Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 300 (14.9.1933)
- Date
- 1933-09-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite* DIE STIMME Nr. 300 — 14. September 1033 *.. ... .... *.. derartige Bindungs- und Bildungsversuche die Exeku- | tive za einer Attrappe, über und neben welcher heute I Remex-Versammlung im «Conilneniai» die Weltjudenheit nach Palästina 2U strömen beginnt und aus sich heraus allein neue Lösungen finden muß? Wird das Prinzip «do ut des» zur Regel, wo es sich um geschichtsgegebene freiwillige Zusammenarbeit handelt aller, die ’arbejts- und opferwillig sind, so muß ein Spiel der bedungenen Punkte an der Mauer der Realitäten zerschellen und zu neuen, viel gefährlicheren Spannungen führen, da sie sich bei der praktischen Tagesarbeit auswirken. So siegte auch bei der Bildung der Exekutive die Taktik. Man überbot sich in Punkten und übersah hiebei die Menschen, die in der Exekutive die Träger gewichtiger Facharbeit sein sollten, ohne Rücksicht auf Parteibindungen. Der linke Flügel der Allgemeinen Zionisten durchbrach in letzter Stunde dieses Punktespiel. Er wollte im Interesse des Ganzen die Organisation nicht zum Spielbail bloßer Tragik machen und schloß sich der Linken an. Mit Bindungen, aber ohne Bedingungen. Die Bindungen beruhten auf der Uebernahme einer Reihe von Wünschen im Interesse aller bezüglich der Zertifikate, Alijah, Histadruth,. Arbitrage und die Grundbedingung bildete bloß das gegenseitige Vertrauen und wohlwollendes Verständnis. Und schließlich sind es weder Bindungen noch Bedingungen, sondern Träger dieser Executive, die, um Sole o 1 ow und Weizmann geschart, unser und auch — wie wir meinen — der weiten, großen Wett Vertrauen genießen. Dieser Welt, der dieser ganze Kongreß bi zarrundunverständlich, wie eine verzerrte Fratze eines zur Freiheit strebenden Volkes vorkam. Traurige Bilanz. Eine grundlegende Umkehr muß folgen. Dieser Kongreß war ein Sturmsignal höchster Not. Z. F. F i n k e 1 s t e i n. Sitzung des Parteirates Letzten Montag fand im großen Saale der Bezirks- Sektion Leopoldstadt unter Vorsitz von Frau Dr. Henriette Llechtensteln-R a p p a p o r t eine Sitzung des Parteirates der österreichischen Zionisten statt. Die Delegierten der Allgemeinen Zionisten am Prager Zlonistenkongreß, die Herren Dr. Oskar Grünbaum ind Dr. Z. F. Finke Latein, erstatteten ausführliche Berichte über den Verlauf und die Ergebnisse des Kongresses. An diese Berichte schloß sich eine ziemlich bewegte Diskussion an, die bis spät nach Mitternacht andauerte. Wegen vorgerückter Stunde vertagte sich der Parteirat für 14 Tage, ohne irgendwelche Beschlüsse gefaßt zu haben. Das Budget der lewish Agency für das Jahr 5694 Prag. Der Zionistenkongreß und das Administrative Committee der Jewish Agency haben für das Jahr 5694 folgendes Budegt beschlossen: Einnahmen: Keren Hajessod 170.000 LP, Sammlungen in Palästina 5000 LP*, zusammen 175.000 Pal. Pfund. Ausgaben: I. Verpflichtungen des Keren Hajessod: 1. Amzio 16.727 LP, 2. Zion. Federation in Engl. Davis-Legat 2.275 LP, 3. Anglo-Pal. Bank, Tachkemonl Schule 450 LP, 4. Zinsen an J. C. T., Phönix asw. 2994 LP, 5. Diverse Banken 13.000 LP, zusammen 35.446 LP. II. Verwaltung des Keren Hajessod: 17.000 LP. III. Verwaltung London: 4500 LP, zusammen 21.500 LP. IV. Palästina-Budget: 1. Landwirtschaftliche Kolonisation 19.500 LP, 2. Versuchsstation 6500 LP, 3. Einwanderung und Arbeit 8500 LP, 4. Erziehung 20.000 LP, 5. Technikum 750 LP, 6. Subvention für religiöse Zwecke 500 LP, 7. Politischer Fonds 4500 LP, 8. Handel und Gewerbe und ökonomische Arbeiten 2400 LP, 9. Verwaltung in Palästina 8250 LP, 10. Pensionen, Verschiedenes 1000 LP, 11. Zinsen 5000 LP, zusammen 77.900 LP. Zahlungen ä conto Schulden des Keren Hajessod 40.154 LP. Gesamtsumme 175.000 LP. Nach Abzug der vorgesehenen Zahlungen von 40.154 LP verbleiben der Jewish Agency zur Abtragung ln den nächsten Jahren noch Verpflichtungen in der Höhe von 115.846 LP. nicnijfldlscherameriKanlsctier Von Dr. B. M. Zweig Der letzte Kongreß bot ein Schulbeispiel dafür, wie die Verhetzung von rechts und links die Wahrhaftigkeit journalistischer Berichterstattung gefährdet. Als dort Jabotinsky zum KKL-Referaf Ussischkin ins Plenum gehen wollte, bildeten seine Betarim Spalier und drückten auf das Publikum im Vorsaal; prompt erfolgte ein Gegendruck von links und ein Streit, dem die Polizei rasch ein Ende machte. Wie aber wurde dieses Nichts in der Presse entstellt: Das poalezionistlsche Blatt «Neuer jüdischer Weg» brachte, daß Jabotinsky den Saal s tü r m e n wollte und im «J u d e n s t a a t» stand, daß ein planmäßiger Ueberfall der Linken auf Jabotinsky stattfand; ja, es flog das Gerücht von einem M o r d p I a n auf, welchen die offizielle Kongreßzeitung dementieren mußte. Aus dieser Erfahrung und um ähnlichen Fälschungen vorzubeugen, möchte ich über die am 12. d. M. abends im Hotel «Continental» von der «Liga für das arbeitende Palästina» veranstaltete Versammlung berichten, welche mit ihren Raufszenen einen neuen Markstein der in unserer Bewegung eingreifenden Verrohung darstellt. Der Saal war zum Großteil von jugendlichen Poale-Zionisten gefüllt, welche — ungestört — ihre Lieder sangen. Als Redner waren B. Katzenelson und Mereminskl angekündigt. Da sie aber verhindert waren, sprach — auf der Durchfahrt durch Wien — der palästinensische Arbeiterführer Remez. Dr. Leo Goldhammer, vormals Präsident des österreichischen Landeskomitees, begrüßte den Gast als den Obmann des Permanenzausschusses am letzten Kongreß. Remez erklärte, entgegen dem aus der Versammlung geäußerten Wunsch nach Iwrith, hier lieber Jiddisch zu. sprechen, um sich allgemein verständlich zu machen. Doch schon nach den ersten, noch ganz farblosen Sätzen ging der Rummel los. Aus einer im rückwärtigen Saalteil sitzenden Gruppe, die bisher nicht aufgefallen war, fiel irgend eine halblaute Bemerkung, welche niemanden hätte stören brauchen. Im nächsten Moment warfen sich etwa 20 Blauhemden gegen diese Gruppe, die gleich darauf auch von den anderen Seiten angefallen wurde. Es hagelte Schläge, Sessel wurden von beiden Seiten geschwungen und durch die Luft geschleudert. Die, wie sich nun ergab, aus revisionistischen Betarim bestehende Gruppe war rasch zersprengt, doch wehrten sich die einzelnen, durch den ganzen Siaal zerstreut, verzweifelt. Sie wurden von einer großen Mehrheit überwältigt und einzeln hinausgeschleift, wobei die Glastüren entzweigingen. Die jugendlichen Poale-Zlonlsten feierten den Sieg mit rauschendem Applaus. Erst jetzt erschien die Polizei Im Saal. In naturgemäßem Mitleid mit den Schwachen hatte ich wiederholt versucht, besonders arge Roheitsakte zu verhüten; zu meinem Befremden verweigerten die betreffenden Jugendlichen, mir ihren Namen zu nennen. Nur einer gab an, er sei vom Schomer Hazair. Der Referent war durch die Saalschlacht sichtlich konsterniert. In der kurzen Zeit, die ihm noch blieb,, führte er folgendes aus: «Dieser Kampf der Jugend zur Zeit der größten Not des jüdischen Volkes ist hochtragisch und absolut unmöglich. Leider führen die Juden kein originelles Leben, sondern greifen zu „Übersetzungen”, die aber vergiftend wirken. Was eigentlich macht man der Arbeiterpartei zum Vorwurf? Etwa, daß sie nicht zum Kongreß kam, tun „Schalom, Schalom” zu sagen? Sie wollte die Frage Arlosoroff ohnehin nicht vor das Kongreßpienum und A. C. bringen und setzte deshalb eine neutrale Kommission durch, welche den Ernst der Beschuldigung einhellig erkannte, worauf vom Kongreßplenum eine Untersuchungskommission mit richterlichen Befugnissen, delegiert wurde. Und was will die Arbeiterpartei in Erez? Nichts anderes, als daß jede Arbeit in der jüdischen Wirtschaftssphäre von Juden gemacht werde, also durch „Histadruth" und „Hechaluz”, und daß dies unter menschenwürdigen Bedingungen geschehe. Wie lächerlich daher, daß Stephen W1 s e vom halbrevisionistischen Flügel der Allgemeinen Zionisten am Kongreß die grundlegende Tat der Arbeiterschaft „sozialistische Utopie” hießt Diese Tat, welche auf die dauernde Verwurzelung der jüdischen Arbeit in Erez hlnzielt und die ungeheure Gefahr des Eindringens arabischer Arbeit bannt, sei revolutionär und wahrhaft national zugleich. Nach 25 Jahren wollen die anderen zionistischen Gruppen das noch immer nicht verstehen. Auch am Kongreß blieben die Allgemeinen die Antwort schuldig, wieso sie es zulassen, daß heute noch jüdische Pardeßbesltzer Araber beschäftigen. Freilich sei es mit arabischen Arbeitern billiger und bequemer, doch das Prinzip hundertprozentiger jüdischer Arbeit dulde keine Ausnahme, da sonst Erez zu einem neuen, ja dem schlimmsten Golus würde. Auch gilt es, die Versklavung der Araber durch Juden zu verhüten. Wer von Zionisten diesen Grundsätzen nicht zustimmt, soll bleiben, wo er istl» (Wörtlich!) Dann will die Arbeiterpartei — und sie allein —. mit Erez eine nationale Autorität schaffen. Aber große Gruppen von Zionisten und voran die Irja, Tel-Awlw, verweigern der Knesseth Israel und ihren Organen den Gehorsam. Angesichts dessen sei es abgeschmackt, wenn am Kongreß für Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis die nationale Arbitrage verlangt wurde; niemand würde sich dem fügen . . . Auch der Grundsatz der Arbeiterschaft vom Irgun Meschutaf (Dachverband für jüdische und arabische Arbeiterorganisation) werde von den Gegnern entstellt. Die Histadruth will den arabischen Genossen Im Kampf gegen ihre arabischen Arbeitgeber solidarische Hilfe leisten. So führe sie ale die einzigen aufrichtigen Zionisten die Beteuerungen der Kongresse auß, mit dem arabischen Volk ln Frieden zu leben. Dr. Goldhammer schloß die Versammlung mit der Aufforderung, man «olle der Liga für das arbeitende Palästina, «als der neutralen Institution, welche alle zionistischen Gruppen vereinigt», beitreten. für Fortschritt und höhere Menschlichkeit glauben, senden wir Orüße, aufrichtigste Wünsche achtzehnten Zionistenkongreß. Wir hoffen, Kulturvölker, Insbesondere Mandatarmacht, werden entwurzelten Juden Deutschlands helfen durch Förderung Ihrer Ansiedlung Palästina. Möge glückliche jüdische Gemeinschaft Palästina bald Wirklichkeit sein als Beitrag zu Idealen internationaler Gerechtigkeit und Verbrüderung der Menschheil. — Amerikanische Pro-Palästina- Föderation: Charles Edward Rüssel, Wendall Stafford, John Haynes Holmes, Frederlck Robinson, William Kooke, Harry Allan Overstreet.» „Popolo d’ItaUa“ für den Judenstaat Rom, «Popolo d'italia», das Organ des italienischen Ministerpräsidenten Mussolini, widmet den Beschlüssen des Prag er Zionistenkongresses einen Artikel, in dem die Schaffung eines jüdischen Staates ki Palästina als einzige Lösung der Judenfrage bezeichnet wird, In dem Artikel heißt es u. a,: «Die Ablehnung des deutschfeindlichen Boykotts kann die Frage der freiwilligen Auswanderung der Juden aus Deutschland nach Palästina erleichtern. Die Reichsregierung sollte diesen Israeliten gestatten, wenigstens einen Teil ihres Kapitals mitzunehmen. Für die Judenfrage gibt es nur eine Lösung: den Jüdischen Staat In Palästina. In den Erklärungen von Prag ist klar verkündet worden: Das Judentum ist keine Religion, sondern ein Volk. Diese Frage drängt Immer mehr nach einer vollständigen und endgültigen Lösung.» Die Untersuchungskomtnlssioii weitschik und Eleahu Berligne angehören. Den Zeitpunkt, wann sie sich zur Durchführung ihrer Aufgabe nach Palästina begibt, wird die Kommission selbst bestimmen. Es wird angenommen, daß sie erst nach Abschluß des gegen die Revisionisten schwebenden Gerichtsverfahrens Abreisen wird. Auch die neugebildete Exekutive der Jewish Agency hat bereits ihre erste Sitzung abgehalten. In welcher weise die in dieser Sitzung vermutlich vorgenom« mene Aufteilung der Ressorts erfolgt Ist, Ist noch nicht bekannt. Administrative Committee und A.*C. konstituiert Prag. Das Administrative Committee der Jewish Agency hat Leo Motzkin zu seinem Vorsitzenden, Nevilie Laski zum Mitvorsitzenden gewählt. Nachdem Präsident Sokolow den zur Tagung erschienenen englischen Geschäftsträger Gurney begrüßt hatte, hielt Leo Motzkin eine Ansprache an die neugewählten zionistischen und nichtzionistischen Mitglieder des Administrative Committee, worauf die neugewählte Exekutive bestätigt wurde. Anläßlich der Beratung des vom Kongreß angenommenen Budgets von 175.000 Pfund wurde bedauert, daß dieser Betrag für die Verpflichtungen beim Palästina- Aufbau nicht ausreichen könne, und eine verstärkte Geldaufbringungspropaganda angeregt. Ueber die Verwendung der so aufgebrachten Mehrbeträge soll der Finanzausschuß d«s Committee entscheiden. Die politischen und wirtschaftspolitischen Kongreßresolutionen wurden unverändert bestätigt. Bel der Konstituierung des A.-C. wurde Leo Motzkin zunr Präsidenten gewählt. Von den sechs Vizepräsidenten gehören drei der Arbeiterpartei, zwei den Allgemeinen Zionisten und einer dem Misrachi an. Die Revlslonsten haben eine Aus den zahlreichen Begrüßungstelegrammen und Zuschriften, die aus aller Welt an den XVlil. Zionistenkongreß gerichtet wurden, ist folgendes Telegramm führender nichtjüdischer Palästinafreunde Amerikas besonders bemerkenswert: *New York. Im Namen nichtjüdischer Amerikaner, diu an edle geschichtliche Mission Jüdisch** volkes im Kampf Das neugewählte Aktionskomitee hielt nach Schluß des Kongresses seine erste Sitzung ab und wählte die Kommission, die mit der Untersuchung der gegen die palästinensischen Revisionisten in Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs erhobenen Beschuldigungen betraut wird. Die Namen der Mitglieder dieser Kommission wurden bisher noch nicht offiziell bekanntgegeben. Wie die J. T. A.. erfährt, | sollen ihr Ussischkin,, Motzkin, der KongreB- 1 anwalt Dr. Ahron Barth, Rabbi S c h a p i r o, Dr. S o 1 o- BeteiHgung am Präsidium abgelehnt. Eitern, Kursleiter und Hebräischlernende l In jedem Bedarfsfälle wendet Euch nur an den Hebräischlehrerverband der Histadruth Iwrith, I , Bräunet^ straße 7/10 1974^1 8330655^848^^