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Die Stimme · 1933-09-20 · Heft 301 (20.9.1933) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 301 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3Ör — 20. September 10» DIB STIMM nm* Ussischkin ist stark erregt. Seine Stimme klingt nun* Oft m I «m lh - HlifadriMh «vrtih spricht DIENSTAG, den 26. SEPTEMBER, um halb 8 Uhr abends im GROSSEM MUSIK VEREINSSAAL über ..Die Laue Im Zionismus und In Palästina EINTRITTSKARTEN erhältlich KEREN KA|EMETH, Wien, l, Kärnfnetsfraße 2h, lei. K *7 8-20 und Bücherstube M. RATH, II. Tabors raße 20 a, Tel. K 43 1 59 t** mehr weich und gütig: «Die Sünden gegen die eigenen Brüder.» «Sind wir nicht ein Volk der Barmherzigkeit? Haben wir jemals unsere Volksgenossen in Zeiten der (Jefahr verlassen? Haben wir vom ersten Tage an, an dem wir das eigene Vaterland verlassen mußten, Witwen und Waisen von ans gestoßen, Kranke und tiresthafte ihrem Elend überlassen, Ureise und Hilflose vor die Türe gesetzt? Haben wir nicht gegenseitig unsere Schmerzen gelindert, unsere Kinder versorgt? Haben wir nicht die armen Bräute ausgestattet und Sterbende auf dem Totenbette getröstet? Gibt es eine Judengemeinde auf der ganzen Welt, in der sich nicht wenigstens eine einzige Gesellschaft, die Chewra Kadiscba, gemeinnützig und hilfreich betätigt?» «Nein, tausendmal nein! Dieser Sünden wegen bedürfen wir eines Versöhnungstages nicht. Wir sind miteinander im wohltätigen Wirken stets versöhnt, täglich, stündlich . . .» Die Gemeinde lauschte andächtig diesen ungewöhnlichen Worten. Eine untragbare Spannung erfüllt die weite Bethalle der großen Synagoge von Wilna. Ussischkin reckte sich auf der Kanzd, seine Gestalt schien größer und größer zu werden, er ruft: «Aber die Sünden gegen das Hejlige Land . ..1» «Diese Missetat bedarf der Sühne, dieses Verbrechen bedarf der Vergebung, dieses unser sündiges Verhalten des Versöhnungstages.i Und Ussischkin f ührt der aufhorchenden Gemeinde die Bedeutung des Heiligen Landes für das jüdische Volk vor Augen. Des Landes, das der Gott der Bibel seinem Volk verheißen und gegeben hat. Dem wir alles, was wir waren, sind und sein werden, zu danken haben. Des Landes, das uns geformt und gebildet, unser Schicksal besiegelt, uns für die Diaspora gestärkt und zu Trägern eines unerfüllten Traumes und einer ungestillten Sehnsucht gemacht hat. Des Landes, das bestimm! ist, uns einst zü sammeln und zu vereinigen, nach Jahrtausenden der Zerstreuung und körperlicher und seelischer Pein. Des Landes, das wir mil unseren Lippen angebetet, mit unserem Herzen herbeigesehnt und doch im Wechsel der Jahre nichts unternahmen, um unsere Gebete nicht lückenhaft und die Sehnsucht unseres Herzens wie ein Spiel phantastischer Träumerei erscheinen zu lassen. Des Landes, dem wir die Treue schworen, die wir täglich brachen, das wir erlösen konnten, aber nicht erlösten und das selbst unserer harrt in Glauben und Treue. Denn seine Scholle hat sich nie der Hand des Fremden gefügt, eröffnete sich aber segensreich der Berührung der eigenen Stammesgenossen. Die Sünden gegen dieses unvergeßliche und vergessene Land, das am Eingang unserer Geschichte für uns bereitstand und bereitstehen wird, bis ans Ende aller Tage, sind groß und unverzeihlich und bedürfen der Vergebung und <!4s. Versöhnuhgstages.» lind er stand da. wie ein Prophet auf der Kanzel, die seit dem; Tode des Gaon von Wilna kein Prediger betreten durfte. Sein?. Äugen blitzten, sein Gesicht aber war bleich und erschimmerte fahl im Lichte der Seelenkerzen. Das Volk aber ließ tieferschüttert die Strafpredigt des Gastes aus Jerusalem über sich ergehen. Als er die Kanzel verließ, Kmtde io den hinteren Reihen leises Schluchzen hörbar, das immer lauter und lauter wurde . . . So predigte Ussischkin einmal in der großen Synagoge cu Wilna. Ussischkin der Hebräer (m Leben Ussischkins gibt es keine Sprünge und beinahe könnte man sagen, keine Entwicklungsstufen. Vom ersten. Anfang seines Eintrittes in die zionistische Welt gehört seine ungeschmälerte Liebe und Pflichterfüllung der hebräischen Sprache und Kultur. Im Jahre 5047 schloß er sich dem Orden «Bnej Mosche» (der die Schöpfung Achad Haams war) an. Die ureigenste Frucht dieses Bundes war der hebräische Verlag «Achiasaf», der Grundlegendes schuf und vor allem den «Haschiloach» und den «Hador» herausgegeben hat. Der Haschiloach wurde der Brennpunkt des geistigen Zionismus, zugleich war er das literarisch wertvollste Organ der hebräischen Bewegung seit der Zeit der «Measfim».- Seine erzieherische Wirkung auf Literatur und Leben war außerordentlich. Es genügt daran zu.erinnern, daß in diesem Organ Achad Haams Aufsätze, Bialiks Gedichte, Mendeles klassische Eigenübersetzungen aus dem Jüdischen erschienen und daß alle hervorragenden Dichter und Denker jener Zeit sich in dieser Zeitschrift ihre ersten Sporen verdienten. Als nun der Haschiloach in materielle Not geriet, da erließ Ussischkin an die Judenheit einen Aufruf «Gebt 1000 Abonnenten» und der Haschiloach war gerettet Ussischkin war der Präsident der Chowewei Zion und es war daher, nur natürlich, daß das Hauptaugenmerk dieser Vorläuferin dieses politischen Zionismus dem hebräischen Schulwerk galt. Nur ein Ussischkin vermochte es, den Gedanken zu fassen und zu verwirklichen, die hebräischen Lehrer Palästinas zu organisieren. Waren diese doch die ersten, die das Hebräische verlebendigten. Ussischkins Sympathie gehört dem jüdischen Arbeiter im Lande, obwohl dieser zum großen Teil zur Tradition ein ganz anderes- Verhältnis hat als er, weil der Arbeiter der Hauptträger der Renaissance der hebräischen Sprache, ist. in seiner berühmt geworden Schrift «Unser Programm», die die zweite Alijah cinleitete, Hißt er den Z ouismus aut drei Grundlagen aufbauen: Erlösung des B' > i ns, Kolonisation und hebräsche Sprache und K ii ur. ' •> ,-vhkir wer es iK-i m't W v/'rn-mn *uf dem Wiener Kongreß 1913 in der speziellen Kultursitzung das Referat über die Hebtflische Universität hielt. Vor der Friedenskonferenz In Paris erschien Ussischkin und trug zum ersten Male vor den Großen der Welt die Forderungen des jüdischen Volkes in h e b r ä iscner Sprache vor. Als Präsident des Keren Kajemeth initiierte Ussischkin einen neuen Kurs im Verhältnis zur hebräischen Sprache und Kultur: er schuf die Jugendabteilung, die die berühmte Buchserie «Lanoar» — Monographien über Land und Leute im jüdischen Erez Israel — die Kinderbibliothek „Molaritenu», die hebräischen Lieder mH Noten in Ansichtsksrtenformat herausbringt und die Seele des jüdischen Jungen für die jüdischen Feste empfänglich macht. Auf dem letzten Kongreß war Ussischkin einer der HaumKrderer der Hebräisierung des Zionistenkongresses. In seiner bekannten Beharrlichkeit scheut er sich nicht zu verlangen, daß unsere Universität auf Koryphäen verzichte, wenn sie nicht Hebräisch vorzulragen sich bemühen. Ussischkin ist auch einer der Hauptvorkämpfer dieser hebräischen Universität. Im hebräischen Schriftsteller Ussischkin offenbarte sich zum ersten Male und zum Erstaunen aller ein neuer Ussischkin: ein Mann voll tiefsten Empfindens, der in epigrammatisch-dramatischer Form seine herrlichen Gedanken über jüdisch-zionistische Fragen äußerte. Ein Mann von Seele und Gemüt und nicht bloß der Mann des starken Willens und der Unbeugsamkeit Dr. Chaim Tarfakower. Severin Märgulies und Frau wünschen allen Freunden und Bekannten ein glückliches Neues fahr Ussischkin ln Wien Ussischkin kommt Sonntag, den 24. September, nach Wien! Dienstag, den 26. September, spricht Ussischkin im großen Musikvereinssaal über «Die Lage im Zionismus und in Erez Israel». Er spricht.unmittelbar nach dem Kongreß, sein WortistinunsererBewegung äußerst ge wich 11 glt Kartenverkauf im Keren Kajemeth, I., Kämtnerstraße 28, Tel. R 27-3-20, und in; der Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20 a, Tel. R 43rl-58. Alle Mitarbeiter gruppen werden auch im eigensten Interesse ersucht, den Kartenverkauf raschest durch zu führen. Amtliche Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen Am kommenden Neujahrsfeste toerden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen sowie in den temporären Betveranstaltungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien am Donnerstag, den 21., bezw. Freitag, den 22. September 1933, bei den Hauptgottesdiensten Predigten abgehalten, und zwar : 1., Seitenstetteng. 4: Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang. 1., Drachengasse l (Festsaal des Hotel «Post»): Inspektor I. Oehler. 1., Dumbagasse 3 (Großer Musikvereinssaal): Rabbiner Dr. A. Kaminka. 11., Tempelgasse 5: Oberrabbiner Dr. I. Taglicht. 11., Taborstraße 6 (Festsaal des Hotel «Continental*). Rabbinatskandidat Dr. Moses Landau. 11., Pazmanitengasse 6 (1. u. 2. Tag): Rabbiner Doktor Z. Taubes. 111., Marxergasse 17 (Großer Sofiensaal): Professor Dr. Manfred Papo. III., Untere Viaduktgasse 13: Rabbiner Dr. K. Kupfer. V. , Siebenbrunnengasse la: Rabbiner Dr. M. G. Mehrer. VI. , Schmalzhofgasse 3: Rabbiner Dr. I. Drobinsky. VIII. , Neudeggergasse 12: Rabbiner Dr. M. Bauer. IX. , Mtillnerg. 21 (2. Tag): Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. X. , Humboldtgasse 27: Rabbiner Prof. Dr. A. Weiner. XL, Braunhubergasse 7: Rabbinatskandidat Dr. S. Margulies. XIII., Eitelbergergasse 22: Rabbiner Dr. M. Lewin. XV. , Turnergasse 22: vertretungsweise Rabhinatskandidat Dr. Josef Babad. XVI. , Hubergasse 8: Rabbiner Dr. J. M. Bach. XVlfl., Schopenhauerstraße 39 (1. Tag): Rabbiner Dr. A. Schwarz. XIX. , Dollinergasse 3: Rabbiner Prof. Dr. A. Frank furter. XX. , Kluckygasse 11 (1. u. 2. Tag): Rabbiner Doktoi B. Murmelstein. XXI. , Holzmeistergasse 12: Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Samstag, den 2 3. September 19 3 3, 4 U h r nachmittags (Dcroschoh): II., Pazmanitengasse 6: Rabbiner Dr. Z. Taubes. Konzert J, Segal-Rosenbach (Tenor). Programm: Palästina-Lieder und Volkslieder, populäre ostjüdische Lieder und Volkslieder (hebräisch und jiddisch). Samstag, den 7. Oktober d. J. (Subhot), 8 Uhr ahends, im Konzertsaalc «Post», Fleisch markt 24. Neues Programm. Mäßige F.intrittspreise. 22. 28. September 1033 Freitag (22. Samstag (23.) Jüdischer Kalender Sabbath-AusRang Wochenabschnitt* HaaMnii I. TlSChri 5698 Zu den Feiertagen verwendet jeder «Sliettien»-Olivenöl zum Kocher, Backen und Salat / «Shemen» - Toiletteseifen, das Feinste und Ausgiebigste, daher billigste / «Shemen»-Marseillerseife, 72 Prozent Olivenöl / «Shemen» - Spezial-Koscherseife / Stärket den Absatz Palästinas, verlangt es bei euren Einkaufsquellen, in Parfümerien u. Delikatessengeschäften General-Repräsentant S. R A BIN O W I T S C H, II., Zirkusgasse 10 / Telephon R 48-7-38 Reichsdeutscher Hochschüler erteilt sorgfältigen Madthflfewrterrhtri ' zu erfragen unter „NäBiges Honorar“ Konzess, Hätgsevverwaltung Realu. HypolheUenhanzlei Dr. Karl Rosenfeld VI. Gumpendorfersfraße 39, Tal. B-20-4-46 vergibt Darlehen auf Wiener Zinshäuser, 1. und II. Sätze, zum billigsten Z i nstuß und übernimmt Häuser Verwaltungen zu kulantesten Bedingungen.. in Verbindung mH säm’lichen Schultypen Tagesheim sehr mäßige Preise. Wien. IX. Bezirk, Hörigasse 12 Teleohon A-ll-7 13 Das Palästina- Informationsbuch war innerhalb 8 Wochen vergriffenI 2. Auflage soeben erschienen kundigen Kritik: Das beste Buch seiner ftrl! I Präzise Beantwortung aller Fragen über Palästina- Verwaltung, Steuer, Recht, Zoll, Verkehr, Touristik, i.'.inwanderungs’. :>stimmungen, Exlstenzmögliclikeiten, Zionismus. — Führer durch das Land. — Hebräisches Vokabularium in Lateinschrift. 120 Oktavselten Tatsachen und Ziffern! Eine Landkarte. 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