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Die Stimme · 1933-09-14 · Heft 300 (14.9.1933) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 300 (14.9.1933)
Date
1933-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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PB STIMME ftH» 9 ' Ans Hem Rfirlffflcnkablnefl der denisdien Kultur Kf. 300 —!4. September T933 . ..I.... ■ — ..I I... '. Kindertieim Jams maryMür 3-i5ianrioe Wim, IX., RoBauarllnd« 29 — Tel A 11*3*14 Altbewährt. Qut jüdisches Kinderheim ersten Ranges Schönste Lage an Donaupromenade. Sonnige große Räume. Beschränkte Kinderanrahl. Inu. Auslandsreferenzen. Prospekte. Internat und Externat, Beste Schulen in nächster Nähe. Kindergarten. Halb- und ganztägig. Abholung. Ueberraschende Erfolge mit schlecht essenden Kindern. Klndersprachschäe. Französisch, Englisch, Hebräisch, Deutsch (für Ausländer) auf unterhaltende Art. Anfänger- und Vorgeschrittene Kurse. Rhythmisches Turnen. Im eigenen Saale. Nachmittagshelm. Schulnachhilfe, Beschäftigung, Spaziergang usw. Tante Marys Klassikerabende für junge Mädchen. Gemeinsame Lektüre der Klassiker sowie anschließender Vortrag und Diskussion. Der Kongreß In Zahlen Nach Mitteilungen des Dr. Fritz Ullmann, eines der Leiter des Organisationsbureaus des Kongresses, war dieser Kongreß weitaus stärker besucht als alle früheren. Am Kongreß haben an 9800 Personen, unter ihnen über 6000 Ausländer teilgenommen. Während der Makkabiade überstieg die Zahl der Besucher dieser Veranstaltung und des Kongresses zusammen 13.000. Die Zentralpostverwaltung hatte für den Kongreß ein eigenes Postamt eingerichtet, durch das über 40.000 Briefe an die Kongreßdelegierten abgefertigt wurden. Die Zahl der ausgehenden Poststücke konnte nicht festgestellt werden. Neben dem großen Beratungssaal hatte der Kongreß mit seinen Kommissionen und Aemtern 120 Zimmer und Säle in Anspruch genommen. Den Ordnungsdienst hielt neben dem Polizeiaufgebot ein Korps von 40 Kongreßbeamten und 300 freiwilligen Mitarbeitern aufrecht. Bei der Vorbereitung des Kongresses war ein lögliedriger Beamtenstab tätig. Im Kongreßbureau arbeiteten eine Reihe Stenotypisten, unter ihnen 11 für hebräische Sprache. Die Vervielfältigungsabteilung hat mit elektrischen Vervielfältigungsapparaten über 300.000 Exemplare von Kongreßreden und Protokollen hergestellt. Die Vervieffältlgungsapparate waren während der ganzen Kongreßdauer in ununterbrochenem Betrieb. Die Böhmische Unionbank bediente in ihrer im Kongreßgebäude eröffneten Filiale 2800 Klienten, die in der Wandelhalle des Kongreßgebäudes eingerichtete Buchhandlung tätigte 7000 Verkäufe. Der tägliche Umsatz des im Kongreligebäude eingerichteten Kaffeehauses wird, obwohl das Kaffeehaus nur bis Mitternacht geöffnet war, auf durchschnittlich 15.000 Mark geschätzt. Konferenz der Palästina-Aemter Prag. Anläßlich des Zionistenkongresscs fand in Prag eine Konferenz der Palästinaämter statt, an der Vertreter der Palästinaämter von Bukarest, Czernowitz, Kischineff, Sofia, Triest, Prag, Wien, Budapest, Riga und Saloniki teilnahmen. Den Vorsitz führte Dr. Werner Senator. Die Konferenz befaßte sich mit Fragen der Alijah, der Hachscharah, des Transports der Olim und mit der Reorganisation der Palästinaämter. Dr. Werner Senator erklärte, die neugeschaffene Lage in der Alijah fordere von den Palästinaämtern, die er als die Konsulate des Judenstaats unterwegs bezeichnete, erhöhte Tätigkeit und entsprechende Anpassung an die neuen Verhältnisse. Ueber die Vorschläge Werner Senators entspann sich eine lebhafte Diskussion, an der sich insbesondere der Vertreter des Palästina-Amts in Polen Dr. Silberscliein beteiligte. Der Sekretär des Emigrationsdepartements der Jewisli Agency in Jerusalem, Herr Barlas, erteilte eingehende Informationen betreffend die Tätigkeit de« Departements. Sodann wurde die Frage des Ausbaues der Wirtschaftsabteilung zwecks Ermöglichung eines genauen Informationsdienstes für Interessenten über die jeweilige Lage auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt behandelt. Nach einem Budgetreferat von Herrn Schaffer wurde beschlossen, daß die Palästinaämter darauf hinarbeiten sollen, ihr Budget selbst zu decken. Bezüglich des Transports der Palästinaführer wurde betont, daß dieser auf die billigste und bequemste Art zu erfolgen habe. rnmmmsmBBsnma&ssmmmmmmmmmmmmmim Eröffnung eines Heiligen Land* Museums in Wien Anläßlich des in Wien stattfindenden Deutschen Katholikentages wurde im Hause der Franziskaner Patres das „Heilige Land-Museum» eröffnet, das, wie in der Eröffnungsansprache betont wurde, bestimmt sein soll, die Liebe zum Heiligen Lande zu wecken und zu vergrößern. Das Museum enthält u. a, auch eine große Zahl jüdisch-palästinensischer Altertümer, darunter antike jüdische Gebetbücher. Stellungnahme des Katholikentages zur Judenfrage Es wird allgemein angenommen, daß auf dem Katholikcnt»g auoh die Judenfrage behandelt werden wird. Es heißt, daß der von Papst Pius XL zum Katholikentag entsandte Kardinallegat, der Patriarch und Erzbischof von Venedig, Kardinal La Fontaine, beantragen wird, daß der Katholikentag den Rassenantisemitismus als der katholischen Grundlehre zuwiderlaufend und die Möglichkeit katholischer Missionstätigkeit ausschaltend abiehne. Ein Teil der Presse appelliert an den Katholikentag, insbesondere an den Wiener Fljrsterzbischof Kardinal Jnnitzer, Oesterreich vor der Wiedereinführung des Gelben Flecks, die Oesterreich ebenso schwer treffen würde wfe die Juden, zu bewahr«». «Sie haben Deutschland binnen . . . Tagen zu verlassen.» Seit dem Anbruch des Dritten Reiches sind zehntausende . in Deutschland wohnende Ostjuden einem ungewissen Schicksal oder gar dem Hungertod preisgegeben worden. Mit unmenschlicher Rücksichtslosigkeit verjagen sie die Nazibehörden und rauben ihnen so jede Existenzmöglichkeit. Mit welch einer, jeder Meschfichkeit hohnsprechenden schablonenhaften Methode vorgegangen wird, lehrt ein Ausweisungsbefel des Breslauer Polizeipräsidenten an eine dortige Jüdin. Das Schriftstück ist ein hektognaphierter Brief, in dem bloß der Name der von der Ausweisung betroffenen Person, das Auswersungsdatum und noch einige Akfenziffor mit Maschinschrift eingesetzt sind. Es lautet: An Frau Frymeta Sendowski, geborene Klepkarczyk, Breslau, Nadtergasse 6. In Anbetracht der völlig veränderten innerpolitischen Lage und der Neuordnung der politischen Verhältnisse im Reich und in Preußen gefährdet Ihr Aufenthalt im Inlande, insbesondere aber im hiesigen Grenzbezirk, die innere öffentliche Sicherheit sowie erhebliche wirtschaftliche Interessen des Inlandes. Auf Grund des Paragraph 7 der Ausländerpolizeiverordnung nehme ich daher die Ihnen erteilte Aufenthaltsbewilligung hiemit zurück und fordere Sie auf, das Gebiet des preußischen Staates bis zum 10. August 1933 mit Familie zu verlassen. Ihren Paß haben Sie im hiesigen Ausländerbureau — Polizeipräsidium — zwecks Streichung der Aufenthaltserlaubnis vorzulegen. In Vertretung gez. Dr. Patschowski. Nach 16 Jahren ehrlicher Arbeit ruiniert Natürlich erhielt diese Zuschrift nicht nur Frau Sendowski, sondern auch ihr Mann, der für drei Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren sowie für seinen Schwager und seine Schwägerin zu sorgen hat. Sendowski, ein Kaufmann, war 16 Jahre in Breslau ansässig und betätigte sich niemals politisch. Nun mußte er geradezu über Nacht seine mühsam aufgebaute Existenz im Stich lassen. Wie den meisten anderen, von Ausweisungsbefehlen Betroffenen war es ihm nicht möglich, auch nur einen Teil seiner Wohnungseinrichtung zu Geld zu machen. Andere jüdische Familien wagen nicht, irgend etwas zu erwerben, da sie ja selbst jeden Tag die Ausweisung erwarten und Arier dürfen von Juden nichts kaufen. Zu der plötzlichen Ausstoßung aus dem Beruf und der Verjagung vom Wohnsitz kommt also noch der schwere Schaden, daß das unbewegliche Hab und Gut nicht verwertet werden kann und an Ort und Stelle zurückgelassen werden muß. Das Schriftstück des.. Breslauer Polizeipräsidenten spricht Bände. Ein weitere« Kommentar ist wahrlich überflüssig. Trotz allem Boykott jüdischer Geschäfte Die NS.-HAGO.-Führung veröffentlicht in der «Hessischen l.andeszeitiing:; folgenden Aufruf: JWISCHE ELTERN!. Kaan SchHlbOchet für eure Kinder nur in der J 9 d I ■ « h e n Buchhandlung Hermann Tuehner aborstr. M* Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen Spesenfrei« Zunndung Oberalinin Verzeichnisse kostenlos! Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 Nichtarische Externe zur Reifeprüfung nicht mehr zugelassen Neuhebräisch als Prüfungsfach bei der Reifeprüfung abgeschafft Berlin, 10. September. (J. T. A.) Der preußische Kultusminister hat verfügt, daß Nichtarier, die sich selbst auf das Abiturientenexamen vorbereitet haben, sogenannte «Nichtschüler», künftig zur Reifeprüfung nicht mehr zuzulassen sind- Wer niehtarischer Abstammung ist, ergibt sich aus dem Berufsbeamtengesetz und den dazu ergangenen Richtlinien. Dissidenten, die die arische Abstammung einwandfrei nachwelsen, können einstweilen zur Nichtschüler-Reifeprüfung auch weiterhin zugeiassen werden. Durch einen Erlaß vom 7. August 1928 war auch das Neuhebräische als Ersatz für eine der beiden neueren Fremdsprachen bei der Reifeprüfung als Niohtschüler zugelassen worden. Dieser Erlaß wird jetzt gleichzeitig vom Kultusminister wieder aufgehoben. Arierparagraph für Kirchenbeamte auch in Baden Karlsruhe. Der badische evangelische Oberkirchenrat hat veranlaßt, daß das Gesetz zur Wiederherstellung de« Berufsbeamtentums auf die staatlichen, kirchlichen und rein kirchlichen Beamten Anwendung findet. Somit ist der Arierparagraph, wie ihn die altpreußische Generalsynode beschlossen hat, auch in der Landeskirche Badens eingeführt. ■■•— «Noch immer müssen wir die Feststellung machen, daß Parteimitglieder in den hiesigen jüdischen Geschäften ihre Einkäufe besorgen. Wir weisen nochmals auf die parteiamtlichen Verordnungen hin, die ausdrücklich besagen, daß kein Parteimitglied in einem jüdischen Geschäft kaufen darf. Wer trotzdem dabei betroffen wird, oder wer auch nur versucht, auf Umwegen Waren aus diesen Geschäften in seinen Besitz zu bringen, wird rücksichtslos, ohne Ansehen auf Person und Stand, zum Ausschluß aus der Partei gemeldet. Es ist nationale Pflicht eines jeden Deutschen, auch wenn er kein Parteimitglied ist, diese Geschäfte zu meiden. Von Parteimitgliedern betrachten wir dies als Sabotage und werden in irgend welchen festgestellten Fällen den Namen des Betreffenden In der Oeffentlichkcit bekanntgeben. Die NS- HAGO. wird eine Kontrolle der Parteimitglieder durchführen, die den Versuch machen, in jüdischen Geschäften ihre Waren zu erstehen.» Ein Erlaß gegen Dr. Göbbels Der preußische Minister des Innern hat ergänzende Bestimmungen über die Untersuchung der Bewerber um Aufnahme bei der Schutzpolizei erlassen. Das Hauptaugenmerk ist auf einwandfreie arische Abstammung zu legen. Bewerber, die kein arisches Aeußeres haben, sind schon allein aus diesem Grunde abzulehnen. («Deutsche Allgemeine Zeitung.») Das würde sich vor allen gegen Dr. Göbbels selbst wenden, der bekanntlich keineswegs arisch aussieht. Erklärungen zur Judenfrage auf dem Nürnberger nationalsozialistischen Parteitag Wie den Zeitungsberichten über den nationalsozialistischen Parteitag in Nürnberg zu entnehmen ist, wurde in den am zweiten Tage des Kongresses gehaltenen Reden und Vorträgen die Bedeutung des Rasseproblems und die Theorie von der Höherwertigkeit und den besonderen Aufgaben der arischen Rasse in den Vordergrund gestellt, ohne daß im allgemeinen auf die Judenfrage und die jüdische Rasse ausdrücklich Bezug genommen worden wäre. Doch wurde die Judenfrage im Manifest des Reichskanzlers Adolf Hitler und in seiner großen Rede auf der Kulturtagung gestreift. In der vom bayerischen Innenminister verlesenen Proklamation des Reichskanzlers heißt es: «Wenn der große Geschichtsforscher Mommsen das Judentum im Völkerleben als ein „Ferment der Dekomposition" bezeichnet hat, so war diese Dekomposition in Deutschland schon sehr weit fortgeschritten. Und wie im einzelnen menschlichen Leben eine Erkrankung ein Stadium erreichen kann, in dem eine Rettung schwer oder überhaupt nicht mehr möglich wird, so auch im Völkerleben. Wenn sich daher der Nationalsozialismus in grimmer Entschlossenheit gegen den schleichenden „Un- tergang des Abendlandes" zur Wehr gesetzt hat, dann allerdings getragen von der Ueberzeugung, der auch heute noch nicht gänzlich zerstörten großen inneren Werte, die den europäischen Kulturvölkern zu eigen sind und die wir besonders auch in unserem deutschen Volke sehen.» Juden sollen die Stuttgarter Theater nicht mehr besuchen Stuttgart Den jüdischen Abonnenten der Landestheater in Stuttgart wurde schriftlich mitgeteilt, daß sie von einem ferneren Besuch der Theater absehen möchten. Zur Errichtung der Theater wurden einst beträchtliche Spenden von Juden angenommen. Boykott gegen Oesterreich Wir gelangten durch Zufall in den Besitz eines Rundschreibens, das reichsdeutsche Firmen von der Landesleitung Oesterreich (in München) der NSDAP. Oesterrefch erhalten, welches folgenden Text aufweist zu dem jeder weitere Kommentar sich erübrigt: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Landesleitung Oesterreicfi Geschäftsstelle: Reichsadler, München München. Herzog Wilhelmstr. 32 Tel. 90-0-12. Die Landesleitung Oesterreich der NSQAP. ertaubt sieb auf folgendes aufmerksam zu machen: Ihre Firma wird in Oesterreich durch einen jüdischen Vertreter namens.vertreten. Wie Ihnen bekannt ist, führt die gesamte internationale Juden$chaft einen Boykott gegen deutsche Unternehmen. Es ist auf der Hand liegend und in einer Reihe von Fällen bewiesen, daß reichsdeutsche Unternehmen mit Filialbetrieben in Oesterreich van dortigen, meist Jüdischen Vertretern sabotiert werden. Wir machen Sie auf diesen Umstand aufmerksam und ersuchen in ihrem eigenen Interesse wie auch aus Gründen der Arisierung der deutschen Wirtschaft, ihren Wiener jüdischen Vertreter zu entlassen und deutsche Firmen zu beauftragen. Wir werden uns erlauben, in etwa einem Monat bei Ihnen anzufragen, was Sie bis dahin in dieser Angelegenheit unternommen haben. Heil Hitler! Unterschritt* mm

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