Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 295 (18.8.1933)
- Date
- 1933-08-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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'Sette * Die stmiffi fe 295 — Tg. Äpgurf 19» Jtitler-fieü in Cestetreidkl Nicht von dem außenpolitischen Erfolg des deutschen Reichskanzlers Ober Oesterreich, das einst sein Vaterland gewesen ist, aber jetzt von seinem Haß verfolgt wird, soll hier die Rede sein. Man kennt ja aus den Tageszeitungen zur Genüge die Tragikomödie der Viermächte-Intervention zugunsten Oesterreichs, die den Anschein erweckte, als ob Herrn Hitler der Kopf gewaschen werden sollte, während in Wahrheit nichts anderes gewaschen wurde als der sprichwörtliche Pelz, der dabei nicht naß werden durfte und es auch dank der diplomatischen Geschicklichkeit der Beteiligten wirklich nicht geworden ist . . . Man weiß auch, daß der aus Oesterreich abgeschaffte, seine Wut hierüber im Münchener Radiosender abreagierende «Landesinspekteur» Habicht seine kulturpolitische Mission auch weiterhin erfüllen darf, nämlich jene germanisch-völkische Mission, die in der Kopierung des jüdischen Witzblatt-Hausierers besteht, der bei der einen Tür hinausgeworfen, unbeirrt bei der anderen wieder hereinkommt. Herr Habicht kommt natürlich nicht «als a Ganzer» wieder nach Oesterreich, aber er beglückt uns mit dem jedenfalls markantesten und ausgebildetsten Bestandteil seiner Persönlichkeit: mit dem Maule, dessen Koselaute auf des Radios und der Liebe Wellen vom sichern Port des Dritten Reiches her die österreichischen Hörer überrumpeln. (Jeber all das sind die breitesten Bevölkerungsschichten längst richtig im Bilde und haben darauf, je nach dem Temperament des einzelnen, mit Lachen oder Aerger reagiert. Weniger beachtet und doch ungleich wichtiger sind die innerpolitischen Erfolge, die Herrn Hitler, lediglich auf Grund seines suggestiven Vorbilds, in Oesterreich winken. Einzelne Symptome dieser für den Braunauer Osaf schmeichelhaften Entwicklung der Dinge in Oesterreich haben wir bereits ausführlich besprochen: die vom niederösterreichischen «Bauernbündler» erhobene Forderung nach einem numerus clausus für Juden in allen Berufen und die praktische Durchführung dieser Forderung beim ärztlichen Nachwuchs. Inzwischen sind wir auch schon in die Lage versetzt worden, von den Symptomen auf die Krankheit schließen zu können, die sich da vorbereitet und den Organismus des österreichischen Staates zu vergiften droht. Zum Glück liegt noch keine offizielle Regierungserklärung vor, die durch das Gesetz vor unliebsamer Kritik geschützt wäre, sondern nur Aeußerungen gewesener Minister. Auch diese gehen über versteckte Andeutungen dessen, was bei der in Angriff genommenen Aenderung der österreichischen Verfassung geplant ist, nicht hinaus. Aber — sapienti satis. Schon der Umstand macht stutzig, daß das, was Herrn Dr. Schmitz zu einer beredsamen Anpreisung der höchsten Staatsautorität aneifert, von Herrn Dr. Mataja als ein Zeichen der Freiheit, die der Oesterreicher igi Gegensätze zum Reichsdeutschen genießt, aufgefaßt wird. Was mag das für eine seltsame Freiheit sein, deren Genuß die intensivste Steigerung der Staatsautorität zur Voraussetzung hatl Deutlichere Vorstellungen als die in der «Reichspost» kurz hintereinander erschienenen Leitartikel der beiden christlichsozialen Minister a. D. vermittelt ein redaktioneller Aufsatz des genannten Blattes, der als Errungenschaft der Verfassungsänderung den «christlichen Staat» preist. Wer bedroht das Christentum in Oesterreich? Die Nationalsozialisten haben in der letzten Zeit katholische Geistliche beschimpft, Kirchen geschändet und die Bühne der Erler Passionsspiele niedergebrannt. Eine Sicherung vor solchen Beleidigungen der katholischen Gefühlswelt wäre durchaus begreiflich. Leider müssen wir aber aus der Erfahrung die Sorge schöpfen, daß die Maßregeln zum Schutze des Christentums sich nicht bloß gegen die Bübereien der Hakenkreuzler, sondern auch gegen die — Gleichberechtigung der Palästina ■ Reisen von S 235.— aufwärts ab Wien, inklusive aller I ransitvisa, D-Zug, Hotel, Kabinenbett, Ein- und Ausbootungsgebühren veranstaltet n u r die «PAG», Wien, 111, Landstraßer Gürtel 9. II. Klasse Schiffsplatz S 390.— 10. Gruppenreise ab Wien am 27. August 1933, dann alle 4 Wochen. Die Rücktahrt kann wöchentlich innerhalb von 90 Tagen als Einzelreise angetreten werden. Rascheste und billigste Verbindung mit Palästina. Nur 4 Tage Fahrt ab Wienl Beste Referenzen. Visabeschaffung für in Oesterreich wohnhafte Personen! 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Denn sie hat viele Rassejuden wieder reuig in den Schoß der jüdischen Gemeinde zurückgeführt, der sie einst, in der Hoffnung, ihre Abstammung durch die Taufe tarnen zu können, untreu geworden waren. Diese Untreue wird aber wesentlich gefördert, wenn bei gleichzeitiger Ablehnung des Rassenstandpunktes die konfessionelle Unduldsamkeit zum Prinzip erhoben wird. In dieser Beziehung geht die «Reichspost» ganz methodisch vor. Es ist nur ein scheinbarer Widerspruch, wenn das Blatt in einer und derselben Nummer auf Seite 1 mit dem «Mythus der Rasse» aufräumt und auf Seite 7 gegen die Verjudung des Aerztestandes wettert. Denn die Ablehnung des rassischen Nationalismus begründet es: «Nur die Befähigung aller Menschen zu gleicher Gottserkenntnis und Gottesverehrung macht die Kirche als Heilanstalt für das ganze Menschengeschlecht sinnvoll.» Das heißt, daß die Bekämpfung der Rassenhetze durch die Kirche nur den Zweck hat, den Juden die Taufe nicht zu verleiden. Im Schoße des Katholizismus winkt dein Juden die Gleichberechtigung mit den andersrassigen Christen. Und damit ihm diese auf Seite 1 vermittelte Erkenntnis zur Verlockung wird, droht man ihm auf Seite 7 mit dem Höherhängen des Brotkorbes. Das ist natürlich kein «materieller Aspekt», wie er dem Nationalsozialismus tadelnd angekreidet wird! Wenn die im Gange befindliche Verfassungsänderung dieser «Reichspost»-Taktik entgegenkommt, winken dem Judentum in Oesterreich die größten Gefahren: Bestrafung der Glaubenstreue und Belohnung des Abfalls . . . Allerdings wird diese Belohnung nur eine scheinbare sein. Denn wenn die Hetze gegen die jüdischen Aerzte ihre Früchte erntet, dann wird sich das künstlich gezüchtete Mißtrauen der Kranken nicht durch den Taufschein beschwichtigen lassen, den sie ja nicht zu Gesicht bekommen. Die Verhetzten werden sich vielmehr an die sichtbaren Rassenkennzeichen der Aerzte halten und dann wird mancher Abtrünnige erkennen, daß kein Unterschied ist zwischen einem Erfolg der katholischen Judenmission und einem regelrechten Hitlersiege ... Dr. Hugo S p i e g 1 e r. Enthüllung einer Gedenktafel für jüdische Kriegsgefallene Sonntag, den 27. August 1933, um 9 Uhr 30 vormittags, wird im Tempel, XI., Braunhubergasse, eine vom Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs (B. O. G. XI) gewidmete Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Kriegsteilnehmer des XI. Wiener Gemeindebezirkes feierlich enthüllt. Der Eintritt in den Tempel zu der Gedenkfeier erfolgt gegen Eintrittskarten, welche bei Herrn Heinrich Langer, XL, Simmeringer Hauptstraße 113, Telephon U 12-9-43, um! in der Bundeskanzlei, II., Aspernbrückenstraße 2, Telephon R 44-5-81, erhältlich sind. Jiu» Jlaxi-2)eutstfiiland Der Berliner Rechtsanwalt Dr. Erwin Rosenberg wurde von einem S. A.-Trupp aus einem Verhandlungssaal herausgeholt und venschleppt. Am Abend wurde er, fürchterlich zugerichtet, bewußtlos aufgefunden. *0* In Nassau, wo bisher leidliche Verhältnisse herrschten, inszenierten die Nazi einen Auflauf. Jüdische Häuser wurden überfallen und verwüstet, jüdische Läden geplündert. Ü0Ü In Mannheim ließ kürzlich ein jüdischer Möbelhändler ein Möbelstück durch einen Arbeiter transportieren und bezahlte dem Arbeiter hiefür 5. Mark. Der letztere nahm sich einen Helfer auf, dem der Jude, ohne hiezu verpflichtet zu sein, 2 Mark zahlte. Dieser Hilfsarbeiter war mit den 2 Mark nicht zufrieden, erschien mit einem S. A- Trupp hn Geschäfte des Juden und der Jude wurde geprügelt. Eis wurden ihm die Kleider zerrissen. Dann hängte man ihm ein Plakat mit der Inschrift um: «Ich bin ein Jude und ein Schwindler». In diesem Aufzug wurde er durch die Straßen geführt. Weit über 6000 Aerzte bestätigen die hervorragende schmerzstillende und heilende Wirkung des Togal bei rheumatischen und gichtischen Beschwerden aöer Art. Auch bei Erkältungskrankheiten sind Togal-Tabletten altbewährt. Die Wirkung tritt unmittelbar ein. Togal ist in jeder Apotheke zu haben. Bedeutende Fa&rpreisermäOignngeii zur Wiener Messe vom 3. bis 10. September (Jabflättm* messe) auf den österreichischen und mi ausländischen Bahnen, auf Schiffahrt* llnien und im Luftverkehr. Visumfreie Durchreise durch die TschechoslowakeL MR Messeausweis und Reisepaß freier Grenzfibertritt nach Oesterreich. Messeausweise bei den Vertretung»- und Au* knnftssteUen der Wiener Messe in allen größereg Städten der Wdt und bei der Wiener Messe-A. G^ Wien, VII., Messeplatz, erhältlich. JUDEN! Jeder neue jüdische Einwanderer nach Palästina festigt unsere Stellung im Lande. Jeder neue jüdische Einwanderer ist ein Schritt zum jüdischen Nationalheim. Jeder neue Ein wanderer ist ein Schritt zur Beseitigung der fürcherllchea Jadennot. Juden! Das bestehende System der Zertifikate, dis Drosselung der jüdischen Einwanderung nach Palästina, erfordern an sich schon die Anspannung der größten Energien im Kampfe um die Judaisierung Palästinas. Ihr fordert mit Recht Freiheit der Einwanderung. Aber wenn Ihr es tut, müßt Ihr es ruhigen Gewissens tun. Wenn Ihr vor die Welt hintretet und Unterstützung eurer Forderung begehrt, wenn Ihr an das Gewissen der Welt appelliert, zur Lösung der Judenfrage beizutragen, wenn Ihr von England die Beseitigung der drosselnden Maßnahmen, aktive Förderung der Schaffung des jüdischen Nationalheimes fordert, dürft Ihr es nur tun, wenn Ihr eure eigene Pflicht erfüllt. Für die gegenwärtige AUjah standen in Oesterreich Zertifikate bloß in einer solchen Anzahl zur Verfügung, daß kaum ein Zwanzigstel der Bewerber befriedigt werden konnte. Hunderte sehen also ihren sehnlichsten Wunsch, nach Palästina zu kommen, unerfüllt, seine Erfüllung aufgeschoben, wenn nicht gar vereitelt. Aber die Einwanderung der wenigen Bewerber, die Zertifikate erhalten haben — es sind ihrer kaum 50 — stößt auf die größten Schwierigkeiten, weil ihre finanzeile Ausrüstung nk'ht einmal hinreicht, um die Fahrtspesen zu de *:en. Juden! Wollt Ihr euch, wollt Ihr das iftd'sche Volk Hem berechtigten Vorwurf aussetzen, daß Ihr drie primitivste Verpflichtung zur Finanzierung der Ueberwanderung der Mittellosen auße» acht lasset? Ermöglicht ihre Einwanderung nach Palästina! Stärkt den Einwanderungsfonds, spendet reichlich für den Keren AHjah? Palästinaamt Wien: Dr. Alois Rothenberg Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich: Dr, Oskar Grünbaum Poale Zion-Hitachduth: : Mendel Singer Misrachi, österreichischer Landesverband: Rabbiner Friedmann Union der Zionisten Revisionisten: Oberbaurat Ing. Robert Stricker W. I. Z. O.: Sofie Löwenherz Verband radikaler Zionisten: Dr. Leopold Plaschkes JÜDISCHE ELTERN! Kauft Schulbücher (auch anliq iaiische) füi Eure Kn de *r> t'er JUd. Buchhandlung Hen^TUJHNIJ Wien, II., Grolle Stadtgutgasse 7 (Ecke faboistraße 52) LEIH BIBLIOTHEK s Alle Neuerscheinungen erhältlich. 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren! Pür Anflagen Telephon R 41-4-20 KAIF von Boden, Anlage mul Verwaltung von Orangengärten und sonstige landwirtschaftliche Facharbeiten übernimmt Agraringenieur, Wiener, seit längerer Zeit in Palästina ansässig, mit den dortigen Verhältnissen vertraut. Anfragen direkt an Ing. Fritz Flaschner in Petach Tikwah, Palestme, oder an Gisa Flaschner in Wien, VH., Siebenstemgasse 1. Tel. B 38-0-42. Erste Referenzen in Wien werden geboten. NUR KARLSBADER WASSERZWIEBACK MARKE SPRUDEL GOLD VON UHL'BREUNIG KARLSBAD-WIEN Besuchet das schöne Oesterreich!