Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 298 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sefte 0 DIE STIMME Nf. 298 — 1. September 1933 Ideologie muß ganz klar sein. Wir müssen für die Gleichberechtigung in allen Ländern kämpfen und sie mit Energie schützen. Mein Wunsch ist es, daß sich dieser Kongreß zu dem großen Enthusiasmus, zu dem großen jüdischen Pathos, zu der großen jüdischen Einheit emporhebe, um das zu erreichen, was unser wahres Ideal ist: ein arbeitendes Palästina, das alle, die dort arbeiten, umfaßt. Jeder Jude, der in Palästina nützlich arbeitet, gehört zum arbeitenden Palästina. Wir sind alle stolz auf die Arbeit Palästinas, die einz-g in der Welt steht, und wir ehren und Heben jene große Partei, die Die erste und wichtigste Aufgabe des nationalen Kapitals ist die Führung einer großzügigen Bodenpolitik, unter Bekämpfung der Bodenspekulation in Stadt und Land. Dies ist eine Existenznotwendigkeit für den werdenden Jischub. Die Bekämpfung der Bodenspekulation wäre zunächst Sache der Verwaltung. Wohl sagte man, daß diese kein Interesse daran habe, weil ihre Einnahmen an Uebertragungsgebühren und insbesondere Steuern mit den Bodenpreisen anschwellen. Aber es sei daran erinnert, daß es die erste Tat der Verwaltung Sir Herbert Samuels war, eine Verordnung zwecks Behinderung der Spekulation zu erlassen. Diese Verordnung wurde wegen Einspruchs nicht nur von arabischer, sondern leider auch von jüdischer Seite aufgehoben. Wir haben in dieser Angelegenheit einen solchen Beweis von Kurzsichtigkeit gegeben, daß wir um so mehr die Pflicht haben, die Regierung zur Erlassung ähnlicher Maßnahmen, wie sie dort vorgesehen waren, immer wieder aufzufordern. Wir selbst aber müssen alles tun, was in unserer eigenen Macht steht, der Bodenspekulation entgegenzutreten. Hier sind zunächst zwei Mittel nicht finanzieller Natur zu erwähnen, die, richtig angewendet, durchaus nicht so wirkungslos wären, wie es den Anschein hat. Die erste ist moralischer Natur. Nicht daß ich glauben würde, daß man, mit irgend welchen Sittensprüchlein die Erwerbsgier wirklich bekämpfen könnte. Aber ich glaube, daß wenigstens bei uns selbst, den Sachwaltern und Angehörigen der Zionistischen Organisation, das KKL-Prinzip wie ein rocher de bronce dastehen müßte. Das zweite Mittel ist die Informierung der Einwandernden. Es kann erstens den Kauflustigen klar gemacht werden, daß sie nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch sich selbst schädigen, wenn sie den Boden zu Phantasiepreisen bezahlen und ferner kann dieser Dienst den Leuten erwerbbare Flächen nachweisen. Vielleicht hätten dadurch einige der krassesten Fälle, die sich in der letzten Zeit ereigneten, verhindert werden können, wo an den Grenzen von Tel- Awiw zu Phantasiepreisen bepflanzter Boden zur Bebauung gekauft wurde und die (nichtjüdischen) Verkäufer sich mit dem erhaltenen Geld ein Vielfaches an Pflanzungen in den besten Gegenden anlegen konnten. Doch all diese Mittel sind nur als sekundär zu betrachten. Von ausschlaggebender Wichtigkeit ist die Beherrschung des Bodenmarktes. Hier müßten nationales, philozionistisches und privates Kapital Zusammenwirken. Auch das private Kapital hat das dringende Interesse daran, Boden nicht zu wirtschaftlich unrentablen, überhöhten Preisen zu kaufen. Dieses Zusammenwirken ist schon auf der Londoner Konferenz vorgeschlagen worden. Es handelt sich, kurz gesagt, um die Schaffung einer zentralen Bodenkaufsgesellschaft unter führender Mitwirkung des KKL. Es gilt, nicht nur die bestehenden Gesellschaften mit vorhandenem Besitz zusammenzufassen, sondern aus ihnen mit Beteiligung neuen Kapitals und des KKL eine zentrale Bodeneinkaufsinstitution zu schaffen. Dadurch würde gegen die Spekulation vieles gewonnen sein. Diese Gesellschaft wäre in der Lage, den Bodenmarkt zu kontrollieren und die jüdische Nachfrage zu zentralisieren. Sie könnte größere Flächen kaufen und die privaten Interessenten würden sich nicht selbst auf die Suche nach Verkäufern begeben und durch ihre Konkurrenz die Preise, wenn auch ungewollt, treiben. Die Gesellschaft könnte auch eine richtige Bodenpolitik führen, indem sie dort kaufte, wo es nach rationalen Erwägungen für kolonisatorische Zwecke tunlich ist, und alle zu vernünftigen Preisen angebotenen Flächen aufnehmen. So könnte eine Bodenreserve geschaffen werden, deren Vorhandensein nötig ist, um erstens nach bestimmten Plänen kolonisieren und bauen zu können, zweitens um abwarten zu können, wenn der Bodenmarkt ungünstig ist. Sie könnte beim Verkauf dem Käufer Verpflichtungen auferlegen: 1. der sofortigen Bebauung oder Besiedlung, 2. des Vorkaufsrechtes des KKL im Falle der Veräußerung. Für eine solche Gesellschaft würde sich leicht Kapital finden, denn daß bei ihr Sicherheit und Verzinsung nicht zweifelhaft sind, ist von vornherein klar. Die Schaffung einer zentralen Bodenkaufsgesellschaft nebst der unablässig notwendigen Stärkung des KKL ist auch deshalb ein unabweisbares Gebot, weil die aus Palästina kommt. Ich bin kein Parteimann, nicht weil ich es nicht sein will, sondern weH Ich es nicht sein kann. Meine Rede enthält die Gedanken, die mich bei meiner Arbeit geleitet haben und mich auch weiter leiten werden. Den Ausführungen des Präsidenten folgte langandauemder Beifall, die Delegierten erhoben sich von den Sitzen und bereiteten Sokolow rauschende Ovationen. Nach einem Antrag Jizchak Grünbaums, nur jenen Delegierten das passive Wahlrecht zuzustehen, die hebräisch können, schließt der Vorsitzende, der den An*-’’ ’^r Kommission zuweisen wird, die Sitzung. Erschließung neuer Zonen für die jüdische Kolonisation nur möglich ist durch Vorangehen des nationalen Kapitals. Aber auch in der Sphäre der privatkapitalistisehen Kolonisation können die nötigen Kreditmittel nicht aus eigener Kraft beschafft werden. Die in den Orangenplantagen vergrabenen Millionen könnten zum Teil durch Hypothekenkredite gehoben und neu verwendet werden. Aus all diesen Erwägungen geht hervor, daß nach wie vor die Schaffung des Invenstmenttnsts die dringliche Notwendigkeit für die Finanzierung des Palästinaaufbaues ist. Wenn einmal die Möglichkeit bestehen wird, die Papiere palästinensischer Institute jederzeit abzusetzen, zu Kursen, die laufend bekanntgemacht werden, dann wird aniagesuchendes Kapital, vor allem jenes, das heute in den Banken Palästinas in großen Summen brach liegt, solche Papiere in Menge kaufen und das Aufbauwerk in ungeahnter Weise befruchten. Auch hier kann das nationale Kapital vorangehen. Von sehr sachverständiger Seite ist ein Vorschlag gemacht worden, daß der Keren Hajessod einen nicht aHzu großen Fonds für ein Kursstützungssyndikat aussetzt, zunächst für Hypothekenpfandbriefe, so daß ein Uebemahmssyndikat gebildet werden könnte, das täglich die Kurse veröffentlicht, zu denen es die Pfandbriefe kauft und verkauft. Eine solche Gestion von Teilen der KH-Eingänge würde auch einer These der revisionistischen Partei entsprechen, KLUB JUNGER ZIONISTEN (VI—VII) gratuliert seinen Mitgliedern Obmann S. Kriegsmann Mirjam Kriegsmann, geh. Morgenstern zu ihrer Vermählung daß der KH nichts direkt finanzieren, sondern als Garantiefonds funktionieren soll. Die letzten Meldungen lassen übrigens hoffen, daß dieses Institut Aussichten auf Verwirklichung hat. Dies sind die nächsten Aufgaben des nationalen Kapitals, wobei die bisherigen unverändert weiter bestehen bleiben, wie sie im Referat von Arlosoroff aufgezählt worden sind. Die tatsächliche Entwicklung hat es leider mit sich gebracht, daß das nationale Kapital zwar Bedeutendes leisten konnte, daß aber nicht erreicht werden konnte, was schon von vornherein als seine zentrale Aufgabe erkannt worden war: die nationale Kontrolle über das ganze Aufbauwerk durch ein geschlossenes System von Finanzinstituten, die unter nationaler Oberleitung stehen. Welch hohe Meinung man auch immer von der schöpferischen Kraft entfalteter Privatinitiative haben mag und so sehr wir sie zu fördern bestrebt sein müssen, so ist es dennoch klar, daß der Private, selbst wenn er von nationaler Begeisterung erfüllt ist, gar nicht die Funktion, die Fähigkeit und die Möglichkeit hat, das Gesamtinteresse des Volkes bei seiner Arbeit voll zu wahren. Dies kann nur durch eine nationale Kontrolle des ganzen Aufbauwerkes gewährleistet werden, und wir wollen trotz aller Ungunst der Zeiten niemals davon ablassen, danach zu streben, diese doch einmal in vollem Maße durchzusetzen. Um 22 Prozent höhere Ausstellerzahl der Prager Herbstmesse Nach dem jetzigen Stande der Ausstelleranmeldungen werden sich an der am 3. September beginnenden Prager Herbstmesse insgesamt 2576 Firmen beteiligen, die eine Fläche von 33.056 Geviertmetern beanspruchen. Die Zunahme der Gesamtausstellerzahl ist im Vergleich zur Frühjahrsmesse (2104 Firmen) über 22 Prozent. Außerordentlich stark ist mit 323 Firmen die Ausländsbeteiligung. Frankreich mit Kolonien, Bulgarien, Lettland, Spanien, Rumänen beteiligen sich mit Kollektivexpositionen; die übrigen Länder, vor allem auch Oesterreich, sind durch einzelne Ausstellerfirmen vertreten. Gegenüber früheren Messen ist aber nicht nur ziffernmäßig, sondern auch qualitativ-branchenmäßig die Besetzung der diesjährigen Prager Messeveranstaltung besser« Zur VII. WIZO Konferenz in Prag (8. bis 14. August 1933) Von Dr. Amalie Kantor Die Ziele einer Organisation mögen noch so ideal und erstrebenswert sein, sie bleiben unerfüllbare Wünsche, wenn ihnen zu ihrer Verwirklichung nicht die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen. Es ist selbstverständlich, daß auch eine Weltorganisation, wie sie unsere WIZO darsteilt, in Ihren Absichten und Bestrebungen auf das wirkliche Ausmaß der ihr zustehenden finanziellen Möglichkeiten Rücksicht nehmen muß. Auch für die WIZO ist das Budget jenes Instrument, nach dessen Maßgabe für die vielen Arbeitsgebiete dieser Organisation erst Umfang und Ziel abgesteckt werden können, ist der Etat, der Lebensnerv für alle ihre Aktionen. In ihrem organischen Aufbau, in ihrer Vielfalt kann sich die Finanzwirtschaft der WIZO so mancher Geldgebanmg anderer Großorganisationen würdig an die Seite stellen. Mit bewundernswertem Geschick konnte es immer wieder ermöglicht werden, die Mittel für die Institutionen und Einrichtungen der WIZO aufzubringen. Selbst wenn sioh da und dort aus Wirtschaftsnot und anderer Hemmnisse wegen Schwierigkeiten ergaben, so resultierten doch daraus keine Unterbrechungen in der Tätigkeit der WIZO, nahm das von ihr begonnene Werk in allen Phasen seines komplizierten Aufbaues seinen weiteren Fortgang. Dies konnte auch die Finanzkommission der VII, WIZO-Konferenz anläßlich ihrer Tagung in Prag anerkennend feststellen. Im Zuge der Erörterungen kamen wohl alle Einzelheiten, der von der WIZO unternommenen Aufbauarbeiten zur Sprache. Es wurde mit aller Sorgfalt erwogen auf welche Weise man das WlZO-Werk nicht bloß im bisherigen Umfange weiterführen, sondern darüber hinaus noch im be^trächtlichen Maße erweitern könnte. Daß ein solcher r#*eits als wünschenswert anerkannter Ausbau nicht ohne eine unumgängliche Erhöhung des Budgets verwirklicht werden könne, darüber waren sich alle an den Beratungen teilnehmenden Delegierten einig. Mit gleicher Einigkeit aber erwiesen sie sich auch als den Forderungen der Stunde würdig, denn die hiezu notwendige Erhöhung des Budgets wurde durchwegs gutgeheißen. Dies ist um so beachtenswerter, als zu einem solchen Schritt viele der Delegierten von ihren Föderationen nicht ermächtigt waren. Unter den eines Ausbaues bedürftigen Institutionen der WIZO figurierte im Budget die Landwirtschaftliche Schule-für Mädchen in Nahaial an erster Stelle. Diese Anstalt, die einzige ihrer Art, ist angesichts der wachsenden Aiijah den an sie gerichteten Anforderungen schon lange nicht mehr gewachsen gewesen. Der inzwischen begonnene Bau eines zweiten Hauses erwies sich als unaufschiebbar, um die wachsende Zahl der Schülerinnen aufnehmen zu können. Die wichtigste Existenzfrage dieser Schule ist allerdings das Problem der Wasserbeschaffung. Seine Bedeutung vermögen: «die glücklichen Menschen, die in Ländern leben, in denen Wassernot unbekannt ist», wie sich Hadassah Samuel, die Vorsitzende der Palästma-WIZO- Exekutive in ihrem Berichte ausdrückt, wohl schwerlich ermessen. Auch in dieser Hinsicht wurde das Nötige veranlaßt Die jüngste Institution der WIZO, die Mädchen-Lehrfarm bei Ness-Zionah, erheischte gleichfalls weitere Investitionen. Diese erwiesen sich als notwendig, um die landwirtschaftliche Mädchenlehrfarm zu erweitern und zweckdienlich zu gestalten. Auch hier mußte der Bau eines zweiten Hauses zugestanden werden. Vor großen Sorgen steht des weiteren die Mädchenfarm bei Afuleh. Soll der Bestand dieser Schule erhalten bleiben, so erweist sich die Sicherung der für die Bewässerung notwendigen Wassermengen als das wichtigste Problem. Es mußte eine beträchtliche Summe vorgesehen werden, um Probebohrungen vorzunehmen, von deren Ergebnis es abhängen wird, wie weit an den Fortbestand der genannten Anstalt gedacht werden kann. Da es sich dabei um die einzige Schule dieser Art im Emek handelt, braucht wohl nicht erst betont zu werden, wie wichtig die Aufrechterhaltung des Lehrfarmbetriebes an diesem Orte wäre. Weiterer Investitionen bedürfen ferner die drei Mädchenfarmen in Nachlath Jehuda, Petach Tikwah und SchchunathBorochow. Diese wurden wohl schon im Jahre 1922 durch die Arbeiterinnen-Organisation Moazath Hapoaloth aus Mitteln der Jewish Agency gegründet, sind jedoch bis heute nicht vollständig ausgebaut Der erhöhte Zustrom aus Einwandererkreisen läßt im Augenblick die entsprechende Erweiterung und Fortführung all dieser Mädchenfarmen als besonders dringend erscheinen. Die weit über die Grenzen Palästinas bekannte Hauswirtschaftliche Schule (Hostel) in Tel-Awiw steht mitten in einem großzügigen Reformwerk. Das alte Schulgebäude muß wegen Baufältigkeit verkauft werden. Aus seinem Erlös hofft man eine neue, den modernsten Anforderungen entsprechende Schule aufbauen zu können. Im Zusammenhang mit den Perspektiven des neuen Hausbaues wurden auch Pläne zur Reorganisierung der Schule, Ergänzung und Verbesserung ihres Lehrplanes, soweit notwendig, ausgearbeitet. Außeidem betreut die WIZO drei Säuglings-Fürsorgestationen und eine Mutterschule in Tel- Awiw, ein Säuglingsheim in Jerusalem und -eine Tageskrippe in Tql-Awiw. Diese Institutionen zei- ' Ein Sondefschlff nach Palästina Der Lloyd Triestino hat soeben verfügt, daß der große Dampfer «Pifsna» eine Sonderfahrt von Triest nach Jaffa ohne Zwischenhafen durchführt. Die Reise beginnt in Triest am 7. September und endet in Jaffa am 12. September früh. Für diese Reise gelten die üblichen Preise und sind Anmeldungen au richten an: Lloyd Triestino, Wien« 1., Kärntnerring 6, Die Mgaben des nationalen Kapitals In Palästina Kongreßreferat von Ado I f Böhm