Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 301 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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fette 1* DTE STIMME Nf. 301 — 20. September 1933 punkt ist begreiflich, er ist berechtigt. Aber bis in seine äußersten Konsequenzen durchgeführt, ist er gefährlich und kann in seinen Folgen das Entgegengesetzte von dem erreichen, was beabsichtigt wird. Es ist eine der wunderbarsten Bestätigungen des Zionismus, daß er kein Märchen mehr ist, daß er zu einer sehr realen Größe, zu einer Notwendigkeit geworden ist und daß er seinen Inhalt und sein Ziel verwirklichen darf: dem vertriebenen, getretenen Ewigen Juden ein Heim zu schaffen. Aber gerade wegen dieser Bestätigung dürfen wir die gedankliche Konzeption des Zionismus nicht vernachlässigen. Denn es war der Gedanke, der die Grundlage für unser Heim geschaffen hat, und nur durch den Gedanken wird Palästina mehr sein als eine Ansiedlung von Juden. Vergessen wir nicht, daß der Zionismus nicht nur eine Kolonisationsbewegung und die Zionistische Organisation nicht nur eine Emigrations- und Kolonisationsgesellschaft ist. Wenn man bedenkt, daß Palästina heute das» Gesprächsthema aller jüdischen Kreise bildet, auch jener, die vor wenigen Monaten noch von Palästina nichts wußten und nichts wissen wollten, und wenn man mit dieser Popularität des Palästina-Gedankens die Zahl der Schekelzahler vergleicht, die für den letzten Kongreß ihre Stimme abgaben, so gelangt man zu einem erschütternden Ergebnis. Und ich wiederhole, hier könnte der Zionismus Wandel schaffen, wenn er sich auf seine Quellen besinnen würde. Die jüdischen Massen sind heute williger und fähiger, den Zionismus aufzunehmen, als dies vor dreißig Jahren der Fall war, aber man darf nicht nur die Not des einzelnen zum Ausgangspunkt nehmen, sondern die Judennot der Gesamtheit, man darf nicht nur an die Berechnung appellieren, sondern an die Begeisterungsfähigkeit des jüdischen Menschen, der Zionismus muß wieder jung werden und irrational, und darf, trotz seiner Realität, den Charakter des Ideals nicht verlieren. Kein Gemeinwesen kann heute des emotionellen Moments entbehren, kein Staat kann auf selbstlosen Patriotismus verzichten. Nur wenn sie ihre Menschen zu Begeisterung und Patriotismus erzieht, kann die Zionistische Organisation aus einem Zweckverband das werden, was sie sein soll; der Judenstaat unterwegs. Und noch ein Mangel ist es, der auf jede zionistische Werbearbeit lähmend wirkt: der Mangel einer einheitlichen, allgemeingültigen zionistischen Ideologie. Jede Partei hat ihre eigene Ideologie, und wenn wir uns auch noch so sehr bemühen, das Wesentlichste, Allgemeinste, allen Gemeinsame herauszugreifen, so geraten wir unweigerlich in einen Konflikt mit der einen oder anderen Richtung innerhalb des Zionismus. Wenn wir einen Menschen für dem Zionismus werben wollen, so gilt es vor allem zu wissen: für welchen Zionismus? Bevor also ein solcher Neuankömmling sich für den Zionismus entschieden hat, muß er sich schon entscheiden, ob für Rechts, für Links oder für Otflas Zentrum. Da ist es begreiflich, wenn er es vorzieht, unbeschwert von zionistischem. Parteihader, seinen Weg, nur von wirtschaftlichen Momenten bewogen, nach Palästina zu gehen. Auch dieses Ueberwuchern der Parteiideologie scheint seine Wurzel in der «Realisierung* zu haben. Denn da nun der Zionismus verwirklicht werden soll, muß diese Verwirklichung eben in der von der jeweiligen Partei als richtig angesehenen Form geschehen. Auch diese Gegensätze sind begreiflich, und mehr als das, notwendig und sogar wünschenswert, weil sie ein Symptom lebendigen Wirkens darstellen. Aber eines: sie sollten nicht ausarten, sie sollten niemals eine Atmosphäre von Kampf und Haß schaffen, die die Gemeinsamkeit des Zieles völlig illusorisch macht. Wenn wir neue Menschen für den Zionismus und die Zionistische Organisation erziehen wollen, dann müssen wir mit dieser Erziehungsarbeit in unseren eigenen Reihen beginnen. Eine zerrissene Organisation, in der es ununterbrochen gärt, kann nach außen keinen Eindruck üben, sie kann nicht aufbauend wirken, sie kann keinen Patriotismus einflößen. Und daraum muß auch in dieser Richtung die Erneuerung von Innen heraus geschehen. Der zionistische Mensch muß sich wandeln, der Zionismus als Idee muß wieder lebendig fterden, dann erst wird Palästina-Aufbau und Zionistische Organisation Hand in Hand gehen und eine äußere und innere Einheit bilden. Der Vortrag M. M. Ussisckkins Im großen Musikvereinssaal Ueber Einladung des jüdischen Nationalfonds und der Histadruth Iwrith spricht M. M. U s s i s c h k i n am 26. Sepember, %8 Uhr abends, im Großen Musikvereins- . aal über: «Die Lage im Zionismus und die Perspektiven in Palästina». Programm des Abends: Eröffnungsreden: Präsident der Histadruth Iwrith Dr. David R o t h b 1 u m (hebräisch), der °räsident des Nationalfonds, Herr Adolf B o e h m, dann folgt der Vortrag Ussischkins. Vor und nach den Vorträgen singt der jüdische Gesangverein. Kartenvorverkauf im Keren Kajemeth, I., Kärntnerstraße 28; Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20, und in allen Kartenbureaus. Palä8tina-Beratungs- und -Auskunftsstelle für Frauen und Mädchen Die Organisation Zionistischer Frauen Oesterreichs und die Z. M. V. «Mirjam» hat in den Räumen des Zionistischen Landeskomitees, I., Kärntnerstraße 28, ihre Beratungsstelle wieder eröffnet. Diese Auskunft- und Beratungsstelle steht unter der Leitung der Frau Dr. Amalie Kantor (Wizo) und Frau Dr. Henriette Lichtenstein (Kontinentalbund der Zion. Mädchen Vereinigung «Mirjam»). Sprechstunden: Dienstag ttiidiea 3 und 7 Uhr abend*. Zum Vortrage D. Rentez im „Coniinentai“*) Objektives Streben und zionistische Verantwortung dürfte Herrn Dr. E. Zweig veranlaßt haben, den für den 12. September angesetzten Vortrag der Liga für das arbeitende Palästina, bei welchem die Vertreter der palästinensischen Arbeiterschaft, J. Mereminski und B. Katzenelson sprechen sollten, aufzusuchen. Er wollte, wie er in seiner Darstellung in der «Stimme» vom 14. ds. anführt, einer übertriebenen und unverantwortlichen Berichterstattung vor-beugen. Leider scheint Herr Dr. Zweig in der erwähnten Darstellung seine eigenen Grundsätze außer acht gelassen zu haben, denn sonst ist die Nachsicht, mit der er die an den skandalösen Vorgängen Schuldigen behandelt, nicht zu verstehen. Leider ist die bis nun seitens verantwortungsvoller zionistischer Kreise und Persönlichkeiten geübte Nachsicht zum Teil schuld daran, daß es zu derartigen Vorfällen in einer zionistischen Versammlung kommen kann. Nun zur Darstellung der Vorfälle: Eine Gruppe von 70 bis 80 Betanim war zum Vortrag gekommen, in der Absicht, denselben zu stören. Dafür spricht die Aeußefung eines «verantwortlichen* Revisionisten, daß in Wien künftighin nie mehr eine Versammlung der «Linken» stattfinden werde. (Nähere Angaben und Namen können einer unparteiischen Kommission, bezw. einem zionistischen Ehrengerichte zur Verfügung gestellt werden.) Aus dem Kreise dieser Betarim, die in einer geschlossenen Gruppe beisammensaßen, erscholl der Ruf nach «Ivrith», von Leuten, die selbst kein Wort Hebräisch verstehen. (Es wäre im übrigen eine interessante Feststellung, wieviel Prozent der Leute des «Haschomer Hazair» und des «Betar» in Wien die hebräische Sprache beherrschen. Der Redner wies die Rufe mit dem Bemerken zurück, daß, wenn er examiniert werden soll, er wohl das Examen bestehen werde, indessen wünsche er, von allen Anwesenden verstanden zu werden. Nach wenigen Worten des Redners ging der Tumult in den rückwärtigen Reihen los. Im Zusammenhänge mit den Roheitsakten sprioht Herr Dr. Zweig von einem Mitgliede des «Haschomer Hazair*. Auch ich konnte ein jugendliches Mitglied dieser Organisation mit blutigem Gesichte aus dem Saal wanken sehen. Es dürfte kaum anzunehmen sein, daß er sich diese Verletzungen selber beigebracht, oder daß ihn die Gegenseite mit Glacehandschuhen behandelt hätte. Als die Ruhe im Saale wieder hergestellt war, wurde dem Redner, zum Zeichen, daß der Vortrag fortgesetzt werden soll, und nicht gerade aus dem Kreise «der jugendlichen Poale-Zionisten» applaudiert. Herrn Doktor Zweig beliebt es, den «rauschenden Applaus» als Siegesfeier zu bezeichnen. Und nun zur Kampfesart des «Betar», über die Herr Dr. Zweig mit Stillschweigen hinweggeht. Als die Betar- Leute aus dem Saale hinausgedrängt waren, sammelten sie sich vor dem «Continental» in der Taborstraße und schickten sich an, den Saal zu stürmen. Hierauf wurde Polizei herbeigeholt, um es zu verhindern, daß weitere Türscheiben in Trümmer gehen. Die Polizei wurde von den Betar-Leuten mit den Rufen empfangen, sie möge es doch nicht zulassen, daß eine Versammlung jüdischer Kommunisten stattfinde. Nicht genug daran, wurde ein jüdischer Student, der vor dem Abschlüsse seiner Studien steht, von einem Revisionisten der Polizei ’ denunziert, er hätte «Hoch Moskau! geschrien. (Der Name des Denunzianten und Angebers ist bekannt und könnte einem Parteigerichte zur Verfügung gestellt werden.) Der Student, aus der jüdischen Jugendbewegung hervorgegangen und seit fast 10 Jahren zionistisch tätig, wurde auf Grund dieser Denunziation von der Polizei im Schnellverfahren zu 6 Wochen Arrest verurteilt. Es Weibe der zionistischen Oeffentlichkeit überlassen, sich ihr eigenes Urteil über eine solch' niedrige und schändliche Kampfesart zu bilden. Wenn solche Methoden nicht verurteilt werden, dann darf man sich nioht wundern, daß die jüdische Arbeiterschaft in Erez Israel, die unter den schwierigsten Bedingungen Pionierarbeit für das Wohl des ganzen Volkes geleistet hat und leistet und nun zum Danke als Kommunisten bezeichnet wird, obwohl es allgemein bekannt sein durfte, daß der Haß des Kommunismus in Sowjetrußland sich gerade gegen die Kreise der Zionisten- Soziahsten richtet und sie unter den Verfolgungen am meisten zu leiden haben, nun erbittert über solche Kampfmethoden wird und sich ein gefährlicher Explosivstoff häuft. Und nun ein Appell an alte Kreise: Mit allen Mitteln dem verheerenden inneren Kampfe, der nur unseren Gegnern und Feinden in die Hände arbeitet, e i n Ende zu bereiten und insbesondere Kampfformen, basierend auf Angeberei und Denunziantentum, mit Stump! und Stiel auszurotten. Dr. Ch. Scdi. Die Arbeit des Keren Ka]e* meth Keren Kajemeth-Aktlon ln Eisensladt. In den letzten Wochen wurde in Eisenstadt eine Keren Kajemeth-Sondersammlung durchgeführt. Inzwischen wurden an den KKL. S 79.20 abgeführt. September-Büchsenleerung. Die , September-Leerung findet in der Zeit vom 24. September bis 8. Oktober statt. Sie findet während der Anwesenheit Ussischkins stattl Das Leerungsnuaterial ist Sonntag, den 24. September, ab 8 Uhr früh im Keren Kajemeth- Buneau zu holen. Silbernes Buch des Keren Kajemeth. Max Falk-Sophie Süßholz anläßlich ihrer Hochzeit am 3. September durch die Hochzeitsgäste (Nr. 177). Ein Vortrag David Yellins in Wien Ueber Einladung der Histadruth Iwrith spricht Samstag, den 23. d. M., 8 Uhr abends, im Saale des Hanctelsmuseums, IX., Berggasse 16, der berühmte hebräische Spraohenforscher, Schriftsteller, Dozent der hebräischen Universität und Direktor des Lehrerseminars in Jerusalem über das Thema: «Die hebräische Universität in Jerusale m.» (Der Redner spricht hebräisch und deutsch.) *) Zu unserem Berichte über den Remez-Vortrag, den wir in der vorigen Nummer gebracht haben, erhalten wir die gegenständliche Darstellung, die wir nach dem Grundsätze «audiatur et altem pars» veröffentlichen. (Anm. d. Red.) Juden Währingsl Decket Euren Bedarf an Lebensmitteln, Delikatessen, Waschartikeln sowie Weine und Liköre bei Gesinnungsgenossen Isidor Tilllnger, XVIII., Gersthoferstraße 103 (B 46-8-64), welcher schon bei Kauf von S 5.— aufwärts franko Haus liefert. JingerliBlMr (Hochschulbildung) sucht die Bekanntschaft einer jungen Dame zur Heirat und Uebersiedlun^ nach Palästina. Hat Interesse nur für innerl. u. außerl. hochwertiges Mädchen, kultiviert u. harmonisch, charaktervoll u. natürlich, welches Güte und Anpassungswillen zur Formung einer innigen Lebensgemeinschaft mitbringt. Ich biete dem Geforderten Gleichwertiges. Vorurteilsfreie Kameradin, mit Vermögen, die gewohnt ist, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, schreibt mir vertrauensvoll mit Bild (wird ehrenwörtlich retourniert) unter «Weggenossin» an die Administration des Blattes. Kinderheim .Tante mar»' lilr 3-i5janrige Wlan, IX., RoBauerlflnde 29 - Tel. A 11-3-14 Altbewährt. Kinderheim ersten Ranges. Schönste Lage an Donaupromenade. Sonnige große Räume. Beschränkte Kinderanzahl. Inu. Auslandsreferenzen. Prospekte. Internat, Externat. Beste Schulen in nächster Nähe. Kindergarten. Halb- und ganztägig. Abholung. Ueberraschende Erfolge mit schlecht essenden Kindern. Kindersprachschule. Französisch, Englisch, Hebräisch, Deutsch (für Ausländer) auf unterhaltende Art Anfänger- und Vorgeschrittene Kurse. 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