Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 300 (14.9.1933)
- Date
- 1933-09-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nf. 300 —« 14. September 1033 DIE SUMME Seife T Blumen. Kakteen NIKOLAUS BENEDIK Wien, I., Roten tu rmstraße 29 Telephon U-23-4-66 Brautsträuße — Arrangements — Kränze auf weltlichen Gebieten aber fördert. Denn es ist ja leicht einzusehen, wie sehr man die Autorität der christlichen Glaubensapostel untergräbt, wenn das Volk über die rassenmäßig bedingte Minderwertigkeit dieser Apostel «aufgeklärt» wird. Dr. Seipel hatte auch Gelegenheit, die Größe der Gefahr an einem lebendigen Beispiel zu studieren: an dem Schicksal eines Münchner Kellners, der in den Anfängen der Hitler-Bewegung in einer Kirche eine unliebsame Störung des Gottesdienstes verursacht hatte, da er sich nicht enthalten konnte, die Predigt des Pfarrers mit dem Zwischenruf zu unterbrechen: «Was kann uns Christus helfen, da er doch Jude war!» Es wäre sehr verwunderlich und verhängnisvoll, wenn nach Seipels Tod kein anderer im christlichsozialen Lager die Fähigkeit und den Willen besäße, aus solch lehrreicher Erfahrung'die unabweisbaren Konsequenzen zu ziehen und statt dessen in der Partei die Neigung durchdringen würde, mit den Trägern der Mentalität, deren Opfer der zitierte Münchner Kellner geworden ist, ein Bündnis zu schließen. Was hätten die Christlichsozialen von einem solchen Bündnis zu erhoffen? Ein rein taktisches Kompromiß im Sinne einer «Einheitsliste» erübrigt sich in Zeiten, in denen keine Wahlen durchgeführt werden und es daher auch keine Listen gibt. Ein weltanschauliches Kompromiß zwischen zwei Ideologien, die beide den Anspruch auf «Totalität» erheben («Katholizismus» ist ja das griechische Wort für das lateinische «Totalität»), wäre ein Widerspruch im Begriff. Oder sollte man sich für die taktisch so starke Regierung Dollfuß eine moralische Stärkung durch die Aufnahme Dr. Riehls versprechen? Dann hätte man sich die Mühe sparen können, in dem bekannten Braunbuch der Regierung die Unmoral des Nazibanditentun» aufzuzeigen. Dieses Banditentum hat in Dr. Riehl einen seiner beredtesten Verteidiger vor Gericht gefunden. Bedarf man eines solchen Verteidigers auch in der Regierung, die ihre Popularität dem unnachsichtigen Kampfe gegen das Hakenkreuz verdankt? Die unfreiwillige Trennung Dr. Riehls von Frauenfeld Beb. konz. Realbüro ING. M. Kaut und Verkauf von Realitäten, Hypotheken 1M II, und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, üebäudeverwaltung Büro: Franz Josefs-Kal 11 Tel. R-25-0-44 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 bedeutet keine ideologische Separation, sondern bloß eine geographische. Frauenfeld bleibt Exponent des Dritten Reiches, Dr. Riehl hat sich für die Ostmark entschieden. Er hat sich von Hitler zu Schiller bekehrt, der bekanntlich sagte: «Der Oesterreicher hat ein Vaterland und liebt's und hat auch Ursach, es zu lieben». Diese Ursach, es zu lieben, soll die Regierung dem Dr. Riehl in Form eines Portefeuilles beistellen. Das ist seine Bündnispolitik. D i e ist wenigstens klar und verständlich. Aber ebenso klar ist: Die wahre Uebe ist das nicht. PALRSTINA-WIRTSCHAFTS-BLATT VON UNSEREN KORRESPONDENTEN Citnisfnichthandel Kürzlich wurde eine neue Gesellschaft für Fruchthandel: Orangensyndikat, Jaffa, gegründet, die die Früchte der zwei Kooperativen «Adir» und «Afa» absetzen wird. Das Syndikat wird sich mit allen Zweigen des Fruchthandels in Palästina beschäftigen. Das registrierte Kapital der Gesellschaft beträgt £P 15.000.—, die sofort gezeichnet wurden. Gleichzeitig ist eine Kooperative von Orangenpflanzern gegründet worden und zum Leiter einer anderen Kooperative der «Afa» ist einer der Leiter des Orangensyndikats gewählt worden. Damit entsteht eine neue große Gesellschaft für Verkauf von palästinensischen Citrusfrüchten. An der Spitze der Gesellschaft stehen zwei frühere Leiter der größten und ältesten Gesellschaft für Verkauf von Citrusfrüchten, der Kooperative «Pardess», die diese Gesellschaft verlassen haben. Das neue Syndikat soll auch auf kooperativer Welse aufgebaut werden. Der Orangenexporthandel in Palästina ist folgendermaßen gegliedert: Als Kontrollorganisation ist die Gitrus- Exchange gegründet worden, der alle Kooperativen und privaten Exporteure angegliedert sind. Die Citrus-Exchange reguliert und organisiert den Export der Citrusfrüchte und nimmt die Interessen des Orangenhandels wahr. Sie organisiert auch Reklamefeldzüge im Auslande, untersucht neue Märkte usw., beschäftigt sich aber nicht direkt mit kommerzieller Tätigkeit. Die Exporteure selbst können in zwei Gruppen geteüt werden: Kooperativen und private Handelsgesellschaften oder Händler. Unter den Kooperativen ist die größte und älteste «Pardess», die in der letzten Zelt die Hälfte aller Jüdischen Exporte in ihren Händen konzentrierte, ■— Die »weite an der Reihe ist die Kooperative «Chaklaith» in Petach-Tikwah. Es kommt noch hinzu die von der Arbeiterorganisation gegründete und unter ihrer Kontrolle stehende Gesellschaft «Hit», die die Orangen an die kooperativen großen Handelsgesellschaften verteilt. Außerdem gibt es einige größere und kleinere Privatfirmen. Die größte der Privatgesellschaften ist die Jaffa Fruit Company. Bis jetzt haben die Orangenpflanzer, die in Kooperativen organisiert sind, bessere Preise erzielt als jene, die an Privathändler verkauft haben. Im Zusammenhang mit dem Orangenhandel wäre es Interessant, auf die Investitionsmöglichkeiten hinzuweisen, die der Präsident der Farmers Association in einem Artikel erwähnt. Es wird dort festgestellt, daß die meisten Pflanzer einige Monate vor Beginn der Saison Vorschüsse auf ihre Früchte bekommen. Die Vorschüsse werden nur auf einen gewissen Teil der Frucht gegeben und sind durch die gesamte Ernte gesichert. Für das nächste Jahr wird der Bedarf auf solche Anleihen auf eine halbe Million £P geschätzt. Diese Anleihen sollen eine sichere Anlage mit 7 Prozent Verzinsung darstellen. Städtischer Boden a) Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß in jüdischen Händen sich 20.000 Dunam Boden südlich von Jaffa befinden. Dieser Boden kostet £P 100.000.— und ist unbesiedelt. Der Boden gehört verschiedenen Gesellschaften, wie zum Beispiel «Baith Wagan», P. L. D. C., «Menorah» und anderen. Bis jetzt sind dort nur 32 Häuser in Baith Wagan, in denen 50 Familien (215 Seelen) wohnen. Das Klima ist dasselbe wie in Tel-Awiw mit dem Vorteil, daß der Boden von Baith Wagan sich 40 bis 60 Meter über dem Meeresspiegel befindet. Die Bodenpreise sind außerordentlich niedrig: Kategorie 1: 60 bis 80 Mil per Pick, Kategorie II: 30 bis 50 Mil per Pick, Kategorie Ul: 10 bis 20 Mil per Pick (1600 Pick s 1 Dunam » 1000 Quadratmeter). b) Im Laufe des Monates Juni wurden größere Flächen von Boden in Tel-Awiw und der Umgebung angekauft. Ein pardess Von 25 Dunam zwischen der Eisenbahnlinie und im Gebist dev Shell Comp« wurde angekauft und wird für Industriegebäude eingeteilt werden. Eine Fläche von 13 Dunam wurde (n der Nähe der Carmel-Straße auf den Namen von 22 Personen übertragen, um dort Wohnhäuser zu bauen. Die Bank für Landwirtschaft und Bau hat eine größere Fläche im Norden Tel-Awiws angekauft und es wird dort die 9., Arbeitersiedlung von Tel-Awiw gebaut werden. Batibewegustg Tel-Awiw: Im Monat Juni wurden Bewilligungen für den Bau von 30.220 Quadratmeter gewährt: für 201 Hausaufstockungen und -reparaturen mit 874 Zimmern und 43 Ladenräumen. Die Bewegung scheint nicht nachzulassen, da gleichzeitig im Juni Eingaben für weitere 50.000 Quadratmeter, d. h. 1474 Zimmer und 30 Ladenräume eingereicht wurden. Haifa; Während die Zahlen für Tel-Awiw autoritativ veröffentlicht werden, ist man in Haifa auf ^Schätzungen angewiesen. SächkundlgCt.schätzen die. Baubewegufcg ja Haifa auf 6000 Quadratmeter per Monat. Es hegen aber einige Pläne vor, die eine Steigerung der Baubewegung zur Folge haben werden, unter anderem der Bau von 100 weiteren Arbeiterhäusern im Arbeiterviertel Kirjath Hachajim in Haifa» Bay. Jerusalem: Die Baubewegung ist abgeflaut. Jerusalem ist die einzige Stadt, in der der Mietzins gefallen ist. Gleichzeitig wird der Bau durch Wassermangel erschwert. In Tel-Awiw und in Haifa wird der Bau hauptsächlich durch hohe Preise der Bauparzellen verteuert. Im Stadtzentrum und in den bevorzugten Vierteln der Peripherie können nur noch dreistöckige Häuser rentabel sein, bei denen sich der Bodenpreis auf mehrere Wohnungen verteilt. Bei Hochhäusern ist der Bau noch heute rentabel. Es wird schematisch mit einem Preis von £P 1200.— für die Parzelle und £P 140.— bis 150.— pro Zimmer gerechnet. Bel einem Bau von 25 Zimmern und einem Monatszins von über 24. September1933 ab Wien, 29. September früh Landung in Haifa Rosch-Haschanah ln Europa Jom-Kippur in Palästina I?ückfahrt kann wöchentlich Innerhalb von 90 agen angetreten werden von S 235'- aufwärts ab Wien inkl. Transitvisa, D-Zug, Hotel, Kabine bett, Ein* und Ausbootungsgebuhren etc. 2.HI.SClf»S390 Visabeschaffung für in Österreich wohnhafte Personen Verlangen Sie schriftlich Reiseprospekt mit allen wichtigen Informationen (50 Groschen ln Marken beilegen) | 7k Telephon ßpJKr U 16*2*25 Sprechstunde ab 1. September: WIEN VI., CAPIS1REN6ASSE 2 TeLB 25*3*81 Dienstag bis Freitag halb 10 bis 12 Uhr Zuvarläaslge Beratung In allen Palästina« un4 Reisefragen v Wm M Z > SP 2.— pro Zimmer stellt sich die Verzinsung auf 9 bis 11 Prozent, je nach dem Preis de^ Bodens und der Baukosten wie auch der Miete, nach Abzug der Ausgaben. Gleichzeitig ist eine Bewegung für Bauten von kooperativen Häusern ins Leben getreten. Wir haben bereits das Unternehmen der Arbeiterorganisation ln dieser Richtung in unserem Bericht Nr, 1 erwähnt. Diese Bewegung übergreift auch auf andere Kreise und es werden solche kooperative Häuser von anderen Kreisen ln der Nähe vom Cold Storage- Gebäude errichtet werden. Eines dieser Häuser soll über 100 Räume enthalten. Kinos Die Irijah von Tel-Awiw benachrichtigt, daß im Monat Juni weitere zwei Eingaben für den Bau von zwei Kinoa gemacht wurden, zusammen mit anderen Eingaben und bereits existierenden Theatern werden es neun sein. Die Frühlingsausstelltuig Die Gesellschaft zur Entwicklung von Tel-Awiw hat an die Mis’char Watassijah-Gesellschaft, die die Ausstellungen in Tel-Awiw organisiert, für 13 Jahre mit Option für weitere 5 Jahre eine Bodenfläche verpachtet, die sie im Norden Tel-Awiws in der Nähe der Arbeiter-Organisationssiedlung erworben hatte. Die Ausstellung wird im Frühjahr 1934 stattfinden. Es sollen P 25.000.— für die Vorbereitung des Geländes und Errichtung von permanenten Pavillons und Gebäuden Investiert werden. Zusammen mit den Regierungspavillons und denen anderer Firmen wird das investierte Geld die Summe von £P 50.000.-— erreichen. InttmtrlBiifitcraehimmgeo Es wurden zwei Werkstätten für Fabrikation elektrischer Kühlschränke gegründet, die eine von einem amerikanischen und die andere von zwei deutschen Emigranten. Es sollen sukzessive alle Teile in Palästina erzeugt und nur die Elektromotoren imjiortiert werden. Nachdem der elektrische Strom verbilligt wurde, scheint die Verbreitung dieser Geräte gute Aussichten zu haben. Der Zoll auf fertige Kühlschränke dieser Art beträgt 12 Prozent, die Elektromotoren werden aber zollfrei eingeführt. Die Fabrik «Vianini», die Eisenbetonrohre für Bewässerung produziert, wurde an zwei Arbeiterkooperativen verkauft und wird von diesen geführt werden. Die Fabrik produziert spezielle Eisenbetonrohre für Stellen, wo der Druck so hoch ist, daß gewöhnliche Zementrohre nicht ausreichen; sie arbeitet nach einem speziell erworbenen Patent «Vianini» (ein Schweizer Patent). Strtakwarenisidiistrie Es sind in den letzten Monaten einige weitere Unternehmungen, die Strtckwaren produzieren, gegründet worden. Es bestehen somit ln Palästina bereits 15 solcher Betriebe. Bei einem Landesbedarf von ungefähr £P 40.000.— und Exportmöglichkeit hauptsächlich nach Syrien von ungefähr £P 20.000.— scheinen die Möglichkeiten für diese Branche für eine Zeitiang ziemlich erschöpft zu sein. Es wurde eine neue Fabrik für Schokolade gegründet. Die Besitzer sind zwei Kompagnons: ein Kapitalist aus England und ein Experte aus Polen, der die Maschinen mitgebracht hat. Die große Seidenfabrik des Herrn Sachs in Ramath-Gan bei Tel-Awiw soll bald zu arbeiten beginnen. Es sind in den letzten Wochen große Transporte von Maschinen für diese Fabrik angekommen. Zur Vermählung Aron JCanner — Berti Kanner Wien—XtaJwu tollnschi htrtdichU Maul toff Dr. hak ItUh D08D