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Die Stimme · 1933-08-10 · Heft 294 (10.8.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 294 (10.8.1933)
Date
1933-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 304 — 10. Aagurt t«J MB 8HMMB Volksrepräsentanz, wie sie der Ztonfetenkongreft Ober drei Jahrzehnte darsteift, in ihrer Autorität — die ja auch völkerrechtlich anerkannt ist — zu starken, nach allen Seiten als diejenige alljüdische Körperschaft zu proklamieren, die allein für die Losung aller Lebensprohleme der jüdischen Schicksalsgemeinschaft berufen sei. Der 18. Zioaistenkcmgreß tritt demnächst zusammen. Man darf ohne Uebertreibung feststeflen, daß die öffentliche Meinung der Welt wie das jüdische Volk von diesem Kongreß eine Antwort auf die oben skizzierten Fragen erwartet. Zu Lebenszeiten von Herzl und Nordau erschallte regelmäßig von der Kongreßtribüne die Stimme der Nation, die Klagen und Anklagen vortrug, Ansprüche und Forderungen proklamierte, das Judenproblem in seiner Totalität vor das Forum der Menschheit brachte. Nach dem Krieg, als die Periode der Verwirklichung begonnen hatte, wandte sich der Kongreß fast ausschließlich praktischen Fragen des Aufbaues zu. D e r 18. K o n g r e ß s o 11 zu der großen Tradition der jüdischen Welttribüne zurückkehren. Mit einer feierlichen Anklage wird er anfangen müssen, mit der Aufstellung '.Ines großen konstruktiven Planes der Abhilfe, der in raschem Tempo das Aufbauwerk in Palästina bis zur Vollendung weiterführen wird und damit dem jüdischen Volk eine in der Tat ebenbürtige Stellung in der Völkerfamilie sichern wird, soll dieser Kongreß ausklingen. Kann eine andere Körperschaft den Zionistenkongreß in dieser seiner Eigenschaft ersetzen? Die Versuche^ einen jüdischen Weltkongreß zustande zu bringen, sind ziemlich älteren Datums. Der Gedanke einer allumfassenden jüdischen Körperschaft traf in früherer Zeit auf besondere Zustimmung jener damals noch bedeutenden jüdischen Kreise, die zwar auf dem Boden des nationalen Judentums standen, dem Zionismus und dem Palästinaaufbau gegenüber aber sich meistenteils fern, wenn nicht feindlich hielten. Jene Zeiten sind längst vorbei. Die Hoffnungen auf eine erfolgversprechende konstruktive jüdische Galuthpolitik mußte man aufgeben. Palästina rückte in den Mittelpunkt jeder jüdischen Politik überhaupt ein. Aus Gründen, die wir im ersten, analytischen Teil unseres Aufsatzes darzustellen versuchten, kann man sich heute überhaupt irgend welche konstruktive Arbeit für das Galuthjudentum ohne einen Zusammenhang mit dem Palästinawerk kaum noch vorstellen. Der Sinn eines Weltkongresses und einer für ihn aufgebauten entsprechenden Organisation, der seine Aufmerksamkeit vor allem auf Galuthpröbleme verlegen sollte, ist heute verloren gegangen. Auch fehlen heute in der jüdischen Welt fast gänzlich jene gesellschaftlichen Kräfte und Kreise, die sich für die Aufgaben eines jüdischen Weltkongresses hätten widmen wollen. Die hat gerade die vorbereitende jüdische Weltkonferenz, die vor zwei Jahren stattgefunden hat und dessen Arbeiten hauptsächlich Zionisten vollziehen mußten, klar bewiesen. Auch die Vorbereitungen zum Weltkongreß selber fallen fast ausschließlich zur Last von einzelnen Zionisten. Man wollte ursprünglich den Weltkongreß im Jahre 1934 zusammenrufen. Die Katastrophe der deutschen Juden hat nun die Initiatoren zu einer Beschleunigung bewogen. Aber auf welcher Grundlage wird dann dieser Kongreß überhaupt zustande kommen können? Welchen Vertretungs- Modus wird man dabei anwenden wollen? Daß eine richtige Beteiligung vom gewählten und damit berufenen Vertreter der jüdischen Volksmassen kaum noch verwendbar wäre — der Kongreß soll bereits im Herbst stattfinden — liegt auf der Hand. Aus welcher Quelle wird dann seine Autorität nach außen, wie nach Innen erwachsen? Und ohne einer entsprechenden, auf breiter demokratischer Grundlage gesicherten Autorität verliert die ganae grandiose Veranstaltung ja ihren wahren Sinn. Wir glauben, mit unserer oben angeführten Analyse des Problems genügend bewiesen zu haben, daß eine andere Antwort auf die derzeitigen jüdischen Schicksalsfragen als eine zionistisch bedingte kaum noch vorsteibar ist Ein jüdischer Weltkongreß, der nach seiner Verfassung den richtigen Volkswillen abspiegeln sollte, wird auch keine andere Antwort auf jene Fragen geben können. Diese Antwort werden wir hoffentlich im August von der Tribüne des Zionistenkongresses vernehmen. Ein jüdischer Weltkongreß hat seinen ehemaligen Sinn der Organisierung der jüdisch-nationalen Ga!uthpo!it:' mit der neuesten Entwicklung, die das Judenproblem erfaßen hat, eingebüßt. Die Organisierung aller lebendigen jüdischen Kräfte, die auf dem Boden des nationalen Judentums stehen, müßte bei dieser neuen Situation ausschließlich dem Zionistenkongreß obliegen. Daß dieser dabei eine gründliche Reorganisation erfahren muß, liegt auf der Hand. Vor allem müßten bei dieser Reorganisation die Reformpläne des verstorbenen Chaim Arlosoroff berücksichtigt werden. Fragen der praktischen zionistischen Arbeit sollen einer engeren Körperschaft anvertraut werden. Nicht in einem Juden Weltkongreß, der neben dem Zionistenkongreß besteht und unumgänglich m die Kompetenz des letzteren einbricht, sondern in einem jüdischen Weltkongreß, der für sich die Intentionen des Zionismus in seiner Beurteilung des Judenproblems zu eigen macht, der somit aus dem Zionistenkongreß in seiner natürlichen Entwicklung su der einzigen jüdischen nationalen Repräsentanz emporivächst, ist der richtige Weg zu suchen. SOi f ' ■ in i< Gerichtlich« Untersuchung gegen Abraham Stavsky Jaffa. Anläßlich der Wiederaufnahme der Vernehmungen im Untersuchungsverfahren gegen Abraham Stavsky kündigte der Staatsanwalt zur allgemeinen Ueberraschung an, daß er das Verfahren auch auf Rosenbiatt und Minz ausdehne, die er ebenso wie Stavsky und andere noch unbekannte der Verschwörung zur Ermordung Dr. Arlosoroffs beschuldigte. Stavsky, Rosenblatt und Minz wurden gemeinsam vor Gericht gebracht. Es wurden bloß zwei Zeugen, nämlich der Leiter des Ermittlungsamtes der Kriminalpolizei Hauptmann Rice und der Kassier der Einwanderungsabteilung Isaac Joseph Chaluz, einvernommen. Hierauf wurden die Verhandlungen auf den 9. August vertagt. Hauptmann Rice legte in einer dreistündigen Aussage die Einzelheiten, des Falles auf Grund der von der Witwe des Ermordeten und anderen Personen gemachten Angaben dar. Am Sonntag nach dem Mord, erklärte er, wurden der Witwe 10 Photographien vorgelegt. Sie bezeichnete die Photographie Stavskys als diejenige des Mannes, der den größeren der beiden Attentäter gleiche. Auf Grund dieser Aussage, aber auch auf Grund anderer Indizien wurde Stavsky am Montag verhaftet. Anläßlich einer am Montag abends vorgenommenen Identifizierungsvorftihrung wurde Stavsky von Frau Arlosoroff unter 16 anderen Personen erkannt. Als sie näher an ihn herantrat, fiel sie in Ohnmacht. Einige Minuten später schritt sie wieder die Reihe entlang und bezeichnete abermals Stavsky. Hler- Dos größte und führende Damen-, Kinder- und Backfisch-Modenhaus Oesterreichs Julius Krupnik iOten, Oll., KaiMMteafte *tS Julius Krupnik Sonsi nirgends auf verlangte sie, daß die Leute Vorbeigehen, was ge»» schah. Nunmehr bezeichnete sie vier von ihnen ahl den größeren der beiden Attentäter ähnlich. Sodann verlangte Frau Arlosoroff, daß jeder der von ihr bezeichneten Männer die Worte «Kama ha’Schaah» (wie spät ist es?) spreche, die von den Mördern gebraucht worden waren, als sie sich an Dr. Arlosoroff wandten. Nachdem Stavsky die Worte gesprochen hatte, erklärte Frau Arlosoroff, er versuche mit verstellter Stimme, auf der Kehle, zu sprechen. Hauptmann Rice erklärte weiter, er habe am Sonnabend abends mit zwei Polizeibeamten an der Mordstelle einen Lokalaugenschein vorgenommen, Experimente angestellt und die Ueberzeugung gewonnen, daß Frau Arlosoroff die Täter im Widerschein der Lichter von Jaffa und im Sternenlicht erkennen und somit eine Beschreibung von ihnen geben konnte. Bezüglich Rosenblatts erklärte er, er habe seine Verhaftung auf Grund einer geheimen Information angeordnet. In diesem Beschuldigten habe Frau Arlosoroff in der am 29. Juli vorgenommenen Identifizierungsvorführung den zweiten Komplicen erkannt. Am folgenden Tage wünschte sie, Rosenblatt unrasiert zu sehen. Hierauf erklärte sie Hauptmann Rice, sie sei überzeugt, Rosenbiatt am Strande gesehen zu haben, als Doktor Arlosoroff ermordet wurde. Auf Fragen, die an ihn gestellt worden waren, erklärte Hauptmann Rice, er habe Erkundigungen über Stavsky seit Sonnabend abends eingezogen. Er habe nicht gehört, was Frau Arlosoroff gesagt habe,, als sie bei der Identifizierungsvorführung Stavsky als einen der Täter bezeichnete. Der Zeuge Isaac Joseph Chaluz erklärte, er habe mit Stavsky, der bei ihm erschienen war, um die Rückerstattung eingezahlter Gebühren zu fordern, da er kein Rückreisevisum erhalten hatte, am Freitag nachmittags gesprochen. Er habe ihn auch um 2 Uhr nachmittags im kooperativen Arbeiterspeisehaus gesehen. Auf Grund der von der Regierung veröffentlichten Beschreibung habe er sofort Verdacht geschöpft, daß Stavsky der größere der beiden als Täter beschriebenen Personen sei, sowohl auf Grund seines Aeußeren im allgemeinen, als auch wegen seiner besonderen Art zu gehen. Auch sein Kollege, der Paßbeamte Tabori, habe denselben Verdacht gehabt, daraufhin habe der Zeuge seine Vermutung sofort Hauptmann Rice mitgeteilt. WeUkonferem der jüdischen Studenten in London London. Unter Teilnahme zahlreicher Delegierter aus allen Ländern Europas und Amerikas wurde im Bobom House zu London die Weltkonferenz jüdischer Studenten eröffnet. Im Mittelpunkt der Beratungen steht das Problem der aus Deutschland verdrängten jüdischen Akademiker. Die Eröffnungsansprache hielt der berühmte Philosoph der Victoria Universität in Manchester Prof. Samuel Alexander. Er führte u. a. aus: Die gegenwärtige Lage zwingt uns, eine Antwort auf die Frage zu suchen, was der Weltverband jüdischer Studenten angesichts des Unheils, das so unverdient die Juden Deutschlands und ganz besonders die Klasse, zu der wir als Studenten gehören, betroffen hat, am zweckmäßigsten unternehmen könnte. Vor dieses Problem gestellt, müssen wir erwägen, wie wir die Lage der aus ihren Stellungen Verdrängten erleichtern können; wie wir ihnen nicht allein die bloße Möglichkeit zu leben, sondern auch die, ihrer. Berufung zu folgen, wiedergeben können. Noch ernster als die Lage der akademischen Kreise Deutschlands ist die der freien Berufe. Zweifellos werden mit der Zeit die Studenten zum großen Schaden Deutschlands und zum großen Vorteil jener Länder, die sie aufzunehmen bereit sind, absorbiert werden. Obwohl die Tatsache, daß ich Jude bin, fuhr Prof. Alexander fort, mich in meiner Laufbahn nicht nur nicht behindert hat, sondern mir sogar zum Vorteil gereichte, bin idh; seitdem ich Dr. Werzmaim näher kennenlernte, zu der Ueberzeugung gelangt, daß es ein Zentrum geben müsse, auf das wir als den Einigungspunkt unserer gesamten Rasse blicken können. Ich bin Zionist geworden. Es ist gut, daß in der »augenblicklichen Krise eine große Zahl von Flüchtlingen nach Palästina übergeleitet werden kann. Als nächster Redner sprach Sir Philip Hartog, der seiner Bewunderung für den Mut Ausdruck gab, den er bei den in England eingetroffenen Flüchtlingen aus akademischen Berufen feststellen konnte. Er forderte die Versammlung auf, daran zu glauben, daß sich im Herzen der deutschen Nation eine Wandlung vollziehen werde. Man solle sich freihalten von Bitterkeit gegenüber den Deutschen. Er sei nicht Zionist, aber Vorsitzender des Verbandes der Freunde der Hebräischen Universität. Als solcher halte er es für richtig, daß ein Teil der zur Linderung der Not der deutschen Juden gesammelten Gelder der Hebräischen Universität gegeben werde, um es ihr zu ermöglichen, jüdischen Gelehrten aus Deutschland neue Stellungen zu bieten. Prof. L. B. Namier erklärte, es sei für die Juden, denen gerade infolge ihres starken Anteiles an den freien Berufen die Gefahr drohe, ein Volk von Luftmenschen zu werden, notwendig, festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Die Juden hätten sich stets hauptsächlich um den Intellekt gekümmert. Man müsse aber erst den jüdischen Volkskörper aufbauen, bevor man die jüdische Seele retten könne. Der Körper des Judentums sei Erez Israel. Den jüdischen Studenten aus Deutschland sage er, daß sie weit besser daran tun würden, den Körper Israels in Palästina aufzubauen, als Titusbogen in Deutschland. Der nächste Redner, Prof. Selig Brodetsky, trat für eine Abkehr von den Intelligenzberufen ein. Er erklärte, die jetzige Krise zeige deutlich die anormale Lage der Juden in akademischen und freien Berufen. Als die Tore des Ghettos sich Öffneten, habe es einen großen Zustrom der Jugend zum Studium gegeben. Die Ostjuden hätten sich mit dem Studium um seiner selbst willen befaßt. Erst seit dem 19. Jahrhundert gei im jüdischen Leben das Studium zum Zwecke der Ergreifung eines Berufes aufgekommen, Das Berufsstudium habe im modernen Leben im Kampf gegen die Würde der Arbeit gestanden. So seien die Juden von den grundlegenden Beschäftigungen, die das Leben einer Nation ausmachen, ferngehalten worden. Eines Tages werde die Frage aktuell werden, ob es möglich sei, eine zehnfach größere lntelligenzschicht, als den normalen Verhältnissen entspräche, zu tragen. Der Judenheit müsse klargemacht werden, daß der große Fehler des jüdischen Lebens in seinem Mangel an wirtschaftlichem Gleichgewicht besteht In Palästina habe man eine Umwertung der Werte erlebt, eine höhere Einschätzung der Arbeit des Pioniersj dort könne man Philosophiestudenten sehen, die hinter dem Pflug herschreiten. Prof. Albert Einstein hatte an die Eröffnungssitzung der Konferenz ein Schreiben gerichtet, in dem er es als besonders wichtig erklärte, daß die Juden in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt würden. Ernst Ullmann Internationale Transporte Wien, VIII., Josefstädterstraße Nr. 43. Telephon B 42-1-96 Interessengemeinschaft in Palästina) los. Erman & I. Braun Haifa, B. P. 301, Jaffa, Tel-Aviv, (erusaiem Spezial-Wareatransporte. Uebcnledlungen, Verpackung«! für PGlSstln«. Transport- und Reisegepäck-Versidienmgaa Aniklafte jeder Art über Palästina I

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