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Die Stimme · 1933-08-29 · Heft 297 (29.8.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 297 (29.8.1933)
Date
1933-08-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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«mb »«■ -jm MMHBlA «MMm MP« 2W •■• 2®* ÄQfM i^D NB oHMMB Vssisdk&ins 70. Geburtstag Dm Sfterrelchlsche Landenkomitee gratuliert Ussischkin Das zionistische Landeskomitee für Oesterreich sandte SB Ussischkin folgendes Telegramm: LeragUi )om huladtechah haschiwim hinnti mewarctüm atcha baarichut jamim schetiskeh tifol od harbeh letowat amenuh. Haawad Haziorü haarzi laastriah. (Anläßlich Ihres 70. Geburtstages wünschen wir Ihnen langes Leben, daß Sie noch recht viel zugunsten unseres Volkes wirken mögen. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich.) Der Kongreß ehrt Ussischkin Präsident Motzkln: Nach einem schweren Tage sind wir in einem ganz anderen Zustand des Gemütes. Dieser Abend ist ein Fest für uns und dieses Fest heißt: Menachem Ussischkin. (Stürmischer, langanhaltender Beifall. Der Kongreß erhebt sich von den Sitzen.) Viele von Huch würden mir nicht glauben, daß dieser junge Mensch siebzig Jahre alt ist, wenn nicht die Chronik des ganzen Zionismus vor uns wäre. Denn mehr als fünfzig Jahre hören wir den Namen Ussischkin. Lieber Freund, wie lange kennen wir einander? Ich glaube, schon zweiundvierzig Jahre, seit Berlin. Aber schon früher kannte ich dich persönlich. Wir alle, die wir damals Studenten waren, kannten dich. Man sprach unter uns von dem jungen jüdischen Studenten aus Rußland, der seine ganze Kraft opfert für das jüdische Volk, für das jüdische Land und für die hebräische Sprache. In den Büchern Uber die Chowewe Zion, in den Protokollen findet sich auf jeder Seite verzeichnet, was Ussischkin getan hat bis zum Kongreß. Und in den Protokollen der Kongresse lesen wir, was er getan hat in den Tagen von Basel an. Er ist einer jener ausgezeichneten Menschen, die die zionistische Bewegung geschaffen haben. Nicht nur Zionismus beschäftigt ihn, sondern das ganze Leben der Juden. Historisch ist seine Tätigkeit für Rußland, für die Ukraine. Der Vorsitzende der Ukrainischen Kommission war Ussischkin aus Mohilev. Als er nach Paris kam, befaßte er sich mit der Frage der Juden der ganzen Welt. Er war die Säule der ganzen Arbeit. Er kämpfte für die Rechte der Juden und wirkte während der ganzen Jahre leidenschaftlich eifernd für die hebräische Sprache als einer der Schöpfer der hebräischen Bewegung. Nur eine Schuld hat er während der ganzen Jahre auf sich geladen: er war nicht auf dem VI. Kongreß. Damals aber war er in Palästina^ bei der Konferenz der palästinensischen Lehrer. Ich könnte meine Darstellung seines Wirkens bis ins Unendliche fortsetzen. Ussischkin brauchte einen eigenen Biographen und die Biographie hätte an seinem Leben einen großen Stoff, einen Stoff für einen Roman. Der Zionismus ist Ussischkin zu unendlichem Dank verpflichtet. Anderseits aber hat er Ussischkin die Kraft und Energie gegeben, und so kann Ussischkin dem Zionismus dankbar sein, daß er für ihn gekämpft und für ihn so Großes geleistet hat. Wir hoffen und wünschen, daß er noch viel beitragen werde zum Leben unserer Bewegung. Was er bisher getan hat, ist nur ein kleiner Teil. Von Jahr zu Jahr steigern sich seine Kraft und seine Leistungen mehr und mehr. Die größte Leistung Ussischkins ist, was er für den Keren Kajemeth getan hat. Niemand hat den Fonds so groß gemacht wie er. In Jerusalem steht ein sehr schönes Gebäude, das Gebäude des Keren Kajemeth. Wenn ich dieses Gebäude sehe, dann fühle ich darin Ussischkin in der Vollkommenheit seines Wesens, in jedem Winkel spüre ich seinen Geist. Das kleine Haus in Rechawia, das Ussischkin gehört, ist ein einfaches Haus, wie es sich für einen Zionisten ziemt. Aber die Straße heißt «Straße des Keren Kajemeth». Lieber Freund, noch ein persönliches Wort: Welche Freude ist es für mich, wenn ich auf den Kongreß komme and dich sehet Ich spüre deine Wärme und mir ist warm. Ich fühle mich stark als Zionist, du bist für mich ein Symbol des Zionismus. Im Namen des Kongresses und des Aktionskomitees wünsche ich dir viele glückliche Jahne. Mögest du Glück toben aiuf allen deinen Wegen. (Langanhaltender stürmischer Beifall. Die Kongreßteilnehmer erheben sich von den ätzen.) Präsident Sokolow: Diesen Tag hat Gott zur Freude gemacht. Der Geburtstag Ussischkins ist für uns ein nationales Fest Es gibt Menschen, die kein persönliches Leben haben. Ihr Leben ist ein Teil des allgemeinen Lebens des Volkes. Einer dieser Auserwählten ist der Mann, den der zionistische Kongreß, der die Zahl Chaj trägt, heute feiert. Wir müssen etwas zu Ehren Ussischkins gründen, etwas in seinem Geiste. Wir müssen in Palästina etwas gründen in Verbindung mit dem Boden und der Besiedlung des Bodens, was den Namen dieses großen Mannes trägt. Wir nüssen es darum tun, weil Ussischkin der Mann des Bodens bi Niemand wurzelt so tief bn Boden, wie er in der Liebe tum Volke, zu seiner Tradition. Ussischkin ist für uns nicht Legende. Er ist nicht Agadah, sondern er ist Halachah. Er ist die Tat. Diese Sache muß der Kongreß mit aller Umsicht auf sich nehmen. Wir müssen beschließen, auf einem Boden, der für diesen Zweck erst erlöst werden soll, eine Kolonie zu gründen, die den Namen Ussischkin trägt. Erez tornel ist nicht voBkoimnen, solange eine solche Kolonie noch nicht besteht. Der Kongreß sofl der Ehre teilhaftig werden, diese große Sache zu verwirklichen. Er ernenne eine Kommission, nicht um die Sache damit zu begraben, sondern um sie sofort energisch in Angriff zu nehmen. Diese Kommission 90Ü noch vor Schluß des Kongresses über ihre Tätigkeit berichten. Ich bin sicher, daß alle Zionisten und alle Juden, die Verehrung und Liebe für diesen Mann empfinden, sich an diesem großen Werke beteiligen und so seinen Namen für die Dauer ehren werden. (Präsident Sokolow umarmt und küßt Ussischkin unter stürmischem, anhaltendem Beifall der Delegierten und der Galerie. Die Kongreßteilnehmer erheben sich von ihren Sitzen.) Sodann sprachen die Führer der einzelnen Fraktionen, unter ihnen für die Allgemeinen Zionisten Dr. B. Mossinsohn: Ich betrachte es als besondere Ehre, daß der Verband der Allgemeinen Zionisten mich beauftragt hat, Ussischkin zu begrüßen. Heute feiern alle Zionisten, eine besondere Feier haben aber die Aflgemeinen Zionisten, denn Ussischkin gehört zu ihnen. Zum Kongreß wurde er auf der Liste der Allgemeinen Zionisten gewählt und im Präsidium sitzt er als Vertreter der Allgemeinen Zionisten und wir betrachten dies als große Ehre für uns. Aber Ussischkin hat sich über alle P a r t e i gr e n ze n erhoben. Sie haben heute Abend gesehen, wie er vom gesamten zionistischen Kongreß empfangen wurde. Es wird keine Uebertreibung sein, wenn ich sage, daß Ussischkin zu einem nationalen Gut geworden ist. Ich kann die Ansicht unseres Vorsitzenden nicht teilen, daß die Größe von Ussischkin in seiner Einfachheit besteht. Nein. Ussischkin ist eine sehr komplizierte Persönlichkeit. Die Gegensätze in seiner Seele kommen aber bei ihm zu einer wunderbaren Synthese und darin liegt seine große Kraft. Ussischkin wird als Mann der Tat betrachtet, und dies ist er auch. Aber wer Ussischkin näher kennt, weiß, daß er immer von Visionen durchdrungen ist. Ussischkin ist ein Kämpfer, er ist aber gleichzeitig ein Träumer, ein großer Träumer. Er sieht immer die große Vision vor sich und ist immer von einer großen Vision durchdrungen. Deshalb ist es ihm auch gegönnt, noch zu Lebzeiten die Verwirklichung seiner Träume zu sehen. Ussischkin ist vor dreißig Jahren nach Erez Israel gekommen und hat den Versuch gemacht, den damaligen Jischuw zu organisieren; und es ist sein Verdienst, daß bereits damals der Grundstein zurKnesseth Israel gelegt wurde. Ebenso war auch die Lehrerorganisation seine Schöpfuhg. Auf Schritt und Tritt, in Erez Israel und in der Galuth, finden wir die großen nationalen und zionistischen Schöpfungen Ussischkins. Ussischkin ist der Träger eines besonderen Zionismus. Die neue Generation, die innerhalb einer großen zionistischen Bewegung, erfüllt von Not und Mühsal, lebt, vergißt manchmal, daß Ussischkin den Zionismus seit den ersten Tagen seines Bestehens trägt, als der Zionismus nicht mehr als eine Vereinigung von Freunden war und über dem Leben stand. Und darum schaut er oft mit Schmerz darauf, was jetzt in unserem Leben vorgeht. Er wurde daher zum Gewissen des Zionismus. Wir fragen uns oft: was sagt Ussischkin dazu? Wir fragen oft: warum schweigt Ussischkin? Wir wollen von ihm das wahre zionistische Wort hören, denn er ist der Träger der zionistischen Fahne in ihrer ursprünglichen Reinheit. Ich hatte das Vergnügen, ein Schüler Ussischkins zu sein. Ich höre, wenn man über Ussischkin als Kämpfer, Schöpfer und fleißigen Arbeiter spricht. Ich kenne aber auch einen anderen Ussischkin, den Menschen Ussischkin. Wir sprechen oft von Ussischkin als dem «eisernen Mann». Er kann oft hartnäckig sein, aber diejenigen, die ihn aus der Nähe kennen, wissen, wie weich er zu denjenigen sein kann, die ihm nahestehen und die mit ihm Zusammenarbeiten. Zwei Bäder aus dem Leben Ussischkins treten in meiner Erinnerung hervor. Ich erinnere mich an eine zionistische Versammlung in Krementschuk aus den ersten Jahren des Zionismus, als Ussischkin befahl, einen seiner besten Freunde aus der Versammlung zu entfernen. Und ich erinnere mich an eine zweite Tatsache aus jener Versammlung: als einer der Zionisten plötzlich zu husten begann und Blut Das Kongreßpräsidium Endlich fiel die wichtige Entscheidung ln der Frage des Kongreßpräsidiums. Misrachi beantragte, daß alle Parteien im Kongreßpräsidium vertreten sein sollen, doch wurde ein Gegenantrag der Linken, über diesen Antrag zur Tagesordnung überzugehen, in namentlicher Abstimmung mit 151 gegen 149 Stimmen angenommen. Die Revisionisten verzichteten daraufhin auf die aussichtslose Nominierung von Kandidaten; auch der Misrachi Ist im Kongreßpräsidium nicht vertreten. Das Kongreßpräsidium besteht au§ Motzkin als Präsidenten, sowie Kaplansky, Sprlnzak, Kaplan, Ussischkin, Rufeisen und GrUnbaum. In der Stellungnahme des Kongresses gegen die Revisionisten erblickt man eine wichtige Voraussetzung für die Rückkehr Weizmanns. Als weiteres Symptom nach dieser Richtung hin darf wohl auch das Erscheinen von Harry Sacher im Kongreß nach der Abstimmung angesehen werden. | am mktem Mtfnde kam, ao mußte man gesehen habe% wfc sich UsefecJtkv» um ihn bemüht und ihn mit der Liebe eksst Mutter gepflegt hat Dann vemteht man den Menschen Usssfechkin. Ich wiü Dir, Ussischkin, sagen: Vergiß an die Jubelfeier; Du bist nicht siebzig Jahre ait, du hast noch genug Jugendkraft und Macht! Gehe in die Bewegung hinaus und wirke dort weiter, denn dort ist Dein Platz! (Lebhafter Beifall.) Ussischkin, von stürmischem Jubd umtost, hält eine schlichte Dankrede, die ein neuerliches Bekenntnis zu den Idealen des Zionismus darstellt. Der Kongreß 30 Stunden labmgelegt Telephonbericht unseres Redakteurs Jakob Rosenthal Schon in der Nachtsitzung von Samstag, die eine Fortsetzung der Generaldebatte gebracht hatte, kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Links und Rechts. Der Vertreter der palästinensischen Linken, Rubatschow, hat auf die verhängnisvolle Tätigkeit einzelner revisionistischer Gruppen in Palästina hingewiesen, wobei er sich auf authentisches Material gestützt hat. Bei der Rede des Revisionisten Dr. Schlechtmann blieben die Bänke der Linken leer. Die Linke hatte zuvor den Saal verlassen. Der Kongreßpräsident Motzkin sah sich gezwungen, nachdem noch Dr. Goldmann und Rabbi Brod gesprochen hatten, die Sitzung auf Sonntag abends zu verschieben. ZudieserSitzungamSonntag abends kam es ab er nicht. Im Laufe des Sonntags und der Sonntagnacht tagte in Permanenz das Aktionskomitee, um sich mit der aus den Nachrichten aus Palästina geschaffenen Situation des Kongresses zu befassen. Das Telegramm, das den Kongreß ln große Erregung versetzt hat, besagte, daß bei Achi Meir ein Tagebuch gefunden wurde, aus dem die Existenz eines von der revisionistischen Parte) ausgearbeiteten Anschlags auf Arlosoroff hervorgehen soll. Auf Grund der von der Exekutive veranlaßten telephonischen und telegraphischen Rückfrage bei den englischen Untersuchungsbehörden in Palästina heißt es, ist die Authentizität des Materials bestätigt worden. In Anbetracht dieser erschütternden Nachricht mußte die Sonntagnachtsitzung abgesagt werden. Die Plenarsitzung konnte erst heute nachmittag eröffnet werden. Es wurde bekannt, daß eine Utatersuchungskommission in Bildung « begriffen ist, die nach dem Kongreß nach Palästina^gehen soll, unTan Ort und Stelle die Situation zu untersuchen. Die Bildung dieser Kommission soll heute erfolgen. Die Makkabi-Kamptspiele Die Makkabi-Kampfspiele wurden am Donnerstag, den 24., durch den Einzug der 14 beteiligten Makkabi-Kreise feierlich eröffnet. An dem Aufmarsch beteiligten sich Palästina, C. S. R., Danzig, England, Finnland, Frankreich, Holland, Jugoslawien, Litauen, Dänemark, Oesterreich, Polen, Rumänien und Ungarn. Nach der Ansprache m hebräischer und tschechischer Sprache von Ing. Pacovsky, Leiter der M. K. S., sowie der Intonierung der Staatshymnen und der Tikwtah begannen sofort die leichtathletischen Kämpfe. Die Leistungen, die unter dem Schlechtwetter etwas litten, waren trotzdem sehr gut (siehe Sportberichte). Leider hatten sowohl das Schwimmals auch das Tennismeetmg unter Schlechtwetter zu leiden. Die am Donnerstag vormittags durchgeführten Jugendspiele brachten sehr gute Ergebnisse. Mittwoch, den 23. abends fand im dichtgefüllten Saal des Beth-Haam die offizielle Eröffnung und Begrüßung aller Makkabi-Festteilnehmer statt. Nachdem die Vertreter der einzelnen Makkabi-Kreise gesprochen hatten, ergriff der Vorsitzende des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Hermann L e 1 e w e r das Wort und betonte, daß heute nicht die Zeit langer Reden sei, sondern gehandelt werden müsse. Das wichtigste im gegenwärtigen Augenblick sei die Einigkeit des jüdischen Volkes. (Stürmischer Beifall.) Der Makkabi- Weltverband, als die stärkste jüdische Jugend- und Sportorganisation, glaube sich legitimiert, an den Zionistenkongreß den Appell zu richten, er möge die vom jüdischen Volke in ihn gesetzten Hoffnungen nicht enttäuschen. Gespräch mit Lord Melchett (TeJephonbericht unseres Kongreßkorrespondenten) Lord Melchett, der Ehrenvorsitzende des Makkabi- Weltverbandes, erschien heute auf dem Zionistenkongreß, wo er mit Lady E r 1 e i g h herzlichst begrüßt wurde. Unser Korrespondent hatte Gelegenheit, Lord Melchett zu sprechen, der sich über die Boykottbewegung in Deutschland wie folgt äußerte: «Was den Makkabi-Weltverband betrifft, der eine unpolitische Bewegung ist, ist es selbstverständlich einem jeden Überlassen, an ihm teilzunehmen. Es ist eine arge Zumutung, daß Juden im Ausland deutsche Waren kaufen sollen, während man die jüdische Gemeinschaft in Deutschland aufs schwerste drangsaliert. Der Antisemitismus in Deutschland bleibt eine Gefahr

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