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Die Stimme · 1933-08-18 · Heft 295 (18.8.1933) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 295 (18.8.1933)
Date
1933-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette Ö DIB STIMME Nr. 295 — 18. August 1933 Per XVHI. Zionistenkongreft and der jüdische Mittelstand Von Dr• A» Sohn$Ort6r§ Präsident der Zion. Bezirksorganisation füf den 2. Bezirk Von Medizinalrat Dr• Isidor Schallt Palästina entsendet 50 Delegierte zum Zionistenkonureß GarMlaeluinlallM «Stadtzentrum» zu vergeben. Anmeldungen unter Chiffre «8. P, 1 WS» an die Admiti. der «Stimme», L, Klmtnei^ Straße 28. FGUe vorhanden wären. Diese Intellektuellen des jüdischen Mittelstandes haben dennoch eine an die Führer der Organisation unterbreitete Bitte; Stellet wenigstens Lehrkanzeln und Betätigungsstätten am Skopusberge den Trägern von jüdischen Namen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete zur Verfügung, die als jüdische Oelehrte und Professoren Mehrer des geistigen Reichtums des Volkes bedeuten. Dieser Zustrom von Lehrern würde einen Zustrom von Schülern und Touristen, das Aufblühen des jüdischen wissenschaftlichen Buches, die Prosperität des Verlag»* wesens, das geistige Gedeihen des Skopusberges zur Folge haben, indem bedeutende Fachleute dem Aufbau des Landes Richtung geben werden. bleiben.* Es waren die Tage der Massakers In Kischinew und der neuen Pogromwelle, die ganz Rußland durchflutete. Aber auch die Tage, in denen wir heute leben, sind voll Bitternis. Die Lage der Juden in Deutschland ist trostlos, die Not der Juden ln Polen wächst von Stunde zu Stunde, die ganze Welt liegt in Fieberschauern und niemand weiß, wann die Weltkrise beendet sein wird. Wir Juden leiden doppelt. Hoffnungslosigkeit, das Stigma unserer Zelt, erfüllt unsere Jugend und brennender Haß züngelt uns überall entgegen. Palästina kann nur ein bestimmtes Kontingent Einwanderer aufnehmen. Die Versuche, in Transjordanien neue Kolonisationsmöglichkeiten zu finden, sind bisher erfolglos geblieben. Ist es da unstatthaft, wenn ich an das kühne El-Arisch-Projekt Herzls erinnere? Vielleicht wird Erez Israel gerade durch EI-Arisch das neue Palästina, das neue Kulturzentrum werden? Palästina war im Altertum der Knotenpunkt aller wirtschaftlichen und kulturellen Interessen, denn die Hauptstraßen des Weltverkehrs trafen hier zusammen. Und die Völker, die Palästina bewohnten, waren die Vermittler zwischen Ost und West, waren die Wegbereiter neuen Verkehns und neuen Handel®, waren die Apostel heuer Sittlichkeit. Palästina kann wieder ein Knotenpunkt großer rtie'nschHchei' Interessen werden. Eine Öelleitung von über tausend Kilometer Länge wird den Irak mit dem Hafen von Haifa verbinden. Eine Eisenbahn von Ei-Arisch bis zum QoÜf von Akaba würde nur zweihundert Kilometer lang sein. Aber durch diese Bahn würde Palästina einen Ausgang zum Roten Meer und damit zum Großen Ozean gewinnen. Palästina mit dem Irak, Palästina mit der Sinai- Halbinsel verbunden, könnte wieder ein wichtiger Knotenpunkt ägyptischer, afrikanischer, persischer und indischer Interessen werden. Neues Land würde menschlicher Kultur und menschlicher Arbeit erschlossen werden. Viele, viele Millionen Menschen, die für die Weltwirtschaft bisher nicht bestehen, würden zu neuen Lebensbedingungen und zu höheren Lebensformen gelangen. Ein ungeheurer Bedarf an Kulturgütern aller Art müßte erstehen. Palästina würde die Umschfagstelle für den neuen Verkehr sein. Palästina könnte das Lagerhaus Europas sein. Aber auch Europa selbst würde gewinnen, sein Handel und seine Industrie würden erstarken, das Gespenst der Arbeitslosigkeit würde verschwinden und das Problem der Uebervölkerung Europas, die wahre Ursache aller Krisen, würde von selbst gelöst sein. nehme ich auf diesem Wege von allen Freunden, Gesinnungsgenossen und ehemaligen Angestellten herzlichsten Abschied. Berlsch Padawer. Bei Sichtung aller vor und nach den Kongreßwahlen bekanntgegebenen parteipolitischen pragfanunatischen Postulate gewinnt man die Meinung, daß alle Parteien in folgenden Belangen einig sind: Alle Parteien verlangen nämlich die Sicherheit des Ji9chuw, die Organisierung der Arbeit für den jüdischen Einwanderer, die Förderung der Privatinitiative, die Masseneinwanderung unter Bedachtnahme auf die Bedürfnisse des Landes und des Volkes, die planmäßige Kolonisierung auf beiden Seiten des Jordan, die Stärkung des Erziehungswesens und der Berufsausbildung, die Erörterung der Judenlage in allen Ländern in einer ernsten und maßvollen Weise unter Hinweis auf das Weltbedürfnis an Palästina für die Juden und die Bildung einer aus den fähigsten und besten Menschen bestehenden Koalitionsexekutive zur Herstellung einer einheitlichen nationalen Wiilenstat Und doch wetterleuchtet es am zionistischen Horizont: Daß die Jewish Agency keine Schritte unternommen hat, um, wie es im Artikel 4 des Mandates heißt, «die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zu helfen», steht außer Streit Der Führer des Volkes in Not hat für seine Stammesbrüder, die in den jüdischen Finanzkreisen vorhandenen politischen Kräfte weder ausgenUtzt, noch sie in den Dienst der Volksidee gestellt. Mit Recht sagt Herzl: «Die armen Juden spüren den Haß, den die Finanzmenrchen erregen; den Nutzen, die Linderung ihrer Leiden, weiche bewirkt werden könnte, haben sie nicht.» — Die im Mandat verankerte jüdische Vertretung muß ihrer Aufgabe durch zeit- und sachgemäße Einstellung und, Arbeit nachkommen. Es ist auffallend, daß die zionistische Exekutive vor der in allen Ländern in ihrer Existenz vernichteten und bedrohten Judenschaft unmittelbar vor dem Kongreß auf den French-Bericht und die einwanderungsbehindernden Verordnungen hinweist und daß zur gleichen Zeit Professor Weizmann die Tore für 250.000 Juden öffnen will. Beim letzten Kongreß stand die Exekutive im Zeichen des Optimismus und Prof. Weizmann in dem des Pessimismus und vor diesem Kongreß sind diesbezüglich die Rollen oder Anschauungen getauscht (lies nicht: getäuscht). Ist das Schicksalsspiel der Führer oder der Geführten? Und doch werden die Vertreter der jüdischen Massen aller Länder in ihrer katastrophalen Verzweiflung sich gläubig an den Plan Weiztnanns klammern und bei der Erörterung der Frage der Aufbringung der 25 Millionen Dollar auch die der unaufschiebbaren Gründung der von Herzl schon begründeten und; in Aussicht gestellten und von allen Parteien verlangten Liquidierungs-Institution zur Sprache bringen müssen, es sei denn, daß sie sich über den Vorwurf der kulposen Außerachtlassung der Gefahr im Verzüge ohne Weit- und Weitblick hinwegsetzen wollen. Durch die Liqu!6ierungs-Institution können die Immobilien und Unternehmungen der auswandernden Juden aller L&r.dei als Sicherstellung der nationalen Aie«he herangezogen werden, und zwar unter Hilfe der Völker, bezw. des Völkerbundes. Der Wahlausgang mit dem Pendelausschlag nach links ist auf den Partikularismus der bürgerlich eingestellten Gruppen, denen die Solidarität der Linken gegenübersteht, möglicherweise auch auf den Umstand, daß im realen Verwirkiichungsstadium des Aufbaues des Landes auch vorher links eingestellte Menschen zum Zionismus gravitieren, sowie auf die Deklassierung und Proletarisierung des jüdischen Mittelstandes zurückzuführen, dem gegenüber die Organisation eine geradezu den Anschein des Desinteressements erweckende Passivität an den Tag legte, Während die Poale Zion offen und ehrlich erklärt, «sie bemühe sich« das deklassierte Klein- und Mittelbürgertom und insbesondere die Jugend in ihre Bewegung zu lenken und die Umschichtung für Palästina zu vollbringen», begnügt sich die Organisation dem Mittelständler gegenüber, der nach Palästina auswandern will, mit der Tatsache, daß er nur dann auf das Heilige Land Anspruch hat, wenn er über entsprechende Geldmittel verfügt. Vergebens wartet eine Armee siedlungswilliger und siedlungstüchtiger Angehöriger des Mittelstandes auf die Möglichkeit der Rückkehr ins Land, um ein Stück Erde famllienwirtschaftiich zu bebauen, in demselben den Eigentumsbegriff nach jüdischem Gesetze zu verankern und als freier produktiver Bauer für den Inlandsbedarf zu arbeiten. Der Mittelständler, der im Interesse der Prosperität der nationalen Produktion für den arbeitenden Menschen den Siebenstundentag und eine Wohlexistenz sichernde Entlohnung verlangt, hat auch ein Recht, sich vor der^zermürbenden Existenzlosigkeit und dem Untergange zu retten. Er erwartet daher die Gründung einer von Politik und klassenmäßiger Einstellung unabhängigen Wirtschaftsinstitution im Jischuw zur Förderung des Aufbauwerkes aller Kreise und Schichten de* Volkes unter Heranziehung der Intellektuellen, der Stiefkinder unseres Volkes, für die einzelnen Ressorts der Volkswirtschaft. Für flcri- und rraucnhellbad TATZMANNSDORF Mlnete'., Moor und natürliche KohtenaSure«Snnidnlb&de* Billiger Penaionspreia inkluBire Üellbider, Auskünfte und Prospekte Klirdlr«ktl0lt I■—Tatimannseorf, lurienlane die jüdischen Intellektuellen, die seit dem Beginn der Bewegung der Partei und dem Volke treu geblieben und nicht materialistisch eingestellt sind, gibt es — wie die Parole von links nach rechts lautet — keinen Platz im Jischuw Einst sagte Herzl im Zusammenhang mit dem Zug des Mittelstandes ins neue Land zu den Intellektuellen, die die Träger der Idee waren, folgendes: «Juristen, Mediziner, Techniker aller Zweige, junge Kaufleute, alle jüdischen Wegsucher, die aus der Bedrängnis ihrer Vaterländer hinaus erwerben gehen, werden sich auf dem hoffnungsvollen Boden versammeln.» Und die gegenwärtigen Führer haben für die Intellektuellen und in dieser Zeit ein bequemes Schlagwort: «Kein Platz», obwohl bei einer planmäßigen Bewirtschaftung für sie Arbeitsgelegenheiten in Hülle und Noch einmal entzündete sich unsere Phantasie, noch einmal schien wieder die Stunde für die Kadimahner und die Studenten geschlagen zu haben und ihnen in einem grandiosen Plan eine bedeutende Aufgabe gesichert zu sein, als Herzl 1902 an »ein El-Arisch-Projekt schritt. In der denkwürdigen Jahreskonferenz des großen Aktionskomitees im Jahre 1902 in Wien mußte Herzl berichten, daß seine Bemühungen, von der Türkei einen Charter zur Kolonisierung Palästinas zu erlangen, endgültig gescheitert seien* «Wir stehen vor einer Mauer, über die wir nicht hinwegkönnen, wir müssen einen neuen Weg suchen-» Herzl wollte ein gewaltiges brachliegendes Gebiet, das Land um Ei-Arisch, auf der Sinai-Halbinsel, durch ein großzügiges Projekt der UntertunneHung des Suezkanals und des Transports des überschüssigen Nilwassers in Ackerland verwandeln. Werden die Juden vor den Toren Palästinas ein großes geschlossenes. Siedlungsgebiet schaffen, werden sie die Wüste in Kulturland verwandeln und in ein neues Kulturzentrum, dann wird eine neue Verbindung zwischen drei Weltteilen gewonnen, aber dann kann ee nur eine Frage der kürzesten Zeit sein, daß Palästina dem jüdischen Volk übergeben werde. Die englische Regierung akzeptierte dieses Projekt, eine Selifgoveming Jewiah Colöny in der Südostecke des Mittelmeeres zu gründen. Minister Joe Cham* berlain machte seine Zustimmung von der des Vize* königs von Aegypten Lord C r o m e r abhängig. Das El- Arisch-Projekt kam nicht zustande. Sir Gasten, der Chefingenieur und Erbauer des Nilsfauwerkes, sprach sich dagegen aus. So lautete die offizielle Version. Heute wissen wir, daß mitötäxische Rücksichten entscheidend waren. Bekanntlich standen im Weltkrieg deutsche und österreichische Truppen bereits am Ostufer des Suezkanals. Sie mußten aber diese Stellung aufgeben, weil sie, die Wüste im Rücken, jeden Tropfen Wasser und das Allernotwendigste auf unmöglichsten Etappenwegen herbeischaffen mußten. Dubnow sagte in seiner Geschichte: «Est steht dahin, wie die Kolonisierung des öden Ei-Arisch im Falle des Übereinkommens der Kontrahenten geendet haben würde, aber die Idee an sich war historisch grandios. Die Ansiedhtng auch nur eines kleinen Teiles der Nachkommen des alten Israel an Orten, die mit der Weltlegende von Sinai verbunden sind, zwischen dem Pbaraonenland und dem gelobten Land an der Grenze Afrika» und Asiens, wäre ein Ereignis von großer historischer Bedeutung gewesen und hätte außerdem auch die Kolonisierung Palästinas selbst erleichtern können.» *«* Das El-Arisch-Projekt kam nicht vor den Kongreß. Die Zustimmung des Kongresses wäre nicht zwölf eihaft gewesen. In jener historischen Sitzung des großen Aktionskomitees wurde Herzl zu rascherem Handeln gedrängt, zumal von den russischen Delegierten. Bernstein- Kohan schrie: «Lieber in die Hölle, als ln Rußland ver- Jerusalem. Die Zentralwahlkommlssion für die Kongreßwahlen in Palästina veröffentlicht das endgültige Wahlresultat. Palästina wird zum 18. Zionistenkongreß 50 Delegierte entsenden, die sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien verteilen: Arbeiterpartei 3 4, Jabotinsky'-Revisionisten 5, Allgemeine Zionisten 4, HapoelHamlsrachi 3, Misrachi, Yemeniten, Radikale und YemenltUche Arbeiterje 1 Delegierter. In Palästina entsenden je 1171 Wähler einen Delegierten, während ln den anderen Ländern auf je 3000 Wähler ein Delegierter entfällt. Von den palästinensischen Schekelzahlern haben 58.564 (90 Prozent) ihre Stimme abgegeben, davon 40.584 für die Arbeitet Liste. Die Wahlkommission stellt in ihrem Bericht fest, daß die Wahlen in vollkommener Ordnung vor sich gegangen sind. Wiener Spenden für das Bezalel- Museum Unser Gesinnungsgenosse Kommerzialrat H. Albe r s hat dem Bezalel-Museum ein B'ld zum Geschenk gemacht. Es ist ein Werk des Wiener akad. Malers Professor K r e s t i n und stellt den Kopf eines orientalischen Juden dar. Professor Krestin, der in Palästina wellt, hat das Bild persönlich dem Museum ttberbracht.

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