Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 296 (24.8.1933)
- Date
- 1933-08-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054050--3691-3059229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seife 0 DIE STIMME Nr. 296 — 24. August 1933 Werbet Abonnenten für "Die Stimme» sowohl in der englischen wie in der palästinensischen heimischen Industrie eine führende Rolle spielt, will aber seinen Aufenthalt in Wien auch dem Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Oesterreich und England sowie z w i sc he n 0 es t e r r e i c h und Palästina widmen und zu diesem Zwecke mit führenden Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft Fühlung nehmen. Ein für den 28. August vorgesehenes Bankett soll der Anbahnung dieser Bestrebungen dienen, denen man als Oesterreicher wie als Zionist den besten Erfolg wünschen muß. Gerichtliche Prüfung der „Protokolle der Weisen von Zion“ Die noch lebenden Delegierten des I. Zionistenkongresses ln Basel, die gegenwärtig zur Teilnahme am XVIII. Zionistenkongreß in Prag weilen, werden auf Ersuchen des Baseler Gerichtes in den nächsten Tagen vom Prager Gericht über ihre Ansicht, betreffend die «Protokolle der Weisen von Zion», von denen von antisemitischer Seite behauptet wird, sie seien Geheimbeschlüsse des ersten Baseler Zionistenkongresses, vernommen werden. Das Baseler Gericht benötigt diese Zeugenaussagen zur Fällung des Urteils in einem Prozeß, der gegen Schweizer Zeitungen wegen Aufnahme einer Anzeige angestrengt wurde, in der der Leipziger Hammer-Verlag die von ihm herausgegebenen Protokolle unter der Ueberschrift «Die Echtheit der Protokolle von einem Teilnehmer am Zionistenkongreß bestätigt» ankündigt. Da sich Dr. Ehrenpreis, der neben HerzI die Einladungen zum ersten Kongreß unterschrieben hat und der erste Generalsekretär der Zionistischen Organisation war, und ebenso der schweizerische Zionistenverband und die Baseler jüdische Gemeinde durch diese in den Schweizer Zeitungen wiedergegebene Behauptung beleidigt fühlen, haben sie die Klage gegen die betreffenden Blätter erhoben. Das Baseler Gericht hat zunächst 750 Exemplare der Protokolle in Baseler Buchhandlungen beschlagnahmt und ein umfangreiches Verfahren eingeleitet, bei dem zum erstenmal die behauptete Echtheit der Protokolle von einem öffentlichen Gericht geprüft werden soll. Zu einer Gerichtsverhandlung um die «Protokolle der Weisen von Zion» sollte es schon früher einmal kommen, als Achad Haam eine Klage gegen den Grafen Reventlow, der ihn als den Verfasser der Protokolle bezeichnet hatte, einbrachte. Graf Reventlow erklärte jedoch damals vor der Verhandlung, er könne seine Behauptung nicht aufrecht erhalten, so daß die von Achad Haam angestrebte gerichtliche Untersuchung über die «Protokolle» unterblieb. Die Kläger in dem jetzigen Prozeß beabsichtigen, nach seinem Abschluß die zuständigen Völkerbundinstanzen zu veranlassen, im Interesse des internationalen Ehrenschutzes ein Verfahren einzuleiten, in dem endgültig festgestellt werden soll, daß die sogenannten «Protokolle der Weisen von Zion» eine Fälschung sind. Die Kongreßzeitung ist in Wien in der Bücherstube Rath und bei den Verkaufsstanden der Firma Goldschmidt zu haben. ten wohnen lasse, und hatte seinem Sohn, der nach Alexandrien weiterfuhr, aufgetragen, dort vor allem die Judengemeinde zu alarmieren. Faktisch erschien alsbald an Bord Herr Azoulai als Vertreter der zionistischen Organisation. Da er nun, der nur spaniolisch sprach, Plonis Judentum anzweifelte (noch ein Schatten mehr in diesem tragikomischen Bild) lief Fräulein Rosenheim, die Tochter des Führers der Welt-Aguda, um ihr Sidderl, damit der Verkannte daraus vorbete. Doch schon hatte sich unter den Passagieren ein aus Rußland stammender und in Veracruz (Mexiko) etablierter jüdischer Möbelfabrikant gemeldet, um zwischen Spanisch und Jiddisch zu dolmetschen. Azoulai erklärte, eine Landung Plonis in Alexandrien sei zwar möglich, doch gab er ihm namens der Ligue contre l’Antisemitisme nebst zehn Dollars eine Empfehlung an den Bruderverein in Marseille mit, wo sich das Weitere finden werde . . . Das mit dem Geld scheint sich leider rasch herumgesprochen zu haben, denn bald nach Abfahrt der «Patris», als Ploni wieder freigelassen war, kam er mit der Klage zu mir, die Griechen hätten ihm die bisher gewährte Verpflegung eingestellt. Nun ging ich mit einer Zeugin zum Herrn Purser und hielt ihm vor, daß unserem Mann nach Beyruth für die Verpflegung während der unfreiwilligen Rückfahrt von der Schiffsleitung 100 Francs abgenommen worden seien. Der Purser bestritt das; die 100 Francs seien nur ein Teil des Kopfgeldes, das jeder Einwanderer, also auch der zwangsweise Zurückgebraohte in Marseille an die französische Behörde zu bezahlen habe. Wenn Ploni auf dem Schiff IV. Klasse essen wolle, würde ihm das gegen Erlag der halben Gebühr per 75 Francs gestattet werden. Ueberhaupt, hier redete sich der Offizier in immer größeren Zorn, hätten Plorti und Genossen sich schwer an ihm und der Schiffsgesellschaft vergangen. Seine, des Pursers, Pflicht sei es gewesen, die vier Delinquenten von Beyruth ab streng eingesperri zu halten. Er hab« das — aus Was kann der Völkerbund tunt Von Rechtsanwalt Dr. Hugo Groß9 Wien Die Griechen haben in der Wirtschaftsgeschichte des östlichen Mittelmeeres eine beispiellose Expansionsfähigkeit bewiesen. Bis 1922 befanden sich zirka 4 Millionen Menschen griechischer Volkszugehörigkeit außerhalb des Mutterlandes. In Thracien, Kleinasien und der diesem vorgelagerten Inselwelt bildeten sie örtlich bis zu drei Fünftel der Bevölkerung, sie beherrschten stellenweise bis 50 Prozent der Bodenproduktion, 70 Prozent des Gewerbes und der Industrie und bis 80 Prozent des Handels. Gerade die aktivsten und stärksten Faktoren in den wirtschaftlich wertvollsten Teilen der Türkei waren Griechen. Der Vertrag von Sevres übertrug den Griechen auch die staatsrechtliche Macht über diese türkischen Gebiete. Die totgeglaubte Türkei brachte jedoch im August 1922 dem griechischen Heere eine derartige Niederlage bei, daß innerhalb einer phantastisch kurzen Zeit rund 1,800.000 Griechen aus dem türkischen Hoheitsbereich flüchten mußten. Die siegreichen Türken erklärten einfach «unter sich sein zu wollen» und die nationalistische türkische Parole war in bezug auf die Griechen: «Hinaus mit euch!» Diese Katastrophe hätte sicherlich zum Untergang von fast 2 Millionen wertvoller Menschen geführt, wenn nicht — allerdings nachdem das Aergste geschehen war — die Großmächte, der Völkerbund und prominente Persönlichkeiten, insbesondere Nansen als Oberkommissär des Völkerbundes, im Interesse eines vertraglich geregelten Austausches der türkischen Bevölkerung Griechenlands gegen die griechische der Türkei eingegriffen hätten. Das Problem war, im verarmten, 4y2 Millionen Menschen zählenden griechischen Mutterlande, eine Existenz für 1,800.000 Flüchtlinge sofort zu schaffen. Es fehlte überdies zur Lösung dieses Problems das Vorbild, mit Ausnahme der Erfahrungen aus der seinerzeitigen Kolonisation der Deutschen in den polnischen Gebieten Westpreußens und Posens (1866). Die unter der Aegide des Völkerbundes durchgeführte griechische Aktion war unvergleichlich frei- und großzügiger und bildet ein Ruhmesblatt in der Geschichte des Völkerbundes. Nach langen Verhandlungen gelang es im Wege eines Unterausschusses im Völkerbund 1923 eine achtprozentige internationale Anleihe in der Höhe von 13 Millionen Pfund Sterling aufzulegen, von der 25 Prozent im Inlande gezeichnet, der Rest im Ausland aufgebracht werden sollte. Bei 88 Prozent Einzahlung und 20 Pfund Sterling Nominale war die Anleihe durch Heim für taubstumme israet. Kinder bei isr. Wiener Lehrersfaivtilie. Sp .■zialimterricht durch bewährte und langjährig erfahrene Lehrkraft. — Anfragen: H. Mosen, Wien, XV1I1., Witthauergasse 33. dummer Gutmütigkeit — nicht getan und zum Dank hätten die Kerle ihr Versprechen gebrochen. Nun müsse die Gesellschaft für jeden von ihnen an die Palästina-Regierung 40 Pfund Sterling Strafe bezahlen und seine eigene Stellung sei schwer gefährdet «Töten könnte ich ihn, töten könnte ich sie alle!» schrie er mit geballter Faust «Ich habe auch schon meiner Gesellschaft eine drei Seiten lange Denkschrift überreicht, sie solle fortab jüdische Touristen nach dem Orient, selbst wenn sie Paß, Visen, Geld und auch sonst alles in Ordnung hätten, grundsätzlich nicht aufnebmen, um sich vor weiterem Schaden zu bewahren.» Habe ja bei der vorletzten Fahrt die «Patris» aus Beyruth gleich sieben jüdische Touristen, denen die Landung verboten wurde, nach Marseille zurückbringen müssen und eben jetzt, in Alexandrien, sei von drei englischen Polizeioffizieren auf dem französischen Schiff «Patria» nach vier jüdischen Palästina-Fahrern, die schon dort ans Land entwichen, geforscht worden ... Es sei offenbar, daß die Palästina-Regierung sich mit den Behörden der Nachbarländer geeinigt habe, den jüdischen Touristenzustrom abzuwürgen. (Diese Ansicht deckt sich mit der «verböserten» und speziell zur Bekämpfung der jüdischen Touristik abgefaßten Neuauflage der Immigration Ordinance vom 31. Juli d. J.) Als ich dem freien Hellenen klarzumachen suchte, was uns Juden Palästina bedeute und gar in dieser Zeit, die unter Hitlers Stern stehe, rief jener: «Die Juden sind doch so reich und intelligent. Bilden Sie endlich eine starke Regierung, die diesen unerträglichen Zuständen ein Ende macht!» Hier wurde der Mann dienstlich abberufen und in seinem Vortrag über jüdisches Staatsrecht unterbrochen. Aber seine Worte gellen mir noch im Ohr. Wie weit und schwer ist doch unser Weg aus dem Paschalik Hyamson zum Nationalheim, das seine Pforten den gehetzten Söhnen freundlich erschließt l den Ertrag verschiedener Monopole, Zölle, Steuern, Gebühren und einer gesicherten Priorität von Staats wegen garantiert. Als Sicherstellung für diese nur za Investitionszwecken gewidmete Anleihe sollten erste Hypothekarsätze auf die neu zu schaffenden Immobilien der Flüchtlinge vorgestreckt werden und die Rückzahlung durch die mit Werten Beteilten selbst in mäßigen Jahresraten erfolgen. Der Erfolg dieser Anleihe war ein ungeheurer. Sie wurde achtzelinfach überzeichnet. Für die widmungsgemäße Verwendung der aufgebrachten Mittel sorgte eine viergliedrige, politisch und national vollkommen unabhängige, mit diplomatischer Exterritorialität und allen Vollmachten ausgestattete Siedlungskommission im Interesse der Geldgeber mit eigener Geschäftsordnung. Diese wirksame Hilfe des Völkerbundes hat es dem tatkräftigen griechischen Volk ermöglicht, eine neue Blüte in Griechenland zu schaffen. Der Konkurrenzkampf zwischen den Flüchtlingen und den alten Bewohnern und besonders die rastlose Tätigkeit der Einwanderer peitschte die Griechen aller Stände zu so unerhörter Regsamkeit und zu solcher Erhöhung und Verbilligung der Produktion in allen Zweigen auf, daß die ursprüngliche Katastrophe zu einer wahren Wohltat für Griechenland geworden ist. Die einseitige, nationalistische Politik der Türken dagegen verursachte einen katastrophalen Sturz des Bodenwertes in jenen Gebieten, die von den Griechen verlassen wurden, von 206 Millionen türkischen Goldpfund (1920) auf 10 Millionen im Jahre 1930. Drängt sich nicht der Vergleich zwischen den geschilderten Vorgängen und der jetzigen Situation der Juden ln Deutschland von selbst auf? Ist der Völkerbund nicht wieder verpflichtet, der unbeugsamen Lebenskraft der Juden durch ähnliche Maßnahmen zu Hilfe zu kommen, um die unsagbaren Leiden der fleißigen und soliden Juden, die Deutschland und der Welt den Beweis ihrer wertvollen Mitarbeit um den Fortschritt der Menschheit niemals schuldig geblieben sind, abzukürzen? Herzl hat die Ansiedlung der Juden im Lande ihrer Väter mit prophetischem Blick als Lösung der Judenfrage erkannt, das mächtige England hat durch die Balfour-Deklaration den tausendjährigen Traum nach einer rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina in Wirklichkeit umzusetzen versprochen und der Völkerbund wird im Verein mit den Juden aller Länder zunächst die Lage der Juden in Deutschland und aller anderen Unglücklichen dieses Volkes durch eine völkerrechtlich garantierte Kolonisation in Palästina neu gestalten. Die Vorarbeiten hiezu haben die Zionisten in jahrelanger Pionierarbeit geleistet und die Früchte dieser hervorragenden Leistungen werden in aller Welt anerkannt. Aehnlich wie in Griechenland wird der Zustrom der Juden nach Palästina einen weiteren Aufschwung der ganzen Bevölkerung in dem besonders für die Juden heiligen Lande schaffen. Ist es gelungen, die griechische Katastrophe zu meistern, muß es auch gelingen, die Grausamkeiten gegen die Juden zu beenden! Das Zusammenleben der Juden mit den Arabern wird bei gutem Willen erträglich zu gestalten sein und die etwa notwendige Uebersiedlung der Araber in benachbarte Gebiete Palästinas, die gleichfalls von Arabern bewohnt werden, ist eine finanzielle Operation, die unter Aufsicht des Völkerbundes zur Zufriedenheit bei den blutsverwandten Nationen geschehen wird und muß. Wettkongreß des Jttisraehi ln Krakau fand in der ersten Augusthälfte ein Weltkongreß der religiösen Zionistenorganisation Misrachi statt. Bei dieser Konferenz vertraten einige prominente Führer des Misrachi einen Standpunkt, der lebhaft an die «Primat»-Ideologie der Revisionisten und ihren zentrifugalen Tendenzen der zionistischen Organisation gegenüber erinnert. Es herrschte dort überhaupt eine ziemlich erregte Stimmung, die wahrscheinlich darauf zurückzuführen Ist, daß der Misrachi bei den Kongreßwahlen nur 34 Mandate erringen konnte, also eine Niederlage erlitt. Statt diesen Mißerfolg ihrer eigenen Untätigkeit und Zerrissenheit zuzuschreiben, fand es ein Teil dieser Organisation für richtig, die Arbeiterschaft und die zionistische Exekutive anzufallen und den Zusammenschluß mit der palästinafeindlichen Aguda zu proklamieren. Diese der zionistischen Organisation gegenüber feindliche Tendenz fand auch in den angenommenen Resolutionen ihren, wenn auch verschleierten Ausdruck: 1. Die Konferenz der Misrachi-Rabbiner beschließt, der Weltkonferenz die feierliche Annahme des Vorschlages, einen religiösen Weltkongreß für Thora und Erez Israel nach Jerusalem einzuberufen, zu empfehlen. Dia