Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 298 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054052--3710-3059250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 298 — 1. September 1933 DIE STIMME SHte 3 \ Reines (Arheitcrfraktioti) entgegen. Dieser befaßt sich eingehend mit den Ausführungen Wises und weist darauf hin, daß jeder Jude, der in Palästina arbeiten will, Arbeit durch die Histadruth bekommen könne, in der Menschen verschiedener Anschauungen organisiert sind. Jeder Jude kann das Mitgliedsbuch der Histadruth bekommen. Zwischen dem Hapoel Hamisrachi und der Histadruth bestehe keine Kampfbeziehung, sondern es wurde ein Uvbereiukommen über zwei Punkte getroffen, über gerechte Arbeitsverteilung und darüber, daß kein Arbeiter mit dem zweiten in den Arbeisbedingungen konkurrire. Der Redner befaßt sich sodann mit der Streikbewegung und mit dem Verhältnis der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer. Erez Israel wird mit der Arbeiterschaft gebaut und nicht mit den Gruppen der Rechten. Remez polemisiert hierauf gegen die Taktik der Allgemeinen Zionilten, Die jüdische Gesamtheit werde nur dann stark lein, wenn die Arbeiter geeint und stark sein werden. Die jüdische Arbeiterschaft wird der Träger des Aufbaues •ein, zusammen mit allen aufrichtigen, wirklich progressiven Gruppen im Zionismus. Hoffmann (Revisionist) befaßt sich einleitend mit den Berichten der Exekutive und mit den Beschuldigungen der einzelnen Fraktionen gegen bestimmte Methoden im innerzionistischen Kampf. Er verlangt eine Reform der Kongresse und befaßt sich mit der Wahlbeteiligung zum letzten Zionistenkongreß. Seine weiteren Ausführungen gelten der Teilnahme der Nichtzionisten in der Jewish Agency. Bernett Jänner führt aus: «Wir versammeln uns in einer Zeit einer nie gehörten Krise für das Judentum und es ist Pflicht des Kongresseg, die ernste Lage in überlegter Weise zu prüfen. Von dem Ergebnis seiner Beratungen wird zweifellos das Schicksal von Millionen Juden abhfingen. Was wir alle wollen, das gleiche Endziel unserer Arbeit, ist über jeden Zweifel erhaben. Nach meiner Ansicht hat sich die Auffassung der amtlichen Stellen und insbesondere des Oberkommissärs ganz wesentlich zum Outen gewendet. Wir kämpfen schwer, um verschiedene Hindernisse zu beseitigen. Das alles bedeutet nicht, daß wir mit der Lage, wie sie sich jetzt darstellt, zufrieden sind. Wir glauben, daß eine richtig aufgebaute konstruktive Kritik die einzige Methode ist, unsere Ziele zu erreichen.» Nach der Rede Barnet Jänners ergreift Schmuel Usslschkln (Allgem. Zionist, Palästina) das Wort. Der Redner weist auf die Gefahr hin, die durch die Spannung in Palästina bedingt sei. Der Kampf zwischen den Jugendlichen ist eine Gefahr für die weitere Entwicklung des Landes. Moris Myer weist auf drei Probleme hin, auf die wir Antwort zu geben haben: Die Beziehungen zwischen den Parteien, Probleme politischer Natur und das Problem der Führung der Organisation. Der Redner, der den Allgemeinen Zionisten angehört, wendet sich der Struktur der Parteien zu und fordert Einverständnis zwischen den Parteien. Bezüglich der Führung erklärt Myer: Unsere Hilfe ist bloß ein Mann, der nach außen die nötige Wirkung und den nötigen Einfluß hat; und das ist Chaim Weizmann. Und wenn der Kongreß sich nicht zu dieser Höhe erheben wird, schließt der Redner, so wird er eine Sünde begehen. Nach Myer ergreift Dr. Grünbaum, Pr. d. L., das Wort zu überaus flammender Ansprache, die wir an anderer Stelle ln diesem Blatte wiedergeben. Hierauf sprach Levlnsohn (Arbeiterpartei). Sodann beklagt Abrahams (Ailg. Zionist) namens der südafrikanischen Zionisten den Mangel an Disziplin seitens aller Parteien. Bei einer Konferenz verlangten wir Ordnung in der zionistischen Organisation und Zusammenarbeit aller Parteien. Wenn dies ln Südafrika möglich ist, kann es auch ln anderen Ländern der Fall sein. Schließlich sprachen die Allgemeinen Zionisten Bernstein (Holland), Berger (Bessarabien), Flshman und Torczyner (Belgien), ferner Katzenelson (pal. Arbeiter), Gluska (Jemenite), Awisar (Sepharde) und Metzer (Arbeiterpartei). Abschluß der Generaldebatte In der Reihe der letzten Debatteredner spricht Dr. Emil Margulies sein Bedauern darüber aus, daß sich die zionistische Organisation im Kampfe um die Gleichberechtigung der Juden in Deutschland und der ganzen Welt für unzuständig erklärt habe. Doktor Gottesüiener (Misrachi) tritt für Erfüllung der religiösen Forderungen in Palästina ein. Ebenso sein Parteigenosse Dr. Hirschfeld und Rabb. Hager. Beh. konz. Kealbüro INI. M Kaut und Verkaut von Realitäten, Hypotheken I., 11. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, üebäudeverwaltung Büro: Franz Josefs-Kai II Tel. R-23-0-44 Wohnung: 2., Vorgartenstr, 130, Tel. R-41-8-88 Die Allgemeinen Zionisten, Dr. U u r e w i t s c h und O r e n s t c i n betonen die Notwendigkeit einer einflußreichen Führung. Der jemenitische Arbeiter ß a d i c h i n verlangt Ausschaltung der Parteikämpfe in Palästina. Darauf erklärt Präsident M ot z k i n die Generaldebatte fiir geschlossen. Schalom Asch — Councildelegierter Wie die Jüdische Telegraphcn-Agentur erfährt, wird als Vertreter der Nichtzionisten Polens an der Counciltagung in Prag außer Präsident M. Meise! auch der Dichter Schalom Asch tcilnehmen. -JÜDISCHE ELTERN!- Hauff SchufbUtficr für eure Kinder nur in der JttEI• <hftfi Buchhandlung Narmann fPaauil^iMuaR Hflgii II« BCKS l licnner Taborstr. 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen Spesmfreie Zusendung überallhin Verzeichnisse kostenlos! Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 Die Eiekulive antfworletf Von unserem J. R. - Korrespondenten Nachdem Präsident Motzkin die Generaldebatte für geschlossen erklärte, ergriffen die Vertreter der Exekutive das Wort zu ihren Schlußreden. Als erster sprach der Leiter des Organisationsdepartemcnts, Berl Lucker Er stellt fest, daß sich die Generaldebatte sehr wenig mit den Referaten beschäftigt hat. Insbesondere haben die Revisionisten zu diesen Fragen geschwiegen. Der Kongreß nimmt sehr oft Beschlüsse an, die nur deklaratorischen Charakter tragen. Er gibt der Exekutive weder Menschen noch die Mittel, um diese Beschlüsse auszuführen. Es ist fraglich, ob es empfehlenswert ist, neben dem Brith Iwrith Olamith noch einen zweiten Apparat mit ähnlichem Aufgabenkreis zu schaffen. In keiner Zeit der zionistsohen Organisation war ihre Einheit so bedroht wie in den letzten zwei Jahren und nie wurde von der Exekutive ein so angestrengter Kampf für die Einheit der Organisation geführt. Wir haben der Organisationskommission eine Reihe von Vorschlägen gemacht, die die Disziplin verschärfen sollen. Wir hatten heuer zum erstenmal Mas- *3ekt DwrtfcSfe sieter Anfthwin9 SpCXtQO* Wir haben noch eine Anzahl unserer ausgezeichneten Original „IRE>(-Ofeii vorrätig, deren Preise wir wegen kleiner Schönheitsfehler tief herabgesetzt haben. IG. REICH Ofsovalirili—Tel. B 20-2-28 in., rreogasse 28 senwahlen. Die Juden müßten stolz darauf sein, daß die Wahlbeteiligung so stark war. Es liegt kein Grund vor, von der Schande des Schekelwahlrechtes zu sprechen. Der Zionismus Ist nicht allein ein Verein für Palästinaaufbau, sondern auch eine gewaltige Massenbewegung. Die Tatsache, daß Massen gewählt haben, soll uns beschäftigen und wir sollen Wege suchen, dies zu kontrollieren. Die Tatsache, daß während der ganzen Geschichte der Diaspotia dieser Kongreß die erste jüdische Versammlung ist, die eine so große Anzahl von Juden legitim vertritt, sollten wir nicht gering einschätzen. Die Exekutive und das Organisationsdepartement haben sich ehrlich bemüht, die kleinen Landsmannschaften zu berücksichtigen. Das Problem der deutschen Juden stand vor uns allen und wir dachten daran, große Mittel für diesen Zweck zu schaffen durch Gründung eines neuen Fonds. Locker wendet sich gegen jene Debattenredner, die einen Gegensatz zwischen den Anstrengungen der zionistischen Organisation, deutsche Juden nach Palästina zu überführen, unter AufroLlung der Judenfrage in breitestem Maßstab, zu konstruieren versuchen. Die Ueberführung deutscher Juden bildet einen wichtigen Bestandteil der allgemeinen Judenfrage. Der Redner wendet sich gegen die Taktik der Revisionisten, die alle Schuld den palästinensischen Arbeitern zuschieben. Es gibt Richtungen im Zionismus, die von konstuiktiver Arbeit und von Kämpfen leben, und cs gibt HOTEE EftOYD Wien, II., Große Mohrengasse 18 Telephon R 46-2-19 Gutes Familienhotel, Stadtzentrum, Zentralheizung, Zimmer mit und ohne fließendes Kalt- und Warmwasser, Bäder, Lift, Telephon. ilNbattzmmar von S 3,50 aufwärts. Zweibettzimmer von S 5*— au Wirts Richtungen, die von Niederlagen leben. Die Politik der Revisionisten, schließt Locker, stört den Kampf, den die Organisation zur Erreichung ihrer Ziele führen muß. Die Hede Brodetskys Hierauf ergreift das Wort Prof. Brodetsky: Ich spreche von dem Standpunkt des Menschen, der die Aufgabe hat, die Verantwortung für außenpolitische Arbeit zu tragen. Ich muß die Worte Bogratschoffs zurückweisen, daß die arabischen Arbeiter von der Linken unterstützt werdet!. Es gibt ein schweres arabisches Problem, das aber noch klare Gedanken und Handlungen lösen können. Die größt« Enttäuschung in der Generaldebatte bedeutet für mich die Rede Rabbi Wises. Ich habe schon lange keine Rede gehört, die der Exekutive Lob spendet. Weil ich gewöhnt bin, sachlich zu sprechen, muß ich erklären, daß Ich die zukünftige politische Situation nicht so günstig sehe wie Dr. Wise. Prof. Brodetsky wendet sich der Rede des Revisionisten Schächtmann zu, um einige Tatsachen richtigzustellen. Herr Schächtmann hat gesagt, man habe versichert, daS der French-Bericht nicht veröffentlicht werden wird. Ich habe im Aktionskomitee und in der politischen Kommission dieser Körperschaft erklärt, daß trotz meiner Argumente auf einer Veröffentlichung des Frenoh-Berichtes bestanden wunde. Wir haben sofort der Regierung die Resolution des A. C. eingereicht, in der der French-Bericht als Basis für die Bodenpolitik abgelehnt wird. Es ist also nicht richtig, daß die Regierung unseren Standpunkt bis März nicht gekannt hat. Was die Frage der Debatte im englischen Parlament betrifft, erkläre ich, daß ich eine ganze Reihe von jüdischen Rednern in die Rednerliste emtragen ließ, um von Palästina zu sprechen. Man darf nicht den Eindruck erwecken, als ob unsere Freunde nicht bereit wären, immer jüdische Interessen zu verteidigen. Herr Schächtmann hat erklärt, daß man tausendmal versichert habe, daß der legislative Concil keine Gefahr sei. Bezüglich der Petition erkläre ich, daß ich darauf hinigewiesen habe, daß ein Appeil an die Weit eine Grundidee der zionistischen Propaganda ist. In der politischen Kommission werden wir darüber sprechen. Bezüglich der Ai aberfrage erklärt Prof. Brodetsky, daß jeder Versuch einer Annäherung an die Araber, wie er insbesondere von seiten der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina geschehen ist, gewürdigt und unterstützt werden müsse. Wir stehen auf einem Scheideweg in unserer Bewegung. Was in den letzten Jahren in Palästina geschehen ist, wird keinen Vergleich damit haben, was in den nächsten Jahren in der Entwicklung des nahen Orients geschehen wird. Jedes Jahr, fast jeden Monat, treten Aenderungen in der politischen Lage der Welt auf. Und wenn Ihr unsere Politik für die Zukunft bestimmt, dann denket an die Wichtigkeit der Aufgabe, die uns auferlegt ist. Sprecht nicht von der Einheit, sondern schafft sie, baut sie nicht auf Worten, sondern auf der Arbeit auf, die getan werden muß, um die Zukunft unseres Volkes zu sichern. Das Schlußwort Sokolows Das Schlußwort hält hierauf Präsident S o k o 1 o w. Er erklärt einleitend, daß er nach kritischen Bemerkungen gegen den Präsidenten in der Generaldebatte gesucht habe. Die Frage Katznelsons im Zusammenhänge mit der Frage der deutschen Judenheit, wo der Präsident gewesen sei, gebe ihm Gelegenheit zu antworten. Ich habe verlangt, daß die zionistische Exekutive nach den ersten Nachrichten über die Lage der Juden in Deutschland mit einem großen Aufruf vor die Oeffentlichkeit trete. Die Sache hat einen anderen (Jang genommen, und nicht durch meine Schuld wurde d :r psychologische Moment nicht ganz ausgenützt. Unser Weg ist ein Weg derTat, ein Weg der etappenniäßigen Erreichung des Zieles, von dem wir nicht abgehen können, im Zentrum des nationalen Aufbaues muß auch weiter der jüdische Arbeiter stehen. Nicht, als ob nicht auch der Handwerker oder der Intellektuelle von großer Wichtigkeit wäre. Der Aufbau beruht nicht nur auf einem Element, aber der Kern ist der jüdische Arbeiter. Was beim jüdischen Volke fehlte, ist der jüdische Arbeiter und die jüdische Landwirtschaft, di< k» Palästina geschaffen wurde. Der Arbeiter in Palästina stellt das Fundament des Jischuw dar. Ich halte es nicht für gut, daß es verschiedene Organisationen geben soll, es ist aber eine Schwäche der Juden, sich in Gruppen zu zersplittern. Den Prozeß der Zensplitterung betrachte ich als schädlich. Präsident Sokolow befaßt sich sodann mit dem Verhältnis zwischen Sozialismus und Zionismus. Er qualifiziert es als Uehcrtreibung der Parteiredner, daß die Sabbath-Entweihung zu etwas Spezifischem in Palästina geworden ist und tritt für eine gesetzlich gewährleistete Sabbath-Ruhc ein. Redner bedauert, daß der Kongreß unter den Aufregungen leidet. Ich bin der Meinung, solange wir im Stadium der Untersuchung sind, daß wir uns nicht in einen Tumult hineinziehen lassen dürfen. Wir müssen im Geiste Arlosoroffs unsere zionistische Arbeit fortsetzen. Uimmc D08D