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Die Stimme · 1933-09-20 · Heft 301 (20.9.1933) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 301 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Nr. 301 — 20. September 1998 ... Jjjv83EBIHB- .. . .... " Saul 3)ulitzky und SKilda 3)ulitzkaja wünschen allen Gesinnungsgenossen, Freunde.i, Bekannten und Verwandten _mMB rrnnm na>na kauf des Boden«, auf dem das Hotel steht, und werden die Möglichkeit haben, aus dem Erlös die Schule den modernen Anforderungen gemäß aufzubauen. Während wir uns mit der Konsolidierung dieser bestehenden Institutionen beschäftigen, hat uns die neue Immigration vor neue Aufgaben gestellt. Jede Eintuanderungswetle nach Paälstina macht uns mit den verschiedensten Typen von Einwanderern und ihren verschiedenen Ansprüchen bekannt und wir müssen jeden Augenblick bereit sein, richtig und schnell ihren Wünschen gerecht zu werden. Es war eine dieser Wellen, die der Ausgangspunkt unserer Organisation vor zehn Jahren war. Junge Mädchen kamen nach Palästina und wollten sich dort ein neues Leben aufbauen. Unser erster Gedanke war, ihnen ein neues Heim zu bieten Aber ein Heim genügte nicht für sie, sie brauchten mehr, und das war die Anpassung an ihre neue Umgebung. So entstand der große Gedanke der Wizo: die Frauen dem Lande anzupassen. Aufs neue sahen wir uns einer anderen Welle gegenüber: es war die vierte Alijah mit ihren städtischen Siedlerinnen, und unsere Wandlungsfähigkeit mußte groß sein, unsere Initiative mußte schnell reagieren, um auch diesen Frauen Hilfe zu bringen. Wir mußten zu ihnen gehen, da sie an ihre eigenen Heime und ihre eigenen Familien gebunden waren. So schufen wir eine kleine Armee von Wanderlehrerinnen und sandten sie aus, um diese Neuankommenden aufzusuchen und ihnen zu zeigen, wie sie ihr neues Leben einrichten sollten. Und jetzt wieder sehen wir uns einer neuen großen Einwanderungswelle gegenüber, den Kibbuzim. Die Kibbuzim sind Gruppen von jungen Pionieren und Pionierinnen, die schon gemeinsam ins Land kommen. Sie werden an den Rändern der Kolonisationspunkte angesiedelt. Viele leben noch in Zelten, andere schon in festen Häusern. Sie müssen hart arbeiten, vom ersten Tag an, wo sie ihre Zelte aufschlagen. Es ist unsere Pflicht, zu diesen jungen Mädchen zu kommen und ihnen zu helfen, ihr neues Leben zu gestalten. Aus allen Winkeln Palästinas werden unsere Wanderlehrerinnen angefordert. Was wir auf diesem Ocbkt getan haben, ist noch sehr bescheiden Im Vergleich zu dem Ausmaß der Arbeit, die uns hier noch bevorsteht. Noch ist uns der Weg nicht ganz klar, aber mit Unterstützung der Galuthorganisation hoffen wir, ihn zu finden. Auch müfcsen wir neue Wege der Arbeit ausfindig machen. Und so, wie wir in Palästina, so müssen sie elastisch sein und sich den Anforderungen anpassen können. Für jede neue Phase des Palästina-Aufbaues müssen wir neue Wege finden. S)awid SHorowitz 3)aho-Schuhe U. Tahorstraße 44 b wünscht allen Verwandten, Freunden und Gesinnungsgenossen _roia nawi nyre_ Samuel, in Palästina geboren, in neuhebräischem Geiste e»- zogen, ist in ihrer gertenschlanken Gestalt, mit den dunklen Augen und durchgeistigtem Gesicht eine der eigenartigsten Erscheinungen der zionistischen Frauenbewegung. Eine der Triebfedern der zionistischen Frauenbewegung, eine, die in der vorderen Front der praktischen Wizo-Arbeit steht, ist die von Palästinasonne gebräunte, arbeitsharte, Willensstärke Arbeiterführerin Ada Fishmann. Tochter eines Rabbiners, ist sie, die schon seit zwei Jahrzehnten in Palästina arbeitet und lebt, eine der bedeutendsten Figuren in der palästinensischen Arbeiterbewegung überhaupt. Welch großen Faktor die Frauenarbeit im neuen Palästina bildet und wie bedeutungsvoll der führende Anteil Ada Fishmanns ist, erhellt aus der Tatsache, daß von den in der allgemeinen Arbeiterorganisation organisierten 38.000 Mitgliedern nicht weniger als 15.000 weiblich sind und ferner, daß Ada Fishmann zum Mitglied der Expertenkommission des Völkerbundes für Frauenarbeit im Orient sowie als Referentin für dieses Ressort ins Internationale Arbeitsamt berufen wurde. Interessante Frauenlifipfe aus der zinnistisclien Frauenbewegung Von Dr. Jakob Rosenthal In Anlehnung an den bekannten Ausspruch des Abto dieyes über die Bedeutung des nach Freiheit ringenden «tiers 6tat»: «Was ist er? Nichts. Was soll er werden? Alles,» schreibt Theodor Herzl in einem Aufsatz «Die Frauen und der Zionismus» folgendes: «Dieses Wort des Abb6s möchte ich auf die Frauen anwenden: Was sind die Frauen für den Zionismus? Ich will nicht sagen: nichts. Was könnten sie, was sollten sie sein? Vielleicht alles. Und wenn unsere Agitation die richtigen Wege findet, wird es auch dazu kommen müssen.» Wie in so vielem, hat auch hier das prophetische Auge Herzls richtig gesehen. Der richtige Weg bestand in der organisatorischen Zusammenfassung all jener Frauen, die an der Verwirklichung des jüdischen Renaissancegedankens als einzelne bereits früher mitkämpften und die nun daran gingen, die Mission der jüdischen Frau bei dem Aufbau der alt-neuen Heimat in zielbewußter Weise zu erfüllen. So entstand im Jahre 1920/21 die Weltorganisation zionistischer Frauen, bekannt unter dem englischen Namen «Womens International Zionist Organisation», die förmlich zu einem Begriff der zionistischen Aufbauarbeit geworden. Sjc blickt nunmehr auf ein Jahrzehnt großartiger und beispielgebender Arbeit auf dem Gebiete der Frauenarbeit, der Säuglingsfürsorge, Kindererziehung und hauswirtschaftlichen Schulung zurück. Einzigartig sind ihre Arbeiten auf dem Gebiete der Landwirtschaft, die das Rückgrat des jüdischen Aufbaues in Palästina bildet. Anläßlich einer ihrer Tagungen, wo man die Besten unter ihnen an der Arbeit sicht, nimmt man gern Gelegenheit, einige der zahlreichen interessanten Köpfe kennenzulernen. Aus den meisten europäischen Staaten — gegenwärtig bestellen in 40 Ländern «Wizo»-Organisationen mit über 40.000 organisierten Mitgliedern — aus Uebersee, Kanada, Neuseeland und Palästina kommen die bedeutendsten Führe rinnen der Landesverbände sowie die Mitglieder der Exekutive dieser weltumspannenden Frauenbewegung zusammen, um ln einer Reihe von aufreibenden Tag- und Nachtsitzungen über die Probleme und Aufgaben der zionistischen Frauenarbeit für die nächste Zukunft zu beraten. Wer die grandiosen Leistungen dieser erst Über ein Jahrzehnt alten Fraui»Organisation, vor allem ihr mit urgeheurer Aufopfe rung — ohne jegliche Vorbilder — hervorgebrachtes, mustergültiges Wizo-Werk in Palästina kennt, wer ferner einmal an ihren großen Weltkonferenzen teilnahm, kennt den ungeheuren Ernst, mit dem hier all die Frauen aus London und Tel-Awiw. Litauen und Deutschland, Südafrika und Kanada an der Arbeit sind. Es ist ein veritables Frauenparlament mit Permanenzausschüssen. Kommissionen und’ Resolutionsentwürfen, heftigen Generaldebatten und Regierungs¬ oder Exekutivkrisen und vor allem —• hier ist die Tradition der Zionistenkongresse gewahrt — Plenarsitzungen, die bis spät in die Nacht hinein «tagen». Eine Anzahl interessanter Gestalten und markanter Köpfe fällt auf. Da ist Frau Romana Goodmann, gegenwärtig mit Frau Dr. Vera Weizmann, Präsidentin der Organisation. Einst in einer wissenschaftlichen Stellung der «Encyklopüdia-Britannica» ln London tätig, wirkte Romana Goodmann lange Zeit in der englischen Frauenstimmrechtsbewegung sowie in der Londoner Frauenvereinigung für soziale und politische Arbeit. Sie ist Council-Mitglied der Weltliga für die Verbesserung der Rechtslage der jüdischen Frau. Gemeinsam mit Frau Rebekka Sieff, Frau Dr. Vera Weizmann und Frau Henriette Irwell war sie eine der Mitbegründerinnen der Weltorganisation zionistischer Frauen. Außerordentlicher Arbeitseifer und zielbewußtes Handeln zeichnen diese Frauenführerin mit dem klugen, gütigen Lächeln aus. Eine der interessantesten Gestalten der Wizo-Bewegung ist wohl Frau Dr. med. Vera Weizmann, die Gattin Professor Dr. Ch. Weizmanns. Eine hochgewachsene, schlanke Erscheinung von rassigem Scharm und blendender, bestechender Klugheit und Energie. Ganz abgesehen von der Mithilfe, die sie ihrem berühmten Gatten während der Leitung der zionistischen Bewegung gieleistet, hat Frau Doktor Weizmann für die Wlzo-Arbeit ganz Hervorragendes geleistet. Zur Zeit, als ihr Mann afc Professor an der Manchester Universität Biochemie las, wirkte Frau Dr. Weizmann als leitende Aerztin innerhalb des Kinderfürsorgewesens der Stadt Manchester. Die Erfahrungen, die sie hier gesammelt, haben sich für die Entwicklung der Wizo-Arbeit als außerordentlich wertvoll erwiesen. Zwischen ehrer Sitzung und anderen erzählt Frau Dr. Weizmann gpnz nebenbei von -den großen Erfolgen der Keren Hajessod-Kampagn«, die si£ auf der letzten Südafrika-Reise mit ihrem Manne, Pfloi Weizmann, erzielten — 100.000 Pfund für Palästina — «Inter den heutigen Verhältnissen eine mehr als respektable Leistung. Voller Begeisterung spricht sie von de« südafrikanischen zionistischen Frauen. Frau Dr. Weizmann war es Vorbehalten, in Südafrika die erste zionistische Frauenföderation ins Leben zu rufen und ihren Anschluß an die Wizo zu vollziehen. Die propagandistische Tätigkeit dieser ungewöhnlich sympathischen, bezaubernden Fra« reiht sich würdig an die Sammelkampagne ihres Mannes an. In der Gesellschaft Frau Dr. Weizmanns befindet sich stets Mrs. Hadassah Samuel, die Schwiegertochter Sir Herbert Samuels, des ersten Oberkommissärs in Palästina und jetzigen Innenministers in England, und der Lady Samuel, die die Ehrenpräsidentm der W. I. Z. O. ist. Diese Hadassah Von den an der Palästinafront stehenden Wizo-Führer rinnen ist mit Ada Fishmann Frau Chana Meisel-Schochat zu nennen. Sie ist die mütterlich umsichtige Leiterin jener landwirtschaftlichen Mädchenfarm «Nahalal», die die erste landwirtschaftliche Schule im Orient für erwachsene Mädchen und Frauen ist Diese Farm ist in ihrer mustergültigen Führung der Stolz des Wizo-Werkes in Palästina und das Verdienst Chana Meisel-Schochats. Unmittelbare Güte spricht aus den Zügen der vornehr men Mrs. Henriette Irwell aus London, die sich der zionistischen Frauenbewegung mit der sie und ihre Handlungen auszeichnenden Unmittelbarkeit anschloß. Mistreß Irwell kam von der allgemeinen sozialen Fürsorgearbeit Londons, wo sie, da sie kinderlos blieb, auf dem Gebiete der Wohlfahrt für Mutter und Kind Außerordentliches leistete, treu ihrem Prinzip, zu Lebzeiten ihre reichen Mittel der Londoner sozialen Not zur Verfügung zu stellen. «Dieser Zweig der sozialen Frauenarbeit Englands,» sagt Frau Rebekka Sieff, «dankt der Initiative, Selbsthingabe und Freigebigkeit dieser gütigen Frau außerordentlich viel, aber der weite Horizont jüdischer Zukunftshoffnung zog ihren Blick so sehr auf sich", daß sie eine der festesten und zuverlässigsten Stützen Üef zionistischen Frauenbewegung geworden.» Sie ist Ehrea- Vizepräsidentin der Weltorganisation. * Eine nationale Internationale Frauentagüng. Frauen unter sich f Der einzige Mann im Staate ist — der Verfasser des stenographischen Protokolls. In ihrer ideellen Einheit ist diese Tagung von einer interessanten Mannigfaltigkeit Ihre Typen: die selbständige, sportlich-schlanke Engländerin, die kultivierte mütterliche Deutsche, die abgehärtete, zielbewußte Palästinenserin, die freie, rauchende Akademikeriti und die sorgliche Hausfrau und Mutter, geistig durchgearbeitete, arbeitsharte und zarte, anmutige Gesichter. Wie diese Frauen die männlichen parlamentarischen Gepflogenheiten kennen, mit welcher Sicherheit sie sich bewegen! Und doch bleiben sie in ihrem großen Verantwortungsgefühl, was sie sind: Frauen. . Ä-wwriJKaraBgHISaii Dr. Henny Lichttensfein- Rappoporf; Krise und Konjunktur Man spricht f|eu<c sehr viel von der Konjunktur in Palästina und sebr viel von der Krise der zionistischen Organisation, die sich, trotz der Palästina-Konjunktur, in immer stärke«*n Maße fühlbar macht. Man spricht aber sehr wenig von -der Krise der zionistischen Ideologie, und doch wi«de vielleicht eine Beschäftigung gerade mit dieser Frage den Schlüssel zu so manchem organisatorischen Problem gefum. ln den» Verhältnis der jüdischen Welt zu zionistischen Gedankengtfngem zeigt sich ein Zustand, der einen geradezu paradoxen Charakter trägt und doch jedenfalls vom zionistischen Standpunkt nicht unbedingt gutzuheißen ist: m a n Ist pa 1 äs.ttnozentrisch, ohne zionistisch zu sein. Bis vor kurzem war Zionismus das erste Stadium einer geistjgetf Entwicklung und Einstellung, Palästina war die Erfüllung. Heute ist das Verhältnis umgekehrt: Palästina bildet das primäre Moment, Zionismus aber eine weitere Stufe, die vorderhand außer acht gelassen werden kann. Daß sich die geistige Haltung so gestaltet hat, ist selbstverständlich auf die wirtschaftliche Not Europas und auf die Katastrophe der deutschen Juden zurückzuführen. Daß slcn aber diese Tendenz unverändert erhält und sogar immer größere Fortschritte macht, ist zum größten Teil die Schuld von uns Zionisten. Wenn man einen Blick auf die zionistische Literatur etwa der letzten zwei Jahre wirft, so findet man eine Menge Bücher über Palästina, seine sozialen Verhäftttisse, seine wirtschaftlichen Möglichkeiten usw., aber kein oder doch nur sehr wenige- Bücher über zionistische Ideologie. Es wurde uns Zionisten immer vorgeworfen, und wir selbst haben es getan, daß wir zu viel schreiben und zu wenig leisten. Heute müssen wir sagen: wir leisten immer noch zu wenig, aber wir schreiben auch zu wenig, und — wir denken zu wenig. Wir machen es uns nicht klar, daß eine Organisation, wie die zionistische es ist, ihre Kraft nicht aus der Materie bezieht, sondern aus der Idee, und daß wir, wenn wir beim jetzigen Palästina-Aufbau Träger des Aufbaues und nicht nur seine Zuschauer sein wollen, vor allem die Menschen erfassen müssen, die ihren Blick nach Palästina richten. Das Moment aber, das die Menschen erfassen könnte, ist nicht materieller Natur — denn dieses kann auch ohne uns befriedigt werden — sondern geistiger Natur. Wenn die Menschen als Menschen von der Idee gepackt sein werden, dann werden sie auch in unsere Organisation kommen, mit allem was sie sind und mit allem was sie haben. Und darum muß unsere Parole heißen: Zionisiening der paläst i nozentrisch eingestellten jüdischen Massen. Die selbstverständliche Forderung einer ideologischen Fundierung wird heute aus mancherlei Gründen vernachlässigt, die alle auf einen Nenner gebracht werden können: die Realisierung des zionistischen Gedankens. Im Zeitalter der Realisierung ist kein Raum für Ideologie vorhanden. Wir haben Wichtigeres zu tun, wir müssen bewässern, aufforsten, Heimatlose ansiedeln. Dieser Stand-

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