Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 301 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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4 Stile 10 DIE STIMME flfr 301 — 20. September 1033 jaJifcii FRAUENBEILAGE DER «STIMME MITTWOCH, 20. SEPTEMBER 1933 (29. EMIL) 1. JAHROANO NUMMER 1 Die Stimme der rrau Eher den XTIIL ZMnlstenkondreO n w j »£? 13 Frauen - und der Kongreß Von Dr. Martha Hof mann. Wien 318 gewählte Vertreter des jüdischen Volksparfaments — darunter nur ein Dutzend und eine Frau! Nicht einmal 5 Prozent der größeren Hälfte des jüdischen Volkes! Was tun sie, was denken sie, was fühlen sie bei diesem endlosen Kongreß der Gegensätze, der fast nur durch ein Wunder ein Ende findet? Kommt ihre Stimme, die Stimme der Frau, in diesem Konzert der Disharmonien zur Geltung — wünscht sie zur Geltung zu kommen? Hat sie zum politischen Lied, dem garstigen, etwas hinzuzufügen und will sie die jetzige Tonart beibehalten oder verändern? Diese Fragen waren es, die mich in den zahllosen Pausen zwischen den Tagungen und Fraktionssitzungen des Kongresses veranlaßten, die 13 weiblichen Delegierten aller Fraktionen kennenzulernen und ihre Antworten zu provozieren. Zunächst zur ominösen Zahl 13, die immerhin größer ist als bei früheren Kongressen, zweifellos aber kleiner als bei den kommenden: die amerikanische «Ha dass äh» hat keine einzige Delegierte entsendet, obwohl sie sich im Wahtebkommen die Hälfte der Üppositionsmandate (man glaubte damals in Amerika an 30) hatte Zusagen lassen. Bekanntlich schloß sie sich korporativ der amerikanischzionistischen «Rechten» unter Führung von Dr. Stephen Wise an. Doch dann errang ganz Amerika nur — zehn Mandate, davon 5 Gruppe Lipsky, 5 Gruppe Wis4. Die Hadassah ging leer aus . . . Andere behaupten, sie hätten zwei Mandate erhalten, aber keinen Gebrauch davon gemacht. Genug — sie war nicht auf dem Kongreß vertreten. Nur in den ersten Tagen der Eröffnung sah man Mistreß Jacobs, die frühere Präsidentin, als Gast. Die Wizo hingegen hatte nicht als Partei kandidiert« ja sie hat ach prinzipiell bei ihrer letzten, dem Kongreß unmittelbar vorangegangenen 7. Konferenz gegen eine eigene Parteüiste der Wizo ausgesprochen, vielmehr ihren Mitgliedern nahegelegt, innerhalb ihrer Fraktionen zu kandidieren. Dieser Vorschlag, schon rechtzeitig lanciert, hätte wahrscheinlich eine größere Beteiligung nach sich gezogen. Jedenfalls sah man in den Bänken der Allgemeinen Zionisten und dgr Linken eine Reihe von Frauenköpfen, die man auch $yf der Wizo-Konferenz auf führendem Platze bemerkt hatte. Zunächst zu den weiblichen Delegierten der größten Fraktion, der Linken: Sechs an der Zahl, kommen sie fast alle aus Palästina, auch wenn sie, wie Frau Ada Fischmann, wohl die bekannteste von allen, in Argentinien gewählt wurden, wie Frau Rachel Rubaschow in Amerika oder wie Aliza Szydlowska (Kinereth) und Myriam Sziomowitz, (Ejn Charod) in Polen, wo die beiden letztgenannten Frauen seit dreiviertel Jahren in Hechaluz organisatorisch tätig sind. Schließlich sind Frau Nina Zuckermann aus Amerika zu nennen und Frau Irmi L i n d h e i m, die von den Arbeitern Palästinas gewählt wurde, was für eine ehemalige Präsidentin der vorerwähnten rechtsbürgerlichen «Hadassäh» einen merkwürdigen Entr Wicklungsweg kennzeichnet. Tatsächlich lebt Frau Lindheim — übrigens Verfasserin des fesselnden Palästina-Buches «Immortal Adventure» — seit einigen Jahren in Palästina, wo sie eine rege Tätigkeit im Rahmen der Arbeiterorganisation entfaltet tind interessante Arbeitspläne entwickelt. Unter den Allgemeinen Zionisten bemerken wir Frau Marja A p t e aus Krakau, neugewähites Mitglied der Wizo- Exekutive, eine vornehme und kultivierte Persönlichkeit, die auf organisatorischem Gebiete viel geleistet hat. Ferner Frau Dina Karl aus Lemberg, zweite Vorsitzende der Wizo- Födferatian aus Galizien, eine Frau von sprühendem Witz Und lebhaftem Blick für das Reale. Die Engländerinnen Mrs. Ethel H i y m a n aus Südafrika und Mrs. S. I. L e v y aus Liverpool, England, waren gleich den beiden früher Genannten auch Delegierte der Wizo-Konferenz, ebenso die erwähnten Arbeiterführerinnen Ada Fischmann und Rachei Rubaschow. ln den Reihen der Misrachi erblickten wir zwischen grauen Bärten und schwarzen Hüten den blonden Mädchenkopf der Miß Mary Berman aus New York, Vertreterin der Misrachi-Mädchenorganisationen Nordamerikas. Die in Amerika nicht unbeträchtliche Misrachi-Frauenorgansation (welche auch, allerdings mit .geringem Erfolg, auf dem Kontinent Fuß zu fassen versuchte) hat keine eigene Delegierte, was um so weniger Wunder nimmt, als die Misrachi-Fra<uen, den orthodoxen Anschauungen ihrer Fraktion entsprechend, an dem Kampfe der jüdischen Frau um gleiches Gemeindewahlrecht niemals tcilnehmen durften. Wird die Jugend hierin Wandel schaffen? Ist die Anwesenheit der jungen Delegierten hiefür nioht an sich ein Beweis? Miß Mary Berman verneint. Gemeindewahlrecht ist für sie uninteressant, in Amerika gibt es bekanntlich nicht jüdische Gemeinden in unserem Sinne, von Palästina weiß sie noch nicht viel, doch ist sie im Begriff, dorthin zu reteen Auch die Frau der äußersten Rechten, Frau Dr. Hahns Joz aus Warschau, eine Jabotinsky-Revisjonistin (deren Gate übrigens unter den Großmama-Revisionisten sitzt), vermag auf diese Fragen nur negativ zu erwidern. Sie sieht keine Spezialaufgabe für die Frau im Zionismus — es sei denn Tozereth Haarez. Die Frauen sind ihrer Meinung nach politisch ungeschult und passiv, das ist schädlich, sie sollten sich zur Teilnahme am politischen Leben des Revisionismus aktivieren. Eine eigene Note der Frau in der Politik? Kemcsfalls! Ein Kooperieren mit den Frauen der anderen Fraktionen scheint ihr ausgeschlossen. Die Frau soll die eigene (revisionistische) Fraktion unterstützen und sich im Übrigen im «Weref» (Weltverband revisionistischer Frauen), der seine ersten Gruppen in Polen gebildet hat, organisieren. Anders klingt die Antwort der Frauen von der Mitte. leisteten und Versäumten, mit Ihrem Wunsche, hier Wandel zu schaffen, nicht hinter dem Berg. Aehrilich äußern sich bemerkenswerterweise die Arbeiterinnen. Ada Fischmann sagt: «Die Frauenarbeit in Palästina, eines der wichtigsten ökonomischen und sozialen Probleme des Aufbau8, fehlt noch immer in der Tages* Ordnung des Kongresses, weil wir nioht namens der Wizo darüber Bericht erstatten. Ich meine nicht, daß jede einzelne weibliche Delegierte darüber referieren sollte, das würde langweilen. Aber ein großangelegter, konzentrierter Bericht über dieses Arbeitsgebiet und seiner Probleme — das würde unerwartetes Interesse finden. Wir Frauen sollen nicht der Politik die Vorzugstellung in unserer Aktivität einräumen, wie es die Männer meistens tun. Wir alle besitzen als einigendes Band den Kampf um unsere Gleichberechtigung und Selbständigkeit als Frauen. Wir dürfen auch innerhalb der Fraktionen nicht den Blick für das Ganze verlieren. Ich selbst habe nie im Rahmen meiner Arbeit nach der politischen Gesinnung einer Einw&nderin in Palästina gefragt. Ich habe gefragt: „Was kannst du?", nicht aber: „was bist du?" Ich halte die Möglichkeit der Zusammenarbeit aller werblichen Delegierten des Kongresses auf dem Gebiet praktischer Aufbauarbeit Palästinas nicht nur für möglich, sondern für zweifellos.» Frau Rubaschow-Kazneison hält eine stärkere Vertretung der Frauen auf dem Kongreß für notwendig und meint, die Frau werde diese erringen, wenn sie nur selbst ernstlich wolle. Das habe sich im Rahmen der Arbeiterorganisation Palästinas gezeigt, die nach harten Kämpfen jetzt immer 20 bi6 30 Prozent weiblicher Delegierter bei ihren Tagungen enthalte. Sie sieht die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit den Frauen anderer Fraktionen, besonders auf dem Gebiet sozialer Fürsorge und im Kampf um das gleiche Wahlrecht gegeben. Jahrelang haben die Frauen Palästinas — Arbeiterinnen und Bürgerliche (ausgenommen Misrachi-Frauen) — um das Wahlrecht für die Assefath Haniwcharim gedämpft. Es wäre jetzt möglich, eine gemeinsame Frauenresolution dem Kongresse zwecks Erlangung des Wahlrechtes in Städten mit gemachter Bevölkerung (in Tel-Awiw besitzen wir es bekanntlich) vorzulegen. Die Arbeiterin Myriam Sziomowitz aus Ein Charöd ist der festen Ueberzeugung, daß durch stärkere Vertretung der Frauen im Kongreß die Einheit und der Friede der Bewegung wieder hergestellt würden. Sie hält die Zusammenarbeit aller weiblichen Delegierten des Kongresses besonders auf dem Gebiete der Fraucrtalijah für selbstverständlich. Es würde zu weit führen, die Meinung aller restlichen Delegierten hier wiederzugeben, die sämtlich, insbesondere Mrs. L e v y aus Liverpool, beklagen, daß die Stimme der Frau im Kongreß nicht zur Geltung kommt; die den Mangel' an Oekonomie des Kongresses — mit Menschenkraft, Zeit unfl Geld — scharf kritisieren und dem produktiveren und praktischeren Verlauf der Wizokonferenz gegenüberstellen. «Gerade in der furchtbaren jüdischen Situation der Gegenwart wäre eine einheitliche Stimme des ganzen Kongresses unbedingt notwendig ‘'ewesen. Die Welt hat darauf gewartet. Wir Frauen haben es verstanden. Unsere Intuition hat Recht behalten. Doch wir wurden nicht gehört.» Das ist die Stimme der Frau über den XVIII. Zionistischen Kongreß. rnmum iTalüstinaarbeit der Von Madae&a fumuei (Jerusalem) Auf der Konferenz der Organisation zionistischer Frauen («WIZO») referierte Ha^assa Samuel, die in Palästina geborene Schwiegertochter des englischen Exministers und ehemaligen High Commissioners Sir Herbert Samuel, über die Entwicklung der von der WIZO in Palästina erhaltenen Institutionen, die vor allem der Berufsausbildung der Mädchen dienen. Wir bringen aus diesem interessanten Referat die nachfolgenden Abschnitte: Der Bau des zweiten Hauses der landwirtschaftlichen Mädchenschule in N a h a 1 a 1 ist begonnen worden und soll, wenn alles gut geht, im Herbst fertig sein. Ein anderes Problem wurde aber in letzter Zeit viel brennender, als es je vorher war: ,die W a s s e r f r a g e. Ihr glücklichen Menschen, die Ihr in Ländern lebt, in denen Wassernot unbekannt ist. Ihr wißt nicht, könnt dieses Problem kaum in seiner ganzen Schwere verstehen. Die Brunnen in Palästina sind nach langer Zeit der Regenarmut ausgetrocknet, und das Gesicht des Landes wird von Tag zu Tag brauner und dürrer. Palästina hat sich mit großer Energie auf die Suche nach der Lösung dieses Problems geworfen. Es gibt kaum einen Winkel im Lande, wo jetzt nicht nach Wasser gesucht und gebohrt wird. Wie Sie wisseh, gibt es in Palästina einerseits die wasserreiche Ebene der Citruspflanzungen, den Emek und die Berge. Am meisten leidet der Emek, und im Erpek ist wohl Nahalal in der schlimmsten Situation, weil es in der ariden Zone liegt. Die Quellen liefern in letzter IlMT 24. Oktober ab Wien 1933 NSharfe Auskünfte €€ „PAG Sprechstunde aj 1. September: WIEN VI.. CAPISTRANGASSE 2 T«t B 25-3-81 Dienstag bis Freitag halb 10 bis 12 Uhr Zuvarlisalga Beratung In allen PalStyl..Wizo?Fjrauen zumal halten mit ihrer kiaitik an dem Ge- I allne« und Releefrnge» Zeit kaum ein Dritte! des normalen Wasserquantums. Selhßtverständlich verfehlt diese Knappheit an Wasser nicht, sich sehr nachteilig auf die Entwicklung der Farm und den Unterhalt der Schule auszuwirken. Die Finanzkrisis hat uns daran gehindert, unser? Institutionen auf den Standard zu bringen, den sie, um mit {lern raschen Aufwärtsstreben Palästinas Schritt zu halten, enreichen mußten. Sie müssen bedenken, daß unsere Institutionen, mit wenig Ausnahmen, ein Dezennium alt sind. Wir haben ihnen gegeben, was sie zum Unterhalt brauchten, aber wir haben in ihrer Ausstattung nicht Schritt gehalten mit den modernen Anforderungen, und wir halten in dieser Hinsicht den Vergleich mit Farmen und Schulen dieser Art sogar in Palästina selbst nicht mehr aus. Die Nahalal-Schule versuchte aus eigenen Anstrengungen sich langsam zu entwickeln. Ueber die anderen landwirtschaftlichen Institutionen, die Mädchenlehrfarm in Neß Ziona und die vier Mädchenfarmen kann man berichten, daß wir ln ihnen in überaus glücklicher Zusammenarbeit mit der Moazath Häpoalath (Arbeiterinnenrat) kooperierten. Die Moazath Hapöalath hat uns in den letzten beiden Jahren jeden möglichen Beistand geleistet in der Entwicklung dieser Farmen und ln der Festlegung ihrer Arbeitsrichtung. Die drei Farmen in Judäa haben in der Berichtsperiode gute Jahre gehabt. Durch die Konjunktur der Citrus-Pflanzungen, die den Verkauf der Citrus-Stecklinge sehr günstig gestaltete, waren sie zujh Teil fähig, sich selbst zu erhatten, Es muß aber bedacht werden, daß auch diese Institutionen noch nicht konsolidiert sind. Neß Ziona, das erst viel später als die anderen Institutionen errichtet wurde, konnten wir schon von Anfang an mit modernen Mitteln aufbauen, aber dieser Aufbau befindet sich noch in den Anfängen und die Weiterarbeit erfordert dringendst weitere Investierungen. Die Mädchenfarm Afuleh im Emek macht uns Sorge. Die Fortsetzung ihrer Existenz ist bedingt durch die Errichtung einer Wasserqnlage und durch ihren Ausbau, der immer noch nicht fertiggestellt ist. All das erfordert neue erhebliche Geldaufwendungen. Trotzdem wir mit dieser Farm schon so viele Schwierigkeiten hatten und sogar schon fürchteten, nicht fähig zu sein, sie weiter zu halten, haben wir eingesehen, daß das Bedürfnis nach einer Ausbüdmigsmöglichkeit dieser Art im Emek — der einzigen in ihrer Art — gerade heute so stark ist und daß die Anstrengungen, die Hingabe und nicht zuletzt die Mittel, die schön darin investiert wurden, ihre Weiterführung durchaus rechtfertigen. Jede andere Art, die gleiche Anzahl von Mädchen landwirtschaftlich zu schulen, würde vlet mehr kosten. Daher sind wir sehr froh, die Möglichkeit zu haben, an feine Weiterführung der Farm zu denken. Unsere älteste Institution, die Hauswirtschaftsschule in Tel-Awiw, steht vor wichtigen Entscheidungen. Wir verhandeln mit der Stadtverwaltung von Tel-Awiw über den Veri