Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 296 (24.8.1933)
- Date
- 1933-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 290 — 24. Aagu«i 1033 OVB STIMME SeffeS Die zweite Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten eröffnet Appell an den VSlkertrand und an Kn«lantf um finanziell* Hilfe zur Verwirklichung das Mandats and zur Verhütung einer wirtschaftlichen Katastrophe gefährdeter Teile der Judenheit. - Forderung nach Uebergebe von Staatsländerelen für ffidische Kolonisationszweche und Aufhebung dar Einwanderungsbeschränhungen Am 19. August, 8 Uhr abends, wurde im Grftgrsaal des Prager Repräsentationshauses die zweite Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten feierlich eröffnet. Der Präsident des Weltverbandes, Dr. I. Schwarzbart-Krakau, begrüßte die Erschienenen. Nach hebräischen BegrUßungsworten Dr. Mossinsons hielt Dr. Schwarzbart in jiddischer Sprache einen Nachruf auf Dr. ChaimArlos o r o f f. Die Konferenz ehrte das Andenken des toten Führers durch zwei Minuten langes Schweigen. Es folgte die Wahl des Präsidiums, das sich aus den Delegierten Ab Goldberg (Amerika), Miß Grinberg (Hadassah), Dr. Mossinson (Palästina), Rabbi Goldbloom (London), Dr. Rufeisen (Tschechoslowakei), Dr. Schmorak (Galizien) und Suprasky (Palästina) zusammensetzt. Dr. Schwarzbart erstattete den Bericht der Leitung und entwickelte das politische und sozlalwirtscbafttlche Programm der Allgemeinen Zionisten. Er erklärte u. aM der internationale Charakter der Judenfrage und die unbedingte Notwendigkeit ihrer Lösung durch Konzentration und Organisierung eines möglichst großen Teiles des jüdischen Volkes hätten sich heute den Juden und allen Nationen der Welt eindringlicher als jemals im Verlauf der neuzeitlichen Periode der jüdischen Geschichte offenbart. Die Ergebnisse der bisherigen Arbeit in Erez Israel hätten nicht nur die Möglichkeit rascher Verwirklichung des Zionismus gezeigt, sondern auch den Beweis erbracht, daß das ganze Land zum Wohle aller seiner Einwohner mit Hilfe jüdischer Arbeit, jüdischen Kapitals und jüdischer Aufopferung entwickelt werden könne. Die politischen Grundsätze und Forderungen des Weltverbandes formulierte Dr. Schwarzbart folgendermaßen: Treu dem Basler Programm vom Jahre 1897 erstrebt und fordert unser Weltverband die Verwirklichung eines unbedingten uhd uneingeschränkten Zionismus. Eine realistische, zielbewußte und erzieherische Politik soll uns zur Verwirklichung unseres historischen Ideals führen. Die Politik unserer Bewegung gegenüber der Mandatarmacht und dem Völkerbund hat unsere Rechte aus der Balfour-Deklaration und dem Mandat würdig und entschieden zu verteidigen und eine Kooperation mit der Mandatarmacht ahzustreben, welche die vofle Verwirklichung dieser Rechte sichert. Wir fordern vom Völkerbund und der Mandatarmacht: sofortige und systematische finanzielle Hilfe zur Verwirklichung des Mandates und zur Abwendung der gefährdeten Teile der Judenheit drohenden wirtschaftlichen Katastrophe; Uebergabe von Staatsländereien in Erez Israel für Zwecke der jüdischen Kolonisation, Aufhebung der Immigrationseinschrähkungen und Uebertragung der im Einklang mit den jeweiligen wirtschaftlichen Möglichkeiten durchzuführenden Immigrationskontrolle des Landes an die Exekutive der Jewish Agency; Erleichterung der jüdischen Kolonisation und wirtschaftlichen Arbeit in Transjordanien. Die Politik gegenüber den Arabern soll sowohl die notwendigen Lebeftis- und Entwicklungsbedingungen des Zionismus und die Wiederherstellung unserer historischen Heimat sichern als auch konkrete Verständigung mit den Arabern würdig und im Einklang mit diesen Lebensinteressen unserer Bewegung suchen. Der Ausbau einer gerechten lokalen Selbstverwaltung soll wohl gefördert werden, jedoch lehnen wir die E.'iführung einer autonomen, zentralen, gesetzgeberischen Körperschaft derzeit ab. In sozialwirtschaftlicher Hinsicht stellte Doktor Schwarzbart den Grundsatz auf, daß der Aufbau Palästinas unbeirrt von sozialistischen oder kapitalistischen Klassentheorien im Geiste des sozialen Fortschrittes und der sozialen Gerechtigkeit erfolgen soll. Nationalem und privatem Kapital seien in Palästina gleichmäßig konstruktive Aufgaben zuzuweisen. Eine jährliche großzügige nationale Sammlung soll die Mittel zur Sicherung einer Bodenreserve für weitere Kolonisation beschaffen. In der palästinensischen Landwirtschaft habe an die Stelle einseitiger Kultur gemischte Wirtschaft zu treten. Im gegenseitigen Verhältnis von Arbeit und Kapital müsse der Primat der gesamtnationalen Interessen gelten. Demgemäß treten die Allgemeinen Zionisten für das obligatorische schiedsgerichtliche Verfahren in Arbeitsfragen ein. Sie fordern ferner eine soziale Gesetzgebung und Beseitigung der das freie Verfügungsrecht des PrivateigentUmers beschränkenden Gesetze unter plelchzeitigen Maßnahmen gegen Bodenspekulation. Im Anschluß an diese Ausführungen behandelte Dr. Schwarzbart technische Probleme der Zertifikate-Verfettung und der Hachscharah, finanzielle Aufgaben, wobei er die Notwendigkeit, neuerlich die Forderung nach einer durch den Völkerbund garantierten Kolonisationsanleihe zu erheben, unterstrich und für die Aufnahme einer innerjüdischen Anleihe seitens der zionistischen Exekutive eintrat, sowie organisatorische Probleme, darunter die Forderung nach Reorganisierung der erweiterten Jewish Agency unter Berücksichtigung der bisherigen Leistungen ihres nichtzionistischen Teiles. Nach einem Referat des Delegierten Rottenstreich wurde die Debatte eröffnet. Am zweiten Konferenztage referierten die Mitglieder der Zionistischen Exekutive, Prof. Brodetsky und Emanuel Neuman, über die gegenwärtige Situation in der Bewegung und in Palästina, ferner wurde eine Reihe von Referaten gehalten, die die Stellung des Weitverbandes zu den Kongreßfragen behandelten. Es sprachen Dr. Mossinson über die Politik des Allgemeinen Zionismus, mit dn mzl& SaMiffn dft Lloyd Trlestino Abfahrten lade* Mittwoch um 13 Uhr Fonort t ’ WSehontlUtae ExpreBllato noch Istanbnl wSchootUetio Loxasetlllnie noch Alexoarwelmal monatlich LnxttselUlnie nach monatliche ExpreBllnte nach Ceylon, Slngapore, Shanghai; Postllnlen nach der Levante, Schwarze« Meer, Indien, China, Japan iiMiiii:llirlTii«ltn.Vin!,Menlii9iTBi.g-47-s-N Dr. Schmorak über gegenwärtige wirtschaftliche Aufgaben, Dr. Rufeisen über die Rolle von Arbeit und Kapital im Palästina-Aufbau, Dr. Moritz Rottenberg über die Finanzen der Organisation, Bogretschoff über das Kulturpfoblem und Dr. Oskar Grünbaum über Fragen der Organisation und der Zionistischen Exekutive. ProfwMor Dr. S. Brodefiky Polnisches Referat auf dem Kongreß Wir stehen am Ende einer neuen Periode ki dem Entwicklungsprozeß, der mit den Unruhen vom Jahre 1929 einsetzte. Bodenkauf, Einwanderung und viele andere Probleme unserer Palästina-Arbeit stoßen auf ernste Schwierigkeiten, und dieser Kongreß tagt im Schatten einer Anzahl von Beschlüssen oder Projekten der Regierung, die uns Grund für tiefe Besorgnis geben. Da ist z. B. die Bodenfrage, das wichtigste praktische Problem, mit dem wir uns während der letzten zwei Jahre zu beschäftigen hatten. Gleich nach dem letzten Kongreß war der Versuch gemacht worden, eine Gesetzgebung einzuführen, die jede Bodentransaktion, welcher Art oder Bedeutung auch inttner, einer kontrölfe unterstellt hätte. Der Regierungswechsel ,in England, der an sich diese Gefahr nicht abgewendet hätte, gab uns Gelegenheit, wirksam einzugreifen und die Gefahr wurde, mindestens zeitweilig, vermieden. In der Zwischenzeit wurde Mr. French zum Director of Development ernannt; er führte seine Untersuchung durch, nach einigen Monaten wurden seine Berichte uns und den Arabern vorgelegt; und vor einem Monat erfolgte die Veröffentlichung der Berichte und die Entscheidung der Regierung. Ich will hier nicht wieder auf die Unrichtigkeit der Behauptung von der Verdrängung von Arabern durch jüdische Ansiediung sprechen. Die von der Regierung selbst erwähnten Zahlen zeigen, wie unsinnig und übelwollend die Verleumdung war, mit der man uns vier Jahre lang verfolgte und die auf diese Behauptung gegründet war. Ich will nichts gegen die Wiederansieditmg von dislozierten Arabern mit öffentlichen Geldern sagen. In Palästina befinden sich aber Hunderte von jüdischen Siedlern, deren Arbeit unter Bedingungen getan wferden muß, die mindestens an Schwierigkeit den Verhältnissen einer großen Anzahl armer FeHahin gleichkommt. Sie brauchen die H i 1 f e der Regierung genau in demselben Maße, wie andere Einwohner Palästinas. Es ist meine ernstliche Hoffnung, daß die Regierung in bezug auf Bodenpolitik nicht den fatalen Grundsatz gelten lassen wird, der bei früheren Gelegenheiten für andere Ausgaben zur Anwendung gelangte, nämlich daß es Sache der Regierung sei, für die Araber zu sorgen, weil doch die Juden für sich selbst sorgen können. Wir haben die Forderung aufgestellt, daß landwirtschaftliche Tätigkeit seitens der Regierung auf dem Grundsatz der Gleichheit von Juden und Arabern aufgebaut werden soll. Es wird uns nun mitgeteilt, daß das Gleichheitsprinzip von der Regierung nicht angenommen wird. Und sagen wir, daß öffentliche Gelder, zu denen die Juden mindestens 50 Prozent beisteuern, so ausgegeben werden müssen, daß die jüdische Landwirtschaft entsprechende Vorteile genießt, so antwortet man uns, daß die Beisteuerung zum Einkommen des Staates mit der Verwendung der öffentlichen Mittel nichts zu tun habe. Es ist wahr, daß die Leistung des Steuerzahlers normalerweise auf seiner Zahlungsfähigkeit, sein Anteil an Vorteilen aus öffentlichen Geldern aber auf seinen Bedürfnissen basiert Wir möchten aber die Gewißheit haben, daß die Regierung der Befürfnisse aller Teile der Bevölkerung eingedenk ist. Leider hat die Regierung in der Vergangenheit bei der Formulierung ihrer Politik nicht die Bedürfnisse aller Bevölkerung« teile berücksichtigt, wie das am Beispiel des Erziehungs- und des Gesundheitswesens klar ersichtlich ist. Wenn die Regierung einem Teil der Bevölkerung Palästinas bevorzugte Behandlung in bezug auf Landwirtschaft angedeiheo lassen will, dann können wir — bei altem Mitgefühl für die Araber, denen wir Juden durch unsere Tätigkeit in Palästina mindestens soviel geholfen haben als irgend ein anderer Faktor — nicht umhin zu sagen, daß die Regierung dadurch dem jüdischen Steuerzahler ein Unrecht zufügen würde. Dasselbe gilt für die restlichen 1,750.000 Pfund Sterling der geplanten Anleihe. Wir müssen für die Juden Vorteile fordern, die dem jüdischen Anteil am Anleihedienst und den Verpflichtungen der Regierung gegenüber dem wichtigsten Zweck des Mandates, dem Jüdischen Nationalheim, entsprechen. Unsere Besorgnis ist aber noch größer mit bezug auf die geplanten neuerlichen Beschränkungen der Bodenübertragungen. Solche Beschränkungen sind durchaus ungerechtfertigt. Wie ging die Dislozierung der Araber vor sich? Die Abwanderung der ländlichen Bevölkerung in die Stadt und Umgekehrt ist schließlich eine Erscheinung im Leben ,eines jeden Gemeinwesens; und wo das Prinzip der Entschädigung überhaupt anerkannt wird, wird es kaum in so großzügiger Weise angewendet, wie die Entschädigungen, die wir den durch unsere Siedlungstätigkeit betroffenen Arabern gezahlt haben. Wir geben ihnen nicht nur Geld: einer großen Anzahl von ihnen haben Wir durch unsere Hilfe ermöglicht, ihren Bodenbesitz zu ameliorieren; neue arabische Dörfer sind entstanden als das Ergebnis unserer Fürsorge für diejenigen, die durch unsere Tätigkeit betroffen sind. Und wenn es noch Araber gibt, die auf besondere Berücksichtigung und die väterliche Fürsorge der Regierung Anspruch haben, so sollte man doch gewiß nioht neue Schwierigkeiten der Arbeit der Juden machen, die bei der Behandlung solcher Fälle besonders feinfühlig vorgegangen sind und den Arabern und dem ganzen Lande große Vorteile haben angedeihen lassen. Die neue Gesetzgebung liegt im Entwurf vor und soll am 29. August mit Rückwirkung ab 29. Juli in Kraft treten. Wir haben eine Verlängerung verlangt, um unsere Bemerkungen unterbreiten zu können, und hoffen, daß die Regierung von Aenderungen absehen wird, die uns den Bodenkauf ungeheuer erschweren und den bereits bestehenden übermäßigen Schwierigkeiten und Komplikationen neue hinzufügen würden. Wenn die Erklärung des Kolonialministers bedeutet, daß die Regierung die übrigen Empfehlungen von Mr. French nioht akzeptiert und daß die Gefahr einer allgemeinen Kontrolle aller BodenUbertragungen jetzt endgültig als beseitigt anzusehen ist, dann kann man bestimmte ernste Gefahren als abgewendet betrachten. Während der Berichtszeit war das zweite große Problem das der Einwanderung. Sowohl m bezug auf die Arbeitereinwanderung wie auf die Einwanderung von Juden mit Kapital, insbesondere kleineren Kapitalien, muß die Politik der Regierung von Grund auf revidiert werden. Es ist die Pflicht der Mandatarmacht, jüdische Einwanderung nach Palästina zu e rmutigen, und wir haben ein Recht, zu erwarten, daß diese Ermutigung offenkundiger werden soll, als sie es bisher war. Selbst das Argument, das sich auf die Behauptung einer sogenannten jüdischen «illegalen» Einwanderung nach Palästina stützt, wird weit aufgewogen dadurch, daß Tausende von Arabern aus den Nachbarländern ohne jegliche Kontrolle ins Land kommen; sie brauchen nicht illegal einzuwandern, weil es für sie keine legale Beschränkung gibt. Wenn der Boden und die Menschen, die beiden Haupt-