Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 302 (28.9.1933)
- Date
- 1933-09-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seifet 8 DIB STIMME Nr. 302 — 28. September 1933 bezug auf jede konstruktive zionistische Arbeit. Betrachtet man den Rivisionismus seit seinem Auftreten, so kann man feststellen, daß er mit der Kritik der außenpolitischen Haltung der Exekutive begann und in einem faschistischen Strom mit dem Kampf gegen innen mündete. Es ist beileibe keine Schuld der Arbeiter, daß die B-Gruppe der Allgemeinen Zionisten nicht in der Exekutive vertreten ist. Vom ersten Tage an war es das Bestreben der Arbeiterfraktion, die Zusammensetzung der Exekutive auf d?r Basis einer breiten Koalition durchzuführen. Entsprc chend der ernsten Zeit, in der wir leben, entsprechend dt großen Verantwortung im Zionismus, war es im Programm der Arbeiterfraktion, dem Misrachi und der B-Gruppe den Weg in die Exekutive offen zu halten. Nicht etwa deshalb, weil sich unsere Gruppe vor der Verantwortung der Uebernahme großer Aufgaben fürchtete. Allein nicht bei allen war der Wille für eine breite Koalition. Die Allgemeinen Zionisten machten aber ihre Teilnahme von gewissen Forderungen abhängig, die das Prinzip der breiten Koalition im vorhinein durchbrachen. Der Misrachi wieder bestand auf die Kandidatur Farbsteins, was für die Arbeiterpartei nicht akzeptabel war. Wenn die Arbeiterpartei Farbstein ablehnte, so geschah dies auf Grund ihrer bereits mit diesem Manne geführten Zusammenarbeit in dei letzten Exekutive. Die neue Exekutive wird wohl eine schwere Front gegen sich haben. Allein sie ist im Verhältnis zur vorigen Exekutive viel einheitlicher. Die Klärung ist dringend und besser, als daß ein Keim gegnerischer Strömungen drinnen geblieben wäre, die die Arbeit paralysieren. Die wichtigsten Arbeiten der Exekutive werden sein: 1. System >n die Arbeit der Vergrößerung der Alijah hineinzutragen; 2. die Mittelstandsarbeit, die ernstlich bis jetzt nicht betrieben wurde, zu organisieren. Im folgenden beantwortete Remez die ihm vom Interviewer gestellten Fragen über die augenblickliche Arbeitstage in Palästina. Es ist ein tragisches Moment, daß heute in Palästina riesige Kapitalsmengen in Bankdepositen liegen, ohne Verwendung zu finden. Es ist überhaupt eine tragische Erscheinung in der Entwicklung Palästinas, daß man die Frage Privatkapital — nationales Kapital heute zur Diskussion stellt ln einem Augenblick, wo für die Juden in aller Welt nichts Wichtigeres zu tun wäre, wenn sie ihre Position retten wollen, als das nationale Kapital zu stärken. Denn die Hauptposition des privaten Kapitals bleiben jene Gebiete, die wie Plantagen auf Gewinn eingestellt sind. Die Eroberung jeder weiteren Position im Lande, die vom privatwirtschaftlichen Gesichtspunkt aus nicht gewinnbringend ist, werden von diesem Privatkapital ignoriert. Das Privatkapital entwickelt dort seine Energien, wo das nationale Kapital die Vorbedingungen geschaffen hat. Das private Kapital läßt Autos fahren auf einer Chaussee, die vom nationalen Kapital erbaut worden ist. Das Privatkapital baut Plantagen auf Böden, die vom nationalen Kapital erworben worden sind. Das private Kapital hört in dem Augenblick auf, wo die Leistung des nationalen Kapitals, der Boden, nicht mehr reicht. So betrachtet, erscheint einem die ganze vielgepriesene Prosperität Palästinas wie ein Akrobat auf einer Strickleiter, von dem man immer befürchtet, er könnte in die Tiefe heruntersausen. Die elementaren Produkte in Palästina, die werden immer vom nationalen Kapital geschaffen werden. Eine zweite tragische Erscheinung im Lande ist der Arbeitermangel. Trotzdem unser Kampf um das Prinzip der hundertprozentigen jüdischen Arbeit heute Gemeingut vieler geworden ist, so ist unser Kampf um die jüdische Arbeit ein recht schwerer. Der Kampf gestaltet sich um so schwieriger, je weniger wir in der Lage sind, den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes nachzukommen. Die Gefahr arabischer Arbeit tritt jetzt besonders stark hervor. Oder ist es weht geradezu tragisch, daß wir nach langen Kämpfen unb Verhandlungen es durchgesetzt haben, von der Regierung 33 Prozent jüdische Arbeit zugebilligt zu bekommen und jetzt nicht in der Lage sind, diese durch den bestehenden Arbeitermangel zu nützen? Zusammenfassend kann also gesagt werden: Das private Kapital liegt in den Depositen ohne Verwendung, die eigentliche nationale Produktion geht zurück und die Gefahr der arabischen Arbeit wächst von Tag zu Tag. Es muß mit Nachdruck hervorgehoben werden ,daß es eine der größten Ungerechtigkeiten der englischen Regierung ist, daß durch ihre Immigrationspolitik im Lande ein solcher Zustand des Arbeitermangels geschaffen wurde. Dies muß bekämpft werden. Und ohne Zweifel wird es einer systematischen progressiven Arbeit gelingen, auf die öffentliche Meinung in England so hinzuwirken, daß Palästinas Tore weit und breit geöffnet werden. Zum Schluß kam Herr Remez auf die Tragödie in Deutschland und insbesondere auf das Transferabkommen zu sprechen. Die Galuth — sagt Remez —• ist ein permanentes Feuer. Deutschland ist eine besondere Katastrophe. Erez Israel allein kann retten. Es handelt sich um nichts anderes, als das Feuer zu löschen. Es ist daher notwendig, einen prinzipiellen politischen Kampf gegen eine Bewegung, die das Judentum verfolgt, zu führen und andererseits gegen diesen Untergang Rettungswege und Mittel zu suchen. Der prinzipielle politische Kampf wird durch dieses Abkommen nicht im geringsten berührt. Er geht weiter. Israel Jens! unti Frau II., Volkswehrplatz 14, wünschen anläßlich des Versöhnungs- Itsict ihren Verwandten,. Freunden und Bekannten alles Beste. Pas Schicksal der luden in Obersdileslen Bei der unmittelbar nach Pfingsten stattgefundenen Tagung des Völkerbundrates in Genf erklärte der deutsche Vertreter Keller, seine Regierung verpflichte sich den mit Polen abgeschlossenen Vertrag betreffend Oberschlesien einzuhalten und den durch «untergeordnete Organ» den Juden zugefügten Schaden wieder gutzumachen. Wie diese Wiedergutmachung aussieht, läßt sich «The Jewish C h r o n i c 1 e» von einem Sonderberichterstatter mitteilen. In Oberschlesien wohnen zirka 10.000 Juden. Die «schändliche Entscheidung» des Völkerbundrates rief bei den Nazis Entrüstung hervor und der Regierungspräsident von Oberschlesien, Dr. Hermann Brückner, erklärte: «Die Herren in Genf irren sich, wenn sie meinen, sie könnten die Gesetze der nationalsozialistischen Revolution sabotieren.» Sabotiert wurde aber natürlich die Wiedergutmachung. Von 40 entlassenen Aerzten und Zahnärzten wurden bis jetzt acht nicht wieder eingestellt. Aber auch die wiedereingesteltten Aerzte werden zugrunde gerichtet Die Krankenkassen weigern sich, Krankengelder zu bezahlen, wenn das ärztliche Attest über die Erkrankung von einem jüdischen Arzt ausgestellt ist. Deutschen Aerzten ist es verboten, einen jüdischen Arzt zu einem Konsilium heranzuziehen oder an einetft* Konzilium teilzunehmen, an welchem ein Beh. konz. Realbüro ING. N. Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken 1., II. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, üebäudever waltung Büro: Franz Josefs-Kai 11 Tel. R-25-0-44 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 | jüdischer Arzt teilnimmt. Deutsche Aerzte verweigern die Behandlung von Patienten, die vorher von einem jüdischen Arzte behandelt wurden. Es ereigneten sich zwei Fälle, ln * welchen dcutsahe Chirurgen die Vornahme von Operationen ablehnten, weil die betreffenden arischen Patienten vorher von jüdischen Aerzten behandelt worden waren. In einem Falle verweigerte ein Hautspezialist die Behandlung eines Kindes, weil es vorher von einem jüdischen Arzt behandelt worden war. In Beuthen wurde offiziell eine Liste aller nichtarischen Aerzte herausgegeben und an alle Einwohner versendet. Trotzdem suchen Christen jüdische Aerzte auf. In zwei Fällen wurden Christen nicht ins Spital aufgenommen, weil sie von jüdischen Aerzten behandelt worden waren. Schrecklich ist auch dfs Los dar jüdischen Rechtsanwälte. Naziposten achten darauf, ob nicht etwa ein Arier einen jüdischen Rechtsanwalt beschäftigt Wird ein derartiger Fall ausgekundschaftet, dann wird der «Uebeitäter» schriftlich verwarnt und wenn die Warnung nichts nützt, verprügelt. Nützt auch das nichts, dann hilft die Polizei oder der Steuerbeamte nach. So kommt es, daß früher stark beschäftigte jüdische Anwälte zu Hause sitzen und um wenige Mark für junge arische Anwälte Schriftsätze verfassen. Arischen Anwälten Ist es sogar verboten, ihre jüdischen Kollegen als «Herr Kollege» zu titulieren. Die entlassenen jüdischen Richter wurden in ihre Aemter nicht wieder eingesetzt. Die Mehrzahl von ihnen erhält Gehalt, sie dürfen aber das Gericht nicht betreten. Aehniich verhält es sich mit den jüdischen Assessoren. So sieht die in Genf feierlich versprochene Wiedergutmachung aus. Die jüdischen Aerzte, Anwälte und Richter sind zugrunde gerichtet; die Stadt Beuthen hat die einzigen zwei jüdischen Angestellten entlassen und 150 jüdische Handwerkerfamilien sind brotlos. Was wird die Zukunft dieser Juden sein? Die läge der ffldisdien Emigranten ans nenlsdiland Der Genfer Jüdischen Weltkonferenz lag ein Bericht über die Lage der aus Deutschland ausgewanderten Juden in den einzelnen Ländern vor. Die in dem Bericht angeführten Zahlen entsprechen dem Stande vom 1. Juli 1933. Belgien. Die genaue Zahl der aus Deutschland eingewanderten Juden ist nicht bekannt. Das Brüsseler ».Hilfskomitee hatte bis zum 1. Juli ungefähr 1100 Flüchtlänge registriert, das Antwerpener Komitee etwa 900. Insgesamt kann man rechnen, daß nach Belgien ungefähr 2500 jüdische Auswanderer aus Deutschland gekommen sind, ln der Frage der Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen geht die belgische Regierung im allgemeinen sehr großzügig vor. Die Erteilung des definitiven Asylrechtes wird jedoch von der Erfüllung bestimmter Voraussetzungen abhängig gemacht, insbesondere von dem Nachweis, daß der Betreffende sich eine Existenzgrundlage zu schaffen vermag, die gleichzeitig im Interesse der belgischen Wirtschaft liegt. Dänemark. Die Zahl der Flüchtlinge in Dänemark beträgt 700 bis 800; von diesen werden 280 vom Hilfskomitee unterstützt. Existenzmöglichkeiten in Dänemark zu finden, ist für die Flüchtlinge äußerst schwierig. Die Behörden erteilen allen Flüchtlingen sehr gerne das Aufenthaltsrecht. Arbeitsbewilligungen werden dagegen nur in sehr seltenen Fällen gegeben. Auf verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben wurden etwa 120 Chaluzim aus Deutschland untergebracht. England. Nach England sind bis zum 1. Juli ungefähr 2500 Juden aus Deutschland eingewandert. Von diesen haben sich etwa 1400 beim jüdischen Flüchtlingskomitee gemeldet. Die Annahme von Arbeit ist Ausländern in England nicht gestattet. Der britische Zentralhilfsfonds für deutsche Juden hatte bis zum Abschluß des Berichtes etwa 170.000 Pfund gesammelt. Diese Geldmittel sind fast ausschließlich für konstruktive Hilfsarbeit bestimmt. Ein bedeutender Prozentsatz der Hilfsgekler ist für konstruktive Arbeit in Palästina vorgesehen. Frankreich. Frankreich ist das Land mit der größten Zahl jüdischer Auswanderer aus Deutschland. Diese Zahl wird auf etwa 25.000 geschätzt. Die Unterstützung durch das Hilfskomitee haben etwa 5000 Personen in Anspruch genommen. Bis Anfang Juli hat das Pariser Hilfskomitee etwa 4 Millionen Franken an Tagesunterstützungen ausgezahlt. Gegenwärtig ist die finanzielle Lage des Pariser Komitees schwierig. In bezug auf konstruktive Hilfe und berufliche Eingliederung der Flüchtlinge ist bisher noch ziemlich wenig geleistet worden. Infolge der entgegenkommenden Haltung der Behörden besteht für die Flüchtlinge im allgemeinen die Möglichkeit, im Lande zu bleiben. Doch haben die französischen Konsulate die Erteilung von Visen an solche jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, die polnische oder rumänische Staatsangehörige sind, fast völlig eingestellt. Eine generelle Arbeitsbewilligung in Frankreich konnte bisher nicht durchgesetzt werden una dürfte auch nicht zu erlangen sein. Deshalb ist es den Flüchtlingen im allgemeinen nur möglich, selbständige Berufe zu ergreifen, als Kaufieute, Fabrikanten und selbständige Handwerker. Holtand. Schätzungsweise befinden sich in Holland 5000 jüdische Einwanderer aus Deutschland. Die Zahl der jeweilig Unterstützten war schwankend, das Maximum betrug 1500. Von den unterstützten Flüchtlingen sind viele nach Belgien, Frankreich und Spanien, einige auch nach Palästina und Brasilien weitergewandert. Die Einwanderer haben im allgemeinen eine AufenthaltsbewiUigung für drei Monate. Italien. Italien war im allgemeinen Durchzugssstation für Auswanderer aus Deutschland auf dem Wege nach Palästina. Arbeitemöglichkeiten für Ausländer bestehen in Italien nicht. Oesterretefe. Das Österreichische Hilfskomitee wurde von etwa 750 Flüchtlingen in Anspruch genommen. Die Zahl der nach Oesterreich eingewanderten deutschen Juden läßt sich nicht genau feststellen. Personen, die im Besitz gültiger Pässe sind, werden von den Behörden keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Die Aussichten, Arbeit zu bekommen, sind für Flüchtlinge sehr schlecht. Etwa 300 Personen wurden in andere Länder weitergeschickt, ln der ersten Zeit sind die Flüchtlinge hauptsächlich nach westeuropäischen Ländern weitergewandert. Polen. In Polen halten sich etwa 4000 Flüchtlinge auf, unter diesen 10 Prozent Reichsdeutsche und 5 Prozent Staatenlose aus Westpolen, die Jahrzehntelang in Deutschland gewohnt haben. Viele Flüchtlinge sind in Deutschland geboren. Die materielle Lage der Flüchtlinge ist im allgemeinen sehr schlecht. 60 bis 70 Prozent sind auf Unterstützungen angewiesen. Hilfskomitees bestehen in Warschau und zahlreichen anderen Städten, hauptsächlich in der Nähe der deutschen Grenze. Fiir diejenigen Flüchtlinge, die polnische Bürger sind, besteht natürlich hinsichtlich des Arbeitsrechtes keinerlei Problem. Auch gegenüber reichsdeutschen Flüchtlingen nimmt die Regierung eine wohlwollende Haltung ein. Dagegen ist die Lage der Staatenlosen eine verzweifelte. Tschechoslowakei. Das Prager Hilfskomitee hat bis zum 20. August etwa 950 Flüchtlinge registriert. Bis Ende August ist diese Zahl wahrscheinlich um weitere 200 gestiegen. Der monatliche Zuwachs beträgt etwa 200. Durchschnittlich 40 Prozent der Flüchtlinge sind deutsche Reichsangehörige, 14 Prozent Staatenlose. Etwa 400 Flüchtlinge werden vom Komitee unterstützt. Deutsche Reichsangehörige und Staatenlos er? halten Asylrecht, Angehörige anderer Staaten jedoch me. eine beschränkte Aufenthaltserlaubnis. Palästina. Palästina ist das wichtigste und für die ganze Frage entscheidende Einwanderungsland. Bis jetzt liegt eine genaue Statistik über die Einwanderung aus Deutschland nicht vor. Die Zahl der aus Deutschland gekommenen Juden wird auf 5000 geschätzt Die Hälfte von diesen ist auf Grund von Touristenvisen gekommen, und es steht noch nicht fest, Die wirklich billige Schuh• quelle finden Sie bei »DA-HO« (Inh David Horowitz) Ecke Gredlerstraße Qualiiäiewaven su äußmeei billigen Preisen. Bel Berufung auf die »Summe« 9 Prosen* Baba** D07D