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Die Stimme · 1933-08-18 · Heft 295 (18.8.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 295 (18.8.1933)
Date
1933-08-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DTE STIMME Nt. 295— m. August 193fr Ctäanisatton und Ixekutive »ft äs liTül SslMsdiiffn in Biratn Eillinie Von 9r. Cskar 9mnftoum i. Es ist eine traurige Tatsache, daß die Leistungen der Zionisten für die Weltorganisation und die Exekutive oft im umgekehrten Verhältnisse zu den Anforderungen der Zionisten an diese Institutionen stehen. Und es steht weiter fest, daß nur die Allgemeinen Zionisten die Lasten der Organisation tragen. Daß sie dieses privilegiutn odiosum gerne tragen, ändert nichts daran, daß dieser Zustand unerträglich und unmoralisch ist. Unerträglich, weil die Afflgemeinen Zionisten dadurch in der Werbearbeit, dem leider fast in Vergessenheit geratenen wichtigsten zionistischen Postulat gehemmt werden, und unmoralisch, weil die Flügelgruppen zur Erhaltung der Landesverbände zwar nichts beitragen, sie sogar bekämpfen, aber deren Arbeit mit der größten Selbstverständlichkeit für sich in Anspruch nehmen. Diese Uebelstände erfordern eine radikale Ausmerzung durch Beseitigung ihrer psychologischen Ursachen und durch Aenderungen des Statuts. Die psychologischen Ursachen sind sehr einfacher Natur. Weite zionistische Kreise glauben, die Erneuerung des jüdischen Volkes könne in den Bahnen assimilatorischer Politik erfolgen. Dieselben Menschen, die scharf gegen «die Assimilation» zu Felde ziehen, in ihr die größte Gefahr für unser Volk erblicken, assimilieren sich gedankenlos an die politischen Methoden der sie umgebenden Völker. Sie gebärden sich so, als ob der Judenstaat bereits Tatsache geworden wäre. Diese blau-weiße Assimilation, die ihre Auswüchse im Wüten Jabotinskys gegen die Weltorganisation zeitigt, muß bekämpft werden. Es muß endlich die Binsenwahrheit, daß wir ein abnormales Volk unter abnormalen Lebensbedingwngen sind, dahin ausgewertet werden, daß politische Schablonen, an die wir uns assimiliert haben, einer spezifisch jüdischen Politik weichen müssen, die Unserer abnormalen Lage Rechnung trägt. Machen wir diese jüdische Politik, dann hat sich die Erkenntnis durchgerungen, daß das primäre Erfordernis sein muß: Festigung und Verbreiterung der Weltorganisation. Nun glauben viele, diesem Erfordernis dadurch gerecht «u werden, daß sie unter Aufrechterhaltung ihrer Distanzierung von den Landesverbänden einen «Territorialverband» gründen wollen. Es soll eine Dachorganisation ln jedem Lande geschaffen werden, wobei man sich über ihren Wirkungsbereich nicht einmal klar ist. Oft entspringt dieser Wunsch auch dem heimlichen Wunsch, den Landesverband (der Allgemeinen Zionisten) zu durchwühlen und zu atomisieren. Aber auch dort, wo diese Absicht nicht besteht, würde der Territorialverband nichts sein, als ein bureaukratisches Gebilde, entweder blutleer oder erfüllt von Zank um Kompetenzen. Der Territorialverband wäre daher eine schlechte oder gar keine Lösung. Welcher Weg soll nun gegangen werden? Wir müssen uns darüber klar sein, daß die einheitliche, alle Parteischattierungen umfassende Landesorganisation bei der derzeitigen Verrottung des zionistischen politischen Denkens nicht ohneweiters erreicht werden kann, sondern nur organisch heranreifen kann. Das kann nur wie folgt geschehen: Die Landesverbände (der Allgemeinen Zionisten) müssen den Standpunkt vertreten, daß die Schaffung eines Territorialverbandes überflüssig ist, weil er schon vorhanden ist Es ist dies der bestehende Landesverband. In die Exekutive des Landesverbandes sollen die Landesgruppen der Sonderverbände sitz- und stimmberechtigte Vertreter entsenden, die auch an den Delegiertentagen teilnehmen. Dadurch wird ein organischer Kontakt hergesteJlt Im Zuge der Zeit wird das durch die bisherige Absonderung geschwundene gegenseitige Vertrauen wieder hergestellt und damit die Voraussetzung für den einheitlichen Landesverband, der die einzelnen Parteigebilde unangetastet läßt, geschaffen sein. Der Idealfall hiefür war die Zionistische Vereinigung für Deutschland. Bis zur Bildung des Ichud Poale Zion-Hitachdut gehörte die Hitachdut in Oesterreich dem Landeskomitee an und die Zusammenarbeit vollzog sich reibungslos. Man schaffe erst den hier angedeuteten Zustand, und die erforderlichen Statutenänderungen werden sich dann zwangslos ergeben. Der umgekehrte Weg würde rour neue Reibungen und Komplikationen bringen. II. Ein weiterer wunder Punkt ist die Frage des Schekels. Hier besteht ein würdeloser Zustand. Durch Zahlung von 2 Schilling erwirbt oder läßt sich Krethl und Plethi das Recht schenken, die Zusammensetzung und damit die entscheidendsten Beschlüsse der Weltorganisation zu beeinflussen. Glaubt man schon die Forderung der holländischen Organisation ablehnen zu sollen, wonach nur organisierte Zionisten den Schekel erwerben dürfen, so muß zumindest der Zweijahr-Schekel vom bevorstehenden Kongreß eingeführt werden. Die Allgemeinen Zionisten sollen sich dazu aufraffen, diesbezüglich die Kabinettsfrage zu stellen. Sie dürfen es nicht wieder ruhig hinnehmen, sich von den in dieser Frage brüderlich geeinten Flügelparteien niederstimmen zu lassen. Die Zusammensetzung des Kongresses darf nicht weiterhin das Resultat der Geldopfer begeisterter Anhänger irgendeines Parteipapstes sein. Di« Schekelschande muß verschwinden. Bleibt sie, dann mögen die Parteien, die sich mit ihr solidarisieren, allein die Exekutive bilden. III. Ein weiteres Sorgenkind ist die Exekutive. Wir Allgemeine Zionisten streben eine möglichst breite Koalition an, in der alle Parteien vertreten sein sollen, die sich bedingungslos der Disziplin der Weltorganisation unterstellen. Sparsamkeit am unrichtigen Ort hat dazu geführt, daß die am letzten Kongreß gewählte Exekutive zu wenig Mitglieder hatte. Die Folgen waren unangenehm. Wenn oft in wichtigen Augenblicken die Exekutive aktionsunfähig war, so dürfte dies auf die geringe Zahl ihrer Mitglieder, von denen einige immer auf Reisen waren, zurückzuführen sein. Man kann auch vom Organisationsreferenten der Exekutive schwer ersprießliohe Arbeit verlangen, wenn er als Mädchen für alles fungieren und für die Aufbringung von Geldmitteln sorgen muß. Es wird daher notwendig sein, die Mitgliederzahl der Exekutive zu vermehren und dafür zu sorgen, daß alle Länder Europas von Mitgliedern der Exekutive zu Propagandazwecken bereist werden. Wenn der gute Wille vorhanden ist, werden sich auch die nötigen Geldmittel beschaffen lassen. Das A. C. ist zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Man kann sagen, daß die Exekutive fast unbeschränkt von einem Kongreß zum anderen arbeitet Dieser Zustand ist undemokratisch und birgt Gefahren in sich. Da das A. C. zu groß ist, würde es sich empfehlen, entweder das A. C. zu verkleinern, oder aber die Exekutive durch Mitglieder zu verstärken, die weder in London noch in Jerusalem wohnhaft sind (non residents) und i<n gewissen Zeitabständen zu Sitzungen einberufen werden müssen. Dadurch wäre ein besserer Kontakt mit den Organisierten hergestellt und' die Verantwortlichkeit der ständigen Mitglieder der Exekutive wäre entlastet. IV. Das sind nur einige dringende Fragen organisatorischer Van 2Käses Xteinmann Die Wahlen zum Kongreß sind beendet. Gewonnen den Kampf haben die Linken. Alle übrigen Parteien werden bestenfalls ihre Zahl entsprechend den früheren Kongressen erhalten, während die allgemeine Zahl der Delegierten diesmal um zirka 50 größer sein wird. Dieser Zuwachs fällt zur Gänze der Linken zu. Das schafft eine ganz neue Situation auf dem Kongreß und wird die bisherige Taktik der anderen Parteien stark ändern. Es bedeutet einen historischen Wendepunkt in der zionistischen Bewegung, wenn unsere Arbeiterpartei ihren Entwicklungsgang von einer oppositionellen zu einer koalierenden und mitregierenden Partei beendigt, ja sogar zu der Stellung einer Partei übergeht, die auf ihren eigenen Schultern die ganze Verantwortung trägt und allein die für sie notwendigen Koalitionen schafft. Ist die Arbeiterpartei zum Regieren reif? Auf diese Frage soll sie selbst antworten. Wir sind jedenfalls reif, von ihr regiert zu werden. Wenn ith «wir» sage, meine* ich in erstör Reihe die Allgemeinen Zionisten. Wir dürfen uns als reif erklären, von der Arbeiterpartei regiert zu werden und den Weg suchen, wie wir mit ihr mitregieren sollen. Den Weg wird wahrscheinlich auch die Arbeiterpartei suchen. Sie würde Ihn wahrscheinlich auch dann gesucht haben, wenn sie allein die absolute Mehrheit besitzen würde. Sie wird ihn um so mehr jetzt suchen, da sie allein über eine solche nicht verfügt. Es wird gar nicht schwer sein, den Weg zu finden, weil im Grunde genommen keine solche Kluft zwischen dem richtig verstandenen bürgerlichen Zionismus und dem Arbeiterzionismus, wie er in Erez Israel durchgeführt wird, besteht Es Ist doch eine Verleumdung, daß unsere Arbeiterpartei in Palästina sich mit bösen Gedanken von gewaltsamen Revolutionen trägt, daß sie eine «Diktatur» aufzuri-chten oder andere Volkselemente nach Palästina nicht hereinzulassen beabsichtigt. Das ist entweder naiv oder böswillig ausgedacht, um den kleinen Mann zu schrecken. Unser Arbeiter in Erez Israel will nicht etwas zerstören, er will durchaus nur bauen, bauen für das Volk und bauen auch für sich. Er ist ebenso wie wir alle an dem Zufluß von Kapitalien und Menschen interessiert, die bereit sind, ihr Kapital für konstruktive Unternehmungen zu verwenden. Was sie nicht wollen, ist, daß gewisse Elemente Das größte und führende Damen-, Kinder- und Backfisch-Modenhaus Oesterreichs Julius Kvupnik Wien, VII., Kaisersiraße 4M Sonst nirgends Julius Kvupnik CLIoyd Trlestlu Vjl Abfahrten Jeden MHtwodi am IS Vhr W Ferner: * .T jfP' wöchentliche Expreßllnte nach letanlMit U wöchentliche LaxnsellHnle neeh Alexen- T drlen; IK zweimal monatlich LaxnsellHnle naefc IHL Bombay; Ml monatliche ExpreBllnle nach Ceylon, ' Slngapore, Shanghai; Postumen nach der Levante, Schwarsaa Meer, Indien, China, Japan iumrn«: llsyd Trt«tino.Wioi l. KantBenlntS.riu-iM-M Ijmfci na———MMsejTTI' nn fjjiiiiisi■ H mitiHMfci tt^hlili. Natur. Soll der Kongreß erfolgreich sein, dann müßten sie und weiters z. B. die Stellung der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency in der Exekutive und die Liquidierung der Disziplinlosigkeit der Revisionisten den Gegenstand ernster Beratungen und Beschlußfassungen bilden. Es mag interessanter sein, sich in die Toga zu werfen und großartige politische Reden für das Publikum zu halten. Gewiß, wir müssen Politik machen. Wir können sie aber nur dann gut machen, wenn wir die Basis, die uns erst die Möglichkeit gibt, ernsthafte Politik zu betreiben, stark und gesund machen und diese Basis ist die Weltorganisation. Der 18. Kongreß wird nur dann ein guter sein, wenn er die Grundlagen schafft für die Gesundung und den Wiederaufbau der Organisation. dort auf Spekulation und Ausbeutung ausgehen, was zof Plage für das Land und das Volk werden und jeden Fortschritt unmöglich machen könnte. Was sie nicht wollen, ist der antizionistische und antinationale Ausschluß der jüdi-. sehen Arbeit entweder wegen eines gegen die Arbeiter gerichteten Klassenkampfes oder aus rein materiellen Interessen. Sie wollen auch nicht zulassen, daß der Arbeiter in unmenschlicher Weise durch Himgerlöhne, Ueberarbeitung, schlechte Behandlung oder Streikbruch niedergehalten wird. Das alles wollen auch wir Allgemeinen Zionisten nicht. Wir können und dürfen es nicht wollen. Gewiß, wir haben auch Streitfragen mit der Arbeiterpartei, manche sehr wichtige. Vielleicht werden sie sich im Laufe der Zeit noch mehr verschärfen. Sollen wir uns wegen dieser Streitpunkte zur Seite stellen und die ganze Verantwortung den Arbeitern überlassen? Oder sollen wir uns gar der Opposition a>nschließen? Beides können wir uns nicht erlauben. Der erste Weg ist ein Weg von Sabotage, der zum Zusammenbruch führt; der zweite wäre der Weg der politischen Degeneration und des moralischen Verfalles. Die Opposition taucht langsam aus ihrer «Vernebelung» empor und zeigt das Antlitz einer ausgesprochenen sozialen Reaktion. Mit ihr kann der Allgemeine Zionismus nicht denselben Weg gehen. Andererseits aber hat der Allgemeine Zionismus nicht die Möglichkeit und nicht das Recht, für sich die führende Rolle zu verlangen, da er ja in der Minderheit ist. Es nützt nicht das Argument, daß wir im zionistischen Lager vielleicht doch noch eine Mehrheit sind. Nicht nur formell, auch in Wirklichkeit sind die bei den Wahlen abgegebenen Stimmen entscheidend. Jane Allgemeinen Zionisten — mögen sie große Massen sein — welche nicht einmal soviel aktives Interesse bewiesen haben, um ihre Stimme abzugeben, haben keinen zionistischen Willen. Man kann mit ihnen nicht rechnen und niemand darf in ihrem Namen sprechen. Es bleibt also nur der Weg einer Koalition auf der Grundlage des Mitregierens mit der Linken. Unter Regieren verstehe ich nicht die Präsidentenfirage. Diese wird wahrscheinlich unter anderen Aspekten gelöst werden. Ich meine die faktisch regierenden Körperschaften: Exekutive, Aktionskomitee, Palästinaamt usw., welche auf Partetgrundlagen, entsprechend dem Kongreßsc'htüssel aufgebaut werden. In allen diesen zionistischen Behörden wird von heute an die Linke fast die Hälfte der Stimmen besitzen und bei einer Koalition mit den Allgemeinen Zionisten kann eine fest konstitutionelle Basis für sichere produktive Arbeit geschaffen werden. Aber hier müssen wir uns länger aufhalten, um das heutige Aussehen des Allgemein-zionistischen Lagers näher zu betrachten. In ihm sind vier Teile vorhanden. Einer, ich will hoffen, ein unbedeutender Teil, der die Losungen des Allgemeinen Zionismus als Deckmantel für seine klassenkämpferischen Unternehmerinteressen benützen will, um die Arbeiter ate Gefahr für den nationalen Aufbau zu verschreien und eine Stütze für die eigenen Interessen zu gewinnen. Dieser Teil, hoffe ich, wird schnell von uns abfallen und dahinübergehen, wohin er seinem sozialen Profil nach gehört. Der Verlust des Allgemeinen Zionismus wird dadurch keöl Der Weg des Jttfgemeinen Zionismus

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