Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 302 (28.9.1933)
- Date
- 1933-09-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite!(J DIB STIMME Billige Sonderfahrt nach Polen 3. bis 17. Oktober 1933. Wien—Krakau und retour S 52.—. Keinerlei Paß- und Visagebühren. Außerdem 50 Prozent Ermäßigung auf allen polnischen Eisenbahnen. Nähere Auskünfte: Reisebureau E. Ferstel, I., Kärntnerstraße 12, Telephon U 40-301. Reserviert rechtzeitig Plätze. Auskünfte auch ^_Sonntag unter Telephon U 40-301, Wiener Konzerte und Nationalsozialismus Angesichts der derzeitigen Verhältnisse ist es nicht unangebracht, vom jüdischen Standpunkte aus einige Streiflichter auf einzelne der führenden Konzertveranstaltungen Wiens zu werfen. So hat der Ko n z e r t v e r e i n kommenden Winter die Leitung seiner Abonnementskonzerte wieder dem Nationalsozialisten Reichwein übertragen. Reichwein hat offen sich zum Nationalsozialismus bekannt und in öffentlichen Reden in unzweideutiger Weise gegen Juden und den «Jüdischen Einfluß» in der Kunst Kampfstellung genommen. Auch Knappertsbusch (München), der eines der philharmonischen Konzerte leiten wird, war schon vor der Gründung des Dritten Reiches ein eifriger Nazi und erbitterter Judenfeind, der stets das Hakenkreuz zur Schau trug. Sollen wir diese Tatsachen unbeantwortet lassen? Nicht allein aus Solidarität und Protest, sondern auch in Wahrung eigener Würde dürfen Juden die Konzerte unter Reichwein und Knappertsbusch nicht besuchen. Wir haben lange genug untätig zugesehen, uns alles gefallen lassen: Spott und Verachtung, Degrad;erung und Angriff auf Leben und Eigentum. Der neueingesetzte Kampf gegen uns wird jedoch mit einem derart radikalen Vernichtungswillen geführt, daß jedes Beiseitestehen, jedes Zuwarten unsererseits der tiefsten Selbsterniedrigung gleichkommt. Prominente nichtjüdische Musiker — Tos* canini, Casals, Busch — haben es a b g e 1 e h n t, im heutigen Deutschland zu spielen. Darf nun das jüdische Konzertpublikum eine andere Haltung einnehmen? Niemals! Die Gewalttätigkeiten der Nationalsozialisten (auch in Wien) drängen uns den Abwehrkampf aiuch auf dieser Linie auf. Auch das Verhalten der Herren Richard Strauß, Furtwängler und Robert Heger kann leider von dieser Kritik nicht verschont bleiben. Wir wollen zwar die Bemühungen Furtwänglers, sich im Auslande die, mit Recht bestehenden, Sympathien zu erhalten, nicht übersehen. Aber meint er es mit Aktionen, wie beispielsweise an Hubermann und Schnabel wirklich ehrlich? Nachdem er im «Neuen Staat» das gesamte Musikleben kontrolliert, natürlich streng im Sinne nationalsozialistischer Parteiideologie, wozu ihn Hitler durch die Ernennung zum «preußischen Sfaatsrat» berufen hat? Wir wissen doch: das Bekleiden von hohen Stellungen im Dritten Reich setzt das Bekenntnis zum Nationalsozialismus voraus. Und dieser Nationalsozialismus, wie er in Deutschland verstanden und praktiziert wird, bedeutet eindeutig den Kampf dem Judentum in jeder Form, bis zur Vernichtung. Zahlreiche Kapellmeister, Musiklehrer und konzertierende Künstler sind wegen ihrer jüdischen Abstammung entlassen, aus Deutschland vertrieben und erwerbslos gemacht worden, wobei jegliches Gefühl der Menschenwürde zu tiefst verletzt wurde. Sommer, Ing. R. Stricker, Dr. Ch. Tartakower, Regierungsrat Dr. B Wachstein, akad. Maler W. Wachtel, akad. Bildhauer F. Weiß. An junge jüdische Schauspieler, Komponisten und dramatische Schriftsteller! Wir erhalten die folgenden Zuschriften mit der Bitte um Veröffentlichung: Ein jüdischer Theaterverein ist in Bildung begriffen. Wir wenden uns an: Darstellerisch ambitionierte, junge Menschen, mit und ohne Schulung; Kabarettbegabungen (Autoren, Sänger und Tänzer); junge Bühnenbildner und -techniker, Maler und Komponisten; junge dramatische Schriftsteller, deren Arbeiten im Falle der Eignung zur Aufführung gelangen werden. Wichtiger als Begabung, die wir als selbstverständliche Voraussetzung für eine Anmeldung betrachten, ist uns: menschliche Qualität und kompromißlose künstlerische Gesinnung. Die materielle Existenz des Vereines ist durch einen Plan gesichert, der an den einzelnen keine finanzielle Forderung stellt. Unsere Truppe wird «Die Karawane» heißen. Unser Programm umfaßt: Schauspiel, Lustspiel, Kabarett. Wir haben keinerlei politische Tendenz und werden Autoren jeder Zeit und Nation zur Aufführung bringen. Im Laufe des September (das genaue Datum wird schriftlich bekanntgegeben) finden Auswahlprüfungen zur provisorischen Aufnahme statt. Vorzubereiten sind: Monologe und Szenen aus klassischen und modernen Dramen, Chansons usw. Alle sachlich in Betracht kommenden Angaben (genaue Adresse, Alter, Beruf und mutmaßliches Rollenfach) erbitten wir ab heute schriftlich zu richten an: G. Robicsek, Wien, VIII., Tulpengasse 6/10. Mündliche Auskünfte werden nicht erteilt. Die Prüfung dramatischer Arbeiten erfolgt fortlaufend, doch bitten wir, den Manuskripen Rückporto beizulegen. «Die Karawane.» Verein zur Pflege des jiddisch' und hebräischen Volksliedes in Wien Unter obigem Namen ist vor kurzem ein Verein gegründet worden, der sich folgendes zum Ziele gesetzt hat: 1. Die Veranstaltung von jüdischen Konzerten unter besonderer Berücksichtigung von Musikstücken volkstümlicher Prägnanz. Samuel Schärf und Frau XVIII., Türkenschanzstraße 1, wünschen anläßlich des Versöhnungsfestes ihren Verwandten, Freunden und Bekannten alles Beste. 2. Gründung einer «Kleinkunstbühne», in deren Aufgabenkreis auch die Inszenierung von jiddisch- und hebräischen Volksliedern liegt. 3. Mit jüdischen Vereinen und Körperschaften Verbindungen anzuknüpfen, zum Zwecke der Vermittlung von Kunstkräften aus dem Ensemble des Vereines und Verständnis für das Volkslied beim jüdischen Publikum zu wecken. Die persönlichen Gründe, die deutsche Künstler veranlassen, sich zu Hitler zu bekennen, können uns über nichts hinwegtäuschen. Entscheidend für uns bleiben die beispiellos harten Tatsachen ber letzten Monate und über diese können und wollen wir Juden nicht mehr uns hinwegsetzen. Es ist keine Angelegenheit einer Partei mehr, sondern betrifft die gesamte Judenheit und letzten Endes auch die gesamte Menschheit. Ethan. Jüdische Kunststelle Einem in allen jüdischen Kreisen stets gefühlten Mangel abzuhclfen, wurde die jüdische Kunststelle geschaffen. Diese Stelle soll und wird mehr sein, als die Vermittlerin für billige Theater-, Konzert- und Kunstausstellungskarten. Sie wird, wenn die Wiener Judenschaft ihrem Rufe Folge leistet, auch den Wünschen nach jüdischer Kunst Rechnung zu tragen vermögen Eine Möglichkeit, unseren Künstlern — insbesondere den durch den Boykott Betroffenen — ist aber nicht nur damit gegeben: Die Kunststelle wird bei der Zusammensetzung des Programmes jüdischer Veranstaltungen gern beratend mitwirken, auf Wunsch auch selbst Arrangements übernehmen. Wir fordern alle Wiener Juden zum Beitritt auf. Sie sollen sich uns aber nicht nur deshalb anschließen, weil Sie nun in einer jüdischen Organisation billige Theaterkarten bekommen, auch nicht wegen des niedrigen Beitrages (S 1.— pro Jahr), Sie sollen zu uns kommen, wenn Ihnen die Kunst, wenn ihnen unsere Kunst Herzenssache ist. Das Sekretariat (II., Aspernbrückengasse 2, Telephon R 48-2-91) hat den Betrieb bereits aufgenommen. Bureauzeit von 9 bis 19 Uhr. Prof. Dr. V. Aptowitzer, Dr. N. Blauer, Dr. Z. F. Finkeistein, Prof. A. Freud, Dr. L. Goldhammer, Dr. R. Glücklich, Prof. Dr. M. Graf, Siegfried Graubart, Dr. Oskar Grünbaum, Redakteur Oskar Hirschfeld, Sofie Löwenherz, Dr. L. Plaschkes, Dr. D. Rothblum, Max Scfjifmann, Generalmajor Emil Arztenswilwe sucht für ihre Enkelin, bescheidenes und sympathisches Mädchen, passenden Bewerber. Mitgift (Halber Hausanteil). Fixangest llter, auch mit besche;denem Einkommen, bevorzugt. Unter «Ernster Antrag* a. d. Admin. d. Blattes. 4. Förderung und Unterstützung aus Deutschland geflüchteter jüdischer Künstler nach Maßgabe der vorhandenen Möglichkeiten. 5. Systematische Sammlung von alten jiddisch- und hebräischen Volksliedern. Derzeitiger Sitz des Vereines: Cafö «Rembrandt», II., Untere Augartenstraße 11. Akadem. Maler Israel Edelmann gestorben Im Alter vom 64 Jahren ist der in Wien bestbekannte und beliebte jüdische Porträtist Israel Edelmann nach kurzem und schwerem Leiden verschieden. Das Leichenbegängnis findet Donnerstag, den 28. September 1933, J^ll Uhr vormittags, am Zentralfriedhof, IV. Tor, statt. «Ein Abend jüdischer Musik» Konzertsänger J. Segal-Rosenbach (Tenor) singt Samstag, den 7. Oktober d. J., um 8 Uhr abends, im Konzertsaal der «Post», I., Fleischmarkt 24, «M’s c h i r eihaar e z» (Palästinalieder» und Volkslieder), darunter auch Gesänge jenr.-arab. Charakters (hebräisch), und populäre ostjüdische Lieder und Volkslieder (hebräisch und jiddisch). Mitwirkend: Prof. Josef Zimbler, Violinvirtuose; am Flügel: Rudolf Beck. Aus dem Programm: Nationale, religiöse, chassidische Tisch- und Jomtowlieder, Wiegenlieder, Chaluzlieder, jüdische Volksmelodien, chassidischjüdische Volkstänze usw. (Violine), Kompositionen und Bearbeitungen von berühmten jüdischen Komponisten. Karten von S —.80 bis 3.— bei KKL, I., Kärntnerstraße 28, Bücherstube M. Rath, II., Taborstraße 20 a. jüdischer Kalende» 21. Sill. 5. OKI. 1033 9. - 19. IlSChrl 561« Freitag (29.) Krew Jom-Kippur Kol Nidrei Samstag (30.) Jom Klp„ur Maskir 7.30 frUb Schluß 6.SO ahds Donnerstag (5.) Sukkoth Nr. 302 — 38. Scptefnfef 1 Zionistisches leisen in Wien Histadruth Iwrith Hebräischer Vortrag des Herrn M. M. Ussischkin in Wien Wien Sonntag, den 1. Oktober 1933, 10 Uhr vormittags, spricht M. M. Ussischkin im SaaJe der Zionistischen Bezirkssektion, II., Praterstraße 13, über «Die hebräische Weltbewegung». Eintritt nur für Hebräischsprechende. Vortrag Ussiscbkbis über die hebräische Universität Donnerstag, den 28. September 1933, pünktlich 8 Uhr abends, spricht M. M. Ussisclcin (deutsch) von geladenen Gästen im Festsaale des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, über «Die hebräische Universität». Eintritt nur gegen Vorweisung der ausgeschickten Einladung. Hebräischlehrer-Konferenz Sonntag, den 1. Oktober 1933, pünktlich 8 Uhr abends, im Saale des hebräischen Lehrerseminars, II., Tempelgasse 3, III. Stock, Hebräischlehrer-Konferenz. Auf der Tagesordnung sehr wichtige Angelegenheit. Erscheinen aller Lehrer Pflicht. Jugeodrat der Histadruth Iwrith M o n t a g, den 2. Oktober 1933, pünktlich 8 Uhr abends, im Saale des Lehrerseminars, II., Tempelgasse 3, Sitzung des Jugendrates der Histadrulfli Iwrith. Besondere Einladungen wurden nicht ausgeschkkt. Bedienet Euch der Lehrer des LehrervCrbandes der Histadruth Iwrith Eltern, Schul- und Kursleiter und Hebräischlernende! Bedienet euch immer der Lehrer des Lehrerverbandes der Histadruth Iwrith, Schriftliche Anfragen Wien, I., Bräunerstraße 7, Tür 10. Saul Weinreb Anläßlich seiner Uebersiedlung nach Palästina 'i Einer der wackersten Arbeiter auf dem Gebietei des Zionismus in Wien, Kultusrat Saul Weinreb, erfüllt nunmehr seinen Lebenstraum und übersiedelt nach Palästina. Er wird in Wien unserer Bewegung sehr fehlen, dafür jedoch dem Jischuw durch seine energische und zielbewußte Persönlichkeit bestimmt auf vielen Gebieten eine verläßliche Stütze werden. Schon als blutjunger Mensch gründete er in Galizien einen Jugendverein «Ahawat Zion» und steht seither ununterbrochen im Dienste des Zionismus. Insbesondere war es die «Hitachduth», zu deren führenden Mitgliedern Kultusrat Weinreb gehörte und als solcher beteiligte er sich auch in hervorragender Weise als einer der Gründer des «Arbeitenden Palästina». Der Keren Kaj.emeth verdankt der jahrelang währenden Mitarbeit Weinrebs wertvolle Anregungen. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß unserem Fonds 6eün tägliches Denken und Tun gewidmet war. Getragen von dem Wunsche, dem Zionismus auch fn 'der Kultusgemeinde gemeinsam mit unseren führenden Gesinnungsgenossen zu dienen, ließ er sich bei den letzten Wahlen auf der Liste «Hitachduth-Poale Zion» als Mandatar aufstellen. Hier trat er für den Einbau des Keren Kajemeth in das reguläre Budget ein, was auch dank dem allseitigen Verständnis unserer Kultusmandatare gelungen ist. Auf dem Wege »ach Erez Israel begleiten unseren Freund Weinreb die besten Wünsche weiter Kreise des Wiener Judentums. Grabstelnenthüllung für Dr. Chaim Koffler Mittwoch, den 4. Oktober, um % 1 Uhr, findet auf dem Zentralfriedhofe, IV. Tor, die Aufstellung des Grabsteines für D r. Chaim K o f f 1 e r s. A. statt, zu welcher alle Freunde des so frühzeitig beimgegangenen verdienstvollen Arbeiters für das jüdische Palästina eingeladen werden. Kaufet nur einen Palästina- Ethrog! Immer wieder, wenn das Sukothfest herannaht und Vorsorge für einen Ethrog getroffen werden muß, wiederholen sich dieselben Fragen und Klagen. Warum werden alljährlich so viele tausende Dollar für Korfuer Ethrogim ausgegeben. Anstatt durch Ankauf palästinensischer Ethrogim den Jischuw Erez Jisrael zu fördern und zu stärken, unterstützt man diejenigen, die, abgesehen von der kurzen Zeit der Ethrogkampagne, durchaus nicht unsere Freunde sind. Die Ethrogkäufer haben Sinn und Herz für die Mizwa selbst, aber sehr wenig für das jüdische Volk und für den Aufbau Erez Jisraels. Diese Vernachlässigung gegen Palestina-Ethrogim in der Diaspora hat dazu geführt, daß vor einigen Jahren, als in der Hoffnung, das jüdische Volk werde nunmehr seinen Ethrogbedarf in größerem Maße im jüdischen Lande decken und Ethrogpflanzungen forciert wurden, nachher als diese Hoffnung in Enttäuschung umsohlug, viele Tausend Ethrogbäume umgehauen wurden, um Hatz für einträglichere Pflanzungen zu machen. Die größte Schuld an diesen traurigen Tatsachen belastet gerade den religiösen Teil des Judentums. Juden, die in ihrem sonstigen Tun und Lassen jeden Zweifel einet nicht einwandfreien religiösen Verläßlichkeit aus dem Wege gehen, bedenken nicht, daß auch zu einem zur Mizwa verwendbaren Ethrog ein einwandfreier Nachweis darüber vorliegen muß, das der Ethrog auf einem nicht mit anderer Baumart gepropften Baum gewachsen ist. Solche berechtigte Zweifel bestehen aber in reichem Maße bei den Korfuer Ethrogim. Hat schon jemand einen diesbezüglichen Hechscher eines griechischen Rabbiners vor Augen gehabt? Hingegen bezeugen die maßgebenden Rabbiner Palästinas, inbegriffen der agudistischen, daß die durch Juden in Handel gebrachten Ethrogim von Erez Jisrael keine Murkavim, kein« Arlah sind und an denen auch die Mizwoth von Trumoth umaasroth eingehalten wurde. Mieder-7Kleider- und Wäschenähen Schnittzeichnen und Zuschneiden lernen Sie nach leichtfaßlicher Methode gründlich in den Fachschulen und Satotts POL1 -SCHALLINQER VI. Mariahilferstr: », 7. Stiege, 1. Stock« TeL B 26-7-41 Ei satz der Meisterlehre, Ausbildung zu Direktricen