Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 298 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wr. 298 — t. September!933 DIB STIMME Seite 3 Die Generaldebatte bi der Nachtsitzung vom 26. August stellte nach einer Debatte über die Kommission Großmann eine Anfrage über die Beantwortung seiner Interpellation. Befl Locker erklärte, daß die Exekutive dem Kongreß darüber Bericht erstatten wird. Dr. Schmorak (Allgemeiner Zionist), verlangt die Abschaffung des Zertifikate-Systems und die Regelung der jüdischen Einwanderung durch Uebergabe eines mehrere Jahre umfassenden Kontingentes von Einwanderern ohne Mitteln oder mit sehr beschränkten Mitteln an die Exekutive der Jerwish Agency. Wir sind Gegner jener Richtung in der zionistischen Bewegung, die es für nötig hält, Endziele für die praktische Politik aufzustellen, Trotzdem haben wir in den letzten zwei Jahren nicht den entschiedenen politischen Ton in unseren Forderungen an die Mandatarmacht gehört, den wir von der Exekutive erwartet haben. Angesichts der Tragödie unserer deutschen Brüder brauchen wir eine einheitliche zionistische Front. Vom nationalen Standpunkt müssen wir zufrieden sein, daß das kleine Kapital nach Palästina geht, denn dieses können wir kontrollieren und mit ihm kommt der kleine Mann mit seiner Energie und seinen Fähigkeiten nach Palästina. Wir wollen jetzt einen Spezialfonds für die Ansiedlung deutscher Juden schaffen. Er wird sicherlich die allgemeine Zustimmung des Kongresses finden. Es ist aber wichtig, daß diese Aktion auf eine kurze Zeit beschränkt werde. Hierauf ergreift Rubaschow (Arbeiterpartei) das Wort: Viel wurde in diesen zwei Jahren gegen nationales Kapital, gegen Arbeit, gegen die ChaJuzim, gegen die Fonds, gegen die Arbeiter und gegen die Arbeit in Palästina gesagt. Die besten Kräfte wurden darauf vergeudet, das Volk des großen nationalen Reichtums unserer Pionierarbeit, der Ideen von Arbeit und Ohaluc, die die Seele der zionistischen Bewegung ausmachen, zu berauben. Als eine Bewegung, die das gesamte Volk heranziehen will, haben wir keine Angst vor Partei- und Klassengegensätzen. Wer von uns wünschte nicht, daß wir eines Morgens aufstehen, die Augen öffnen und sehen, daß der ganze böse Alpdruck, das Unglück und die Beschuldigungen zunichte geworden sind. Sicher ist nationale Einheit erforderlich, aber wir standen schon einmal an der Schwelle Palästinas, bevor noch ein Staat im Lande war, und die Richter haben viel getan, um das Volk zu einer Einheit zusammenzusc'hließen. Doch als an einem Tag ein Unglück passierte, waren die Richter gezwungen, einen ganzen Stamm aus dem jüdischen Lager zu entfernen. Als die Reinheit der Nation es verlangte, haben die Richter den Mut gefunden, die Operation vorzunehmen. Werdet Ihrden Mut haben, wenn die Zeit gekommen ist? Und wenn diese Operation wird vorgenommen werden müssen — möge sich Herausstellen, daß dies nicht notwendig seil —, es wird aber wahrscheinlich dazu kommen müssen, daß eine Krankheit aus dem zionistischen Körper entfernt werde. Werdet Ihr dann den Mut haben, die Fahne der Arbeit wieder hoch zu heben, die in den letzten Jahren so systematisch entweiht und unterwegs mit Blut befleckt worden ist? Wir fordern, verlangen, mahnen und erklären: Je heller das Zeichen der Arbeit aufleuchten wird, desto mehr wird das jüdische Volk zu freiem und selbständigem Leben kommen. Schächtmann (Revisionist) befaßt sich in der Hauptsache mit außenpolitischen Fragen. Er erinnert, daß vor zwei Jahren Vertreter der Revisionisten gefordert haben, den MacDonald-Brief von 1931 nicht als Basis für Unterhandlungen anzunehmen. Der Bericht der Exekutive zeige, daß die Versprechungen nicht eingehalten wurden. Die Vertreter der Revisionisten im Aktionskomitee haben verlangt, daß über den French-Bericht keine Unterhandlungen geführt werden sollen. Die Mehrheit hat die Unterhandlungen beschlossen. Man habe versichert, daß der French-Bericht nicht veröffentlicht werden wird. Der totgesagte French-Bericht ist zum Leben auferstanden und wurde veröffentlicht. Auch bezüglich der Anleihe unter dislozierten Arabern habe die Exekutive nichts getan. Die revisionistische Fraktion werde eine Resolution vorschlagen, daß der Kongreß den French-Bericht als ungesetzlich und als dem Mandat widersprechend verwirft. Die Revisionisten tordern ein klares Nein in der Frage der gesetzgebenden Versammlung. Die Revisionisten verlangen keine Resolutionen, sondern, daß der Kongreß der Mandatarmacht erkläre, daß die Juden ein solches Parlament boykottieren werden. Die Revisionisten verschließen sich nicht der Tatsache, daß im Vergleich mit dem früheren System das heutige System in Palästina ein Fortschritt ist. Die erste und einzige Voraussetzung für Kolonisation ist die Arbeit der englischen Politik. Doktor Schächtmann kündigt eine Resolution bezüglich T r a n s j o r d a n i e n s an. Der Gedanke der Massenpetition sei das einzige Mittel, um über einen toten Punkt hinwegzukommen. Wenn der Kongreß die Arbeit nicht tun will, werde sich eme Gruppe finden, die die Rettungsaktion für Millionen Juden durchführen wird. (Bei Beginn seiner Rede hatte die Linke den Saal ostentativ verlassen. Sie kehrte erst wieder zurück, als Doktor Schächtmann seine Rede beendet hatte.) Hierauf spricht Rabbi Brodt (Misrachi): Der Weg, den der Zionismus geht, ist falsch und kann nicht zum großen Ziele führen. Eine Neutralität in Fragen des jüdischen Glaubens kann das religiöse Judentum nicht zufrieden stellen. Aber sie schafft den Boden für Zusammenarbeit. Sie bedeutet, daß man mit den Gefühlen des anderen rechnet und ihnen Achtung entgegenbringt. Wir hoffen, daß der XVIII. Kongreß zu einem Kongreß der Kooperation werden wird, einem Kongreß der Vereinigung aller produktiven jüdischen Kräfte, einem Kongreß gegenseitiger Respektierung. Hierauf erhält das Wort Dr. Nahum Goldmann (Radikaler). Die radikale Gruppe ist nicht nur in sozialer Beziehung sondern auch in ihrer politischen Konzeption radikal. Wir sind durchdrungen von der Notwendigkeit starker politischer Aktionen, die die politische Situation des Weltjudentums angesichts ihres Ernstes erfordert. Da wir nicht der Ansicht sind, daß die zionistische Organisation noch die Möglichkeit hat, sich mit dem Problem der jüdisch-politischen Arbeit zu befassen, treten wir für einen jüdischen Weltkongreß ein. Die Taktik Englands ist nicht bloß eine Verletzung, sondern eine Ignorierung des welthistorischen Sinnes des Mandates. Wenn man im englischen Parlament von dislozierten Arabern spricht, darf man die Frage der dislozierten Massen d e r J u d e n, für die Palästina bestimmt ist, nicht Übergaben. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine politische Offensive ist die innere Konsolidierung der zionistischen Organisation. Die Parteikämpfe haben einen allzu scharfen Charakter angenommen. Neben dieser Frage muß der Kongreß auch der Reform der Oganisation sein Auge zuwenden. Es existiert jetzt eine ungeheuer große Paiäfttinabewegung unter dem jüdischen Volk und sie wird von Taig zu Tag gesteigert. Die Ausnützung dieser Stimmung hängt von der organisatorischen Erfassung der jüdischen Massen ab. Wir wollen das gesamte Volk, das sich in Palästina konzentriert, repräsentieren. Das kann aber nur unter der Leitung und der Autorität der Organisation erfolgen. Nur eine folgerichtige Organisation, fern jeder inneren Zerrissenheit, kann dem Zionismus den Erfolg bringen. Präsident Motzkin vertagt schließlich die Sitzung auf Sonntag abends. Erste Plenarsitzung nach der Kongreßunterbrechong Lord Melchett und Lady Erleigh begrüßen den Kongreß Präsident Motzkin eröffnet die Montag-Sitzung und begrüßt den Ehrenpräsidenten des Makkabi-Weltverbandes, Lord Melchett und seine Schwester Lady Erleigh. Wir wissen den Wert Ihrer Arbeit, führte Motzkin aus, für das jüdische Volk und den Zionismus wohl zu schätzen und freuen uns, Sie als Gäste zu begrüßen. Hierauf ergreift Lord Melchett das Wort Ich bringe Ihnen, führte er aus, die herzlichen Wünsche und den Ausduck der Freundschaft der Makkablm. Der Kongreß tagt in einem äußerst wichtigen Augenblick der Geschichte unseres Volkes. Es ist mein inniger Wunsch und hoffentlich kein vergeblicher, daß der Kongreß uns seine volle Hilfe gewähren wird, wenn ich in einem späteren Augenblick in die Lage kommen sollte, ihn um gewisse Maßnahmen zu bitten, die eine engere Zusammenarbeit zwischen der zionistischen Weltorganisation und dem Makk a b 1 herbeiführen soll. Die Ereignisse der letzten Monate haben die Berechtigung unserer Sache erwiesen und gezeigt, daß es nur eine Lösung für die Fragen unseres Volkes gibt, nämlich alle Kräfte für den Aufbau unseres Heimes zu vereinigen. Die Verantwortung ist heute groß und die Ergebnisse der Kongreßberatungen werden von der ganzen Welt mit Spannung beobachtet. Ich hoffe aufrichtig, daß das Ergebnis dieser Beratungen erfolgreich sein und daß sie uns eine Führung geben werden, die die Arbeit weiter bringen wird, die für den Zionismus so wesentlich Ist.' Das Wort nahm hierauf Lady Erleigh. Ich bin sehr stolz, hier zum ersten Male vor dem Kongreß aufzutreten, und muß gestehen, daß ich auch etwas ängstlich bin. Wie Sie alle wissen, bin ich heute mit meinem f Bruder hieher gekommen, weil mein ganzes Herz und meine ganze Seele bei meiner Arbeit in Pa 1 ästi n a i st. Mein einziger Wunsch ist, Weiterarbeiten und das Werk meines Vaters an dem Aufbau Palätinas fortführen zu können. Ich wünsche Ihnen votlen Erfolg bei Ihrer Arbeit und vor allem Einigkeit in Palästina. Hierauf hält Präsident Sokolow die Gedenkrede für die Toten der zionistischen Weltorganisation in den letzten zwei Jahren. Der gesamte Kongreß verharrt eine Minute lang in ehrfurchtsvoller Stille. Gerüchte um Prof. Weizmano Telephonbericht unseres JR-Korrespondenten Prag. Gerüchte wollen wissen, daß Prof W e i zmann bereits in Prag eingetroffen sei, was jedoch nicht auf Richtigkeit beruht. Nach einer anderen Version befindet sich Prof. Weizmann auf dem Wege nach Prag. Eine Delegation der Arbeiter soll in den letzten Tagen bei Prof. Weizmann in Zermatt gewesen sein, um ihn zur Fahrt nach Prag zu bewegen. Die Frage der künftigen Leitung, insbesondere die neue Kandidatur Weizmanns, ist seit Tagen Gegenstand interner Beratungen aller Fraktionen. Sie bildet aber besonders den Anlaß zu Gerüchten hinter der Kulisse. Von den einzelnen Fraktionen, die für Weizmann sind, wurden bereits Unterschriften unter den Delegierten gesammelt, die heute schon eine beträchtliche Zahl erreicht haben soll. Prof. Weizmann soll angeblich die Bedingung geknüpft haben, daß er nur dann seine Wiederwahl akzeptiere, wenn sich der Kongreß mit großer Majorität für ihn entscheide. Um die kiinffitic Leitung Telephonbericht unseres JR-Korrespondenten Prag, 1. September. Der Permanenzausschuß, dem die schwierige Auf« gäbe um die Zusammensetzung der künftigen Exekutive obliegt, konnte nach dreitägigen Beratungen gestern erst den Arbeiterparteiler Remes zum Präsidenten des Ausschusses wählen. Die Arbeiten am Kongreß gehen nur in schleppendem Tempo vor sich, zumal die Meinungen im Zentrum, bei welchem der Schlüssel zur Bildung der Exekutive liegt, geteilt sind. Nach den letzten Sitzungen des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten hat sich ein Teil dafür ausgesprochen, Sh der Leitungsfrage freie Hand zu haben. Bisher ist die Frag? noch nicht entschieden. Es heißt, daß der Permanenzausschuß mit Stimmenmehrheit beschlossen hat, den Präsidenten Sokolow zu bitten, Vorschläge über die Zusammensetzung der künftigen Exekutive dem Ausschuß zu unterbreiten. Die Frage der künftigein Leitung bildet nach wie vor den Gegenstand intensivster Verhandlungen Streng rituell... wird Kunerol erzeugt, in modernen, appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100%iges Pflanzenfett Seine besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt KUNEROL 100% REIMES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung!