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Die Stimme · 1933-08-10 · Heft 294 (10.8.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 294 (10.8.1933)
Date
1933-08-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seit« 4 DIB STIMM* Nf. 294 — 10. August 1939 Brief aus Rumänien Die Hitter-Bewegung - Die abgesagten MakUabikampfspiele Kongreßwahlen Von unserem Bukarester M R.-Korrespondenten. - Die Der Hitleriamua in Rumänien bedeutet für das Land ein doppelschneidiges Schwert. In den Grundprinzipien hätte der größte Teil der rumänischen Intelligenz, beson den die akademische Jugend, nichts gegen den Hitlerismus einsuwenden. Die Partei des Prof. Cuza, weiche seit Jahr sehnten den Antisemitismus in Wort und Schrift propagiert, erblickt in Adolf Hitler einen Apostel, der berufen ist, nicht nur das Dritte Reich in Deutschland au vollenden, sondern auch seinen Sympathikern, seinen Freunden in der übrigen Welt den Weg zu weisen und die Hand zu bieten, um das Dritte Reich auf allen Territorien Europas zu begründen. Während diese Cuzistische Bewegung einen Teil der akademischen Jugend erobert hat und einen ihrer Führer, d«n Sohn des Prof. Cuza, nach Deutschland entsandte, damit er dort an Ort und Stelle Erfahrungei. sammle und eventuell auch materielle Mittel erhalte, um die Bewegung in Rumänien auszubauen, hat die andere antisemitische Gruppe in Rumänien, die «Eiserne Garde», einen eigenen Weg eingeschlagen, sich auf die breiten Bauernmassen ge* stützt auf eine ungeheure Propagandatätigkeit entfaltet, welche nicht nur eine Gefahr für die Juden, sondern sogar für die Regierungskreise Rumäniens und für die regierungsfähigen Parteien bedeutet Diese Bewegung, ebenso wie die Cuzistische von Vater und Sohn geführt, von Zelea Codreanu und seinem Sohne, beide Parlamentarier, ist von einem starken Idealismus getragen und bedeutet eine größere Gefahr als die Cuzistische, weiche veralteten Ideen huldigt und vielfach nicht ernst genommen wird, da ja derselbe Cuza mehr als ein halbes Jahrhundert diese Ideen von Judenhaß predigt und in jedem Parlament feierlich erklärt, daß er bei der Regierungsübernahme — er schickt sich schon 50 Jahre dazu an — seine antisemitischen Ideen in die Tat umsetzen werde. Beide Parteien sind hn Parlament durch kaum 20 Abgeordnete vertreten, eine verschwindende Minorität im Vergleiche zur Zahl der Parlamentsmitglieder von 365. ten rumänischen Rechtsparteien, die immer mehr an Boden gewinnen, so daß che Regierung, besonders der Ministerpräsident, eine Politik der Nachgiebigkeit befolgt und da und dort Erklärungen abgibt, welche die Rechtsparteien beruhigen, da in denselben eine gewisse Zustimmung zum antisemitischen Programm enthalten sind. Dies macht natürlich einen schlechten Eindruck und liefert Beweise dafür, daß die Regierungsmitglieder die ganze Situation nicht richtig erfassen. Im allgemeinen muß betont werden, daß e6 in den letzten Monaten nirgends in Rumänien zu öffentlichen Ausschreitungen gegen die Juden gekommen ist und daß die Behörden sich sehr bemühen, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Dies liegt im Interesse des Landes und im Interesse der gesamten Bevölkerung. «** Eine große Schlappe hat d-ie Regierung Vaida durch die abgesagten Makkabikampfspiele in Czernowitz erlitten. Im ganzen Lande hat es den peinlichsten Eindruck hervorgerufen, daß eine Regierung sich so weit einschüchtern läßt, ein internationales Zusammentreffen, das ein Ministerratsbeschluß bereits gutgeheißen hatte, im letzten Moment abzusagen. Ea sind da gewisse Elemente im Spiele, welche unter allen Umständen zu verhindern versuchten, daß das große Treffen in Czernowitz stattfinde. Man will in gewissen Kreisen wissen, daß sogar jüdische Aasimilantoi ihre Hand mit im Spiele hatten und sich bemühten, die Makkabiade in Czernowitz zu verhindern. Wie dem auch immer sei, ee bedeutet eine Niederlage für die Regierung Vaida, welche sich dadurch vor der ganzen Weit blamiert hat. Die gesamte demokratische Presse Rumäniens hat dagegen Stellung genommen und darauf hingewiesen, daß die Regierung, die sich so sehr bemüht, die Premdenbewegung zu heben, steh trotzdem die Gelegenheit nehmen Heß, Tausende jüdische Touristen im Lande zu beherbergen, welche viel Kapital Im Lande zurückgelassen hätten und zur Hebung der Wirtschaft, besonders aber des Fremdenverkehrs wesentlich beigetragen hätten. Trotz alledem ist die Judensohaft von einer gewissen Zuversicht erfüllt, da ja unter den gegebenen Verhältnissen, verglichen mit der Lage der Juden in Deutschland, Rumänien doch als ein Eldorado der Juden erscheint. Immerhin ist die Palästinabewegung im ganzen Reiche sehr stark und nach Tausenden sind diie Jungen und Alten zu zählen, welche sich für Palästina vorbereiten und sielt anschicken, ihr Vermögen nach Erez Israel hinüberzubringen. Noch nie war die Paiästinabewegung toi Rumänien so intensiv wie jetzt Diese Belegung fand auch anläßlich der letzten KongreQwahlen ihren Ausdruck, wo in allen Provinzen eine ungeheure Beteiligung an den Wahlen zu verzeichnen war und wo die Allgemeinen Zionisten überall als Sieger hervorgegangen sind. Das Ist das einzig erfreuliche Moment in der Lage der Juden Rumäniens, diie sich ln einem ökonomisch schlechten Zustande befinden und deren wirtschaftliche Lage sich von Tag zu Tag verschlechtert, was im Zusammenhang mit der allgemeinen wirtschaftlichen Depression in Rumänien steht Die Transjordanlen-Frage vor der Mandatskommission Vorläufig keine Erleichterung jüdischer oder arabischer Einwanderung nach Transjordanien Aber auch in Regierungskreisem findet die antisemitische Bewegung Sympathiker und man geht nicht, fehl, wenn man den Ministerpräsidenten Vaida Voevod unter diese einreiht Immerhin muß gesagt werden, daß dl« natlonal-zaranistlsche Partei, welche jetzt am Ruder ist, genug demokratische Elemente bat, welche um jeden Preis zu verhindern suchen, daß ihre Partei ins Fahrwasser des Hitlerismus gerate. Wir sagten schon einleitend, daß der Hitlerismus in Rumänien ein doppelschneidiges Schwert bedeute. So schön das Programm auch klingt, speziell wenn es sioh um den Judenpunkt handelt, so hat es doch sehr schlechte politische Auswirkungen. Hitlerismus bedeutet für Rumänien die Ankämpf ung des Versailler Vertrages, die Ankämpf ung der Friedensverträge im allgemeinen und bedeutet die Revision der Grenzen. Das ist der wunde Punkt, über den unsere einheimischen Antisemiten nicht hinwegkommen können und das ist auch ein Hindernis in der politischen Expansionstätigkeit der einzelnen Rechtsparteien. Die Regierung weiß es ganz genau, daß wenn einmal die äußerste Rechte ans Ruder kommt, dies eine Alliance mit dem Hitlertum bedeutet, welche ln ihrem Gefolge die Revision der Friedensverträge hat. Andererseits hat Deutschland ein abschreckendes Beispiel dafür geliefert, wie die Hitleristen die anderen Parteien vernichten und vor keiner Persönlichkeit stehen bleiben. Und darum sind auch alle rumänischen Parteien auf der Wacht und deshalb bemühen sie sich auch, die Hitlerbewegung, die besonders in den deutschsprachigen Gebieten Itark angewachsen ist, zu unterdrücken. Die Lehrmeister dieser Bewegung versuchten die Deutschen Rumäniens zu sein, die Sachsen und Schwaben in Siebenbürgen, in der Bukowina und in Südbessarabien. Nach dem Muster Hitlers formierten sie SA.-Trupps, bauten Organisationen, uniformierten Ihre Anhänger und versuchten, das Berliner System in Rumänien einzuführen. Selbstverständlich finden sie hierin Unterstützung bei den abgenannten zwei antisemitischen Parteien. Dies bedeutet eine große Gefahr für die öffentliche Ruhe und Ordnung und eine nicht minder große Gefahr für die Regierung selbst. Die deutschen Parlamentarier schlossen sich bis auf wenige Ausnahmen, unter denen sich der gewesene Unterstaatssekretär für Minderheiten Dr. Rudolf Brandsch befindet, den hitleristischen Jüngern an und versuchten, sich in den einzelnen Städten und Dörfern der drei Provinzen antisemitisch auszuleben. Da es sich aber nicht um Rumänen handelt, sondern um Deutsche, in denen man Verbündete des Hitlertums erblickt, und die sich als Vori kämpfer für die Revision der Friedensverträge herausbilden könnten, griff die Regierung energisch ein trug der gesamten öffentlichen Meinung Rumäniens Rechnung, in dem sie die Hitlerbewegung in Rumänien verbot, das Tragen von Uniformen ein für allemal untersagte und der Ausbreitung dieser Organisation Hindernisse in den Weg legte. Die Regierung konnte dies leicht durchsetzen, da über die meisten Gebiete, in denen Minderheiten wohnen, also auch ln den deutschsprachigen, der Belagerungszustand verhängt ist, so daß eine leichte Handhabe vorhanden war, dieser Bewegung energisch Einhalt zu gebieten. Selbstverständlich tet mit dieser Regierungsverordnung der Hitlerismus in Rumänien noch lange nicht verschwunden. Er findet starke Nahrung in den beiden obenerwähn- Genf. Das offizielle Protokoll der letzten Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes wird erst Ende September anläßlich der nächsten Tagung des Völkerbundrates veröffentlicht werden. Ueber den Verlauf der Verhandlungen auf der letzten Tagung der Mandatskommission erfahrt der Genfer JTA-Vertreter folgende das Palästina-Mandat betreffende Einzelheiten: In der ersten Sitzung wurde die Frage jüdischer Kolonisation in Transjordanien sowie die Stellung der britischen Regierung zu einer solchen ausführlich erörtert. Die Frage wurde durch das britische Mitglied der Kommission Lord Luggard aufgeworfen. Er fragte den Vertreter der Mandatannacht M. A. Yonne, ob Aussichten für eine Kolonisierung von Juden und Arabern ln Transjordanien vorhanden seien und ob die Regierung geneigt sei, eine solche Einwanderung zu erleichtern. In seiner Antwort betonte Young vor allem, daß die Bestimmungen des Palästina- Mandates, betreffend die Errichtung des Jüdischen Nationalheims, sich nicht auf Translordanien erstreckten und daß es sich jetzt nicht darum handle, irgendwelche Aenderungen in dieser Beziehung vorzunehmen. Die britische Regierung glaube nicht, daß es gegenwärtig möglich sei, die Niederlassung von luden in Transjordanien zu erleichtern. Auf eine weitere Frage des portugiesischen Kommissionsmitgliedes nach den Gründen für diese Haltung erklärte Young, die Niederlassung von Juden in Transjordanien könne aus allgemeinen Gründen der Sicherheit nicht ermutigt werden. Es gäbe dort keine Bewegung zugunsten der Einwanderung anderer Rassen und es seien auch nicht größere zur Kolonisation geeignete Landstrecken vorhanden, wenn auch das Land nicht so dicht bevölkert sei wie Palästina. Nach diesen Erklärungen nahm der Vizepräsident der Kommission van Re^s das Wort. Er wies darauf hin, daß das Mandat die Einwanderung von Juden nach Transjordanien nicht aussohlleße. Van Rees beschäftigte sich mit den in letzter Zeit verbreiteten Nachrichten, aus denen hervorgehe, daß in Transjordanien der Wunsch nach jüdischer Einwanderung und Niederlassung bestehe Wenn Emir Abdullah für jüdlsohe Einwanderung sei, erklärte van Rees, dann möchte er wissen, warum die britische Regierung dagegen sei. Der Vertreter der Mandatarregierung Young erwiderte, er sei mit van Rees darin einer Meinung, daß das Mandat jüdische Einwanderung nach Transjoroanien nicht ausschließe; die britische Regierung sei jedoch unter Berücksichtigung der allgemeinen Stimmung im Lande und der Sicherheitsfrage zu der Ansicht gelangt, daß es nicht zweckmäßig sei, aerzeit eine jüdische Kolonisation in Transjordanien zu erleichtern. o , Die wirklich billige SefitlViqueIle linden Sie bei »DA-HO« (Inh. David Horowitz) WierilL. 7 aborstraßeNrllb Ecke GrecUerstraße Qualitätsware su äußerst billigen Preisen. Bei Berufung auf die »Stimme« 8 Prosen« Rabatt Lord Luggard richtete an Young die Frage, wie sich die Regierung zu einer mit Unterstützung der Juden durchzuführendtn Ansiedlung von Arabern in Transjordanien steile. Young erwiderte, die Regierung habe gegen ein solches Projekt nichts einzuwenden, doch könne es sich nicht darum handeln, Araber in größerer Zahl nach Transjordanien umzuskdeln, als der Aufnahmefähigkeit des Landes entspreche. Es seien weder größere Bodenreserven noch eine einer Masseneinwanderung günstige Stimmung in Transjordanien vorhanden. Van Rees machte darauf aufmerksam, daß Trans jordanien eigentlich doppelt so groß sei wie Palästina, dabei aber eine Bevölkerung von nur etwa 300.000 Seelen aufweise, während in Palästina beinahe eine Million Menschen wohnen. Er wiederholte sein« Frage, ob es klug sei, den Verkauf von Boden in Tran«- jordanien zu verhindern, wenn der Emir seihst den Verkauf wünsche. Young erklärte, es gäbe in Transjordanien große Gebiete von Oedland, während kulturfähiger Boden nicht weniger dicht bevölkert sei als in Palästina. Jedenfalls sei der Unterschied nicht so groß. Die Regierung sei nicht gegen die Zulassung einer Einwanderung nach Transjordanien, jedoch nur in einem der Aufnahmefähigkeit des Landes an gepaßten Ausmaß. Auf eine weitere Frage erklärte Young, es bestehe kein allgemeines Bodenkaufveirbot für Juden, die Genehmigung zum Bodenkauf sei Juden nur individuell verweigert worden. Van Rees bemerkte nunmehr, nicht alle in Palästina ansässigen Juden seien palästinensische Bürger; die Bürger der dem Völkerbund angehörenden Staaten aber müßten nach dem Grundsatz der wirtschaftlichen Gleichberechtigung der Völkerbundstaaten in Transjordanien ebenso behandelt werden wie andere Bürger dieser Staaten. Young erklärte, die Regierung sorge dafür, daß der Grundsatz wirtschaftlicher Gleichheit in Transjordanien gewahrt werde, Schiff Blich gab Young auf« eine Frage von Professor Rappard nochmals die Erklärung ab, daß die britische Regierung derzeit nicht gewillt sei, die Niederlassung von Juden In Transjordanien zu erleichtern. Bezüglich des Legislative Council erkläirte Young, die Regierung halte an ihrem Entschluß, einen solchen Rat zu schaffen, fest, wenn auch in arabischen Kreisen ein gewisser Widerstand gegen den Plan bestehe und die Opposition der Juden gegen ihn sehr stark sei. Im weiteren Verlauf der Debatte wurden von verschiedenen Mitgliedern der Kommission an den britischen Vertreter eine Reihe von Fragen, betreffend Hie 7ncnmnienarbeit der Araber mit der Regierung, die Huleh-Konzession Einwanderung, Polizehvesen, Gesundheitspflege, Erzieh unswesen u. a. gestellt. Es kam sodann zu einer Erörterung über den Schutz der der Christenheit heiligen Statten Schließlich fragte noch das deutsche Kommissionsmitglied Dr. Rtippel, warum die Regierung im Distriktsgericht von Haifa keine jüdischen Richter bestellt habe. Der Vertreter der Mandatarmaoht Young erwiderte, an diesem Gericht sei vor 3 Jahren ein arabischer Richter ernannt worden. Die Bestellung der Richter erfolge ausschließlich auf Grund ihrer Qualifikation, nicht aber nach irgendwelchen anderen Gesichtspunkten. Die antisemitischen Ausschreitungen In Oberschlesien Nach mehrtägiger Verhandlung wurde von dem Krdfigericht in Wadowice (Polnisch-Oberschlesien), das Hrv/ü im Prozeß wegen der judenfeindlohen Ausschreitungen im März dieses Jahres, die sich in verschiedenen Ortschaften Ost-Obersc hlesi e n s, besonders in Rajczach, zugetragen hatten, gefällt. Bei den Ausschreitungen war es zu Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und der polnischen Polizei gekommen, wobei es Tote und Verwundete gab. Von den 12 Angeklagten sind fast alle Mitglieder de« Haller-Verbandes und Angehörige der Liga Groß-Polen. Das Gericht erkannte gegen den Hauptangeklagten Professor Ferens auf drei Jahre Gefängnis. 30 Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von zwei bis neun Monaten. I® der Urteilsbegründung wird hervorgehoben, daß die Autk schreitungen von langer Hand vorbereitet waren

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