Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 302 (28.9.1933)
- Date
- 1933-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054056--3764-3059308- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 302 — 28. September 1933 DIE STIMME Seife 0 Das Zionistische Landeskomitee wünscht anläßlich des DV al^en Gesinnungsgenossen, Freunden und Mitarbeitern 3*1» "IW THEATER UND KUNST Jutiua* WaHsoftm Wie ßeht es mit der neuen jiidisdten Jftusifc? ob sie Im Lande bleiben werden. Die Mehrzahl dar Einwanderar besitzt kein oder nur geringes Vermögen. Unter den Einwanderern findet man Zionisten und Nichtzlonistan» Chaluzim mit bester beruflicher und ideologischer Schulung, aber auch Elemente, denen die Probleme des Aufbaues des Jüdischen Nationatlieinis vollkommen neu sind, Angehörige •Her Berpfoklnisen, darunter ausgezelelmeta Handwerker, viele Aerzte und Rechtsanwälte, Kaufleute, die bisher selbständig oder Vertreter verschiedener Firmen waren, Die Einwanderung Ist somit keine einheitliche, weder ln bezug auf die Einstellung zum Zionismus noch hinschtiich der sozialen Schichtung der Einwanderer. Kapitalisten mit Srößerem Vermögen sind äußerst seiten. Meistens besitzen lejenigen Einwanderer, die überhaupt Vermögen haben, nur etwa 1000 Pfund. Mit den Problemen der Einwanderung befassen eich alle zentralen Institutionen des Jischuw, Insbesondere auch die Hltachduth oieh Germania. Durch diese Gesellschaft werden durchschnittlich im Monat in Tel-Awlw 4500, in Haifa 200 und in Jerusalem 150 Einwanderer registriert, i Aegypten. Nach Aegypten sind 50 Flüchtlinge aus Deutschland 6ekor-men, von dt len die Hälfte genötigt Ist. öffentliche nterstütsung In Anspruch zu nehmen. Die Möglichkeiten wirtschaftlicher Eingliederung lind gering, weil nur Indu- «rietle mit größerem Kapital Niederlassungsrecht erhalten. Ilfskomltees bestehen in Alexandrien und Kairo. Das Hilfskomitee von Alexandrien hat beschlossen, In Palästina eine Kolonie für deutsche Juden zu gründen. Vereinigte Staaten. Vorläufig sind die Vereinigten Staaten praktisch für Einwanderung verschlossen. Der Joint Council, dem Vertreter, des American Jewish Congress. des American Jewish Committee und der Bne Brith angehören, bemüht sich In Washington um Freigabe des nichtausgenützten Quotenanteils der Einwanderung aus Deutschland, wodurch etwa 35.000 Personen, Insbesondere Angehörigen freier Berufe aus Deutschland, die Einwanderung In die Vereinigten Staaten ermöglicht werden könnte. Es wird erwartet, daß diese Bemühungen Im Laufe des Herbstes gewisse Resultate zeitigen werden. Argentinien. In Argentinien sind ungefähr 100 Flüchtlinge aus Deutschland eingetroffen, hauptsächlich Angehörige argentinischer Juden. Tatsächlich besteht eine Einwanderungssperre. Außer Verwandten argentinischer Bürger können nur solche Personen einwandern, die einen Arbeitsvertrag mit einer, argentinischen Firma abgeschlossen haben. Andere siidamerlkanlscbe Länder. Hinsichtlich der übrigen südamerikanischen Länder bestehen gewisse Einwanderungsmöglichkeiten für Brasilien, Uruguay und Chile. Die Bemühungen von H. I. C. E. M., Einwanderungsmöglichkeiten für Spanien, Persien, Marokko, Südafrika und Jugoslavien zu schaffen, waren zum Teil von Erfolg begleitet. Die richtige Antwort Rabbi Meir, Berlin, Führer des Misrachi, verhandelte Vor einigen Jahren mit dem Rabbi von Oer, bezüglich Einberufung einer überparteilichen Konferenz aller an Erez Israel interessierten orthodoxen Organisationen, : «Und was würdet Ihr machen,» fragte der «Garer», «falls die Konferenz beschließen würde, daß es halachisch Verboten ist, ln der Zionistischen Organisation zu verbleiben?» «Dasselbe würden wir machen,» antwortete Rabbi Berlin, «was Ihr Chassidim seinerzeit gemacht habet, als der Wilnaer Oaon und die Größten im jüdischen Volke die Zugehörigkeit zum Chassidismus als halachisch unzulässig erklärt haben!» Jüdischer Weltkongreß und «Völkischer Beobachter» Während der Schlußsitzung der Jüdischen Weltkonferenz kam es zu einem eigenartigen Zwischenfall. Dem Präsidium wurde mitgeteilt, daß sich Im Saal ein Vertreter der von Hitler herausgegebenen Zeitung «Völkischer Beobachter» befinde. Es war ein Herr Herbert, der ständige Berichterstatter des «Völkischen Beobachter» In Genf. Infolge der schwachen Kontrolle am Saaleingang hatte er Sich ohne Eintrittbillett in den Saal eingeschmuggelt. Darauf erklärte Stephen Wise von der Tribüne: «Wenn Ich mich Unbemerkt auf dem Nürnberger Parteifest der Nationalsozialisten eingeschmuggelt und man mich dort gefunden hätte, so wäre Ich gelyncht worden, man hätte mich in Stücke zerrissen, Bei uns ist es anders. Sie können ruhig sein. Sie sind hier in Sicherheit, es wird Ihnen nichts geschehen. Aber eines fordern wir von Ihnen: Sagen Sie die Wahrheit Uber uns, was Sie hier gesehen haben.» — Nach diesen Worten verließ Herbert den Saal, ohne daß er von irgend jemand beleidigt oder belästigt worden wäre. «Juden ist der Zutritt verboten!» Die Qemeinderäte der mittelfränkischen Ortschaften Bertholdsdorf, Wollersdorf und Veitsnurach haben beschloss len, an sämtlichen Ortseingängen Tafeln mit der Inschrift Mbrin&en zu lassen: «Juden ist der EioUtft verboten!» Die vor einigen Jahrzehnten begonnene Renaissancebewegung der jüdischen Musik, die unzählige Widersacher hatte und Jetzt noch hat, schreitet unaufhaltsam fort. Trotz großen Schwierigkeiten, materieller, nationaler, ja, sogar politischer Natur, gewinnen die künstlerischen Kreise allmählich die Ueberzeugung, daß die Bestrebungen einiger Pioniere jüdischer Musik ernst zu nehmen sind. Ferner, daß in den Intentionen dieser Tondichter, den brachliegenden Melodienschatz zu voller künstlerischer Wertung zu verhelfen und in diesem Stile selbständig weiter zu schaffen, viel Wertvolles für die Musik Im allgemeinen vorhanden Ist. Die Verbreitung der Werke neuer jüdischer Musik, Gründungen von Gesellschaften zur Förderung derselben, das wachsende Interesse für diese eigenartigen Werke, wissenschaftliche Abhandlungen verschiedener bekannter Musikachriftsteller — beweisen die erfolgreiche Entwicklung der Bewegung zur Erforschung, Erneuerung und Verbreitung unserer Musik. Wie steht et also mit diesen Erfolgen? In P a r I s hat einer der größten Verleger — S e n« r d — aus eigener Initiative die Aufgabe auf sich genommen, die Werke jüdischer Musik mit aller Energie zu verbreiten. Durch eine Interessengemeinschaft mit dem Wiener jüdischen Verlag „J i b n e h - J u w a k werden alle Werke dieses Verlages in Paris vertrieben und, wie von dort berichtet wird, mit großem Erfolg. Es ist bereits eine Aktion im Gange, ein Orchesterkonzert in großem Stil zu arrangieren, wofür sowohl einige Künstler vom Range als auch Kunstmäzene Interesse bekundet haben. Außerdem interessiert sich lebhaft die neu gegründete Vereinigung, genannt «Cercle de la collaboration polono-juive en France» für die neue jüdische Musik, indem sie eine ganze Reihe von Vorträgen in ihrem Arbeitsprogramm vorsieht. In Polen existieren einige Gesellschaften, die sich als Aufgabe gestellt haben, diese Renaissancebewegung zu intensivieren. So arrangiert in Krakau die dortige Jüdische Musikgesellschaft Konzerte synagogaler und weltlicher Musik und viele Interne Instrumental-Darbietungen und Vorträge. In Warschau gründete sich eine analoge Gesell- ■an»» nno n'abibi wnm garantiert von jüdischen Pardessim, direkt von dort lmpordiert, so, daß kein Zweifel besteht, daß sie wirkliche ewin» ‘■«ne» nn sind, sind in prachtvoller Auswahl und zu angemessenen Preisen bei Stabbiner Salomon Friedmann »Mö-piB nah® ‘n av erhältlich. Da der Vorrat beschränkt ist, wird um je früheren Einkauf gebeten. Verkaufslokale: ff., Große Schiffgasse 19, Hotel Baron. schaft, die ein eigenes Musikinstitut unterhält, und Konzerte jüdischer Musik veranstaltet. In Lodz wirkt erfolgreich ein Chor namens „S c h i r», der ähnlich wie die jüdische Chorvereinigung in Bielitz, ganz auf die neue jüdische Musik eingestellt ist. Aus der Tschechoslowakei und Rumänien erhält der hiesige Verlag Jibneh-Juwal immer mehr Bestellungen, was auf ein wachsendes Interesse für unsere Bestrebungen schließen läßt. In Holland hat sich der Sache der jüdischen Musik der bekannte dortige Schriftsteller und Komponist Max Vredenburg angenommen; ln der kommenden Saison werden auch einige Aufführungen und Vorträge stattfinden. In Sowjetrußiand wird seit Jahren eifrige Propaganda für die jüdische Musik gemacht. Die Broschüre des berühmtesten Kritiker Rußlands Sabaniejew „Ueber jüdische Musik» fand ein williges Ohr. Viele Werke wurden bereits oftmals In großen Abonnementskonzerten aufgeführt, ferner eine Gesellschaft gegründet, die dort lebenden Tondichter dieser Richtung, wie K r e I n, M i 11 n e r, W e p r i k und Gnessin, schaffen ununterbrochen Werke jüdischer Musik größeren Formats. So schrieb Alexander K r e i n eine Suite zu dem bekannten Stück von An-ski «Die Nacht auf dem alten Markt»; Alexander Granowski führte sie seinerzeit in den Berliner Kammerspielen und in manchen anderen Städten auf. Wepriks „Tänze des Ghetto» wurde von Toscanini zur Aufführung angenommen. Alexander Miltner arbeitet an einer jüdischen Oper und erhält von der Regierung zu diesem Zwecke eine monatliche Subvention, damit er ausschließlich diesem Werke sich widmen kann. In Amerika wirkt in den Intentionen unserer Bewegung außer dem bekannten Komponisten Josef Achron und Lazar Saminsky noch der preisgekrönte Komponist Jakob Weinberg und S. B e 111 son, der sogar ein eigenes Orchester zu diesem Zwecke gegründet hat und bereits viele Konzerte jüdischer Musik absolviert hat. Man muß auch eine neue Gründung erwähnen, und zwar in Berlin. Im Rahmen des «Kulturbundes deutscher Juden», an dessen Spitze Männer wie Leo Beck (Qroßpräsident der B’nai B'rith-Logen, Martin B u b e r, Max Liebarmann, Jakob Wassermann und andere stehen, bildete sich eine Musiksektion unter der Leitung des bekannten Kapellmeisters Michael Taube. Diese Sektion hat nun ein großangelegtes Programm ausgearbeitet und steht in reger Korrespondenz mit dem Verlag «Jibneh-Juwal». Es wurden schon einige Werke zur Aufführung angenommen, wie z. B. «K a d d i # c h o» von Alexander Kr ein, «Hechaluz» von Israel Brandmann u. v. a. In Jugoslawien wächst ebenfalls das Interesse für jüdische Musik. Ich hatte Gelegenhalt, In der vorigen Saison eine Konzert- und Vortragsreise dort zu absolvieren und konnte mich somit selbst von der Wißbeglerde des Dr. Michael Steinberg und Frau wünschen anläßlich des "YJD3 Cp allen Gesinnungsgenossen und Freunden 31B3 "IW . Publikums auf diesem Qebiet und dem Enthusiasmus für die neue Jüdische Musik überzeugen, In Zagreb gründete sich vor kurzem ein Verein „Emanuth» (unter der Leitung des ausgezeichneten Sängers Marco R o t h m ü 11 e r, der eine Zeitlang den Wiener Jüdischen Gesangverein geleitet hat, und des dortigen Musikkritikers und Komponisten Ziga Hitschlers, der sich die Kultivierung jüdischer Musik zum Ziel setzte. Seit einigen Jahren wirkt eine Chorvereinigung „Lyra* in Sarajevo, die jedes Jahr Konzertreisen zu jüdischen Propagandazwecken in ganz Jugoslawien erfolgreich veranstaltet. Daß in Palästina diese Bewegung auf fruchtbaren Boden gefallen ist, war ja vorauszusehen. Dort wirkt, vor allem einer der berühmtesten Vorkämpfer jüdischer Musik, S. Rosowsky, der neulich ein umfangreiches musikwissenschaftliches Werk über die „Tropps» veröffentlichte. Eine Doktorarbeit, die in nicht atlzulanger. Zeit im Dru„ck; erscheinen wird, „Geschichte det synagogalen Musik» von Dr. J, M a n n und viele musikwissenschaftliche Abhandlungen sind die besten Beweise des Interesses auch in diesen Musikkreisen. Da der Verlag „Jbneh-Juwai in Wien domiziliert und alle Vereinigungen mit Neuerscheinungen jüdischer Musik versorgt, führen alle Informationsflächen nach Wien. Der hier vor einigen Jahren gegründete „V e r e i n z u r Fö r d e r u n g jüdischer Musik» ist somit mit der Zeit gewissermaßen zu einer Zentrale geworden, die Programme seiner Konzerte sind vorbildlich für die analogen Vereine ira Auslande. Der Verein hat vor einiger Zeit Vertreter der bedeutendsten jüdischen Institutionen zu einer Besprechung eingeladen, mit dem Zwecke, dieselben über seine aufopfernde, selbstlose Tätigkeit, wie auch über , die Renaissancebewegung und Neuerscheinung auf dem Gebiete der neuen jüdischen Musik zu informieren. Es wurde bei dieser Gelegenheit der Wunsch geäußert, bei den vielen Veranstaltungen von Akademien, Konzerten etc, an die jüdische Musik nicht zu vergessen. Es wurde auch eine dementsprechende Resolution angenommen, doch blieb bisher alles am Papier. Es wäre gerade jetzt, am Beginn der Saison, an der Zeit, über diese Resolution nachzudenken und ein Interesse für die neue jüdische Musik, ein Interesse, das, wie oben bewiesen wurde, überall in stetem Wachsen begriffen ist, auch in Wien zu bekunden. Alexander Granach In Wien Derzeit spielt in Wien in der Komödie der berühmte Schauspieler Alexander Granach. So wie die Ravvina dem Jahrhunderte alten Leiden des jüdischen Volkes Ausdruck verlieh, so ist Alexander Granach in seinem Schaffen der Verkörperer des gesunden, bäurisch-jüdischen Menschen. Kein Wunder daher, daß die jüdischen Arbeiter und Intellektuellen, gleichgültig, ob in Europa, oder In Amerika, überall, wo Alexander Granach auftritt, in Massen herbeiströmen, um den Künstler ihres Blutes und ihres Geistes zu erleben. Wir sind Überzeugt, daß auch die Juden Wiens sich die Gelegenheit nicht werden entgehen lassen, Alexander Granach zu sehen Jubat. Die Misrachi Jugend* zentrale für Oesterreich gratuliert herzlichst ihren hochverehrten Vorstandsmitgliedern Markus Tiirkl und Klara Scheuermann anläßlich ihrer Vermählung und wünscht ihnen zu ihrer Uebersiedlung nach Erez Jisrael «Ziacli Urchaw».