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Die Stimme · 1933-09-07 · Heft 299 (7.9.1933) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 299 (7.9.1933)
Date
1933-09-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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DTE 3TTMMB /ritt 9 >■■■ i ..- * Ein ganz bedeutender Teil dieser Einwanderer hat in den Pflanzungskolonien Platz gefunden, was den ungeheuren Vorteil hat, daß diese Beschäftigung einen permanenten Charakter trägt. Die Mittelstandseinwanderung aus den östlichen Ländern, jetzt auch aus Deutschland, kann und wird dem Lande zum Segen gereichen, wenn dieser Mittelstand über etwas Kapital verfügt, keine allzu großen Lebensansprüche stellt — etwas geringere als in Europa, aber höhere als der Pflanzungsarbeiter — und wenn es sich um wirklich qualifizierte Handwerker handelt. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Landes ist zu bedenken, daß die Situation Palästinas wirtschaftspolitisch günstig ist. Nach Ansprachen Leo M o t z k i n s und Professor Speyers wurde hierauf die Tagung geschlossen« Fraktion wider Jlation Glossen zum XVIII. Kongreß Von Dr» E» M» Zweig — Jerusalem Fraktion wider Nation, das scheint mir Gepräge und Fazit des letzten Kongresses, schlimmer als je zuvor, gewesen zu sein. Fehler von Rechts und Links! Unter Rechts ist da vor allem die revisionistische Fraktion der intransigenten Richtung Jabotinskys zu verstehen, die seit Calais den traurigen Mut hatte, das Primat der Disziplin im Dienste ihrer Fraktion unserer zionistischen Gesamtorganisation in die Zähne zu schleudern. Diese wurde zweifellos geschwächt, zugleich aber die revisionistische Fraktion selbst zersetzt. Ein, obschon kleiner Teil derselben hat unter Großmann und Stricker den Weg zur zionistischen Disziplin zurückgefunden und wir können sie, die sich nun als «Judenstaatler» von den Gefolgsleuten Jabotinskys auch dem Namen nach abgrenzen, freundlich wieder begrüßen. Aber auch Jabotinsky hat seiner Hoffart Zügel angelegt. Entgegen der seit dem XVII. Kongreß üblichen Drohung, die zionistische Organisation zu verlassen, haben sich seine Leute nicht nur am XVIII. Kongreß eingefunden, sondern auch an seinen Beratungen in sachlicher Weise teilgenomjnen und sich seinen Mehrheitsbeschlüssen gebeugt, auch wenn sie den Revisionisten nicht entsprachen, wie betreffend Deutschlands, oder sich geradezu gegen sie wandten, wie durch Statuierung des Ausschlußrechtes wegen Disziplinlosigkeit. Es gab auch da noch arge Entgleisungen, so, wenn die revisionistische Fraktion den dringend des Ar!osoroff-Morc!es Verdächtigen Brudergrüße in den Kerker sandte. Doch das ist wohl aus der Dawke-Psychose zu erklären, und hemmt hoffentlich nicht die günstige Tendenz zur weiteren Entnebelung der Gehirne. Hingegen muß mit schmerzlichem Bedauern festgestellt werden, daß die auf der Linken des Kongresses placierte Arbeiterpartei, vom Fraktionsgeist verführt, der in unserer zionistischen Organisation verkörperten Einheit der Nation empfindliche Wunden schlug. Die Linke hatte bei den Kongreßwahlen in fast allen Ländern triumphiert und mit 230.000 Stimmen 45 Prozent der Mandate erobert. Die Gründe hiefür sind mannigfach. Der Sieg war die verdiente Frucht der Pionierarbeit, die diese Partei in Erez Israel, und der Organisationsarbeit, die sie ü b e r a l Pentfaltet hat; er war mit die Folge der weit über die engen Fraktionsgrenzen hinaus regen Empörung über den grausamen, feigen'’ und — was das schlimmste ist — blödsinnigen Mord an Arlosoroff und nicht zuletzt der trägen Indolenz von Führern und Wählern der anderen Gruppen, die Allgemeinen Zionisten keineswegs ausgeschlossen. Aber aus ihrem Sieg hat die Linke nicht die richtige Lehre gezogen: noblesse oblige, daß nämlich ihre Stärke ihr besondere Pflichten als Führerin der zionistischen Gesamtorganisation und Gestalterin unserer gemeinsamen nationalen Zukunft auferlege. Statt dessen verrannte man sich in einen Fraktionsübermut, der sich an den Schuldigen rächen und leider zugleich auch den Zionismus schädigen wird. Kein Geringerer als Sokolow gab der gleichen Kritik Ausdruck, wenn er in seiner tiefdurchdachten Paraphrase zur Generaldebatte der Linken warnend das Bibelwort zurief: «Wajischman jeschurun wajiw’at» (Da wurde Israel fett und übermütig). Ist dieser Vorwurf auch wirklich gerecht? Hat nicht Ben Gurion, der Generalredner der Linken, in seiner die Generaldebatte einleitenden langen Rede so beweglich davon gesprochen, wie seine Fraktion nichts als das Gesamtinteresse der Nation im Auge habe und sich zum inneren Kampf nur stelle, um den von den bösen Kapitalisten» (d. s. alle, die nicht in der Histadruth eingeschrieben sind) gegen die Arbeiterschaft Palästinas geführten Klassenkampf abzuwehren . , . Noch manch anderer Redner der Linken schlug in dieselbe Kerbe. Freilich wurde diese Darstellung der Verhältnisse in Erez von den Delegierten aller anderen Gruppen, an Hand von Tatsachen, nachdrücklichst widersprochen. Im Bericht der Exekutive an den Kongreß fehlt leider eine objektive, ausführliche Darstellung dieser hochwichtigen wirtschaftlichen und sozialen Fragen. Doch man braucht sich nicht hier und jetzt in Die Zionistische Zentralorganisation in Baden bei Wien wünscht Chawer Paul Grünwald und Chawera Friedei Wikler herzlicht anläßlich ihrer Vermählung und wünscht ihnen gleichzeitig ton®» f**is6 nna®a n»to? die Prüfung einlassen, wer eigentlich die Lämmer und wer die Wölfe in Erez sind. Es genügt durchaus der Anschauungsunterricht, den die Linke auf dem Kongreß selbst den gespannten Blicken der Weltjudenschaft darbot. In einer Zeit, da die Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte gegen die vielen und mächtigen Feinde unseres Volkes und seines Aufbauwerks für jeden national gesinnten Juden das erste und oberste Gebot sein müßte, führte sich die Linke am Kongreß mit der geharnischten Forderung ein, die ganze revisionistische Fraktion, die mit 110.000 Wählern ein Fünftel aller Kongreßdelegierten stellte, aus der zionistischen Organisation zu drängen. Wohlgemerkt, gegen das Organisationsstatut, das doch jedem Demokraten heilig sein müßte, und bevor das Gerichtsurteil verläßlich aufgeklärt hatte, wie weit die Parteileitung der Revisionisten für den Mord an Arlosoroff die Verantwortung trägt . . . Diese Hast, eine starke Gruppe ergebener und durch lange Jahre — bis zu ihrer letzten Entartung — bewährter zionistischer Mitarbeiter aus der Organisation hinauszuwerfen, mußte auffallen und das Mißtrauen nähren, daß hier nicht die Entrüstung über jenen Mord, die doch von den Zionisten ohne Unterschied der Parteistellung geteilt wird, ausschlaggebend war, sondern das leidige «taktische» Moment, der Arbeiterfraktion in der zionistischen Gesamtorganisation nach der derben Methode Hitlerischer Gleichschaltung über Nacht die absolute Mehrheit zuzuschanzen. Für wie dumm muß doch die Linke alle anderen einschätzen, wenn sie diesen zumutete, daß sie sich selbst derart den Strick um den Hals legen 1 Und als dieser Plan mißlang, konnte sich die Linke noch nicht bescheiden. Sie ging darauf aus, im offenen Plenum den Revisionisten die Vertretung im Kongreßpräsidium zu verweigern. Sie provozierte unter den hämischen Blicken der Judenhasser beider Hemisphären tagelange Debatten und Kampfabstimmungen und setzte schließlich, dank einiger Ueberläufer von rechts, mit 151 gegen 149 Stimmen, ihren Willen durch. Ein wahrer Pyrrhussieg für unsere nationale Würde und für den hohen Gedanken der Demokratie! Als ob die Erlösung unseres Volkes wirklich davon abhinge, auf welcher Seite des Kongresses die Einpeitscher energischer sind, und ob da oder dort die Vollzähligkeit durch mehr oder weniger Leibschmerzen stärker geschmälert wird. Und dann das abgenützte Mätzchen, dem politischen Gegner durch demonstrativen Abmarsch aus dem Saal die Mißachtung zu bezeigen ... Sage keiner, daß es sich da nur um Aeußerlichkeiten handle. Sie verraten, wes Geistes Kind jene sind, die, wie Ben Gurion, die Einheit und das Gesamtwohl des jüdischen Volkes auf den Lippen tragen, nicht aber in ihrem Herzen, die randvoll sind von Fraktionsinteressen und Fraktionsleidenschaft Oder wissen sie in ihrem Machtrausch nicht, was sie tun? Mit welcher Naivität hat zum Beispiel Remes als Debatter der Linken es hinausgeschmettert, es geschehe der Histadruth Haowdim (der Gewerkschaft der Linken in Palästina) schweres Unrecht, wenn man sie sozialistischer Parteilichkeit zeihe; steht doch in ihrer Konstitution, daß jeder als Mitglied willkommen sei, der von seiner Hände Werk lebe und «nicht die Arbeiten anderer exploitiere». Als ob dieser freundliche Zusatz von der Ausbeutung nicht Bände spräche gegen die vorgeschützte politische Neutralität der Histadruth, als ob es nicht eine Umschreibung jenes Prinzipes von «Klassenkampf» wäre, das die «Mapai», die sozialistische Arbeiterpartei, ausdrücklich zum Kernpunkt ihres Programmes gemacht hat, um Schibboleth, dem auch der Hapoel Hazair sein Ideal von der das ganze jüdische Volk verknüpfenden sozialen Qei jchtigkeit zum Opfer gebracht hat. Ist nicht diese Aufnahmsbedingung in die Histadruth allein schon ein schreckliches Joch von Terror und Gedankenknechtung für jeden Juden, der ins Land der Väter eilt, voll Sehnsucht, es im friedlichen Verein mit all seinen Brüdern aufzubauen? Was Wunder, wenn bei so engstirnigem Fraktionsfanatismus von rechts und links und gerade auf Seite der stärksten Fraktion des Kongresses das, was in dieser schrecklich ernsten Zeit das dringendste Gebot gewesen wäre, die Bildung einer starken Koalitionsregierung aus a 11 e n Gruppen der Bewegung, vereitelt wurde. Doch «Gam su letowah!» Die aus der Regierung ausgeschlossenen Oruppen werden ihren Patriotismus zu bewähren haben, werden das bittere Brot der Opposition in Würde essen und als Nationaljuden ihre Pflichten gegen die Gesamtorganisation mit unvermindertem, ja mH verdoppeltem Eifer erfüllen! Zugleich aber werden sie dafür sorgen, daß dem Spiel «Fraktion wider Nation», die den letzten Kongreß verheert und entehrt hat, die läuternde, belebende und schließlich siegreiche Idee «Nation wider Fraktion» entgegentritt. Der Konarefi zu Ende Von Dr. Jakob Rosenthal Marienbad, 6. September. Nein, man hat es beinahe nicht geglaubt, und doch ist es wahr. Der XVIII. Zionistenkongreß ist nach Abwicklung seines Programmes zu Ende — es lebe der XIX! Wie immer, hat sich die Kraft dieser einzigartigen Institution des Zionistenkongresses in ihrer ganzen Stärke erst in der letzten Phase der Tagung erwiesen. In den Augenblicken der größten Spannungen, da die Gemüter aneinanderprallten, da Ereignisse vor sich gingen, die den Kongreß für Tage und Nächte lahmlegten, da man schon von seinen parlamentarisci?,i Alterserscheinungen zu sprechen anfing und weit und breit kein Weg sichtbar war, der aus dem Gewirr ins Freie führt, kein Mensch auf dem Schauplatze erschien, de, kraft seiner autoritativen Führerpersönlichkeit Richtung und Ziel gewiesen hätte — und die Session dieses Kongresses war von solchen Augenblicken allzu reichlich erfüllt —, da fühlte doch ein jeder von uns: Es wird sich ein Ausweg finden. Der Kongreß wird seine Arbeiten zu Ende führen, das Budget bestimmen, politische Resolutionen fassen, die Richtlinien für die Palästina- Politik England gegenüber und solche für die innere Arbeit des Jischuw schaffen. Er wird eine neue Leitung wählen und der Bewegung den Präsidenten geben. Der Kongreß wird seine Arbeiten vollenden — selbst wenn er Nachtsitzungen des Plenums in Permanenz abhalten müßte. Denn jeder von uns, der jemals an einem Zionistenkongreß teilgenommen und Zeuge seiner Arbeitet war, der wußte im Innern, mit welcher Energie unc aufopferungsvollen Hingabe noch stets von den paaf hundert Abgeordneten des in aller Weit zerstreuten jüdischen Volkes in knappen 14 Tagen ein Pensum bewältigt wurde, für das einem, normalisierten Staatsparlamente Halbjahres-Sessionen zur Verfügung stehen. Man wußte, daß nach aufreibenden Tag- und Nachtsitzungen so ein Kongreß nicht früher auseinandergeht, bis er nicht alle seine Aufgaben bis ins genaueste Detail durchberaten, behandelt und nach politischen Grundsätzen beschlossen und verabschiedet hat. Man konnte schließlich das sichere Gefühl haben, daß auch dieser Kongreß aus dem Gestrüpp der großen Schwierigkeiten den Weg ins Freie finden werde. Und wie so oft in der Historie der Zionistenkongresse: Die Nachtsitzungen, in denen bis zum letzten Augenblick gekämpft wurde, stellten sich auch diesmal ein und sie waren entscheidend. Nachtsitzungen des Zionistenkongresses sind ein integrierender Bestandteil des Kongresses. Ohne Nachtsitzung ist ein Zionistenkongreß einfach undenkbar, und wenn man auf diesem Kongreß oft das schwere Wort von Enttäuschung hörte, so war diese Empfindung vielleicht nicht zuletzt auf die geringe Zahl dieser Nachtsitzungen des Plenums zurückzuführen. Man fühlte sich auf diesem Kongreß ärmer um jene Atmosphäre der Spannung früherer Kongresse und man war enttäuscht. Der Kongreß hat eben außer seinen Aufgaben, den Bericht der Exekutive für die abgelaufene Zeit entgegenzunehmen und das Arbeitsprogramm für die nächste Periode auszuarbeiten, noch eine andere Funktion: dramatisches Erlebnis für jeden seiner Teilnehmer zu sein, an dem er zu zehren vermag — bis zum nächsten Kongreß. Und das dramatische Erlebnis dieses Kongresses war vielleicht schwächer — sein äußerlicher Verlauf war nicht dramatisch, aber sein Inhalt war von solch dramatischer Wucht und Kraft wie vielleicht keiner der vergangenen. Der Inhalt dieses Kongresses war von überwältigender, ja erschütternder Größe. Höchste politische Spannungen und schwerste wirtschaftliche Erschütterung in Europa, die durch einen seit Jahrhunderten nicht gekannten und mit dem Ende des Mittelalters überwunden geglaubten Vernichtungsfeldzug gegen eine Menschengruppe von 600.000 Seelen im Herzen dieses alten Kulturzentrums ihren furchtbaren Stempel erhielten, bildeten den düsteren Hintergrund des Kongresses. In einem Zeitpunkt, da Haß und Vernichtungswillen einen der besten Teile unseres Volkes umtosen, war zu glauben: die Tragödie der deutschen Das Reisebureau Compass Tours, IX., Spitalgasse 3, teüt nrit, daß die Reisen am 7. und 12. September programmgemäß abgehen, und alle Plätze für dieselben ausverkauft sind. Beatrijcbad Russisches Steinschwitzbad mit Besenbehandlung, neu errichtet. Dampf-, Wannen-, Schwimm- und Heilbäder. Die Leser der «Stimme» erhalten an der Badekasse gegen Ueberrelchung dieses Kupons (ausschneiden!) um nur S 130 ein russisches Schwitzbad mit Wäsche. Gültig bis Ende September 1933

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