstü&aehrichten Jüdisches Volksheim II., Blumauergasse 1. Eröffnungsabend des Wintersemesters 1933/34 Samstag, den 14. Oktober 1. J., 8 Uhr abends: Verbrannt und Verbannt In memoriam der jüdischen Dichter Deutschlands: Feuchtwanger, Wassermann, Krauß usw. Es spricht: der Dichter Dr. Rudolf Brunngraber. Rezitationen: Dr. Benno Wunsch, Lektor an der Prager Universität. * Eröffnung des Wintersemesters 1933/34 am 15. Oktober. d, J. Hebräischkurse für Anfänger und Fortgeschrittene, Engiischkurse, Gymnastikkurse, Nähkurs, Kurse über jüdische Geschichte, hebräische Literatur, Palästinakunde und vieles andere. Einschreibungen täglich von 6 bis 8 Uhr abends, II., Blumauergasse Nr. 1. «Sucher und Künder», ein fesselnder und zeitgenmäßer Vortragszyklus von Frau Dr. Martha H o f m a n n, beginnt Dienstag, den 24. ds., um 6 Uhr nachmittags, Wien, IX., Freiheitsplatz 13, Mezzanin 9. Der Kurs umfaßt 6 Vorträge und zwar über Josef Popper- Lymkeus, A. D. Gordon, Leo Tolstoi, Mahatma Gandhi, Rudolf Steiner und Martin Buber- .Er gibt einen umfassenden Ueberblick Über die Wegweiser aus der Not der Zeit. Anmeldungen schriftlich oder telephonisch A-27-6-68. Die Jüdische Bühne eröffnet demnächst im neu renovierten Theatersaal, Wien, II., Praterstraße- 60. Es ist ihr auch gelungen, erstklassige Kräfte aus denr Ausland zu engagieren. Hilda DuHtzkaja in Wien! Die bekannte Künstlerin Hilda D u 1 i t z k a j a ist zurückgekehrt und hat ihre künstlerische Tätigkeit wieder aufgenommen. Adresse: VII., Stuckgasse 13, Telephon B-33-9-93. Wichtig für Polenreisende. Vom 12. November 1933 bis 26. November 1933 findet eine besonders billige Fahrt nach Polen ohne Paß und Visa statt, veranstaltet vom offiziellen polnischen Reisebureau «Francopol», Wien, III., Rennweg 1, Tel. U 16-4-90. Alle näheren Auskünfte werden dortselbst erteilt. Es ist wichtig, sich schon jetzt gute Plätze reservieren zu wollen. Und als drei Tage später Reb Sissel um den Bescheid kam, sagte ihm der Rabbi: «Ich habe den Jüngling gesehen. Er gefällt mir sehr, und da Gottes Wege unerforschlich sind, können wir nur nach unserem Menschenverstand urteilen. Der Jüngling ist der richtige Mann für dein Kind. Du hast den Prozeß gewonnen. Gott ist dir dreihundert Rubel schuldig.» Sissel sprang vor Freude auf: «Kann ich das Urten schriftlich haben?» «Gut!», sagte Reb Levi Jizchak nach kurzem Ueberlegen. «Du bekommst es schriftlich.» Und er schrieb auf, daß nach Anhörung der Klage des Melamed Reb Sissel, Sohn des Simche Selig, gegen den Herrn der Welt das Gericht der heiligen Gemeinde Berditschew Reb Sissels Forderung für gerecht anerkannt und Gott zur Zahlung von 300 Rubel für Mitgift und Hochzeitsfeier der Tochter des Klägers, Nechama, verurteilt habe. Er unterschrieb das Urteil und überreichte es Reb Sissel, der es leuchtenden Auges sorgfältig in der Tasche verjährte. ♦ Zu Hause ließ Reb Sissel den jungen Mann rufen und tagte ihm: «Ich weiß, daß meine Tochter dir gefällt Ich bin einverstanden. Doch was die Mitgift betrifft, — Bargeld habe ich keines, aber einen Wechsel auf dreihundert Rubel von dem Reichsten der Welt. Gehst du darauf ein?» Er erzählte ihm alles und zeigte ihm das Urteil. Der Jüngling sagte, dies sei ihm lieber als Bargeld. Und Reb Joel, der Schnittwarenhändler, gab Reb Sissel, als er ihm den Wechsel wies, Stoff für die Hochzeitskleider auf Borg. Auch der Schneider machte die Kleider auf Kredit. Das Ereignis wurde zum Stadtgespräch von Beiditschew. Mancher murrte zwar über den Rabbi: Wie kann er sich unterstehen? Die meisten aber meinten, daß er wohl wisse, was er tue. Doch im Stillen wunderten sich auch sie. Eine Woche später wurde der Verlobungsko'ntrakt zwischen Nechama und Jakob Mosche geschlossen. Und einen Monat herum war die Trauung. Die Einwanderungsmöglichkeit nach Palästina j. r. Ueber dieses Thema sprach Montag abends im Bayrischen Hof Jizchak Grünbaum, Mitglied der Zionistischen Exekutive und Leiter des Einwanderungsdepartements der Jewish Agency in Jerusalem. In der letzten Periode betrug die Einwandererzahl im Durchschnitt 10.000 jährlich, wo^ei diese Zahl nicht immer eine konstante, sondern gewissen Schwankungen unterworfen war. In Zeiten des Aufschwunges im Lande gab es eine jährliche Einwanderung von 35.000 Juden, in Zeiten der Krise manchmal kaum mehr als einige hundert. In der jetzigen Periode ist eine durchschnittliche Steigerung festzustellen, so daß man für die nächsten zehn Jahre mit einer viel größeren Durchschnittszahl an jüdischen Einwanderern rechnen kann. Die ökonomischen Möglichkeiten in Palästina, die ganz enorm gewachsen sind, werden mit jedem Jahr größer, die Nöte der Juden in der Diaspora immer stärker. Eines der schwierigsten Probleme in der Einwanderung bildet die Tatsache, daß der Schlüssel zu den Toren Palästinas noch immer in der Hand der Mandatarmacht liegt. Eine der wichtigsten Aufgaben der neuen zionistischen Exekutive wird es daher sein, die englische Mandatsregierung davon zu überzeugen daß ihre bisherige Einwanderungspolitik unbedingt den Nöten des heutigen Auswanderungsbedürfnisses zahlreicher jüdischer Massen angepaßt werden müsse und daß die Kapazität des Landes in dem gleichen Maße der Einwanderung steigt. Denn die Mandatsmacht müsse einsehen, daß es die Einwanderung ist, die die schöpferische Kraft in Palästina bildet, die das Land baut und sich entwickeln läßt, daß die Einwanderung von Menschen und Kapital es ist, die die Aufnahmsfähigkeit des Landes vergrößert. Noch immer hat die Exekutive bei ihrer Forderung nach Einwanderungszertifikaten einen Kampf führen müssen. So war es das letztemal im Herbst 1932, wo die Palästinaregierung auf eine Forderung von 13.000 nur 6000 Zertifikate bewilligt hat. Die Forderung der Exekutive nach Einwanderungszertifikaten geht heute viel höher. Es werden 25.000 Einwanderungszertifikate angefordert. Es ist dies die größte Zahl, die je von der englischen Palästinaverwaltung angefordert worden ist. Die Zahl basiert auf der realen Arbeitslage im Land, in dem es an Arbeiterhänden fehlt. Die Arbeiterorganisation ist nicht in der Lage, den verschiedenen Wünschen und Anforderungen nach Arbeitern zu entsprechen. Der heutigen Not der Juden in aller Welt, dem heutigen Bedürfnis nach der Auswanderung entsprechend, ist es ein Gebot der Stunde, daß die zionistische Organisation als Jewish Agency den ganzen Einwanderungsapparat in die Hände bekommt, da sie allein für den wirtschaftlichen Aufbau des Landes verantwortlich ist. Im Falle eines Rückschlages, einer Arbeitslosigkeit, sind es die Organe der Jewish Agency, die für die Unterstützung zu sorgen haben. Die Jewish Agency baut Palästina, die Jewish Agency muß auch die Kontrolle für die Einwanderung nach Palästina in die Hände bekommen. Laut Beschluß des Prager Zionistenkongresses wird die neue Exekutive ein diesbezügliches Projekt der englischen Regierung vorlegen. Als unmittelbar wichtigste Aufgabe der Exekutive betrachtet Grünbaum die Zahl der Zertifikate zu vergrößern Solch eine Hochzeit hatte Berditscheft) schon lange nieni erlebt. Die Reichen der Stadt gaben Wein und Fleisch und vom Besten her. Die angesehensten Familien kamen zu Gasi. Der Schulhof und die angrenzenden Gassen waren schwarz vor Menschen; die ganze Stadt war ausgerückt, die Trauung zu sehen, die auf Gottes Rechnung gemacht wurde. Den Trauungsakt versah Reb Levi Jizchak selbst. Heilige Stille herrschte, als er den Becher hochhob und den Segen über den Wein sprach. Dann sagte er dem Bräutigam die Trauungsformel vor und die Menge wartete schon auf den Augenblick, da der Schammes nach altem Brauch zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems ein Gläschen zerbrechen und «Maseltow» ausrufen sollte. Der Schammes trat auf das Glas, drückte es aber nui in den weichen Erdboden, ohne es zu zerbrechen. Er half mit dem Absatz nach, doch das Glas sank nur noch tiefer in die Erde. Das war noch nicht dagewesenl Ratlos stand der Schammes da. «Zerbrich das Glas!», befahl ihm Reb Levi Jizchak. Der Schammes trat zum drittenmal mit aller Kraft auf das Glas. Das schnitt sich tief in die Erde ein, man hörte einen metallenen Klang. «Nachgraben I» Der Rabbi befahl’s. Die Menge stand mäuschenstill da. Man brachte Spaten und Schaufeln und nach ein paar Minuten hoben die Männer eine alte, verrostete Kassette aus der Erde voll goldenei Münzen. Reb Levi Jizchak reichte Sissel den Schatz: «Nimm das, es gehört dir! Der Ewige — gelobt sei er — bezahlt dir damit ein Vielfaches seiner Schuld dafür, daß du ihm vertraut hast.* * Reb Sissel und sein Schwiegersohn wurden dann berühmt als fromme Wohltäter. Und wo der Trauhimmel gestanden war, errichteten sie später ein Gotteshaus, in dem man Tag und Nacht der Lehre oblag. (Berechtigte Uebersetzung von A. M.) Nr. 364 —12. Oktober 1933 liste Miaft für Lager. Engros-Parfumerie. Nur verläßlicher, selbständiger, junger Mann. Unter «Branchekenntnis» an die Administration des Blattes. und die Konzentrierung der zionistischen Bemühungen im Kolonialministerium in London, die diesem Ziele näherführen sollen. Ob die Forderung der Exekutive nach 25.000 Zertifikaten erfüllt werden wird, steht bis zur Stunde noch nicht fest. Vorläufig sind der Exekutive 3000 Zertifikate als Vorschuß gewährt worden. Im folgenden beschäftigt sich GrOnbaum mit einigen sehr drückend empfundenen Einzelheiten des heute herrschenden Zertifikatsystems, das einer wichtigen Remedur zu unterwerfen ist. So ist es unerläßlich, daß die Altersgrenze von 35 Jahren für das Recht der Erlangung eines Einreisevisums auf 45 bis 50 erweitert werde. Die englische Regierung müsse ferner einsehen, daß gerade die Menschen, Facharbeiter, Handwerker, die sich als Kleinindustrielle in Tel-Awiw so bewährt haben, alle ein Alter über 35 Jahre besitzen. Auch in der Praxis der Fraueneinwanderung muß eine Aenderung ein treten. Selbständigen Mädchen und unverheirateten Frauen (Witwen und Geschiedenen) müssen Einwanderungsmöglichkeiten eingeräumt werden. Als überaus drückend wird auch die Forderung von 250 Pfund für Handwerker oder für 500 bis 1000 für den sogenannten Mittelstand empfunden. Heute gibt es aber kaum einen einzigen Handwerker oder Facharbeiter, der über dieses Kapital verfügt, biese harten Einwanderungsbestimmungen müssen daher in Zukunft wesentlich gemildert werden. Die neue Exekutive sieht denn auch darin ihre wesentlichste Aufgabe. Der Prager Kongreß hat auch beschlossen, eine neue Kategorie von Einwanderern zu schaffen: Handwerker, Facharbeiter ohne Kapital, denen Zertifikate erteilt werden müssen und die nur 10 Pfund pro Kopf zu entrichten haben. Der Mangel an Facharbeitern macht sich in Palästina immer mehr geltend. Die Arbeit der Chaluzim ist bei weitem nicht, wie so manche vielleicht glauben, bereits entbehrlich. Der Chaluz erfüllt die große Mission des Umschichtungsprozesses bei den Juden, um den sich andere Gesellschaften, wie der «Ort», «Joint» usw. seit Jahrzehnten bemühen. Der Facharbeiter wird seine Kenntnisse und Fähigkeiten nur dem Gebiete zuwenden, auf dem er zu arbeiten gewohnt ist. Der Chaluz dagegen ist der Pionier des Landes, der die Arbeitsvorbedingungen für den Facharbeiter schafft, der Chaluz, der im Lande arbeitet, nicht nur, um sich eine Existenz zu schaffen, sondern um den Traum nationaler und sozialer Erlösung zu erfüllen. Und für den Chaluz wird es noch jahrzehntelang Arbeit geben, selbst wenn große Teile Palästinas aufgebaut sein werden. Zum Schluß wandte sich Jizchak Grünbaum gegen jene Kreise in der zionistischen Bewegung, die gegen Organe und Institutionen der zionistischen Organisation einen Kampf führen. Er war zu lange in der Opposition, sagt Grünbaum, als daß er nicht allen Parteien und Gruppen, die nicht in der Exekutive vertreten sind, das Recht auf Kritik und selbst scharfen Kampf gegen die Exekutive zubilligen sollte. Allein das, was jetzt von manchen zionistischen Gruppen unternommen wird, ist nicht mehr Kampf gegen die Exekutive, sondern ein Boykott gegen die Institutionen der Organisation, es ist ein Kampf gegen den Aufbau Palästinas, der mit keinem anderen Worte bezeichnet werden kann denn als Verrat. Und als Mitglied der Exekutive kündigt Jizchak Grünbaum jenen Gruppen, die heute einen Kampf gegen den Keren Kajemeth und Keren Hajessod unternehmen, schärfste Maßregelung an. Die Exekutive werde es nicht dulden, daß Vertreter im Palästinaamt sitzen und Zertifikate für ihre Anhänger bekommen, um nachher die Institutionen der Organisation zu boykottieren. Er hofft, daß die zionistischen Massen ihre Führer daran erinnern werden, in ihrem Kampfe sich nicht so weit zu vergessen und durch ihr Handeln die zionistische Arbeit in ihren Grundfesten zu erschüttern. Schließlich richtete Jizchak Grünbaum den Appell, die Arbeit für den «M ifalArlosoroff» nun endlich auch in Wien mit allem Nachdruck zu beginnen. * Der Abend wurde durch Dr. PI a sc h k e s mit einer kurzen Ansprache eröffnet, in der er den Vortragenden sowie Vertreter des Zionistischen Landeskomitees, den Vorsitzenden des Palästinaamtes und die Vertreter anderer zionsitischer Korporationen begrüßte. Ein neue Musiklehranstalt für Klavier Der bekannte Pianist, Komponist und Pädagoge Prof. Julius Wolfsohn hat die künstlerische Leitung und den Unterricht in den Ausbildungs- und Konzertklassen in der neuen Musikiehranstalt für Klavier, die am 1. Oktober eröffnet wurde, übernommen. Dortselbst findet auch ein Staats« prüfungskurs statt. Als besonders beachtenswert ist (den Intentionen des Künstlers entsprechend) die Berücksichtigung der Klavier- und Kammermusilditeratur der neuen jüdischen Musik im Repertoire des Unterrichtsstoffes, der ansonsten dem der Staatsakademie entsprechen wird. Anmeldungen und Auskünfte täglich Wien, III., Hintzersiraße 8 (Eingang Pfarrhofgasse 16), Tel U 16-1-32. Prospekte gratis.

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