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Die Stimme · 1933-09-07 · Heft 299 (7.9.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 299 (7.9.1933)
Date
1933-09-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seilt 4 DIE STIMME Nr. 299 — 7. September 1933 t r Mt , i|i. i ■ I!: ■ i ■id\ ■ ca i. i *; { \ ly Die fdklußsitxunä des Jfcon&esses Knitter* find Orttfifsalloitifrettfi Die Sitzung des Zionistenkongresses ln der Nacht vom 2 zum 3. September führte nicht, wie geplant, zum /. Schluß des Kongresses, da ln den Verhandlungen bezüg.ch der Zusammensetzung der künftigen Exekutive eine Uebereinstimmung noch nicht erzielt worden war und auch die politische Kommission ihre Arbeiten noch nicht beendet hatte. Die Nachtsitzung war den Berichten der Kulturkommission und der Organisationskommission und der Aussprache und Beschlußfassung Ober deren Anträge gewidmet und wurde nach stellenweise ziemlich stürmischem Verlauf um 4 Uhr morgens geschlossen. Die nächste Sitzung wurde für Sonntag, den 3. September, 4 Uhr nachmittags, angesetzt. Von den angenommenen Beschlüssen kommt demjenigen, der der Exekutive das Recht gibt, auf Antrag des Ehrengerichtsanwalts die Mitgliedschaft von Personen und Gruppen, die sich eines Disziplinarbruches gegenüber der Organisation schuldig gemacht haben, zu suspendieren, besondere Bedeutung zu. Zionismus und hebräische Renaissance Die von Präsident M o t z k 1 n geleitete Sitzung begann mit der Erstattung des Kulturreferats durch den Delegierten Levinsohn, der sich zunächst mit der Frage der hebräischen Kultur und Erziehung in der Galuth befaßte. Er erklärte, die hebräische Bewegung habe seit dem Bestand der zionistischen Kongresse drei Epochen durchgemacht. Die erste, die Epoche des «Kulturkampfes», des ideologischen Kampfes zwischen den Anhängern der hebräischen Kultur und ihren Gegnern, endete mit dem Sieg des Hebräisch e n auf dem 5. Kongreß. Die zweite Epoche begann mit dem 8. Kongreß, auf dem in der Erkenntnis, daß die zionistische Exekutive nicht selbst die schwere Aufgabe übernehmen könne, die hebräische Sprache zur herrschenden zu machen, die «H i s t a d r u t h 1 e’ L a s c h o n w e’ T a r b u t h», die Sprach- und Kulturorganisation, die bis zum Beginn des Weltkrieges bestand, gegründet wurde. Nach verschiedenen Vorkonferenzen kam es sodann vor zwei Jahren zur Schaffung des Brith Iwrith Olamith, durch dessen Arbeit die dritte Epoche, die eine Koordinierung der Tätigkeit von Zionistischer Organisation und hebräischer Bewegung bringen müsse, eingeleitet wird. In dem Verhältnis zwischen Hebräisch und Zionismus in dem Zeitabschnitt von der Haskalah bis zur Gegenwart seien ebenfalls drei Epochen zu unterscheiden: die erste, gekennzeichnet durch Hebräisch als solches, HebräischohneZionismus, das nicht nur in der Sprache, sondern auch im Wesen künstlich war; die zweite, in der es einen Zionismus ohne Hebräisch gab, in der sich das Hebräische bloß dank der Pietät für die heilige Sprache und dank der zionistischen Formel von der dreifachen Erlösung: Volk, Land, Sprache, der Bewegung wie ein Schatten nachschleppte, ohne mit ihr organisch zu verwachsen. Die dritte Epoche strebe zu einem hebräischen Zionismus und einem zionistischen Hebräisch. Hebräisch sei der Schild gegen die Sprachenmannigfaltigkeit des jüdischen Volkes, durch die das Wachstum der geistigen Kräfte und der Wert der geistigen Produkte vermindert werden. Mit dieser Feststellung solle jedoch der Wert der Galuth-Sprachen und der Kulturen, die mit ihrer Hilfe, speziell mit der des Jiddischen, geschaffen wurden, nicht herabgesetzt werden. Der Referent gab sodann einen Ueberblick über die Entwicklung des hebräischen Schulwesens ln der Galuth. 1929 gab es in den 7 Ländern Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien und Tschechoslowakei 149 hebräische Kindergärten, 313 Volksschulen, 58 Gymnasien und 7 Lehrerseminare, Die Zahl der Schüler betrug etwa 40.000. 1933 zählte Polen allein bereits 315 Schulen mit 1236 Lehrern und 37.500 Schülern. Die Zahl der Schüler, die heute in ganz Europa vom Tarbuth gegründete Schulen besuchen, beträgt schätzungsweise 70.000. Rechnet man hierzu noch die Zahl der Kinder, die Hebräisch in den utraquistischen Schulen und in den Schulen der Jawne und des Schulkult lernen, so kommt man zu einer Zahl von Die wirklich billige Schuh« quelle linden Sie bei »OA-HO« (Inh David Horountz) W!m/L7ahorstro£^Ni^Jb Ecke Gr edler strafte QualHUiewave zu äußeret billigen Preisen. Bei Berufung auf eitet »Mm* me« 8 Prosen! Babaii fast 100.000 Hebräisch sprechenden und verstehenden Kindern. Die Zahl derjenigen Jugendlichen, die als Mitglieder zionistischer Parteien und Chaluzgruppen in ihren Organisationen und in Abendkursen Hebräisch gelernt haben, beträgt ebenfalls rund 100.000. Bei der letzten offiziellen Volkszählung in Polen 1930 gaben eine Viertelmillion Juden Hebräisch als Muttersprache an, obwohl die Zionistische Organisation ihren Mitgliedern freigestellt hatte, auch Jiddisch als Muttersprache anzugeben. Die Ausbreitung des gesprochenen Hebräisch in der Oaluth läuft parallel mit dem Wachstum der chaluzischen Jugendbewegung. Die zionistische Chaluzjugend ist Trägerin der lebendigen hebräischen Sprache geworden. In einem betrüblichen Gegensatz zu diesem Aufschwung stehe die durch die Wirtschaftsnot der jüdischen Massen bedingte kritische Lage des hebräischen Schulwerks. Die Seminare in Wilna und Grodno stehen aus Mangel an Mitteln vor der Schließung. Das hebräische Verlagswesen liegt danieder. Das offizielle hebräische Studio des polnischen Künstlertheaters Reduta und das dramatische Studio in Lodz stehen vor der Auflösung, weil sie von der zionistischen hebräischen Bewegung nicht unterstützt werden. Auch in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sei die Lage unbefriedigend. Der Redner protestierte dagegen, daß die Beschlüsse des 16. und 17. Kongresses, betreffend Gründung eines Departements für Kultur- und Erziehungsarbeit in der Oaluth, Schaffung von Verbindungen mit Palästtna-AMeiliing Josef Popper Internationale Transporte, Wien, II, Taborstraße 22. Telephon R 48-5-10, R 4Ö-5-70 Serie, ln Palästina: The Levant Bonded Warenhouses Co. Ltd., üt9s nanj? non»1? nman mann Haifa, Telephon 346 r®*n Jaffa, Telephon 36 1B» Spezial-Warentransporte, Uebersledlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Arf über Palästina. den hebräischen Erziehungsorganisationen, Verbreitung der hebräischen Sprache und Literatur unter der erwachsenen Jugend, Ausbildung von Lehrern usw. nicht durchgeführt wurden. Er wies darauf hin, daß ein Artikel von Achad Haam und ein Lied von B i a 1 i k tausendmal mehr Wirkung hätten, als die fremdsprachigen zionistischen Propaganda-Broschüren. In Palästina drohe eine Massen-Alijah, die nicht mit der hebräischen Sprache verbunden ist, ein Galuth-Babel zu schaffen. Beim tschechischen, polnischen, litauischen, lettländischen, estländischen und irischen Volk habe die generationenlang in fremden Kulturen erzogene und fremde Sprachen gebrauchende Intelligenz den Bau des neuen Lebens mit der Erneuerung der Nationalsprache, die sie mit einem natürlichen Fanatismus spreche, begonnen. Nur die alle Sprachen der Welt redende und in ihnen talentvoll schaffende jüdische Intelligenz habe sich die Kenntnis der hebräischen Sprache noch nicht erworben. Gegen diese nationale Sünde müsse mit aller Kraft protestiert werden. Zum Schluß richtete der Redner an die zionistischen Führer den Appell, darauf hinzuwirken, daß die hebräische Sprache nicht nur in einzelnen Ländern und Bevölkerungsteilen in einem gewissen Prozentsatz herrsche, sondern daß die volle absolute Hebräisierung in Erez Israel und den Galuth-Ländern erzielt werde. Das Programm der „Judenstaatspartei“ Der Sonderverband der Zionisten-Kevisionisten in der Zionistischen Weltorganisation teilt in einem Communiquö mit, daß er auf einer anläßlich des XVIII. Zonistenkongresses in Prag abgehaltenen Konferenz beschlossen hat, seine Verbindung mit der Union der Zionisten Revisionisten zu lösen und den Namen «Judenstaatspartei» (Sonderverband der Zionisten-Revisionisten) anzunehmen. Nach einer Kritik der Haltung des Kongresses angesichts der Lage der Juden in den Ländern der Zerstreuung und der Politik der Mandatarmacht wird in dem CommuniquG daB Programm der Judenstaatspartei folgendermaßen skizziert: Vom Geiste Theodor Herzls beseelt, bekennt sich unsere Partei nach wie vor zu folgenden Grundsätzen: u AWI I ■ AWIE HOYE1 EEtlYll Wien, IL, Große Mohrengasse 18 Telephon R 46-2-19 Gutes Familienhotel, Stadtzentrum, Zentralheizung, Zimmer mit und ohne fließendes Kalt- und Warmwasser, Bäder, Lift, Telephon. IInhalt* mmer von S 3.SO aufwärts. Zwalbtttihn mar von S 5*— au.wart» Die Partei erkennt im Zionismus das Bestreben nach Errichtung des Judenstaates in seinen historischen Grenzen, das he;ßt eines sich selbst verwaltenden Gemeinwesens mit Jüdischer Bevölkerungsmajorität. Die Partei ist ein Integrierender Bestandteil der Zionistischen Weltorganisation. Sie will diese Organisation nicht sprengen und nicht verlassen. Sif will sie wieder mit dem Judenstaatsgedanken erfüllen. Sie will die volle Souveränität der Organisation und des Kongresses, die durch Einbeziehung nichtzionistischer Element« in die Leitung der Jewish Agency verletzt worden ist, wiaderherstellen. Die Partei bekennt sich zu den Grundsätzen der D e m okratie. Sie lehnt die Diktatur, sei es die Diktatm von Klassen, Parteien oder Personen, entschieden ab. Die Partei vertritt den Grundsatz des Vorranges des nationalen Einheitsgedanken vor jeglichen Sonderinteressen. Von dem Gedanken ausgehend, daß de* Judenstaat von allen Juden und für alle Juden errichtet weiw den muß, lehnt die Partei alle Bestrebungen ab, die di« nationale Solidarität erschüttern können. Sie lehnt die wirtschaftliche Bevorzugung irgendeiner Klasse oder Partei ah Sie lehnt vor allem die Ideolog e des Klassenkampfes ab, weü diese Ideologie eine Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte und den für den Aufbau des Judenstaates unerläßlich notwendigen Frieden im jüdischen Volke und im jüdischen Palästina unmöglich macht. Die Partei macht es sich zu einer Hauptaufgabe, Jugend im herzischen Geiste und zu nationaler Disziplin zu erziehen und sie vor den Lockungen der Assimilation und vor dem jüdischen Geiste fremden Kampfmethoden zu bewahren. In politischer Hinsicht erstrebt die Partei eine mandatstreue, auf Repatriierung der Juden gerichtet« Politik der Mandatarmacht und der Palästina« regierung zu erwirken, eine Politik, deren Grundsatz die aktive Förderung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina ist. Die Partei fordert die Sicherung der jüdischen Siedlung Ln Palästina durch Aufstellung jüdischer Einheiten in der Polizei, Gendarmerie und Armee. In wirtschaftlicher Hinsicht wird die Partei bestrebt seir die Errichtung solcher Institutionen in Angrff zu nehmen oder zu fördern, die der Ueberführung jüdischen Kapitals, jüdischer Arbeitskraft und jüdischen Unternehmungsgeistes dienen. Die Partei bekennt sich zu dem Grundsatz jüdischer Arbeit in Palästina auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit. Das Communiquö ist von Großman, Machover, Soskin und Stricker unterzeichnet. * Wir haben also glücklich zu den vielen schon bestehenden zionistischen Parteien noch eine neue bekommen. Womii sich das Programm dieser neuen Partei von den nichtssagenden Worten «Judenstaat» und «Herzigeist» abgesehen, von dem Programm des Allgemeinen Zionismus unterscheidet, können wir nicht finden. Wie die Wahl zum Kongreß gezeigt hat, handelt es sich nur um einige Generale, die ohne Armee dastehen. So ist es leider schon im Zionismus; Man stellt ein paar nichtssagende Worte zusammen und das neue Programm und damit eine neue Partei ist schon geboren. Ob für diese eine Existenzberechtigung vorhanden ist, darüber zerbrechen sich die Führer nicht die Köpfe. Oie Haltung der Revisionisten Während der Behandlung der Resolutionen durch die politische Kommission fehlte die Jabotinsky* Gruppe. Sie hatte vorher den Saal verlassen und hi eb auch bei der später erfolgten Wahl des Präsidenten und der Exekutive dem Plenum fern. In einer Pressekonferenz protestierte Jabotinsky gegen den angeblichen Versuch des Kongresses, das Gerichtsverfahren gegen die Revisionisten in Palästina durch Resolutionen zu beeinflussen. Der jüdische Weltkongreß Der jüdische Weltkongreß begann seine zweite Konferenz, die vom 5. bis 7. September in Genf abgehalten wurde, mit einer feierlichen Eröffnungssitzung im Salle Centrale abends um 20 Uhr. ln dieser Eröffnungssitzung hielten prominente Vertreter der Judenheiten de* wichtigsten Länder Ansprachen. HOSES RATH'S „SFATAMENU” Lehrbuch d.hehrsischensoraciie tür Schul- und Selbstunterricht nur Schlüssel und \\Örterverzeichnis mit deut. scher, polnischer, ungarischer, rumänischer oder eng. lischer Unterrichtssprache. Einzige Methode zur vollständigen Erlernung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur RM 2.—, der englischen Ausgabe RM 4.—. Buchhändler, Schulen, Organisationen und Lehrer erhalten einen hohen Rabatt. Zu beziehen bei M. Rath, Verlag, Wien, II. lahoisliaße 20 a. -"rr .* i 1

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