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Die Stimme · 1933-08-18 · Heft 295 (18.8.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 295 (18.8.1933)
Date
1933-08-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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DIE STIMME nt. 2Ö5 — Tg, August 1033 Säftrt .11.11——..— I .11 ... .. .»II— hervorgerufen, mit weldher sich diese (plus 1000 Vorschußzertifjkaten) van der Judenverfolgung in Deutschland hat loskaufen können. Richtig wäre es gewesen, diesen Moment, in dem die Judenfrage in all ihrer Unerbittlichkeit dem Blindesten eicfvtbar wurde, zu benutzen, um endlich die Frage der akf5ven Mandatepolitik aufzuroüen. Jetzt begreift die Welt, daß die Judenfrage gelöst werden muß, daß sie nur in und durch Palästina gelöst werden kann. Jetzt würde sie auch .begreifen, unter welchen Bedingungen das möglich ist; sie würde begreifen, daß die Mandatsregierung diese Bedingungen nicht geschaffen hat und nicht schafft, obwohl das Mandat es vorsdhreibt. Richtig wäre es gewesen, die gesamte zionistische Bewegung zu einer Aufklärungs- und Werbeaktion zu mobilisieren, bei welcher Deutschland als die sprechendste Manifestation der Judenfrage demonstriert wird. Statt dessen fördert die Exekutive nuit aller Macht den assimilatorisch«! Wahn (der auch für Palästina selbst gefähr- Bdh ist) als sei Palästina ein Asyl im Fall von Gaiuth- Katastrophen. Das aber kann es ja nicht sein und nicht werden, weil ein Land niemals Hunderttausende zugleich aufnehmen kann. Palästina kann die judenfrage lösen, indem es je länger desto mehr Juden den Galuth-Katastrophen vorher entzieht, denen sie da immer ausgesetzt sein werden. Wer die Berechtigung des Zionismus jetzt dadurch zu erweisen sucht, daß Palästina einer Anzahl von fluchtbedürftigen Juden ein Asyl bieten kann, diskreditiert ihn. Der Kongreß wrird den vielen Entrüstungsschreien, welche die Nazis bis jetet gelassen registriert haben, noch einige hinzufügen. Ferner wird man wochenlang über Koalitionen reden und für oder gegen die Präsidentschaft von Professor Weizmann intrigieren. Es sind keine hoffmmgsyoflen Perspektiven. Und dodh müßte es möglich sein, aus dem Sumpf heraus zu kommen. Es müßte möglich sein, die zionistische Bewegung dahih zu bekommen, daß sie nach außen hin fü’r ihren Gedanken wirbt. Dann müßten die Parteien notwendigerweise aufhören, sich gegenseitig 2U zerfleischen. Und da matti jetzt ja keinen anderen Zionismus propagieren kann, als dem ziur Lösung der Judenfrage, würden sich automatisch die zionistischen irrelevanten Parteiunterschiede abschleifen. Automatisch würde ferner mehr Verständnis für straffere Organisation und die dafür nötigen Bedingungen entstehen; es wäre eine Reorganisation von innen heraus möglich, die ihrerseits zu besserer Politik und besserer PaJästinaarberit führen könnte. Vielleicht käme es dann auch dahin, daß einmal eine Exekutive auf ein scharf umrissenes Arbeirtsprogramm gewählt werden könnte, bei dem die Parteizugehörigkeit der Kandidaten gleichgültig ist und sein kann. In Wirklichkeit nämlich lassen sich die Aufgaben, die wir zu bewältigen haben, gar nicht nach Gesichtspunkten unseres gebräuchlichen Parteienschemas lösen. Programmatische Deklarationen in bezug auf Privatinitiative und — oder sogenanntes nationales Kapital sind bei den Gelegenheiten Palästinas Ja eben so gegenstandslos und nichtssagend wie selbstverständliche Bekenntnisse zu sozialer Gerechtigkeit und Kooperation mft der Mandatsmacht. Es kommt darauf an, daß sich eine Exekutive mit einem Programm präsentiert (aber vor ihrer Wahl), in dem konkret angegeben ist, was sie auf den verschiedenen Arbeitsgebieten verwirkffiohen will. Dann hören die Koalitionen und Kompromisse und die Exekutiven, in denen die Parteivertreter einander die Arbeit unmögl-ioh machen, kurzum, der ganze quasi-parlamentarische Unfug, von selber auf. Dann könnte eine wirkliche Demokratie, die wir in unserer freiwüÄigen Weltorganisation nötiger haben als je zuvor, endlich ihren Eftizug halten. Ob wir es erleben werden, weiß ich nicht. Aber eine Möglichkeit: wäre vorhanden. Und nun noch eine kurze Bemerkung über den Rettungsfoncis, Keren Hazalaji, oder, wie man ihn aus Scham über den allzu philanthropischen Namen umgetauft hat; Palästinafonds für deutsche Juden. Dieser Fonds soll mit e^ner kurzen, einmaligen Aktion geschaffen werden. Die Verwendungszuecke der Gelder sind wie folgt angedeutet worden, ohne daß im übrö'gen irgendwelche näheren Pläne Vorgelegen hätten: 1. Unproduktive Ausgaben wie: erste Unterkunft, Verpflegung, Fachausbildung. 2. Liquidationsbank. 3. Industrielle und kommerzielle Kredite. 4. Landankauf?n großem Maßstab. 5. Landwhischaftskolonisation in großem Maßstab (25.000 Familien!) Hat man nun wirklich nur eine einmalige Aktion im Auge, dann wird <4as aus Mitleid gebefreudige Publikum einfach irregeführt, denn damit können niemals die Mittel gesammelt werden, mit denen sich so weitreichende Zwecke verwirklichen lassen. Will man aber diese Ziele tatsächlich verwirklichen, dann würde das eine langjährige Sammelaktion erfordern, bei der der ganze Keren Hajesod- Apparat in den Dienst des neuen Fonds gestellt wird, während der K. H. mit Teileinkünften abgefunden und nach und nach sWIgelegt wird. Es handelt sich dann einfach um eine Neuauflage des K. H.-Experiments unter neuer Firma und philanthropischer Parole, aber mit dem alten Personal und »ach «bewährten» Methoden. Der Kongreß sollte dies mit größter Energie zurückweisen. Ohne Zweifel wird ein Bruchteil der deutschen Juden (und im VeiUiältnis zum Fluchtbedürfnis ei*n sehr kleiner Bruchteil) in Palästina eine neue Existenz finden können, aber die Einordnung dieser Juden muß entsprechend den fiAflnfeDt.idte sie ergreifen können, durchaus getrennt finanziert werden. Die Verwendung von SpendengeMem muß strengstens auf unproduktive Ausgaben (z. B. Kinderunterbringung) beschränkt bleiben. Eine Liquiktationsbank Mt an sfcdh ein mögliches Projekt, das ganz getrennt behandeln ist. Kommerzielle und industrielle Kredite müssen auf rein geschäftlicher Basis gegeben werden; im Falle der (oft vorhandenen) Kreditwürdigkeit sind freie Mittel genug verfügbar. Die Landwirtschaftskoloniaaifion sollte ganz aus der deutschen Angelegenheit ausgesohaltet werden. Gerade unter den deutschen Juden fehlt da« geeignete Siedlermaterial, während es in Palästina und zum Teil anderwärts vorhanden ist Hat die Exekutive brauchbare Pläne für neue Landwirtschaftskolonisation, so sind diese zu prüfen. Aber Finanzierung all dieser heterogenen Ausgaben aus einem Spendenfonds muß mit mathematischer Notwendigkeit zu neuen finanziellen Zusammenbrüchen und den Die zweite Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten wird eine Feuerprobe für den Weltverband der Allgemeinen Zionisten sein. Mit banger Hoffnung erwarten wir die Ergebnisse ihrer Beratungen. Die Allgemeinen Zionisten haben bei den Kongreßwahlen in einer Reihe von Ländern zwischen 100 und 50 Prozent der Mandate erreicht: das bedeutet — Sieg. In anderen Ländern haben sie mehr als ein Drittel der Mandate gewonnen: das bedeutet noch immer keine Niederlage. In anderen Ländern aber nur einen kleinen Bruchteil, in manchen kein einziges Mandat: das bedeutet — Niederlage. Das Gesamtbild: eine empfindliche Schlappe. Anstatt 83 Mandate am XVII. Kongreß etwa 60 am XVIII. Kongreß. Das wäre noch nicht so schlimm. Schlimmer ist es, daß der Prozentsatz unserer Beteiligung stark gesunken ist Anstatt 33 Prozent vom XVII. Kongreß — kaum 20 Prozent am XVIII. Kongreß. Keine andere Richtung, weder die Revisionisten noch der Misrachi noch die Radikalen haben eine so starke Einbuße erlitten. Ich will diese Tatsache kraß hervorheben, weä die Wahrheit, die klare Wahrheit der Ausgangspunkt jeder ernsten und objektiven Betrachtung, jeder Selbstbesinnung und Erneuerung unserer Kräfte sein muß. Unerschütterlich glaube ich, daß dem allgemeinen Zionismus in der zionistischen Weltbewegung die Zukunft gehört. Mit desto größerer Härte will ich die Wunden unserer Bewegung aufdecken, weil mir Selbsttäuschung, Weihrauch und Vogelstraußpolitik der beste Weg zur Niederlage zu sein dünken. Wollen wir die Wahrheit ungeschminkt sehen wie sie ist! Aus dieser Betrachtung, aus dieser Selbsterkenntnis sollen unsere Kräfte zu neuer Entfaltung auferstehen. Der Sieg gehört diesmal der Linken. Daran vermag keine Philosophie zu ändern. Ich würde beinahe über diesen Sieg der Linken in Freude ausbrechen. Gerade weil ich allgemeiner Zionist bin. Dre Mentalität der Majorität der Allgemeinen Zionisten hat es leider nötig, durch tüchtige Schläge zum Selbstbewußtsein unserer Eigenart, unserer Mission innerhalb der zionistischen Bewegung gebracht zu werden. Der eklatante Sieg der Linken — über 100 Prozent mehr als die Allgemeinen Zionisten — wird vielleicht die Rolle dieses ernüchternden Schlages spielen. Vielleicht? Die Scheidewand zwischen uns und den extremen Revisionisten der Gruppe Jabo Huskys wurde diesmal von uns klar aufgetragen. Der Allgemeine Zionismus hat sich bei diesen Wahlen in viel höherem Ausmaße gegen diesen extremen Revisionismus immun erwiesen als gegen die Linken. Fast überall, wo der Allgemeine Zionismus links orientiert war, ist er erlegen, sobald die linke zum konzentrischen Angriff gegen die ehrwürdige Burg des Allgemeinen Zionismus ausholte. Diesen Angriff hat die Linke diesmal noch nicht in den Ländern aufgenommen. Sie konzentrierte ihre Stoßkraft auf die wichtigsten Länder. Deshalb hat beispielsweise der Allgemeine Zionismus in England gesiegt, weil sich die Linke dort aus Loyalität auf eine «normale» Propaganda beschränkt hatte. In Kongreßpolen, wo das Zentralkomitee des Landesverbandes ganz im Banne des vöHig linksorientierten Al Hamischmar seit Jahren stand und steht und einen Allgemeinen Zionismus predigte, der de facto von dem linken Ichud kaum zu unterscheiden ist, in diesem Kongreßpolen mit 2,000.000 Juden hat der «Allgemeine Zionistische Landesverband» kaum 10 Prozent der Mandate erreicht. Dort entwickelte die Linke eine Trommetfeuerpropaganda und eroberte Massen von Bürgern, die sozial mit der Linken nichts Gemeinsames haben, aber in linken Gedankengängen vom Al Hamischmar seit Jahr und Tag erzogen werden. Das «t die unerbittliche Logik der ideologischen Unehrlichkeit des offiziellen Allgemeinen Zionismus in Kongreßpolen. Er hat diese Niederlage verdient. In Ere« Israel sind die Verhältnisse ganz spezifischer Art. Dort hat der Allgemeine Zionismus keine Tradition. Jahrzehnte war er Im Lande ein politisches Nichts. Jetzt ringt der Allgemeine Zionismus dort erst um Entwicklung und Verwurzelung. Er ist von diesem Gesichtspunkte aus mit heiler Haut davongekommen. Er hat denselben Prozentsatz an Mandaten erkämpft wie beim XVII. Kongreß. Aber absolut — bitter wenig. Fast neunmal so viel Mandate hat die Linke in daraus für die Arbeit resultierendien Katapfrophenpian führen. Man sei gewarnt Das Unglück der deutschen Juden kann dem jüdischen Volk als ganzem doch noch zum Segen gereichen, wenn es gelänge, dre Erregung der Judenheit In zionistisches Bewußtsein umzüsetzen und in guten organisatorischen Formen produktiv zu machen. Es fehlt unserer Bewegung weder an Idealismus noch an Opferwilligkeit. Aber sie ist sdhllecht geleitet und darum fehlt ihr der Begriff für dasjenige, was zionistrisch wesentlich ist und was nicht. Darum erschöpft sie jetzt ihren Tätigkeitsdrang in aller!«« Betriebsamkeit, deren Sinnlosriigkeit augenfällig ist. Idh wage nicht zu hoffen, daß der 18. Kongreß eiben Umschwung bringen wird. Aber die höchste Zeiit dazu wär« es. Die Not list hoch genug gestiegen. Was das betrifft, j könntet da« Wunder .ruhig geschehen. Erez Israel errungen. Neunmal! In den Vereinigtem Staaten von Nordamerika ist die Linke von 22 Prozent auf 50 gestiegen, die Allgemeinen Zionisten sind zwar nur von 52 Prozent auf 50 gesunken, aber die absolute Zahl ihrer Mandate fiel von 20 auf 8 herunter. Ueber 4,000.000 Juden wählten nur 17 Delegierte, das kleine Lettland mit seinen 100.000 Juden — ganze 8! Ich habe unlängst einen schönen Artikel von Meier Groß man gelesen: Mandate bedeuten wenig. Das war der Inhalt dieser Ausführungen. Sehr schön. Aber warum taucht diese Theorie immer bei dem Besiegten auf? Merkwürdig. Die Verachtung der Quantität — ein Trost in der Niederlage der Quantität. Man darf nicht Tatsachen parfümieren. Das ist Selbstbetrug! Im Lichte der unerbärmlichen Zahlen, die sich mit ver-r fluchter Logik auf dem Kongreß auswirken, kommen wir Allgemeine Zionisten als die Geschlagenen zum XVIII. Kongreß. In vielen Ländern trifft diese Diagnose nicht zu, aber für die Gesamtposition des Allgemeinen Zionismus ist sie leider zutreffend. Das ist der Ausgangspunkt unserer Betrachtungen über die zweite Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten. Wo liegen die Ursachen unserer Schlappe? Sie sind teils lokaler, teils aber ganz allgemeiner Natur, Die ersten will ich hier nicht analysieren. Auch diese können aber nur dann behoben werden, wenn vorerst die allgemeinen universellen organischen Ursachen der Krankheit beseitigt und geheilt werden. Diese allgemeinen Ursachen will ich kurz zusammenfassen: Mangel an Bewußtsein und Glauben an die große Mission des Allgemeinen Zionismus, zersplitterte Organisation, die sogar die Reihen unserer neuen Jugend ergriffen haben, schwache Positionen in Erez Israel. Das Primäre diinkt mir die erste Ursache. Wir dienen' bald linken, bald rechten Göttern, nur dem Allgemeinen Zionismus nicht. Wir sind von der Mission des Allgemeinen Zionismus seelisch nicht ergriffen, wir tragen in uns nicht den Willen zum Sieg, wir sind von dem großen, allumfassenden, wahrhaft nationalen Inhalt des Allgemeinen Zionismus’ und seiner historischen Notwendigkeit in der Zeitperiode der dramatischen Sammlung unserer Kräfte nicht beflügelt. Deshalb werden wir von Richtungen erdrückt, die ihren Siegeselan in sich tragen. Die U'eberwindung dieses Seelenzustandes, dieser geistigen Verfassung der Allgemeinen Zionisten ist die erste Bedingung unserer Erneuerung. Alles andere kommt nach, wenn diese Bedingung erfüllt ist. Diese Revolution ierung des Allgmeinen Zionismus in unsere Reihen zu tragen — das ist die grundlegende Aufgabe der II. Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten. Alles andere — ist nur Kommentar. Die Sünden der Vergangenheit und der Wille zur Erneuerung kämpfen jetzt innerhalb des allgemeinen Zionismus. Die erste Kraft, die destruktive, hat sich jetzt immer noch stärker ausgewirkt als die zweite, die konstruktive, deren Willensausdrucik der Weitverband der Allgemeinen Zionisten ist. Aber es kämpfen schon diese zwei Kräfte gegeneinander in unserem Lager. Die Fortschritte dieses Kampfes stehen noch im Schatten der Vergangenheit. In vielen Ländern matschiert schon die Erneuerung, aber in vielen anderen und gerade in den größten oder wichtigsten ist das Echo unseres Rufes noch schwach. Deshalb ist das Gesamtbild ein negatives. Die II. Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten muß auf diesem Oebiete Wandel schaffen, di-e Stoßkraft zur grundlegenden Aenderung geben. Mit banger Hoffnung erwarten wir die Ergebnisse der II. Weltkonferenz unseres Verbandes. Wenn diese Weltkonferenz auf der Höhe unserer Mission stehen wird, wenn ein jeder von uns sich zum opferfreudigen Enthusiasmus für die nationale Rolle des Allgemeinen Zionismus aufraffen wird, dann wird die Zukunft der zionistischen Bewegung in den schöpferischen Händen des Allgemeinen Zionismus liegen. Ueber die Schlappe der Gegenwart hinaus, aus der wir heute mit Mannesmut die Konsequenzen ziehen müßten I Vor der Feuerprobe übet die II. WcMfton/cien« der XH|em.XtoiH<<en Von Dr. I. Sehworxbort, Vorsitzender des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten

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