Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 298 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette & DIE STIMME Wr. 298 — 1. September 1988 Paukte aufgenommen. Wen« es heißt, daß «das schwedische Volk gegen Mischung mit minderwertigen fremden Rassenelementen geschätzt werden <miß> und daß «die Einwanderung von nicht erwünschten Individuen verhindert werden muß», so bestätigt das nur die längst bekannte Tatsache, daß der schwedische Nationalsozialismus gerade unter der Bauernschaft große Fortschritte gemacht hat, was die Bauernpartei ausniitzen will. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik. Hier legt sich die Partei für einen nationalen Ausbau der Wirtschaft fest, auch dies, wie man sieht, eine rein nationalsozialistische These. Nazi-Deutschland Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit in einem grundlegenden Erlaß die volks- und staatsbürgerliche Erziehung und den staatsbürgerlichen Unterricht in den ihm unterstehenden Berufs- und Fachschulen neu «geregelt». «Ziel dieser Erziehung ist», wie es in dem Erlaß heißt, «das Gefühl der volklichen Zusammengehörigkeit so zum Bewußtsein zu bringen, daß es eine Macht über den Einzelnen gewinnt, die allen volksfremden, zersetzenden Einflüssen standhält». Das heißt, aus dem schwülstigen Nazistil in allgemein verständliches Deutsch übersetzt: Ziel und Zweck der neudeutschen Schule ist die — J u d e n h e t z e ... * Der Stadtrat von Miltenberg hat beschlossen, auf der Michaelis-Messe vom 2. bis 9. September, die im ganzen Untermainbezirk einen hervorragenden Ruf genießt, jüdische Händler und Geschäfte nicht zuzulassen. Jüdischer Drang znr Landwirtschaft ln einer Polemik gegen den Zionistenkongreß und die zionistischen Bestrebungen hat jüngst der «Völkische Beobachter» in gewohnt hämischer Weise behauptet, die Abneigung der Juden vor körperlicher Arbeit lasse den Plan, sie zu Bauern zu machen, aussichtslos erscheinen. Eine sehr interessante Widerlegung dieses alten Vorurteils liefert die einwandfreie Feststellung, daß die Juden der Gegenwart nicht nur im heiligen Land, sondern auch in der Galuth einen bemerkenswerten Drang zur Landwirtschaft bekunden: Anläßlich der Getreideweltkonferenz in Regina Sask hat die Jewish Colonisation Association (J. C. A.) eine statistische Uebersicht über Juden im landwirtschaftlichen Beruf veröffentlicht. Aus diesen Aufzeichnungen ist zu ersehen, daß 557.000 Juden in acht Ländern derzeit landwirtschaftlich tätig sind. Die Gesamtfläche der von Juden bestellten Ländereien beträgt 5,410.750 Acres. Produziert werden verschiedene Getreidearten, Nüsse, Orangen, Weintrauben, Tabak, Mandeln, Johannisbrot u. v. a. Auf der Ausstellung selbst wurden neben zahlreichen Produkten der jüdischen Kolonien Palästinas auch solche der jüdischen Kolonien in Kanada, Argentinien, den Vereinigten Staaten, Sowjetrußland, Polen, Brasilien und Rumänien gezeigt. Einer Statistik der kanadischen Landwirtschaftskammer zufolge produzieren die jüdischen Landwirte Kanadas jährlich eine halbe Million Busheis Weizen, genug, um die gesamte jüdische Bevölkerung Kanadas zu versorgen, das heißt mit anderen Worten, die Juden Kanadas erzeugen ihr Brotgetreide selbst. Unter der jüdischen Bevölkerung der Städte Sao Paolo und Rio de Janeiro macht sich in letzter Zeit eine besonders starke Bewegung geltend, die städtischen Berufe mit dem Landleben zu vertauschen. Viele Juden hoffen, durch Siedlung auf dem Lande dauernde, gesicherte Arbeit an Stelle ihrer jetzigen Beschäftigungen, die vielfach nur zeitweiligen Charakter tragen, zu erlangen. Es wird erwartet, daß die Bestrebungen der in Sao Paolo und Rio de Janeiro ms Leben gerufenen Siedlergruppen seitens der Regierung jene Unterstützung finden werden, die landwirtschaftlichen Kolonisationsversuchen in der Regel gewährt wird. Die fortschreitende Erstarkung der Siedlungsbewegung hat den Repräsentanten der J. C. A. in Brasilien, Oberrabbiner D. 1. Rafäiowitsch, veranlaßt, in Unterhandlungen bezüglich des Ankaufs eines Landgutes in der Nähe von Sao Paolo, einer Gegend, deren Klima dem europäischen sehr ähnlich ist, einzutreten. Liga für das arbeitende Palästina ln Wien veranstaltet die Liga für das arbeitende Palästina Anfang September ein großes Meeting, auf dem Führer der p a l ä s t i n e n s i s c h e n Arbeiterschaft sprechen werden. Dr. Simon Rawldowicz nach London beruui. Dr. Simon R a w i d o w i c z ist als Dozent für Philosophie an das Jews College in London berufen worden. Dr. Rawidowicz ist der wissenschaftlichen Welt insbesondere durch zwei große Arbeiten bekannt geworden: durch eine umfassende Monographie über Nachman Kroch mal in hebräischer Sprache und durch das vor kurzem erschienene Werk über Ludwig Feuerbach. Das Interesse des Völkerbundes Der Vertreter der Mandatsektion des Völkerbundes begrüßt den Kongreß Prag. Die Generaldebatte des Kongresses wurde durch das Erscheinen eines hohen Gastes unterbrochen. Präsident Motzkin L.g'iii'Ve feierlich den Direktor der Mandatsektion des Vö'ke-bun ies Vitta Catastin i. Präsident Motzkin cührte aus- Ir. Ihrer Eigenschaft als Direktor der Mandatsektion ha'.v.-n Sie sich oft mit unseren Frage;, zu beschäftigen und der ständigen Mandatskommission unsere Berichte vorzulege :. Besonders in einem Augenblick, da große jüdische Massen in den Abgrund wirtschaftlichen Unterganges gestürzt wp-J«.-. rchier sich die Augen des ganzen Judentums auf diese Fis'tution, die den Wiederaufbau des jüdischen NatbiUihumc-s in Palästina zu kontrollieren und seine VerwirkFchung zu unterstützen hat. Unser Volk besitzt die Hvfnung, daß der Völkerbund in die Erkenntnis des katastrapliu.j i Charakters dtr augenblicklichen Lage des jüdisch:.! Volkes eindringen und begic.Ln wird, daß es heute dieP ichtderMenschheitund des Völkerbundes LL d*n jüdischen Massen di* Möglichkeit einer sehr gnßen Auswanderung nach Palästina aeasssaaaa£ss9sss9sassaasssssssasssasssss5sssi Ein Protest des Wiener Kultusvorstandes Unter der irreführenden Bezeichnung «Ueberparteiliches Wochenblatt für alle Schaffenden» wird seit kurzem im Wege der Straßenkolportage ein Zeitungsblatt feilgeboten, dessen Inhalt sich einzig und allein in verhetzenden B eschimpfungen und Verleumdungen der Juden erschöpft. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat gegen diesen neuerlichen Versuch, gegen die Angehörigen der jüdischen Gesellschaft aufzureizen, beim Bundesministerium für Justiz, bei der OberstaatsanwaJtschaft und beim Präsidium der Bundespolizeidirektion Vorstellungen erhoben. Der jüdische Weltkongreß Vom 5. bis 7. September findet in Genf, Salle Centrale, 10 Place de la Madeleine, die 2. Conference Juive Mondiale statt, die Eröffnungssitzung beginnt Dienstag, 5. September, 20 Uhr. Die Konferenz wird sich mit zwei Hauptproblemen zu beschäftigen haben: Festsetzung des Datums und des Programms des bevorstehenden Weltkongresses und Diskussion über die d e u t s c h-jüdische Frage. Eintrittskarten zur Konferenz für Gäste werden nur im Zentralbureau des Executive-Comites: Genf, 121 Rue de Lausanne 121, ausgegeben. Die Beteiligung der jüdischen Organisationen aus den verschiedenen Ländern ist sehr rege. Bisher liegen Anmeldungen größerer Delegationen vor aus: Aegypten, Belgien, Bulgarien, England, Dänemark, Italien, Jugoslawien, Lettland, Litauen, Marokko, Oesterreich, Rumänien, Spanien, Schweiz, Tschechoslowakei, Tunis u. a. Eine Reihe bekannter jüdischer Persönlichkeiten aus Deutschland, die infolge des Hitler-Regimes das Land verlassen mußten, werden an der Konferenz teilnehmen, so u. a. Emil Ludwig, Georg Bernhard, Arnold Schönberg. Die Referate über die deutsche Judenfrage werden gehalten von Dr. Stephen S. Wise, dem Ehrenpräsidenten des American Jewish Congress, Leo Motzkin, dem Präsidenten des Comite des Delegations Juives in Paris und Dr. Emil Margulies, der die Bernheim-Petition dem Völkerbund überreicht hat. Ein Rabbiner Delegierter Australiens in der Völkerbundversammlung Melbourne. Die australische Regierung hat den Rabbiner der Jüdischen Gemeinde P e r t h in Westaustnalien Dr. I. Freedman zum Delegierten für die im September zusammentretende Völkerbundsversammlung ernannt. Im Hinblick darauf, daß in der kommenden Völkerbundsversammlung damit zu rechnen ist, daß die Judenfrage infolge der Entwicklung in Deutschland zur Sprache kommen wird, legt man der Ernennung eines Juden zum Mitglied der Völkerbundversammlung besondere Bedeutung bei. Während des Krieges war Rabbi Freedman Feldseelsorger bei den australischen Truppen, er ist Mitglied des Senats der westaustralischen Universität und war eine Zeit lang Vorsitzender des Kriegsteilnehmerverbamles von Westaustralien. Südafrika interessiert sich für die Wiener Messe Wie wir erfahren, macht sich in Südafrika für die bevorstehende Herbstmesse regstes Interesse geltend. Einer der hervorragendsten Importeure am südafrikanischen Markt, Mr. Katz, Chefinhaber der Firma Katz a Louri-, Johannisburg, wird persönlich die Wiener Messe besuchen, um hier Verbindungen mit großen österreichischen Firmen anzuknüpfen. Besondere Nachfrage herrscht für österreichische Luxus-, Geschmacks- und Kunstgewerbeartikel. Bessere jüdische Familie__ I nimmt Schulkinder in Kost und Quartier, eventuell mit Volks- und Mittelschul-Nachhilfe. Gefl. I Zuschriften unter R. S, 1933 an die Adm. d. Blattes zu gewähren, und daß °r berufen ist, an der Verwirklichung dieses Zieles teilzunehmen und d-'e Mittel zu seiner Erreichung zu finden. Auf diese mit Be fall aufgenommene Begrüßung erwiderte Monsieur Vitta Cat3Siini: Die Arbct Ihres Kongresses ist eine konkrete, sachliche Arbeit und in diesem Augenblick von besondrer Bedeutung. Eine Begrüßung bedeutet eine Unterbrechung dieser Arbeit und muß darum möglichst kurz gefaßt s:in. Ich danke Ihnen, Herr Präsident, und Ihnen allen für die Einladung d-s Völkerbunds Sekretariates zu Ihrem Kongreß und bin besonders dankbar dafür, daß der Generalsekretär riiesma* mich mit der Aufgabe betraut hat, den Kongreß .n seinem Namen zu begrüßen. Der Geist internationaler Ve s“ändigui\-* und internationaler Diskussion, der den Völkeroun i und seine Organe leitet, ermöglicht uns auch, die tiefen Probleme zu verstehen, die Ihre Bewegung beherrschen. Dies»»- Geist sichert Ihnen nicht nur unser Verständnis, sondern auch unser tiefstes Interesse. In diesem Sinne wünsche icn ihrem Kongreß den besten Erfolg zu seinen Arbeiten (leühaLer Beifall). I Das verjudete Hakenkreuz und die I indogermanischen Juden Ein Altertumsforscher veröffentlicht in der «Arbeiter-Zeitung» folgende interessante Mitteilungen: Das Hakenkreuz ist eines der am weitesten verbreiteten Symbole. Wir finden es schon in einem Horoskop aus dem babylonisch-sumerischen Kulturkreis, wo es, als Zeichen der Sonne, in einem Tierkreis die Bilder Widder—Waage und Steinbock—Krebs verbindet. In derselben symbolischen Bedeutung kehrt es in Indien auf Buddhastatuen und — als Viehmarke wieder! Auch in der hetitischen und elamischen Kultur tritt es auf, als Amulett bei den chinesischen Soldaten, auf dem Zopf der letzten Kaiserin von China, auf Phallussteinen in Japan, auf Denkmälern in Phönizien, Troja, Gallien, Skandinavien, bei den Germanen, in der cjlfistlichen Symbolik schon vor Konstantin, in den Bibeln dlf jüdischen Torlopia-Katakombe in Rom, in der alten Synagoge in Kapernaum am Tiberiasee, ja schon auf alten, jüdischen Oel- Iampen, ferner auf der Stirn des Sonnengottes, der Maya (Yukatan) bei den Pueblo-Indianern und auch sonst. Irreführend ist somit die Angabe bei Erler in seinem Wörterbuch der Urgeschichte, wie in Mayers Lexikon, daß es uns in Syrien und Palästina, überhaupt im ganzen semitischen Kulturkreis nicht begegne. Wahr ist vielmehr, daß alle Spuren gerade auf babylonischen Ursprung hinweisen. Als Sonnensymbol wurde das Hakenkreuz ein Zeichen der von der Sonne ausgehenden Fruchtbarkeit, der Vermehrung, des Glückes. Im Chinesischen bedeutet es als Zahlenzeichen 10.000, ebenso im Hauritischen ein Zeichen, das dem griechischen Chi (chilioi 1000) nahesteht. In der Form des Chi, das im Vulgärgriechischen oft mit Kappa vertauscht wird, wurden im Tempel zu Jerusalem nach talmudischen Angaben die Priester mit Oel gesalbt. Noch heute kann man Juden ein liegendes Kreuz, dessen zweiter Balken an den Enden links nach unten, rechts nach oben gebogen ist, mit dem Messer über die beiden Sabbathbrote am Freitagabend ziehen sehen. Die Form des Chi war für diese Salbungen uralte Ueberlieferung. Sie entspricht der des Buchstaben Tau des althebräischen Alphabets, das zur Zeit des Talmuds nicht mehr gebräuchlich war. Im himyarischen Alphabet, das dem althebräischen verwandt ist, sieht dieser Buchstabe dem Wappenzeichen unseres Oesterreichs so ähnlich, daß man jedem unserer Groschen eine Beziehung zum Hakenkreuz unschwer ablesen könnte. Eine solche Beziehung bestand nun zwischen dem Hakenkreuz und dem althebräischen Tau, das in der B bei als Malzeichen Gottes gilt. Daß der jüdische Monotheismus das Hakenkreuz als Symbol eines Sonnenkults abiennte, ist klar. Aber die Wahl eines solchen Zeichens zum Ausdruck eines religiösen Gedankens legte den IsraeFten wohl der Kulturkreis nahe, der sie umgab und in dem das Hakcnjcreuz heimisch war. Und dieses Kulturmilieu wird am deutlichsten dadurch gekennzeichnet, daß der Prophet Hesekiel von einer Hetiterin als Mutter und einem Amonter, das heißt Indogermanen, als Vater die Entstehung seines Volkes herleitet. Rücktritt des amerikanischen Gesandten Bernstein Der amerikanische Gesandte in Tirana Hermann Bernstein hat dem amerikanischen Außenamt seine Demission unterbreitet. Gesandter Bernstein, der Jude ist, hat mehrere Jahre hindurch die Vereinigten Staaten in Albanien vertreten. Unsere geschätzen Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner, Wien, II., Ecke Taborstraße 52, besonders aufmerksam gemacht, wo sämtliche Schulbücher für alle Lehranstalten, auch antiquarisch, zu wirklich mäßigen Preisen erhältlich s:nd. Verzeichnisse gratis! Spesenfreie Zusendung überallhin. Auskünfte: Tel. R 41-4-20. Unsere Leser, deren Kinder die Mittelschule besuchen, sind uns für den Hinweis aut j. L. Pollaks Schulbuchhandlung und Antiquariat, Wien, XV., Mariahilferstraße 140, dankbar, wo sie sämtliche vorgeschriebenen Schulbücher neu und antiquarisch zu den günstigsten Preisen erhalten. Telephonische Bestellungen R 35-034.