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Die Stimme · 1933-09-07 · Heft 299 (7.9.1933) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 299 (7.9.1933)
Date
1933-09-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 209 — 7. September 1933 DIE STIMME »Mit 9 Verfustbifanx des Mondresses Von Dr. Oskar Orünbaum Vor dem Kongreß gab es gewichtige Stimmen, die tot eine Verschiebung des Kongresses plaidierten. Die Arbeiterschaft bestand auf der Einberufung des Kongresses. Der Verlauf des Kongresses hat aber bewiesen. daß es besser gewesen wäre, ihn zu verschieben. Zu kurz ist noch die Zeit seit der Ermordung von Arlosoroif. Die begreifliche Erregung der Gemüter über diesen tragischen Fall hat sich noch nicht gelegt und die bisherigen Ergebnisse des Untersuchungsverfahrens reichen noch nicht aus, um Schuld oder Unschuld der Verhafteten festzustellen. Andererseits war die Arbeitsmöglichkeit des Kongresses von vornherein dadurch in Frage gestellt, daß die Linke darauf bestehen wollte, daß die Revisionisten aus der Organisation ausgeschlossen werden müssen. Schließlich kam noch dazu, daß cs die Arbeiterschaft für richtig fand, in der Frage der Bildung des Kongreßpräsidiums Schwierigkeiten zu machen. Die Aufrollung dieser Machtfrage brachte die erste Verstimmung in den Kongreß. Als nun Nachrichten aus Palästina kolportiert wurden, wonach die Schuld der verhafteten Revisionisten angeblich als feststehend betrachtet werden konnte, war der Kongreß überhaupt lahmgelegt. Hinter den Kulissen verhandelte seit 15. August eine Kommision von sechs Mitgliedern des A. C. über die in Palästina angeblich bestehenden Terrorgruppen und konnte zu keinem Resultat kommen. Nach vielen Mühen wurde endlich der Text einer Resolution fertiggestellt upd im Plenum des Kongresses angenommen. Es wird nun eine Untersuchungskommission nach Palästina gehen und an Ort und Stelle Erhebungen pflegen. Damit war der Widerstand der Linken gegen die weitere Teilnahme der Revisionisten am Kongreß beseitigt und es konnte endlich die praktische Kongreßarbeit in Angriff genommen werden. Ihre Ergebnisse sind mehr als mager. Als einziges AKtlvum Ist der Beschluß des Plenums zu nennen, wonach disziplinlose Einzelpersonen und Gruppen nach einem bestimmten Verfahren aus der Organisation ausgeschlossen werden können. Sonst wurde nichts Nennenswertes erzielt. Nicht einmal die Aenderung des Statuts der Jewish Agency. Die Zionisten müssen sich weiter damit abflnden, daß die Nichtzionisten, hinter denen keine organisierten Massen stehen, einen entscheidenden Einfluß in der Führung der Geschäfte besitzen. Daß die Nichtzionisten auch nicht die erwarteten Geldmittel beigesteuert haben, ist leider eine bekannte Tatsache. In der Frage der Aenderung des Statuts der Jewish Agency kann das Organisationsdepartement der zionistischen Exekutive in London von Schuld nicht freigesprochen werden. Es hätte rechtzeitig an die Nichtzionisten wegen Aenderung des Statuts herantreten müssen und es ging wohl nicht an, erst bei der Tagung des Councils der Jewish Agency den Nichtzionisten mit diesem Vorschlag zu kommen, der natürlich abgelehnt wurde. Diese Frage darf aber nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden und ihre Lösung muß in freundschaftlicher Weise angestrebt werden. Die Tagung des Councils efer Jewish Agency war sehr schwach beschickt und bot dadurch einen wenig erfreulichen Eindruck. Die Nichtzionisten werden selbst elnsehen müssen, daß hier Remedur geschaffen werden muß. Das Organisationsdepartement der Zionistischen Exekutive hat es auch unterlassen, dem Kongreß mit der nötigen Entschiedenheit Vorschläge wegen Aenderung des Schekelwahlrechtes zu machen. Herr Berl Locker referierte über dieses Thema ohne jede Eindringlichkeit. Ich habe ihm in der Generaldebatte deswegen Vorwürfe gemacht und er antwortete mir auf eine Frage, die ich überhaupt nicht angeschnitten hatte. Er behauptete nämlich, ich sei in Oesterreich gegen den Territorialverband. Wie sehr meine Kritik Lockers berechtigt war, zeigt der von seiner Partei elngebrachte Antrag wegen Schaffung eines Territorialverbandee, der bei allen anderen Parteien des Kongresses entschiedene Ablehnung fand. Dieser Antrag bedeutete nichts weniger als die Auslieferung der gesamten nichtsozialistischen Organisationen in den Ländern an die Linke und die Zertrümmerung der Landesverbände der Allgemeinen Zionisten. Es ist bezeichnend für die Taktik der Linken, daß sie schon in der Organisationskommission den Antrag auf Einführung des Zweijahrschekels niederstimmten. Als nun die Linke sah, daß das vorgeschlagene Statut des Territorialverbandes einmütig abgelehnt wurde, entschloß sich Herr Locker, der Ueberweisung des ganzen Matrlals an das Aktionskomitee zuzustimmen. Wir hoffen, daß dieser vom Kongreß angenommene Antrag ein Begräbnis I. Klasse ist. Leider bleibt es aber bei der Schande des bisherigen Wahlrechtes. Die ganze Generaldebatte war ziemlich unfrucht¬ Beh. konz. Realbüro INO. N. Kaut und V erkauf von Realitäten, Hypotheken 1., II. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, üebäudeverwaitung Büro: Franz Josefs-Kai 11 Tel. R-25-0-44 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 bar, weil die meisten Redner für ihre Wähler zu Hause sprachen und Propagandareden für ihre Parteien hielten. An dieses Rezept hielt sich auch Ben Ourion. In jedem anderen Parlament der Weit ist es aber so, daß die größte Partei, die Regierungspartei, ein konstruktives Programm vorbringt. Unsere Regierungspartei, die Linke, hat sich aber bloß damit beschäftigt, die nach ihrer Ansicht alleinseligmachende Politik zu dozieren. Ich habe der Linken in der Generaldebatte darob einen Vorwurf gemacht und Berl Katzenelson entgegnete darauf ausweichend, indem er sagte, seine Partei hätte sich gegen verschiedene Lügen und Verleumdungen wehren müssen; weiters antwortete er überheblich, seine Partei sei nicht in der Lage gewesen, ein konstruktives Programm vorzutragen, weil sie es notwendig gehabt hätte, den anderen, ideologisch offenbar so ungebildeten Zionisten, einen Vortrag über das Abc des Zionismus zu halten. Und Berl Katzenelson sprach dann noch eine Stunde lang weiter, ohne daß vom konstruktiven Programm etwas zu hören war. Unsere Linke begeht den Fehler, den auch die sozialdemokratischen Parteien in verschiedenen Parlamenten der Welt gemacht hat. Sie vertritt starr und dogmatisch ihr Programm und andere Parteien existieren für sie nicht. Vielleicht wird auch unsere Linke zu spät erkennen, daß sie einen Weg geht, der sozialistische Parteien in anderen Ländern um die Macht gebracht hat. Sehr heikler Natur waren die Fragen um Deutschland. Man kann hier verschiedener Meinung sein. Eines ist aber sichen Wir müssen alles tun, um die Lage der deutschen Juden zu verbessern, wir müssen unaufhörlich gegen dieses schändliche Unrecht an 600.000 Menschen protestieren und alles unterneh- .Tante mam4 Iflr i-isjähriga Wfait, IX., Rofiauerländc 29 — TeL A 11*3*14 Altbewährt. Gut jüdisches Kinderheim ersten Ranges Schönste Lage an Donaupromenade. Sonnige große Räume. Beschränkte Kinderanzahl, inu. Auslandsreferenzen. Prospekte. Internat und Externat. Beste Schulen in nächster Nähe. Kindergarten. Halb* und ganztägig. Abholung. Ueberraschende Erfolge mit sohlecht essenden Kindern. Kindersprachschule. Französisch, Englisch, Hebräisch, Deutsch (für Ausländer) auf unterhaltende Art. Anfänger- und Vorgeschrittene Kurse. Rhythmisches Turnen. Im eigenen Saale. Nachmittagshelm. Schulnachhilfe, Beschäftigung, Spaziergang usw. Tante Marys Klassikerabende^ für junge Mädchen. Gemeinsame Lektüre der Klassiker sowie anschließender Vortrag und Diskussion men, um die Auswanderung deutscher Juden unter Mitnahme ihrer Kapitalien nach Palästina zu ermöglichen. In den palästinensischen Angelegenheiten sehen wir, daß die abtretende Exekutive als einziges Aktivum die politische Zerstörung jener Wand gebracht hat, die uns von Transjordanien trennte. In dieser Frage muß beharrlich und unter größtem Verantwortungsbewußtsein weitergearbeitet werden. Es zeigt sich aber auch, daß der Widerstand Englands gegen gerechtfertigte Forderungen unserer Exekutive wächst. Die zionistischen Massen müssen begreifen, daß es notwendig ist, insbesondere in der Frage des Gesetzgebenden Rates, mit einem starren Nein zu antworten. Dieses Nein wird auch von der Exekutive vertreten und findet ein ungeteiltes Echo im ganzen Zionismus. Ueberblickt man die Tagung des Kongresses, dann muß man es schon als Verdienst anerkennen, daß die Tagung zu Ende geführt werden konnte. Meritorisch hat aber dieser Kongreß kaum Nennenswertes geleistet. Und nun kommt eine neue Exekutive, die sich nur auf einen Teil des Kongresses stützt. Sie wurde nur von den Linken, von den wenigen Radikalen und einem Teil der Allgemeinen Zionisten gewählt. Die Übrigen Parteien, soweit sie aufgefordert wurden, Mitglieder in die Exekutive zu entsenden, haben ablehnend geantwortet. Die Oeffentlichkeit muß verstehen, daß diese Ablehnung ihre guten Gründe hat. Der größte Teil der Allgemeinen Zionisten wollte nicht eine Politik unterstützen, die einseitig links orientiert ist und den Fragen der nlcht- 80zalistischen Arbeiterschaft und den Fragen des Mittelstandes nicht gebührend entgegenkommt. Diese Allgemeinen Zionisten wollten nicht in eine Exekutive gehen, in der Sie dasselbe erlebten wie auf dem Kongreß, daß sie nämlich immer von den Linken überstimmt worden wären. Es war vernünftiger von den Allgemeinen Zionisten, nicht ln diese Exekutive zu gehen, als sie zu beschicken und dann vor der Gefahr zu stehen, die in die Exekutive entsendeten Vertreter zurtickzlehen zu müssen. Die Allgemeinen Zionisten, die nicht in die Exekutive gehen wollten, taten das auch aus dem Grunde, weil sie eine große Koalition nicht durchsetzen konnten. Es hätte darnach auch der Mlsrachi ln der Exekutive vertreten sein müssen. Hier aber scheiterte die Einigung, weil die Linke erklärte, unter keinen Umständen Parbsteln als Mitglied der Exekutive zu wählen. Farbstein war eben der Mann, der sich mit Entschlossenheit für den Mittelstand einsetzte, und das haben offenbar die Poale-Zionisten nicht vertragen. Zwei Schatten schwebten über diesem Kongreß: JÜDISCHE IHVRN!. 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Die neue Exekutive ist links orientiert und die drei Nichtzionisten Hexter, Bergson und Senator, die gewöhnlich mit den Linken stimmen, werden weiter in den wichtigsten Fragen stimmberechtigt sein. Dieser Zustand ist unbedingt schädlich. Es darf keine Diktatur bei uns geben, auch nicht die der Histadruth haowdim. Die Opposition der Revisionisten wird noch verstärkt werden durch die Opposition des Mlsrachi, der im Osten eine starke Organisation und viele Freunde im nichtzionistischen, gesetzestreuen Judentum hat. Wie dem auch immer sei, wir müssen auf dem Boden unserer Konstitution stehen. Der Kongreß ist souverän. Das nimmt uns aber nicht das Recht, die Tätigkeit der neuen Exekutive mit kritischen Augen zu betrachten und überall dort warnend unsere Stimme zu erheben und zu opponieren, wo wir dies aus Gründen unseres zionistischen Gewissens für notwendig finden. Unsere Zeit ist so ernst, daß es wohl nicht besonders hervorgehoben werden muß, daß wir nach wie vor alles unternehmen müssen, um unsere Reihen zu verstärken und für den Aufbau Palästinas zu kämpfen. Gewaltige Aufgaben stehen vor uns und wify der einzige Teil des Judentums, der ein konstruktives Programm für das Weltjudentum hat, muß sich der Größe des Augenblicks gewachsen zeigen. Auf dem letzten Kongreß wurde die Demokratie mit ihren eigenen Mitteln zu Tode gehetzt. Auch das soll eine Lehre für die Zukunft sein. Wir müssen uns Klarheit darüber schaffen, daß uns nichts so sehr schadet wie Assimilation an fremde Methoden. Wir wollen bei künftigen Kongressen auch keine braunen Hemden mehr sehen und keine roten Nelken. Hundertprozentiger Zionismus verträgt keine politische Assimilation. Befreien wir uns von ihr und der nächste Kongreß wird besser sein als der XVIII. Kongreß, der eine Verlustbilanz aufweist sowohl in seinen Verhandlungsergebnissen als auch in der neugewählten Exekutive. Sicherung der Ruhe an den österreichischen Hochschulen Die Strenge, mit der der jetzige Kurs in Oesterreich die im Zeichen des Hakenkreuzes verübten Bubenstücke und Verbrechen ahndet, ließ die Sorge berechtigt erscheinen, daß sich die gebundenen Energien der Hitler-Jugend um so hemmungsloser dort austoben würden, wo es bisher keine Schranken für sie gab: auf akademischem Boden. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß die Regierung Vorsorge trifft, auch an den Hochschulen Ruhe und Ordnung 2u sichern. Der Mißbrauch der Anschlagkästen zu rüder Hetze, wie sie die Nationalsozialisten betrieben, wird durch die Verfügung unmöglich gemacht, daß nur noch F a c hvereinc Anschläge aushängen dürfen und auch diese nur nach Zensurierung der Kundmachungen. Eine Universitätswach«, die formell den akademischen Behörden, in Wirklichkeit aber der Bundespolizei unterstehen und jederzeit nach eigenem Ermessen zum Einschreiten befugt sein wird, dürfte die streitbaren Radaustudenten effektvoll im Zaume halten. Die «Deutsche Studentenschaft» ist unter Feststellung ihres Illegalen Charakters aufgelöst worden. Das bedeutet eine radikale Abwendung von der «Studentenordnung» des Herrn Czermack. Alles, was von jüdischer Seite seit jeher gegen diese «Studentenordnung» vorgebracht worden war, hat sich als so zutreffend erwiesen, daß sich jetzt auch die Regierung diese Argumentik zu eigen machen und auf geeignetere Mittel sinnen mußte, die Hochschulen aus Arenen wüsten Radaus in Kulturstätten zurück zu verwandeln. Die «Pag» teilt tnit: 1. Die Teilnehmer der 10. «Pag» Reisegruppe sind in Palästina am 2. d. M. glücklich ge landet; 2. die 11. «Pag»-Palästinareise geht am 24. Sep fernher von Wien ab; 3. Sprechstunden der «Pag», VI, Capistrungasse 2, Dienstag bis Freitag, H10 bis 12 Uhr. 9 Oat«rr«»chs «((••«• KinStrwaiiMalrlk „rHIIPI r«»rtk, vif. N*»t V. * 40'- HMaiUhntinlrilvl^ i 437557 D07D

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