Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 298 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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01B STIMME fff. 298 — 1. September 1933 Bette 4 —. foritetenml der ücneraldcbflOc In der hierauf fortgesetzten Generaldebatte spricht Morris Rothenberg (Allgemeiner Zionist, Amerika). Es wäre weit nützlicher gewesen, wenn sich die Generaldebatte mit der Aufhellung der schweren Probleme befaßt hätte, die der zionistischen Organisation erwachsen. Es gibt keine juristischen oder moralischen Rechte, der Arbeitergruppe ihre ♦Majoritätsrechte zu bestreiten, die sie auf völlig konstitutionelle Art gewonnen hat Wir können zuversichtlich hoffen, daß die Arbeiterschaft, wenn säe größere Möglichkeiten erhält, dem jüdischen Volke zu dienen, klug und patriotisch genug sein wird, um es nicht im Interesse einer Gruppe oder Klasse zu tun, sondern im Interesse des ganzen jüdischen Volkes. Der Protest des Kongresses gegen die Lage der Juden in Deutschland ist eine Pflicht, die wir mit allen 9ich selbst achtenden jüdischen Organisationen gemeinsam haben. Das derzeitige Tempo unserer Kolonisation und die Zulassung von Einwanderern nach Palästina, seit der Entwicklung der deutschen Tragödie, ist völlig unzureichend für die beispiellose Lage, die sich entwickelt hat Wir haben Grund anzunehmen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten einen Weg finden wird, um an einem praktischen Vorschlag mitzuarbeiten, der zur Lösung des tragischen Problems der jüdischen Heimatlosigkeit unternommen wird. Der Kongreß muß sich die Ueberzeugung schaffen, daß energische Schritte zur Sicherung internationaler Mitarbeit bei der Lösung des Problemes der jüdischen Heimatlosigkeit unternommen werden und daß die Frage in jenem großen Stil der Welt zum Bewußtsein gebracht werden wird, den sie verlangt Das jüdische Volk steht am Rande eines Abgrundes. Die Stunde verlangt mutige und weltblickende. Führer, die aus einer großen Tragödie eine große Möglichkeit schaffen sollen. In der Dienstag vormittags fortgesetzten Generaldebatte erhält das Wort Joachim Negger (Allgemeiner Zionist, Westgalizien): Die ganze Arbeit für die zionistische Organisation, für die Fonds und für die Aktionen, wird von Allgemeinen Zionisten geleitet. Die politische Vertretung in den Ländern, wo es eine jüdisch-nationale Landespolitik gibt, liegt ebenfalls in ihren Händen. Trotzdem zeigt dies die Zusammensetzung des Kongresses nicht. Der Redner verlangt Reformen der zionistischen Organisation, um eine gerechte Zusammensetzung des Zionistenkongresses dem jüdischen Volke zu sichern. Die Teilnahme der Allgemeinen Zionisten als Zentrum ist für den Kongreß ein wichtiger Faktor. Das Gros des jüdischen Volkes will den Aufbau Palästinas und verlangt nicht nach der radikalen Politik der Flügelparteien. Bei der Reorganisation geht es nicht nur um äußere Formen, sondern um eine Reorganisation der zionistischen Bewegung in A npassung an die Wirklichkeit. Das Wort hat hierauf Dr. Mayr Ebner. Er befaßt sich eingangs mit dem Wahlsystem der zionistischen Organisation Und mit dem Wahlrecht zum Kongreß. Wir wollen unseren Staat aufbauen und uns, bevor er nicht ganz aufgebaut ist, für keine der Staatsformen entscheiden. Wir stehen vor der Tatsache, rasch die aktuelle Lösung ins Werk zu setzen. Die Vorgänge in Deutschland, die die jetzige Lage der Juden in Deutschland bedingt haben, zeigen die Gefahr, in der wir uns befinden. Auf der anderen Seite stehen wir vor dem Problem der ungeheueren jüdischen Not, die über Mittel- und Osteuropa hereingebrochen ist Die Juden haben ihre ökonomische Rolle unter den Völkern ausgespielt, die Völker brauchen das jüdische Vermittlervolk nioht mehr. Die jüdische Jugend befindet sich in einer hoffnungslosen Situation und Hunderttausende können keine Existenz finden. Die Lösung, die H e r z 1 angegeben hat, ist nun fällig geworden. Der Redner appelliert zum Schluß an die Einigkeit aller Parteien im Sinne des einigenden Aufbauwerkes in Palästina. Dr. Waldmann (Radikaler) führt aus: Wir stehen nach der großen Katastrophe in Deutschland und es gibt nicht genug Worte des Protestes, um dieser Lage gegenüber unsere Stimmung und unseren Sohmerz auszudrücken. Es gibt Pessimisten, die behaupten, daß das, was in Deutschland geschah, morgen in Oesterreich sein kann. Es wäre vielleicht gut, bevor diese Wahrscheinl’chkeit und Möglichkeit aktuell wird, sich ein wenig mit dieser Frage auf dem Kongreß zu befassen. Es ist wahr, daß die Voraussetzungen für den Hitlerismus in Oesterreich fehlen, und zum MOSES RATH'S „SFAT AMENIT Lehrouch d. hebräischen spractia für Schul- und Selbstunterricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mit deutscher, polnischer, ungarischer, rumänischer oder englischer Unterrichtssprache. Einzige Methode zur vollständigen Erlernung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur RM 2.—, der englischen Ausgabe RM 4.—. 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Der Redner bespricht dann die Taktik der Gegner der Arbeiterschaft in Palästina. Wir müssen über alle diese Hindernisse hinweg eine Brücke zur Verständigung mit dem erwachenden nahen Orient finden, ebenso wie eine Verständigung mit den progressiven Kräften der arabischen Welt. Bograttschoff (Allgemeiner Zionist): Der Redner befaßt sich einleitend mit den Rechenschaftsberichten der Kolonisationsbank und der Anglo-Palestine-Bank und geht dann über zur Behandlung von Sohul- und Erziehungsfragen. Der Redner wendet sich hierauf einer Reihe von Beschlüssen des XVII. Zfonisten-Kongresses zu und kritisiert deren Ausführung. Er schlägt den Allgemeinen Zionisten vor, nur solche Leute zu wählen, die Beschlüsse ausführen werden. Er wendet sich hierauf gegen die Ausführungen seines Vorredners Gottheit und kritisiert das Araberprogramm des Haschomer Hazair. Dr. Weinschal (Jabotinsky-Revisionist) befaßt sich hauptsächlich mit den Fragen auf innerem und wirtschaftlichem Gebiet. Es bestehe, führt er aus, eine tiefgehende Diskrepanz zwischen den Forderungen der Bewegung und dem Zustand der Organisation. Wir Revisionisten betrachten das System der Zertifikate als ein Unglück. Mosche Schapir (Hapoel Hamisrachi) führt aus: Das religiöse Judentum in der ganzen Welt verfolgt mit Interesse den Kongreß, der den Beginn einer neuen Epoche in der Zu den hohen Feiertagen! RENEE GOLDSCHNIDT. I.. Neuer Markt Nr. 8 Hochparterre, Tel. R 21-1-90 Das eleganteste Kleid nach neuesten Pariser Modellen schon um S 30*— erbältlich, ln unserer Modern siernngswerkaiätte „Happy End“ wird Ihr ältestes Kleid and Ihr ältester Mantel zum Preise von S 10'— bis 20— zum Allerneuesten Modell mngestaltct. Stellungsnahme des religiösen Judentums schaffen soll. Für uns ist die religiöse Frage eine der wichtigsten in Palästina. Der Redner befaßt sioh im weiteren Verlauf mit der Sabbat h-Frage. Mit Befriedigung konstatiere ich, daß Ben Gurion von einer Schaffung einer friedlichen Atmosphäre gegenüber dem religiösen Judentum gesprochen hat. Supraski (Allgemeiner Zionist) sieht die Frage der Verwirklichung des Groß-Zionismus, bedingt durch die Lage in Palästina, deutlicher als vor zwei oder vier Jahren. In vielen Ländern ist das Judentum zerstört worden. Der Jischuw hat große schöpferische Kräfte und eine starke Aufnahmefähigkeit bewiesen. Die Allgemeinen Zionisten bringen Anträge, wie in den nächsten Jahren eine große Einwanderung nach Palästina verwirklicht werden soll. Wir haben die Möglichkeit, in den nächsten 5 Jahren denjischuwzumindest auf eine halbe Million Juden zu bringen. Die Möglichkeit der Einwanderung Ist gerade jetzt besonders groß. Wir müssen Hunderttausende von Juden nach Palästina bringen, um unsere Position zu festigen und für den weiteren Aufbau Grundlagen zu schaffen. Die Frage der Einwanderungsgesetzgebung muß an die Spitze der zionistischen Politik gestellt werden. Wir sind gegen das Zertifikat-System und verlangen die liebergäbe der Einwanderungskontrolle an die zionistische Organisation. Remes (Arbeiterfraktion) befaßt sich eingangs mit der Frage des Wahlrechtes in Palästina, das einer grundlegenden Aenderung bedarf. Wir erkennen das Recht jedes Juden auf Arbeit an. Es ist unwahr, daß die Arbeiterorganisationen ein Monopol über die Arbeit haben wollen. Sie kämpfen für eine gerechte Arbeitsverteilung und für organisierte Arbeit. Wir haben nicht nur mit dem Hapoel Hamisrachi ein Abkommen geschlossen, sondern auch den revisionistischen Arbeitern ein Arbeitsabkommen vorgeschlagen. Es gibt in Palästina einen Kampf njeht nur für Arbeit und gerechte Arbeitsverteilung, sondern auch einen Kampf für und gegen den jüdischen Arbeiter. Wir als Arbeiter werden uns nie einverstanden erklären, unser Schicksal anderen zu überlassen oder zuzulassen, daß die Arbeiterorganisation geschwächt werde. Es ist das eiste zionistische Gebot, daß die jüdischen Arbeiter in Palästina geeint und organisiert dastehen. Die Arbeiterorganisation war es, die sioh in der Tat darum bemüht hat, dem Arbeiter einen Ruh t?.ig zu sichern. 7 Wir werden auch weiterhin für die Sicherung des Ruhe tages des jüdischen Arbeiters kämpfen und verlangen, daß der jüdische Arbeiter die Arbeit erobert, und wir werden uns nicht damit einverstanden erklären, daß irgend eine Arbeit dem jüdischen Arbeiter nicht zugängig ist. Wir begrüßen die Arbeiter aus dem Kreise der Allgemeinen Zionisten, wir wundern uns aber darüber, daß sie ihnen Immer wieder raten, die Arbeiterorganisationen zu ver- DU wirklich billig« Scflliftquelle linden Sie bei »DU-HO« (Inh. David Horowitz) Wien ll„ Tahorstraße Nr 11 b Ecke Gredlerstrafie Quallläitwaee su äußert billigen Preßten. Bel Berufung auf Me »Stimme« 8 Proueni Rubati lassen. Jeder Arbeiter, welcher Partei er immer ist, hat in der Histadruth gleiche Rechte und gleiche Möglichkeiten. Wir haben uns immer bemüht, Kollektivverträge abzuschließen. Die Schiedsgerichte bei Arbeiterstreitigkeiten haben sich sehr bewährt, aber man bemüht sich jetzt, in das Ve-iMltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Politik hineinzubringen. Die Revisionisten proklamieren das Verbot an die Unternehmen, mit der Histadruth Verträge abzusobließen, die Allgemeinen Zionisten arbeiten vielfach insgeheim gegen ein Uebereinkommen. Wenn wir die Reihe der Delegierten durchgehen, finden wir eine Menge, die fremde Arbeiter beschäftigen, dabei gibt es bindende Beschlüsse des Kongresses, die zur Beschäftigung jüdischer Arbeiter verpflichten. Wir haben viel über die Frage der Zertifikate geredet. Heute, wo wir von einer Volkseinwanderung sprechen, müssen wir mehr als je eingedenk dessen sein, uns Teile zu sichern, die über das jüdische, hebräische, kulturelle und nationale Aussehen des Jischuw wachen werden. Wir verlangen das nicht aus parteiischen, sondern aus zionistischen Gründen. Wenn wir nicht dafür sorgen werden, daß wir eine Kraft haben, die die Entwicklung dieses Dranges lenken wird, dann setzen wir nicht nur unsere ferne Zukunft, sondern auch unser Heute und Morgen einer großen Gefahr aus. Möge der Kongreß in diesem schweren Moment durchdrungen sein von dieser großen Verantwortung gegen Volk und Land. Die Rede Dr. WIses Dr. Stephen W i s e (Allgem. Zionist, Amerika) bedauert, daß keine Einheit der Aktion zustande kam. Wir brauchen einen Waffenstillstand zwischen den Parteien, der die geheiligte Aufgabe des Wiederaufbaues zu lösen uns leichter macht. Nach Palästina müssen alle Juden kommen dürfen, ohne Rücksicht auf ihre Gesinnung und Einstellung. Als Freund der palästinensischen Arbeiterschaft erklärt der Redner, daß die Arbeiterschaft in Palästina bedacht sein müsse, daß bei den Einwanderungszertifikaten keine Monopolisierung herrsche. Die Bevölkerung Palästinas muß die Empfindung freiwilliger und offener Zusammenarbeit haben. «Die letzten zwei Jahre,» sagte der Redner, indem er sich politischen Fragen zuwandte, «waren gute Jahre. Wir hatten eine Exekutive von Wert, Selbstachtung und Mut, die ihren hohen Aufgaben gewachsen war. Sie hatte den Mut, der Mandatsregierung Nein zu sagen, wenn Nein gesagt werden mußte. Sie hat zu allen Ereignissen mutig Stellung genommen und den Kampf ununterbrochen geführt. Der XVIII. Zionistenkongreß muß die kleinen Streitfragen beiseite schieben und der Exekutive seine unmißverständliche Unterstützung gewähren. Unsere Zeit ist bewegt. Die deutsch-jüdische Frage zwingt uns und die Mandatsregierung und den Völkerbund zum sofortigen Handeln, damit Palästina ein Heim wird für die Heimatlosen, die seit tausend Jahren Deutschland bewohnt und geliebt haben. Das jüdische Volk brauche in dieser kritischen Stunde Frieden und Einigkeit. Auf der Mehrheit, auf den Arbeitern, ruht jetzt die Verantwortung für die weitere Arbeit in Palästina, das für alle Juden ohne Unterschied der Gesinnung offenstehen muß.» Diesen Ausführungen, die von stürmischen Zwischenrufen von Links begleitet wurden, trat in sehr temperamentvoller Rede Jüdische München vor der deruisuiohi Dr.KriigerHeim Wien, II. Malzgasse 7. Tel. A 48*0-77. Zweijärige Fachschule für Weißnähen und Kleidermachen mit Oeffentlichkeitsrecht. Einjährige Haushaltungsschule und zweimonatige hauswirtschaftliche Vorbereitungskurse für Palästina; streng rituell, Viele sonstige Aushildungsmöglichkeiten! Prlvat-Volks* u. Hauptschule mit Oeffentlichkeitsrecht. Prospekt aul Wunsch. 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