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Die Stimme · 1933-09-01 · Heft 298 (1.9.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 298 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nf. 298 —!. September 1933 DIE STIMME Sette 7 zu verkaufen, fast neu: 1 Windmaschine, 2 automat. Haspeln 6 Flaschenspülmaschinen, 4 Handhaspeln 1 Gleichstrommotor 5 PS HO Vut Anfragen unter »Selfactor« an die Admin. d. Bl, gen sich in immer stärkerem Maße als wichtige Einrichtungen und haben ihre Daseinsberechtigung mehr als bewiesen. In Vorbereitung sind die Pläne für den Neubau des Säuglingsheimes in Jerusalem, der durch die großzügige Finanzierung durch ein Mitglied der Familie Sieff ermöglicht wird. Ferner wlid die Errichtungen des WFZO-Hauses in T e 1- Awlw geplant. Dieses Haus wird die öffentliche Lehrküche der W1ZO (mit Restaurant) und den Klub der Tel- Awiwer Ortsgruppe der palästinensischen Föderation (Histadruth Naschim Zionioth) beherbergen. Eine äußerst segensreiche Einführung der WIZO sind d!e Wanderlehreri n n e n, die von Ort zu Ort ziehen und zur Verbreitung praktischer Kenntnisse ungemein viel beitragen. Um gerade jetzt, angesichts der Jüdischen Auswanderung aus Deutschland beispielgebend voranzugehen, beschloß die Fimanzkommisslon einen Betrag Pfund 2000.— für die nach Palästina kommenden Mädchen aus Deutschland bereätzustellen. So konnten die Beratungen der Hinanzkommissiom In großen Zügen sämtliche Phasen des Frauen-Aufbauwerkes streifen. Angetangen von den mühevollen Aufbauarbeiten aus der Zeit der WIZO-Gründung bis zu den modernen und großzügigen Schöpfungen der Gegenwart zeigten uns die einzelnen Beratungsgegenstände den gewaltigen Umfang und die unvergänglichen Verdienste der WIZO-Arbeit in Erez Israel. Die in den WfZO-Schulen und Anstalten im Laufe der Jahre herangebildeten vielen Hunderte jüdischer Mädchen bilden die Elite der fachlich vorgebildeten jüdischen Frauenwelt Palästinas. Sie verkörpern die neue Generation der jüdischen Frau, die in der Urheimat ihrer Väter die Kraft zum Wiederaufbau gefunden hat. Als die erfolgreichsten Pionierinnen stehen sie heute unbestritten an der Spitz der jüdischen Frauenarbeit in Palästina und verkörpern den neuen Typus der jüdischen Frau. Daß diese Leistungen bis zur heutigen Größe geführt werden konnten, daß sie in der Welt Anerkennung und Würdigung finden und daß sie auch in der jüdischen Frau der Diaspora, die als einfaches WIZO- Mitglied mit ganzem Herzen den Gang des Wiederaufbau Werkes verfolgt, das Gefühl erwecken müssen, ihre Beiträg« nicht unnütz vergeudet zu haben, das alles konnte nur durch die fürsorgliche und rechtzeitige Beistellung der erforderlichen Mittel erzielt werden. Dies auch für die Zukunft zu gewährleisten war es, was sich die Finanzkommission de» VII. WIZO-Konferenz zur Aufgabe gemacht hat. Der harmonische, von Sachlichkeit und großzügiger Erkenntnis der Nöte von heute getragene Geist der Verhandlungen ist uns d©r beste Bürge für eine gesicherte Weiterarbeit. OesierrelcUiscue Delegierte der ~ Zionisten am nein HonoreB Die österreichischen Delegierten der Allgemeinen Zionisten, Dr. Oskar Grünbaum und Dr. Z. F. F ink e 1 s t e i n, nehmen an den Arbeiten des Prager Kongresses einen sehr aktiven Anteil. Während Dr. Grünbaum in der politischen Kommission tätig ist, versieht Dr. Z. F. Finkelsteln seine Arbeiten in der Organisationskommission. In der Dienstag-Abendsitzung kamen die österreichischen Delegierten der Allgemeinen Zionisten zu Worte, ihre Ausführungen wurden vom vollbesetzten Hause mit größtem Interesse und Beifall aufgenommen. Dr. Z. F. Finkeist ein (jiddisch): Ich komme aus Wien, der Stadt, von welcher der Ruf Theodor Herzls ausgegangen ist, der Ruf nach dem Judenstaat, nicht im Sinne einer Proklamation, sondern als Inbegriff aller Probleme des jüdischen Lebens. Wie es höchste Zeit ist, die Gebeine des toten Herzl nach Palästina zu tiberführen, so ist es auch Zeit, den lebendigen Herzl und seine Ideen zu verwirklichen. «Vor allem möchte ich eindeutig feststellen, daß die Allgemeinen Zionisten nicht gegen die jüdische Arbeiterschaft sind, sondern im Gegenteil: Wir glauben, daß die jüdischen Arbeiter Palästinas das höchste Symbol des jüdischen j i s c h U w darstellen. Wenn man hier einen künstlichen Klassenkampf einführen will, so erklären wir, daß wir lieber eine jüdische Arbeiterschaft in Palästina mit einem Klassenkampf haben wollen, als gar kein Palästina oder ein Palästina mit einer anderen Majorität. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas hat in den schwersten Zeiten Disziplin bewahrt und sich als Bollwerk der jüdischen Situation im Lande erwiesen und man darf die im schweren Kampfe errungenen Instrumente der Arbeiterschaft nicht zerstören. Wir allgemeinen Zionisten werden keinesfalls zulassen, daß andere Parteien Konkurrenzunternehmen gegen die Histadruth schaffen. Wir müssen ein Mittel suchen, um das Primat der Disziplin der Organisation durchzusetzen, denn sie ist dje wichtigste Schöpfung Theodor Herzls. Wir haben nur einen Weg vor uns: Palästina f ü r das ganze Volk und mit dem ganzen Volk aufzubauen.» Dr. Oskar Grünbaam: ln dieser Sitzung wurden bittere Worte über diesen Kongreß gesagt. Ich glaube aber, der Zustimmung aller Gutgesinnten in diesem Saale sicher zu sein, wenn ich mit Ihnen hoffe, daß dieser Kongreß in den letzten Tagen das halten wird, was er bisher nicht gehalten hat. Ich möchte näher darauf eingehen, warum es so schlecht bei uns im Zionismus steht. Wir Zionisten glauben immer, daß wir jüdische Uebermenschen sind. Ich muß Ihnen aber sagen: wir sind in vielfacher Beziehung nicht mehr als blauweiße Assimilanten. Wir haben es nicht verstanden, daß wir Eine eigene, spezifisch jüdische Politik machen müssen. Wir predigen immer, daß wir ein abnormales Volk sind und uns fn einer abnormalen Lage befinden, aber wir ziehen nicht die Konsequenzen daraus und arbeiten nach fremden Schablonen. Ich will in wenigen Worten auf die Kämpfe reflektieren, die wir in den letzten zwei Jahren mitgemacht haben. Man hat einmal den Linken, einmal den Rechten Vorwürfe gemacht. Beide verdienen die Vorwürfe. Die Revisionisten haben eine Politik geführt, die schlecht war, weil sie nicht fundiert war, so wie oft unsere zionistische Politik nicht fundiert ist. Wir machen immer Politik, als ob wir schon im eigenen Lande und irn eigenen Staate säßen. Wir können keine Politik machen, die auch gut fundierte Staaten zugrunde richten könne. Wenn Sie wissen wollen, meine Herren Revisionisten, wie man Staatspolitik macht, dann gehen Sie zu den Tschechen und schauen Sie, wie diese Staatspolitik gemacht haben. (Beifall.) Sie aber, meine Herren von der Linken, sind eine Enttäuschung auf diesem Kongreß. Sie sind Hier die größte Partei, aber Sie haben dasselbe gemacht, was alle anderen gemacht haben. Sie haben zum Fenster hinaus geredet für ihre Wähler, aber es wäre Ihre Pflicht als stärkste Partei gewesen, mit konstruktiven Ideen zu kommen; diese habe ich jedoch vermißt. Ich bewundere Ihre Disziplin und ich rechne den Allgemeinen Zionisten ihre Elastizität hoch an, aber ich meine, ein gewisser Austausch dieser Aktiva wäre besser; hätten die Linken mehr Elastizität und die Allgemeinen mehr Disziplin, so würde dieser Kongreß anders aussehen. Sie gehen alle der Linie des geringsten Widerstandes nach, und die besteht im Reden und nicht in Taten. Aus dieser Einstellung ist es zu erklären, daß die wichtigsten Probleme hier nur gestreift werden. Ich hoffe, daß die Frage der Disziplin hier gerecht gelöst werden wird; man treibt niemanden hinaus und man muß juristische Grundlagen soheffen, Aber Ihnen (zu den Revisionisten gewendet) sage ich: es ist kein Platz für Sie in der Organisation, wenn Sie es so weiter treiben wie bisher. (Beifatl.) Mir schwebt für unsere Situation ein Bild vor. Wir kämpfen alle auf dem Eise und das Eis bricht und wir bemerken nicht, daß wir^untergehen. Wenn wir weiter Politik machen wie bisher, so werden die Wellen über uns zusammenschlagen und Sie werden mit schuld daran sein, daß das Judentum die letzte Chance, die im Zionismus liegt, verliert. Herr Berl Locker, der sonst sehr energisch ist, hat sehr sanft über die notwendige Aenderung des Schekelwahlrechtes gesprochen. Ich weiß nicht, warum er so sanft gesprochen hat. War er nicht mit dem Herzen dabei oder ist er unter die Diplomaten gegangen? Ich richte an Sie den dringenden Appell: Machen Sie ein Ende mit der Schande des Schekelwahlrechtes. (Beifall.) Lassen Sie es nicht zu, daß man um 2 Schilling das Entreebillett zur Wahl 24. September 1933 9b Wien, 29. September früh, Landung in Haifa Rosch-Haschanah in Europa Jom-Kippur in Palästina I Rückfahrt kann wöchentlich innerhalb von 90 Tagen angetreten werden von S235"- aufwärts ab Wien Inkl. Transitvisa, D-Zug, Hotel, Kabinenbett, Ein- und Ausbootungsgebuhren etc. 2.KLSClissS390' w V» Visabeschaffung für in Österreich wohnhafte Personen Verlangen II« schriftlich Rslssproapskt mit allen wichtigen Informationen (50 Groschen In Marken beilegen) •» WICH III. i LANDSYR. GÜRTEL 9 Sprechstunde, ab 1. September: WIEN VI.. CAPISTRANGASSE 2 Dienstag bis Freitag halb 10 bis 12 Uhr Zuverlässige Beratung In allen PaM» [ Bis» sn4 Reisefragen *» «/• ITI BILLIGSTE REISE Zu den jüdischen Feiertagen nach Dolen KRAKAU Tour-R«tourS40 rUieil LEMBERG Tour-RatonrS 78 Billig mit unserem Sonderzug, Abreise 18. September 1933. Paß- und Visagebühren gratis. Billigste Preise. Nähere Auskünfte Reisebureau E. Faratal, Wien, I., Kämtnerring 12, Tel. U-40-3-01. löst wie eine Kinokarte. Wenn Sie schon nicht der Meinung beitreten wollen, daß wahlberechtigt nur sein soll, wer einem Landesverband oder der Landesgruppe eines Sonderverbandes angehört, dann führen Sie wenigstens den zweijährigen Schekel ein. Ich möchte, da die Generaldebatte zu Ende gebt, meinen Freunden auf der linken Seite sowie meinen Freunden auf der Rechten folgendes sagen: Ich weiß nicht, ob das vorhin kritisierte Herzl-Bild schön ist oder nicht; ich weiß nur, daß Henri nicht zufrieden wäre, wenn er uns sähe. Theodor Herzl hat uns eine Fahne gegeben, sie war nicht rot und sie war nicht braun. Diese blau-weiße Fahne genügt mir, sie ist die schönste Fahne der Welt. (Beifall.) Dr. Finkelsteln beim Präsidenten Sokolow (Von unserem Kongreßkorrespondenten.) Im Zuge der Verhandlungen zwecks Entwirrung der Lage, die sich am Kongreß ergeben hat, empfing Präsident Sokolow nacheinander Vertreter der einzelnen Gruppen. Als Vertreter der Allgemeinen Zionisten (Gruppe E) wurde der österreichische Delegierte Dr. Z. F. F i n k e 1 s t e i n zum Präsidenten gebeten. Die Unterredung dauerte über eine Stunde und .nahm Dr. Finkeistein die Gelegenheit wahr, dem Präsidenten eine Reihe von Vorschlägen zu unterbreiten. Der Papst gegen die Juden Verfolgungen Die Londoner Nachrichtenagentur «Central News» verbreitet eine römische Meldung, derzufolge der Papst unter dem Eindruck der Nachrichten über die fortgesetzten Judenverfolgungen in Deutschland sich abfällig über die antisemitische Bewegung in Deutschland geäußert hätte. Papst Pius XI. erklärte, die Judenverfolgungen seien ein Armutszeugnis für die Zivilisation eines großen Volkes. Er erinnerte daran, daß die Bibel eine Schöpfungderjudensei. Die arischen Völker hätten, sagt der Papst, keinen Anspruch auf Ueberlegenheit überdieSemiten. Die zweite Internationale gegen den Antisemitismus Auf der jüngst in Paris abgehaltenen Tagung der internationalen Sozialdemokratie wurde unter anderem folgende Resolution gegen den Antisemitismus einstimmig angenommen: Die Konferenz hält es für Ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf den engen Zusammenhang zu lenken, der zwischen der anwachsenden faschistischen Bewegung und dem Antisemitismus besteht Wie das Beispiel Deutschlands zeigt kann füi die verarmenden Mittelschichten und die Intellektuellen gewisser Länder ln der Zeit schwerer Krise die Aussicht, durch Aufhebung der nationalen Gleichberechtigung und gewaltsame Unterdrückung die Konkurrenz loszuwerden, um ihre materielle tage zu verbessern, zu einer großen Versuchung werden. Der durch gewissenlose Demagogie geschürte Rassenhaß kann so zu einem gefährlichen Verbündeten der Reaktion und der Konterrevolution werden, Indem er breite Massen des Kleinbürgertums erfaßt und sogar Teile der Arbeiterschaft ansteckt Der Internationale Sozialismus, der immer gegen jede nationale oder Rassenunterdrückung war,, der immer alle reaktionären Theorien und Illusionen bekämpf» hat als ob eine dauernde Besserung des verarmenden Mittelstandes durch Rassenkampf erreicht werden könnte, muß in der gegenwärtigen Situation der drohenden faschistischen Gefahr und der Zuspitzung der nationalen und Klasse-igegensiize seine besondere Aufmerksamkeit den schärfsten Kampf -jsgen die das Bewußtsein der Massen vergiftende antisemitische Demagogie widmen. Die Internationale des Judenhasses Polen In vielen polnischen Städten sucht die nationaWemokratische Jugend das Beispiel des deutschen Boykottags vom 1. April nachzuahmen. Einheitlich kostümiert in gelben Hemden, nehmen Posten vor jüdischen Geschäften Aufstellung und behelligen die Kauflustigen. Trotz Einschreitens der Polizei erleiden die jüdischen Händler durch diese fortgesetzten Terrorakte Schaden. Schweden Die Schwedische Bauernpartei, eine Schöpfung der Weltkriegsjahre, hat auf ihrem jüngst abgehaltenen Parteitag in ihr Programm rein nationalsozialistisch«

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