Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1933-10-05 · Heft 303 (5.10.1933) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 303 (5.10.1933)
Date
1933-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054015-3054057--3771-3059316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

' Kf. 3Ö3 — 5. Oktober 1933 DIB STIMME Gesinnungsgenossen! Zeichnet m» Oesterr. Trefferanleihe t. Jahre 1933 bei der österreichischen K. K. L.-Versicherungs-Abteilung des „PHÖNIX“ (wittitn) Tei. r 43-500 Wleii9 II«, Aspernbrückengasse % (wittun) Tel. r 43.500 -—- .. - Seite 3* Die Gottesdienste waren meist von Personen vorgeschrittenen Alters besucht, man sah wenig Jugend in den Synagogen. Während der Kol Nidre-Andacht fand in den Räumen des der Großen Synagoge benachbarten Arbeiterklubs, die früher zu der Synagoge gehörten, eine antireligiöse Veranstaltung mit Konzert statt. Die Töne des Orchesters mischten sich mit den Gesängen des Kantors in der Synagoge, bi mehreren anderen Teilen der Stadt fanden antireligiöse Veranstaltungen des jüdischen Klubs «Kommunist» statt, die aber einen ziemlich schwachen Besuch aufwiesen. Palästina vor dem Völkerbund In der 6. Kommission des Völkerbundes ersattete der norwegische Delegierte Lange Bericht über die Tätigkeit der Mandatskommission und führte aus, die Mandatarmacht habe im abgelaufenen Jahre die Einwanderung von Juden nach Palästina erleichtert, indem sie den jüdischen Körperschaften, die sich mit dieser Einwanderung befassen, hinsichtlich der Zahl der Einwanderer mehr Entgegenkommen als bisher gezeigt hat; dies sei insbesondere im Hinblick auf die zahlreichen jüdischen Auswanderer aus Deutschland, die eine neue Heimat suchen, von Bedeutung. Dr. Benesch über die Ansiedlung deutscher Juden Hierauf ergriff der Minister des Aeußem der tschechoslowakischen Republik, Dr. Eduard Benesch, als der Berichterstatter über Mandatsangelegenheiten im Völkerbundsrate das Wort und sprach seine Genugtuung darüber aus, daß die Frage der Juden und Palästina nun des näheren erörtert werden soll Das Palästinaproblem habe gegenwärtig •ine außerordentliche Bedeutung gewonnen. Schätzungsweise dürften in diesem Jahre mehr als 30.000 jüdische Einwanderer nach Palästina kommen; 15.000 Neueinwanderer weilen bereits in Palästina. Im Verlauf der Debatte sprachen einige Redner ihre Zweifel aus, ob Palästina, vom rein wirtschaftlichen Standpunkt, diesen außerordentlichen Einwandererstrom wird absorbieren können. Der deutsche Delegierte Freiherr von Keller Heß in seinen Ausführungen einen klaren Standpunkt vermissen und erklärte, er werde sich gelegentlich der Aussprache in der Mandatskommission selbst eingehender zu der Frage der Auswanderung deutscher Juden nach Palästina äußern. Zusammenstöße am Jom Kippur in Warschau Warschau, 1. Oktober. Am Tage des Jom Kippur fanden vor den Synagogen in verschiedenen Gegenden Warschaus Zusammenstöße zwischen religiösen Juden und kommunistischer Jugend, die vor den Synagogen für den «Freien Gedanken» demonstrierten, statt. Dabei gab es eine Anzahl Verletzter. Der achtzehnzährige Jankel Gips wurde von jungen Kommunisten durch Messerstiche erheblich verletzt und mußte ln das Hospital gebracht werden. In die Große Synagoge in der Vorstadt Praga sandten (He Kommunisten eine Brieftaube, an deren Füßen rote Fähnchen angeheftet waren. Chassidische junge Leute veranstalteten ihrerseits Kundgebungen gegen Personen, die ihrer Meinung nach das Fest entweihten. Personen, die Zeitungen lasen oder rauchten oder Restaurants besuchten, wurden von diesen jungen Leuten überfallen und mißhandelt, «-UÜKYJ itosdi flasdiana-Boisdiaft der Paläsllna-Pegiernng Jerusalem, 28. September. Anläßlich des Rosch Haschana-Festes hat der Chef Sekretär der Palästina-Regierung John Hathorn Hall, der während des Urlaubes General Sir Arthur Wauchopes die Geschäfte des High Commissioner führt, an den Vorsitzenden des Waad Leumi, der offiziellen Repräsentanz der palästinensischen Judeqheit, Ben Zwi, ein Glückwunschschreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: «Die unglückliche Lage, ln der sich viele Angehörige Ihrer Rasse heute in Europa befinden, und die ernsten politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denen sie ausgesetzt sind, wirft auf die Festesfreude Ihrer Gemeinschaft notwendigerweise einen Schatten. Ich hoffe jedoch aufrichtig, daß das neue Jahr dem jüdischen Volk in der ganzen Welt mehr Glück und Wohlergehen bringen wird. Ich hoffe ferner zuversichtlich, daß die gegenwärtige Bedrängnis Ihrer Brüder im Ausland den Bemühungen, die Einigkeit innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Palästinas wiederherzustellen, Bemühungen, von denen ich weiß, daß sie Ihre volje Unterstützung finden, neue Impulse und erhöhte Kraft geben wird» Die von aufrichtigem Wohlwollen getragene Rosch-Haschana-Botschaft des Leiters der Palästina-Regierung hat in der jüdischen Oeüentlichkeit einen sehr günstigen Eindruck gemacht Rosch Haschanah in Palästina Das Rosch-Haschanah-Fest wurde in diesem Jahre in Palästina unter stärkster Beteiligung aller Bevölkerungskreise mit besonderer Inbrunst begangen. Alle Synagogen und die zahlreichen für den Gottesdienst bereitgehaltenen Säle waren überfüllt. Die Zahl der Teilnehmer übertraf die früheren Jahre um Tausende. Die Klagemauer wies einen an Tischa b’Aw und den Vorabend des Versöhnungstages erinnernden Massenbesuch auf. Beamte der Distriktsverwaltun überwachten hier die Ordnung, die wie überall im ganzen1 Lande musterhaft aufrechterhalten wurde. Die Zahl der Personen, die nach Jerusalem gekommen waren, wird auf etwa 10.000 geschätzt. Alle Züge und Ueberlandautobusse waren am Tage vor Rosch Haschanah voll besetzt. Die Autobushauptlinie Tel-Awiw—Jerusalem hatte einen Dauerverkehr mit Fahrtabständen von einer Minute zwischen den einzelnen Wagen eingerichtet. In Jerusalem waren alle Hotels und Privathäuser überfüllt. fSS» wirkt rasch und sicher bei Rheumatischen Gichtischen Beschwerden. Kopfschmerzen. Erkältung skranfc | heilen. Ober 6000 Arztegutachfen! Togal scheidet die Harnsäure aus. geht daher direkt zur] Wurzel des Übels. Fragen Sie Ihren Arzt. Kinder Dr. Ariosoroffs eine Vormundschaft eingesetzt, bestehend aus den Herren Dr. Maurice B. H e x t e r, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Joseph A r o n o w i ts c h, Direktor der Arbeiterbank in Tel-Awiw, Rechstsanwalt Dunkelblum und Rechnungsführer David Rosolio, einem Schwager von Frau Arlosoroff. Kampf Stavskys um sein Alibi Jaffa. Bei Fortsetzung des Verhörs in der Untersuchung gegen die der Teilnahme an der Ermordung Dr. Ariosoroffs Beschuldigten wurde am 28. September der Zeuge Jakob Zelivansky einvernommen, jener junge Mann, der sich zur Zeit der Tat in der Nähe der Mordstelle am Strande von Tel-Awiw aufhielt. Er erklärte, er sei, als der Schuß fiel, herbeigeeilt und habe geholfen, Dr. Arlosoroff fortzutragen. Der verwundete Arlosoroff habe gesagt, er wisse nicht, wer die Attentäter waren. Staatsanwalt Shitrit verlas eine 51 Seiten umfassende Erklärung, In der Stavskl sein Alibi nachzuweisen sucht. Es wird angegeben, daß Stavski am Tage des Mordes in Jerusalem war, abends ip einem Restaurant speiste und die Nacht in einem Jerusalemer Hotel, zubrachte. Am folgenden Tage sei er im polnischen Konsulat gewesen, um ein Visum zu besorgen. Von dem Morde habe er erst mittags erfahren und sei dann nach Tel- Awiw zurückgekehrt. Der hierauf einvernommene Beschuldigte Moses H a b a s stellte jede Beteiligung an der Mordsache in Abrede. Rosenblatt teilt in einer Erklärung mit, er habe am Tage des Mordes einer Zusammenkunft des Brith Trumpeldor in Ktar Saba beigewohnt und die Nacht dort in einem Zelt zugebracht. Bestellung einer Vormundschaft für die Kinder Dr. Arlosoroffs Jerusalem. Wie in der «Official Gazette», dem paiästinensisdtea Amtsblatt, mitgeteilt wu4 wurde für die Horace Samuel Verteidiger der Angeklagten im Ariosoroif-mordprozefl Jerusalem. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird der bekannte Londoner Rechtsanwalt Horace Samuel, der einige Jahre lang seine Praxis ln Palästina ausübte und das Land 1928 verließ, die Verteidigung der im Mordfall Arlosoroff angeklagten Stawsky. Rosenblatt und Achi Melr nach Abschluß der Voruntersuchung beim ordentlichen Gerichtsverfahren übernehmen. Rechtsanwalt Horace Samuel war während seines Aufenthaltes in Palästina als Außenseiter eine stark umkämpfte Persönlichkeit. Sein Buch «Unheilige Erinnerungen an das Heilige Land» ist bei seinem Erscheinen mit stürmischem Protest aufgenommen worden. Eine Bestätigung der Ver-. teldigungsübernahme durch den Anwalt selbst steht noch aus. Jom Kippur in Moskau Moskau, 1. Oktober. Während der verflossenen hohen jüdischen Feiertage standen den Moskauer Juden nicht mehr als drei Synagogen zur Verfügung. Diese drei Synagogen waren während der Gottesdienste stark überfüllt, es mußten doppelschichtige Gottesdienste, auch am Kol Nldre-Abend und zu den Tagesandachten am Jom Kippur, eingerichtet werden. Viele der Andächtigen kamen in Arbeitskitteln zu den Gottesdiensten, um nicht Aufsehen zu erregen und sich bei den «Apikorsim» (Atheisten) verdächtig zu machen. SPEZIALVERKEHRE NACH PALÄSTINA Uebersiedlungen, Reisegepäck, Güterbeförderung, Beratung * Internationaler Speditions- und Informationsdienst Hans Neusser & Walter Philipp Wien, III., Radetzkystraße 6, Telephon U-13-3-61 Erfolgreicher jüdischer Stratosphärenflieger Moskau. In dem sowjetrussischen Stratosphären- Batlon «Stratostat USSR», der am 30. September in die Stratosphäre stieg und eine Höhe von über 19.000 Meter (der Rekort Professor Piccards wurde damit um etwa 3000 Meter geschlagen) erreicht hat, befand sich als Gehilfe des Kommandanten Prokopiew der jüdische Pilot. Birnbaum, dessen Aufgabe es war, die Flughöhe, die Schnelligkeit und den Atmosphärendruck zu beobachten, den Ballast zu regulieren und die Verbindung zwischen der Stratosphäre und dem Erdkörper mit Hilfe von Radio und Telephon aufrechtzuerhalten. Die Sowjetzeitungen heben die großen Verdienste Birnbaums um das Gelingen dieses Rekord-Stratosphärenfluges und um die wissenschaftliche Ausbeute des Fluges hervor. Birnbaum ist 31 Jahre alt und war zuletzt Flugpilot ln der Roten Armee. Jetzt ist er im Kommando der militärischen Luftflotte führend tätig und ist einer der Organisatoren der sowjetrussischen Luftflotte. Oer griechische Oder die Rone der Juden im Uiirtscnaltsfehen Saloniki. Nach der Unterzeichnung des griechischtürkischen Freundschaftsabkommens hielt sich der griechische Ministerpräsident Tsaldaris auf der Rückreise von Ankara nach Athen in Saloniki auf, wo er eine unter Führung des Oberrabbiners Dr. Koretz erschienene Delegation der JUdisohen Gemeinde empfing. Die Delegation beglückwünschte den Ministerpräsidenten zu seinem außenpolitischen Erfolg. Ministerpräsident Tsaldaris erklärte, die patriotischen Kundgebungen der jüdischen Bevölkerung hätten ihn tief gerührt. Die griechische Regierung habe stets ihre Toleranz gegenüber dem jüdischen Bevölkerungselement, das zur Entwicklung der nationalen Wirtschaft in außerordentlichem Maße bei getragen habe, bewiesen. FRANZISKA GAAL PAUL HÖRBIGER SZöKE SZAKALL Skandal in Budapest Künstlerische Oberleitung: Geza von Bolvary. Regle: Stefan Szekely, Musik: Nlk. Brodsky. Eine Joe Pasternak-Produktion der Universal. Ab heute: Gartenbau-Kino I., Kärntner-Kino I., Busch-Kino Ufaton-Kino II., Haydn-Kino VI., Stafa-Kino VII., Kolosseum-Kino IX., Votivpark-Kino IX. 9194^96440

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.