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Die Stimme · 1933-09-28 · Heft 302 (28.9.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 302 (28.9.1933)
Date
1933-09-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 4 Nf. 302 — 28. September 1933 DIE STIMME! ff I r';.' r- (ftesseempfanb bei Ussistbbin na» za erlösen und die Sprache von den Jaden za erlösen. Der das Judentum auszeichnende Monismus, der seine Stärke Ist, möge endlich auch ln der Sprache zum Ausdruck kommen. Ussisohkin erinnert an den Beschluß des Kongresse#, di# Gebeine Theodor Herzls aus Wien, der Stadt, die für ewig mit dem Zionismus verbunden bleiben wird, ins Zentrum der jüdischen Arbeit, nach Palästina *u überführen. Usslschkln erinnert aber gleichzeitig an einen anderen Beschluß des Kongresse#, die Erinnerung an den trag!» teton Tod da« Dr. Chalrn Arlosoroff dadurch zu ehren, daBlnPalfistinaeineAriosoroff-Kolonle ersteh#, die ein lebendige# Denkmal für das junge, geopferte Leben Aflosproffa bilden «oll. Arlosoroff Ist auf der Walstatt als Opfer der zionistischen Bewegung lieget) geblieben, und Usslschkins Appell richtet sieh an die Wiener Judenschaft, Ulfen Tribut dem Andenken diese# ztonistiiehen Kämpfers zu zollen. Nach sweiundfilnfiigjähriger Arbeit in der zionistischen Bewegung ist nach wie vor die Forderung nach Intensivierung der zionistischen Arbeit notwendig. Ussischkin fordert die Tat, die sofortige Tat Das Tempo der Arbeit im Land? hat sich in dfiP letzten Jahrzehnten ungeheuer ge' wandelt und waa heute erreicht werden kann, pol! nicht für morgen yerieHoben werden, Von diesem Prinzip hat sich Ussischhin in seiner jahrzehntelangen Arbeit leiten lassen. Als U**i#ehkln zur Zeit der Militärbseetzung Jerusalem* von russischen Flüchtlingen aus Konstantinopel um die Ermöglichung der Paiästinaeinreiae angerufen wurde, konnte er nur durch die unerhörte Zähigkeit und Dringlichkeit, mit der er diese Forderung bei dem englischen General vertrat, die Einreise erreichen. Die Antwort des Generals, die Juden hätten 1600 Jahre gewartet, sie können ateo nooh eine Welle warten, verfing bei Uesischkin nicht, sondern wurde durch seine Antwort, daß auch seine Ahnen vierzig Jahre von Aegypten nach Palästina gebraucht hätten und er bloß vierzehn Stunden, reichlich paralisiert. Andere Zeiten erfordern andere Mittel. Auch bei dem gigantischen Emek-Kauf ließ sich Ussischkin trotz schwerster Bedenken und Hindernisse, die Ihm sogar von der Exekutive gemacht wurden, nicht beirren und wiewohl er nur über ein Siebentel des Kaufschlltings in der Blaubüehse verfügte, den Kauf durchführte Dies geschah einen Tag bevor die Experten der Exekutive nach Jerusalem gekommen waren. Der Vorwurf, er hätte einen Tag mit dem Kauf wohl warten können, verfing bei Usslsehkin nicht, er hätte auch länger warten können, aber er wußte, daß die Herren gegen den Kauf seien und dahei schloß man ab . . . Die Angst, das jüdische Volk werde ihm die nötigen 300.000 Pfund zum Kauf nicht geben, und er so die beangabten 30,000 Pfund verlieren würde, störte! ihn nicht, denn versagte ihm das Volk diesen Betrag, so hatte er keinen Grund; ihm den Betrag von 50.000 Pfund zu schützen. Mit einer Vision des Morgen schließt Ussischkin seinen durch rauschenden Beifall oft unterbrochenen Vortrag; Die Zeit geht, der Bau schreitet vorwärts. Unsere Kinder, die Kinder des jüdischen Landes, werden einst die Geschichte der jüdischen Renaissance lernen, in der man ihnen von den Stürmen der Bewegung, von den Schwierigkeiten, von den Arabern und den Engländern und den schließHcneu jüdischen Sieg berichten wird. Die heutige Generation wlra die Generation der Großväter und Großmütter sein. Glücklich jene Menschen, die auf die Frage des Kindes, was sic zu ihrer Zeit für den Bau des Landes getan haben, die Amwort werden geben können, daß auch sie ihre Kraft in dieses Gebäude hineinversenkt haben. Vor Jahrzehnten ist in Aegypten anläßlich von Ausgrabungen ein Fund gemacht worden, der ein Kistchen mit Weizenkörnern enthielt, das seit zweitausend Jahren begraben lag. Diese Körner wurden in den königlichen botanischen Garten gebracht, in den Boden gesetzt, und siehe, das Wunder geschah, eine blühende Saat ging aut. Vor 50 Jahren waren wir ln der Enge des freudlosen Ghettos begraben. Einige wenige Auserwähtte — es waren die Bilulm — wurden nach Erez Israel geschickt und sielte, auch hier geschah das Wunder. Eine herrliche Saat ging auf. Neues Leben für Hunderttausende, Millionen von Juden erblüht hier für alle Ewigkeit Das Publikum dankte Ussischkin mit stürmischem Applaus und feierte ihn zum Schluß mit einem Ueberschwang, wie er nur einem Fürsten in Israel zuteil wird. Den künstlerischen Rahmen der erhebenden Feier beideten die vom jüdischen Oesangverein stimmungsvoll gebrachten Vorträge des «Helelujah*-Liedes bei Beginn und der «Hatikwah» bei Schluß des Abends. Großes sch ff nci Zimmer mit oder ohne Küche, ganz ungestört, an Ehepaar sofort zu vermieten. II., Kl, Pfarrgasse 1/12, täglich bis 10 Uhr, Samstag, Sonntag, bis 12 Uhr. GroGfleischhauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale »X, Berggasse 1*, Tei. A 17-d-uv u. A 16-9-34 Lieferant für deilanatalten Abteilungen iör i^^-Fleiech unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbmats der Israelitischen Kuituseemeinde Wien Auto«u*leliuno IX, Bervgaaee 1' XVtll. Wtthrinverstraße Im Rahmen eine# Empfange# der Wiener Fresse eprech Ing. M. Ussischkin über die expansive Möglichkeit Palästinas, das heute als das Land der größten jüdischen Einwanderung im Mittelpunkt des jüdischen Interesse# steht, Im Jahre 1932 war die Zahl der nach Palästina ejngewan* derten Juden gleich der der jüdischen Einwanderer in allen übrigen Einwanderung#län<jern zusammen genommen, Infolge der letzten Ereignisse jn Deutschland haben sieh allein innerhalb diese# Zeiträume# 6000 deutsche Juden in Palästina njedergclaisen. Palästina i#t jetzt wohl ein kleine# Und, denn sein# heutigen Grenzen lind nicht die historischen, sondern die von Mandat und Konferenz beschlossenen. Das Recht der Juden auf Palästina bezieht sich nach Ussischkin selbstverständlich auf das historische Land. «Diplomaten gehen und Konferenzen werden geschlossen, aber di# Geschichte bleibt ewig.» Die Erweiterung Palästinas auf seine historischen Grenzen bIWet keine Präge von heut« oder morgen. Aber für die Juden ist sie stets von Bedeutung. Waa aber di# zahlenmäßige Aufnahmsfäliigkeit von neuen Juden in Palästina anbelangt, so ##j die# lediglich eine Frage der Intensivierung des Landes und nicht seines Raumes. Beispiele hiefür geben uns Belgien, da# kleiner Ist a!# Palästina und doch eine Siedlung von 8 Millionen Menschen erhält, und Sibirien, das dreimal so groß ist wie halb Europa und kaum 3 Millionen Einwohner hat. Diese Beispiele beweisen uns, daß es nur ein Problem der kultivierten Ansiedlung ilt, das die nahezu unbegrenzte Kapazität des Landes bestimmt Palästina bietet hiefür ein praktisches Beispiel. Dort, wo früher Beduinensiedlungen waren und brachliegende Böden, di# kaum einige wenige Familien ernähren konnten, ist haut« di# prächtige Stadt Tel-Awiw entstanden, die 00.000 Menschen ernährt Der große Idealismus der Juden, die technische Wissenschaft und nicht zuletzt die große Not, die das Jüdische Volk nach Palästina drängt, die werden direkt und indirekt für die Entwicklung des Landes ausschlaggebend sein und dafür Möglichkeit schaffen, daß im Lande Platz für Millionen Mensehen werde. Beginn eines neuen, modernen Pnfänger-Tanzkurses Montag, 2. Oktober, und Dienstag, 3. Oktober, V38 Uhr abends, in der Tanzschule Erdstein I., Werdertorgasse 7, Tel.. Ü 20-7-24. Eröffnungsperfektion j Sonntag, 1, Oktober, y$ß Uhr abends. User der «Stimme» besondere Ermäßigung. Eine große Aufgabe sieht Ussischkin heute in der planmäßigen Kolonisierung des Südens des Landes, der eine große Zukunft hat. Der Süden ist ein Landstrich voll trockenen Gebietes, der wohl keinen Regen kennt, aber daher auch keine Sümpfe. Assanierungsarbeiten des Bodens entfallen hier. Es ist der gesündeste Teil des Landes. Fast keine Dorfsiedler und fast leeres Land charakterisieren diesen Teil. Es ist bedauerlich, daß der Jüdische Nationalfonds nicht die Kraft und die Möglichkeit besitzt, überall zu kolonisieren, er hätte hier ein großes Tätigkeitsgebiet. Allein die strategischen Verhältnisse im Lande fordern eine konzentrische Kolonisation und man muß bisweilen Gebiete unbearbeitet lassen, auch wenn sie noch so günstig erscheinen. Dia Arbeiten des Jüdischen Nationalfonds, der den Boden als unveräußerliches Gut des jüdischen Volkes für schweres und teures Geld von den arabischen Effendis erlöst, sind für den Aufbau der jüdischen Heimstätte von ungeheurer Bedeutung. Der Jüdische Nationalfonds, der dem Arbeiter und dem Mittelständler den Boden zur Bearbeitung verpachtet, ist der einzige Schutzdamm gegen die auch In Palästina sich breitmachende Bodenspekulation. Die nationalsoziale Bedeutung des Nationaifonds Ist eine überragende. Der Bodenbesitz des Jüdischen Nationalfonds, der völlig unbelastet ist, beträgt heute über 300.000 D u n a m. Es ist nun von großem Interesse zu hören, was Ussischkin im Zusammenhang mit dem Problem der deutschen Immigration über die Bodenreserve und nächsten Pläne des Bodenfonds berichtet. De facto besitzt der Jüdische Nationaifonds keinen freien Boden, da auf jeden neuen Boden, der erst gekauft werden soll, bereits eine große Anzahl von im Lande eingesessenen Gruppen reflektieren. Außer der herrlichen Emek-Siedlung, die eine grandiose Tat Usslschkins war, bietet das Gebiet zwischen Haifa und Akko ein Gelände längs der Küste, das zum größten Teil dem Jüdischen Nationalfonds gehört. Dieses Gebiet gewinnt für die nächste Zukunft eine entscheidende Bedeutung, Der Hafen Haifas, der demnächst eröffnet wird, wird das Tor zum vorderen Orient öffnen, In Haifa wird die Mossul-Oelröhrenünie führen. Der Weg London—Indien wird hier seinen Mittelpunkt haben. Haifa wird der Hauptpunkt der Bahnlinie Haifa—Bagdad bilden. Die englische Regierung läßt bereits in diesem Gebiete zahlreiche Regierungsbauten errichten. Hier, auf diesem zukunftsreichen Gebiete, wird ein neues Land entstehen. Eine Siedlungszone für Industiieentwicklung besteht bereits* Geplant sind große Gartenanlagen, für daran Assanierungsarbeiten deutsche Juden, aber auch jugoslawische und bulgarische ln Aussicht genommen sind. Entlang der Küste wird ein Strand entetshen, Schulen zur Heranbildung jüdischer Seeleute sind geplant. Alles ln allem eröffnen sich hier für zahlreiche neue jüdische Emigranten durch die Vorsorge des Nationaifonds große Arbeitsmög' üehkeiten. Schließlich berührte noch Ussischkin dl# Frage Trans« Jordaniens, das zweimal so groß ist wie Palästina und einen Bruchteil seiner Bevölkerung hat. Während ln Palästina 36 Menschen auf einen Quadratmeter kommen, kommen in Transjordanien bloß 6 Menschen auf denselben Boden* raum. Die politischen Schwierigkeiten für eine jüdische Kolonisation in Transjordanien sind groß. Die Fehler liegen darin, daß die Zionisten es schon vor dem Krieg# verabsäumt heben, in Transjordanien zu kolonisieren, denn sowohl die Öalfour-Deklarfltion eie euch des Mandat Haben bei Bestimmung der palästinensischen Grenzen die bis . dahin bestandenen jüdischen Kolonien in Palästina in Betracht gezogen. Zum Schluß verwies Ussischkin noch auf dtu vom letzten Prager Kongreß Uber seinen Antrag einhellig gefaßten Beschluß, zur Ehrung des ermordeten Leiters der Jewjsh Agency Dr. Chaim Arlosoroff eine Arlosoroff* Kolonie ins Leben zu rufen, deren Realisierungsaktien schon in den nächsten Tagen in Wien ihren Anfang nimmt. Ussischkin Gast des Zionistischen Landeskomitees Während seines bisherigen Wiener Aufenthalte# Hit Ussischkin ejn umfangreiches Arbeitspensum erledigt, Er hielt Konferenzen ab, empfing Pressevertreter, erteilte Interviews und Welt schließlich im Großen Musikvereinssaal vor einem zweitausendköpfigen Publikum seinen mit Spannung erwarteten Vortrag. Dienstag vormittags crschten Herr Ussischkin in den Räumen der zionistischen Bureaus, Er stattete einen Betuch J dem zionistischen Landeskomitee ab, wo er vom Vizepräsidenten Michael Steinberg empfangen und durch die Räume geleitet wurde. Auch die Redaktion der «Stimm e» wurde mit einem Besuch des illustrcn Gastes beehrt. Weitere Ussischkin-Vorträge in Wien Hebräischer Vortrag Ussischkin« In Wien Sonntag, den 1. Oktober 1933, 10 Uhr vormittags, spricht M. M. U s s i 6 c h k i n im Saale der Zionistischen Bezirkssektion, II., Praterstraße 13, über die hebräische Weltbewegung. Eintritt nur für Hebräischsprechende. Vortrag Usslschkins über die hebräische Universität . Donnerstag, den 28. September 1933, pünktlich 8 Uhr abends, spricht M. M. Ussischkin (deutsch) vor geladenen Gästen im Festsaale des Handelsmuseums, IX., Berggase 16, über «Die hebräische Universität». Eintritt nur gegen Vorweisung der ausgeschickten Einladung. Billig« Reise zu den jüdischen F'Cifc.-iage.i nach Polen. Wer billig naoh Polen reisen will, benütze den Sonderzug, weicher am 3. Oktober für 14 Tage nach Polen abgeht. Oünstlge Gelegenheit, das Laubhüttenfest billig in Polen zu verbringen. Wie bei allen Reisen wird für die Teilnehmer bestens gesorgt. Pullmannwagen, reservierte Plätze. Die Teilnehmer dieser Reise genießen außerdem sine SOprozentige Ermäßigung auf allen polnischen Eisenbahnen. Mit Rücksicht auf die kurze Anmeldungsfrist empfiehlt eich rascheste Anmeldung. Altes Nähere im Bureau E. Ferstel, I., Kärntnerring 12, Tel. U 40-301. Auskünfte auch Sonntags unter Tel. U 40-301. 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