Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 296 (24.8.1933)
- Date
- 1933-08-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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Wf. m * *~ 24. Augüit 1035 DIE STIMME SMte $ Jakob Rotenihal (Pros):!Ss!ä!snssSmi222i Mahhabi>F«Hiplele vom 23. bis M. Auguii in Prag Prag, im August 1933. Ate Fortsetzung des im Frühling 1932 vom iMakkJbl-Weltverba nd» so erfolgreich durchgeführten großen jüdischen Wettsportfestes, der «Makkabiade», finden Ituti die für die Zeit vom 3. bis 6. August in Czernowitz aitbefaumten und im letzten Augenblick verbotenen «M a kkabi-Kampfspiele» in der toleranten Stadt Prag Itatt Die Veranstaltung erhält dadurch einen besonderen Otfthx, als sie während der Tagung des Zionistenkongresses tut Durchführung gelangt. Waf die Makkabiade von 1932, dlt als nationales Pendant zur großen internationalen Sportolympiade gedacht ist, zu der Vertreter der nationalen jüdischen Sportverbände aus fast allen Teilen dar Erde nach Tel-Awiw geströmt waren, in erster Linie das große sportliche Ereignis im Leben der palästinensischen Juden, SO werden die Kampfspiele ln Prag die erste internationale sportliche Manifestation des Judentums in der Diaspora bilden. In der Geschichte der jüdischen Sportbewegung, die Jn der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend ihre wesentlichste nationale Aufgabe betrachtet und so lim Pro- *eß der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes einen äußerst wichtigen Faktor bildet, nimmt der Makkabi-Weltverbänd eine ganz hervorragende Stellung ein. Die Turntlild Sportkampfaplele der Tel-Awiwer Makkabiade im Frühling 1932 bildeten eine Überaus imposante Heerschau •einer jahrelangen Arbeit. Der von H e r z 1 in die dumpfe jttdische Welt des Ohettos hinausposaunte Ruf nach der körperlichen Ertüchtigung des Juden, der von ihm geschah fette Begriff «Muskeljudentum» wurde vom Makkabl-WeJtverband in vielfältiger Form seiner Realisierung »geführt. Der Makkabi-Weitverband, eine heute die ganze Welt Utnspannende jüdische Weltorganisation, gliedert sich in Sine überaus stattliche Anzahl von Verbänden, Kreisen und Gauen. Er umfaßt Verbände in Afrika (Algier und Tunis), ln Asien (Aegypten, Palästina, Syrien und Türkei), in Nord- und Südamerika, ferner in Brasilien und schließlich in fast •Wen Ländern Europas mit heute rund 60.000 aktiven Sportlern. In Oesterreich gehören dem Makkabi-Weltverband der Wiener All-round-Sportverein «H a k 0 a h», die kleineren Wiener Klubs «Hasmonäa» und «Makkabi» sowie die zahlreichen Makkabi-Tumvereine mit insgesamt 3000 ausübenden Sportlern an. Die Makkabiade in Tel-Awiw, die erste dieser Art, war für die jüdische Sportidee, für die Popularisierung des Sportgedankens in der national-jüdischen Bewegung, aber auch in allen Sportkreisen außerhalb der Juden von ungeheurer propagandistischer Bedeutung und ein durchschlagender Erfolg. Seit dieser Zeit haben die verantwortlichen Führer der Makkabi-Weltbewegung nicht geruht und die jüdischen Sport* und Turnorganisationen in aller Welt mit größter Energie und Hingabe ausgebaut. Die Makkabiade in TeJ- Awiw sollte der Auftakt sein für eine Reihe großartiger Sportereignisse, die die Aufmerksamkeit der internationalen Sportkreise auf die jüdische Sportbewegung lenkten. Insbesondere ist es der junge Lord M e 1 c h e 11, der Sohn des vor drei Jahren verstorbenen Zionistenführers Lord Melohett aus Langford (Sir Alfred Mond), der sich der Makkabi-Sportbewegung mit besonderer Begeisterung annimmt und sie mit größter Hingabe fördert. Lord Melchett, der bereits in Prag weilt, der Initiator der Jüdischen Weltwirtschaftskonferenz, machte im letzten Winter gemeinsam mit seiner Schwester l.ady Erleigh, der Schwiegertochter Lord R e a il i n g s, des früheren englischen Vizekönigs von Indien, eine Propagandareise durch Ost- und Mitteleuropa, die ausschließlich den Interessen der Förderung der Makkabi-Bewegung sowie der Vorbereitung der so grandios begonnenen Makknbi-Kampfspiele in Prag gegolten haben. Lord Melchett, der Ehrenpräsident des Makkabi-Weltverbandes ist, hat gemeinsam mit Lady Erleigh das Protektorat Über die Makkabiade in Prag übernommen. Mit ihm nimmt an dem internationalen jüdischen Weltsportfest eine Reihe führender Persönlichkeiten aus dem inselrcich teil. Unter anderem nimmt an dem Makkabi-Kongreß als Dele- 24. September 1933 Sb Wien, 29. September früh, Landung in Haifa Rosch-Haschanah in Europa Jom-Kippur In Palästina I Rückfahrt kann wöchentlich innerhalb von 90 Tagen angetreten werden vom S235’- aufwärts ab Wien inkl. Transitvisa, D-Zug. Hotel, Kabinenbett, Ein- und Ausbootungsgebuhren etc. 2.KI.SClfsS390'- Visabeschaffung für in Österreich wohnhafte Personen Verlangen Sie schriftlich Reiseprospekt mit allen wichtigen Informationen (50 Groschen in Marken beilegen) «• WIEN III. i LANDSTR. GÜRTEL 9 Sprechstunde ab 1. September: WIEN VI., CAPISTRANGASSE 2 Dienstag bis Freitag halb 10 bis 12 Uhr Zuverlässige Beratung ln allen Palästina» und Reisefragen •g M gierter auch der liberale Abgeordnete des englischen Parlaments Barnett Jänner teil. * Uebersieht man die Beteiligung der aktiven Sportler, kann man schon jetzt zu Beginn der Kampfspiele mit Bestimmtheit sagen, daß diese Makkabi-Festspiele, die als Auftakt zur Palästina-Makkabiade des Jahres 1934 gelten, eine Heerschau von Sportdarbietungen bringen werden, die über das sportlich recht anspruchsvolle Prag, ja über Mittel¬ An der Pforte zum Nationalheim ' Reiseerlebnis von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem Zur Fahrt nach dem Zionistenkongreß wählte ich für die Teilstrecke Haifa—Piräus diesmal die «Patris», einen Dampfer der National Steam Navigation Cö. of GreeCe. Als wir am zweiten Morgen an Deck stiegen, um den Hafen von Alexandrien zu besehen, rief mich jemand kläglich auf jiddisch an: «Rettet mich — man will mich morden!» Wie dae?l Es war ein junger, Übrigens blonder Mann, der mir In aller Hast folgendes erzählte. Er heiße M. R. — laßt uns Ihn wegen des typischen Falles fortab «Pioni» titulieren l — Und stamme aus einem Städte! nächst Warschau. Jahrelang habe ar sich als Zimmermaler in Johannisburg, Ostpreußen, redlich fortgebracht, bis ihm der Seelenaufschwung des Nälltume Arbeit und Brot nahm. Also schickte er sein Weib nach Polen zurück und zog selbst nach Frankreich, um von hier das Land der Verheißung Erez Jisraei zu erreichen, In Marseille traf er auf drei Schicksalsbrüder, aus Deutschland flüchtige polnische Juden, durchwegs brave Handwerker, mit dem gleichen Sehnsuchtsaiel und den gleichen Schwierigkeiten. Sie konnten weder ein Zertifikat erlangen noch beim britischen Konsul die für einen Palästina- Touristen laut Imrnigratlon-Ordinance verlangten 50 Pfund Sterling auftreiben, zumal Hitler ihnen nur je 200 Mark mit- Sunehmen erlaubt hat. Aber sie hielten sich an das Sittenbesetz, das im Buche «Juda» von dem deutschen Dichter Münchhausen so schön gefaßt ist: «Und Wer an seinen Füßen der Sandalen eine erst band, det wandere ohne die andere in seiner Väter Land!» lufolgedewen faßte unser vierblättriges Kleeblatt «Wen feinen Plan, in dessen Kompliziertheit sich die ganze Tragik des jüdischen Schicksals spiegelt. Sie erkauften nämlich das Einreisevisum nach Djibouti, dem französischen Hafen von Abessinien, und ein Transitvisum durch Syrien; von da winkt ja schon die nahe Grenze Erez Jisraels! Aber noch bei Beyruth ereilte sie das Verhängnis. Als das Schiff dort Freitag, den 4. August, landete, wurden unsere Vier von der Polizei beanstandet, weil sie nicht die vorgeBChriebene Kopfquote von 2000 Francs besflssen. Sie Überreichten zwar sofort ein Gesuch an daB Stadtoberhaupt, man möge sie doch bloß einen Monat ln Syrien dulden, bis sie sich aus Europa das fehlende Geld beschafft hätten. Der Polizeioffizier, ein Kavalier, nahm das säuberlich geschriebene, folgenschwere Papier diensteifrig an sich — ohne wiederzukehren. Auch der Hilferuf an den Beyruther Zionistischen Verein verhallte fruchtlos. Wohl kam ein jüdischer Bursche an Bord, doch nur, um feierlich festzustellen, heute sei Sabbath; morgen werde man zum Rechten schauen, inzwischen aber fuhr die «Patris» schon zuvor am Sonntag von Beyruth ab und nahm die Vier zwangsweise mit. Da nun das Schiff ein paar Stunden später ln Haifa einlief, beschlossen sie, zu entfliehen. Im Schutze der anbrechenden Nacht und im Wirrwarr der Ein- und Ausbootung sprang einer von ihnen im Schwimmanzug, den er insgeheim unter Beinern Rock angezogen hatte, ins Meer, während zwei andere Bich an einem Strick zum Ufer hinabließen. Unter Schlemihl Pioni aber, der den Strick hielt, wurde von der Schiffsmannschaft gepackt und hinter Schloß Mud Riegel gesetzt. Jetzt und hier in Alexandrien habe man ihn wieder an die Luft gebracht, doch gewiß nur, uni ihn im Meer zu ertränken. — Unslnnl — «Nein, ich habe ln der Zeitung von einer großen Protestdemonstration In Paris gelesen, well eine griechische SchiffsgesellBchaft ihre blinden Passagiere, Spanier und Italien«’»-, derart beseitigt habe.» europa hinaus eine Attraktion ersten Ranges bedeuten werden. Seit Monaten herrschte in allen Teilen Europas für die Teilnahme an den Makkabi-Festspielen größtes Interesse. Die verschiedenen Makkabi-Organisationen in Europa und Palästina schickten Ihre Vertreter nach Prag. Bulgarien und Oesterreich, die Tschechoslowakei und Polen, Ungarn und Palästina, Deutschland und Frankreich, England und Holland, Belgien und Rumänien, Jugoslawien und Danzig, Litauen, Lettland und Finnland sind durch starke Oruppen vertreten. Aus dem englischen inselrcich, dem klassischen Lande des Sportes, kam eine Delegation, die 35 Mitglieder für Tennis, Leichtathletik, Boxen und Fechten umfaßt, nach Prag. Die Tschechoslowakei bringt ihre berühmten H a g I* bor-Schwimmer an den Start und der führende Mflkkabikreis im Turnen, der in der nationalen Turnbewegung der tschechoslowakischen Republik, der Sokolhewegung, sein Vorbild hat, dürfte wohl die ersten Plätze in dieser Disziplin besetzen. Die besten öater reich Ischen Schwimmer, die Wiener Hakoahner Fräulein Fritzi Löwy, Frau Wertheimer sowie die Herren G u t h und andere klangvolle Namen des österreichischen Schwimmsports gehen an den Start. Eine starke Mannschaft für die Leichtathletikkämpfe entsandten die Franzosen. Aus Lettland kam eine Plng- Pong-Mannschaft, die in diesem Jahre die Landesmeisterschaften ohne Punkte gewonnen hat. Mit ihr traf auch einer der besten Tennisspieler des Baltikums, Krön, ein. Eine überaus starke Delegation kommt aus Palästina, die besonders im Schwimmen eine Reihe hervorragendster Vertreter umfaßt, unter anderem eine Anzahl ehemaliger Wiener Hakoah-Meisterschwimmer, wie Haftel usw. Die Makkabi-Kampfspiele in Prag umfassen alle Disziplinen des modernen Sports. In Leichtathletik und Turnen, in Fußball und Handball, Rugby und Hockey, in Tennis, Ringen und Schwimmen werden die besten jüdischen Sportler der Weit in diesen Tagen ihre Kräfte messen. Prag hat trotz der Kürze der Zeit, die den Veranstaltern zur Verfügung stand, alle Vorbereitungen getroffen, die für die reibungslose Durchführung der Spiele in der Hauptstadt der tschechoslowakischen Republik notwendig sind. * Zähigkeit, Energie und grenzenloser Idealismus war notwendig, um unter den heute in aller Not herrschenden würgenden wirtschaftlichen Verhältnissen die Idee der Makkabi-Festspiele zu realisieren. Wie bei der ersten Makkabiade im Jahre 1932 Ist trotz der Fülle von Sportdarbietungen und trotz der hohen Klasse der individuellen Leistungen ein jüdisches Weltsportfest nicht ausschließlich nach sportlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Vielmehr wird hier die heute so populäre Sportidee für ein hehres Ziel, für die Idee friedlicher Arbejt par excellence propagandistisch nutzbar gemacht. Der Veranstaltung der ersten Makkabiade in Palästina lag vielmehr ein großer erzieherischer Wert zugrunde. Die Makkabiade von Tel-Awiw wurde eine mächtige national-politische Demonstration für die friedlichen Ziele des jüdischen Erneuerungsgedamkens und des Aufbauwillens seiner altneuen Heimat für das jüdische Volk in Palästina. Demselben Ziele dienen auch letzten Endes mit der dem Sport innewohnenden völkerversöhnenden Idee die Makkabi-Kampfspiele vom 23. bis 27. August ln Prag. Lord Melchett kommt nach Wien Lord Melchett, der als Präsident des Makkabi-Weltve bände» jetzt bei der Makkabiade in Prag weHt, beabsichtig*, nach Schluß dieser Veranstaltung eine Inspizierung der Wiener Sportvereine, soweit sie dem Makkübi-Weltvcrband angeschlossen sind, vonzunehmen. Der vornehme Gast, der Während ich Pioni noch Mu. zusprach, wurde er vom «Purser» (Zahlmeister) der «Patris» einer ägyptischen Patrouille, bestehend aus einem Polizeioffizier und zwei Mann, übergeben und zum Verhör in eine Kabine abgeführt. Ich und auch gleich eine Schar Jüdischer Passagiere, die aufmerksam geworden war, als Schutztrupp hintei drein. Als sich die Kabinentür wieder auftat, drückten sich die Schergen beider Staaten kordial die Hand und der in makelloses Weiß gekleidete Aegypter sagte, halb zum Häftling gewandt, in gebrochenem Deutsch: «Und jetzt schicken wir Sie zu Hitlerl» Der hellenische Kollege fand den Witz köstlich; doch Pioni meinte bitter: „Bei dem war ich schon und bekam meine Schläge ab!» Wie mir der Arme Bpäter erzählte, sei er nämlich auf der Durchfahrt in eine Berliner Oaststube geraten, von Nazis als Jude erkannt und verprügelt worden, bis ihn die telephonisch herbeigehoite Polizei in Schutzhaft nahm, Pioni wurde nunmehr von den Aegyptern quer über das Schiff eskortiert, so daß das internationale Publikum herbeilief, um den vermeintlichen Schwerverbrecher anzugaffen, und neuerdings in eine Kabine gesperrt. Er weihte dabei wie ein Kind. Ate man ihn vor der Weiterfahrt auf unsere Bitten au«Heß, begann wieder Hellas seine Souveränität zu bekunden, indem man Pioni längs des Decks zurückdefllJefen ließ und ihm zu guter Letzt feierlich Handschellen anlegtc. Nein, der Wahrheit die Ehre, der Grieche ließ es großmütig bei einer Handschelle als symbolischen Akt bewenden! Und ließ sich wirklich nichts für dieses Opfer britischer Palästina-Politik tun? Doch, man versuchte einiges. Bin ägyptischer Journalist, Nichtjude, dessen Namen Ehre gebührt und Anonymität gesichert bleibe, hatte beim Landen in Haifa die aufregende Szene, wie Juden ln ihr Nationalheim einziehen, miterlebt; er versprach Pioni, alch bei seinen heimischen Behörden »u verwenden, daß man ihn ln Aetyft»