Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 293 (3.8.1833)
- Date
- 1833-08-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ötue 4 i/IL. o « ' ’-llL ■ l * OuJ Shitrit: Hast du besondere Merkmale an den Spuren gesehen? Zeuge: Ich habe die Laufseite an den Halbsohlen untersucht. Polizeioffizier Shitrit zeigt ihm die Schuhe. Der Zeuge nickt zum Zeichen der Bejahung. Die Schuhe (es sind schwarze, zum Teil abgenutzte Halbschnhe, ein Absatz ist hinten vollständig abgelaufen) gehen von Hand zu Hand. Stawski nimmt sie unruhig in die Hand und spricht sichtlich erregt zu seinen Rechtsanwälten, die ihn zu be ruhigen suchen. Rechtsanwah Kaiser niann fragt nach der Bedeutung der Worte ies Fahnders. «Das sind sie.» Shitrit antwortet daß er den Fahnder fragte, ob diese Schuhe es sein können die d e Spuren hinterlassen haben. Er richtet die Frage noch einmal an den Fahnder: Sind es nach deiner Meinung diese Schuhe? — Der Zeuge antwortet: Ja. Er fügt noch hinzu: Ich habe festgestellt, daß einer der Fliehenden an einem Stein anstieß und nicdergefallen ist. Es war der große von den beiden. Die Erklärungen des Fahnders werden in jiddischer Sprache verlesen." Dann fragt Stawski auf Grund seiner in russischer Sprache gemachten Notizen: Wann hast du mich zum erstenmal gesehen? Zeuge: Drc: Tage nach dem Fall. Stawski: An welchem Wochentag? Zeuge: Das weiß ich nicht mehr. Stawski: Wo? Zeuge: Am Strand des Meeres. Stawski: Um welche Zeit? Zeuge: Morgens. Stawski: Und am Montag abends? Zeuge: Ja. Stawski: Wo? Zeuge: Auf der Polizei. Ich befand mich dort, ohne daß mir der Zweck bekannt gewesen war. Stawski: Hast du dort Frau Arlosoroff auf dem Stuhl sitzend gesehen, während wir einzeln an ihr vorbeigeschritten? Zeuge: Ja. Stawski sagt noch: Hast du mich im Gefängnishof auf dem Sand gesehen? Shitrit bestreitet, daß es im Gefängnishof Sand gibt und ebenso der Zeuge. Stawski: Könntest du meine Fußspuren zeichnen? Zeuge? Nein. Stawski: Auch die am Strande nicht? Zeuge: Nein. (Stawski lacht.) Der Richter fragt den Zeugen, ob er besondere Kennzeichen an den Fußspuren bemerkt habe. Der Zeuge antwortet, der Schritt habe eine schräge Neigung, sonst könne er keine besonderen Kennzeichen angeben. Richter: Hast du auf der Polizei in Jaffa die Schritte des Mannes gesehen? Zeuge: Nein. Ich sah sic erst bei der Identifizierung Rechtsanwalt Kaisermann: Aber er hat ja den Mann gesehen! Der Richter fragt nochmals den Fahndet: Hast du den Mann im Gehen gesehen lind wußtest du, daß er der Beschuldigte ist? Der Fahnder: Nein. Richter: Wußtest du während der Identifizierung durch Frau Arlosoroff, daß es der Beschuldigte ist? Der Fahnder: Nein. Erst nach der Identifizierung sagte man mir, daß er der Beschuldigte sei. Richter: Und während der Identifizierung der Spuren wußtest du es? Der Fahnder: Nein. Richter: Als du zum Strand geholt wurdest, hast du gewußt, wer der Beschuldigte ist? Der Fahnder: Nein. Ich befand mich in einem Zimmer unter der Aufsicht eines Polizisten. Nachher holten sie mich zwecks Erkennung der Spuren. Shitrit: Kannst du lesen und schreiben? Der Fahnder: Nein. Shitrit: Und zeichnen? Der Fahnder: Nein. Shitrit: Wonach richtest du dich beim Fahnden, nach bestimmten Zeichen oder nach allgemeinen Eindrücken? Der Fahnder: Nach allgemeinen Eindrücken. Damit war diese Untersuchungsverhandlung geschlossen. Die Haftverlängerung gegen Juda Münz um trieben Tage Juda Münz, der sehr angegriffen aussieht, wird vorgeführt. Die Polizei fordert gegen ihn eine Verlängerung der Haft um 15 Tage. Die kurze Verhandlung gegen Münz nimmt einen gewissen dramatischen Charakter an. Münz protestiert und wehrt sich scharf. Der Verdacht gegen ihn ist sehr schwankender Natur, und der Richter wendet sich an die Anklagevertreter fnit der Erklärung, daß, wenn sie keine stärkeren Beweise gegen ihn haben, er Münz befreien müsse. Die Anklage gegen Münz stützt sich auf die Aussage von Moses Weiser, der mit einem Zweiten jungen Mann dem Verwundeten Arlosoroff die erste Hilfe leistete. Er erklärte, Münz war der Erste, der ihnen entgegenlief, sich einen Augenblick aufhielt, um dem Verwundeten ins Gesicht zu schauen und dänh sofort Weiterrühnte, ohne seine Hilfe anzubieten. Das schien ihm, Weiser, in dieser Läge besonders auffällig. Ftäli Arlosoroff glaubt, Münz an jenefti Abend am Strande gesehen Zu haben, während Münz bestreitet, an jener Stelle überhaupt gewesen ZU sein. Er weist däfauf hin, daß bisher gegen ihn überhaupt keine Untersuchung geführt wurde, was die Polizei mit Ihrer starken Belastung erklärt. Der Richter beschließt unter AlÜnZ* energischen Protesten eine Häftvöfläflgefüng Von sieben Tagen. Der Fahnder ist ein junger, in seiner sauberen Völksl tracht sehr repräsentativ wirkender Beduine, der ein ruhiges und sehr sicheres Benehmen bewies und sich im Kreuzfeuer der oft verwirrenden Fragen sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen ließ. Stawski lacfcte während der Verhandlungen oft und sprach viel mit seinen Verteidigern, ln starke Aufregung geriet er, als seine schwarzen Halbschuhe als Beweisstück und Unterlage für die Feststellungen des Beduinen Rajayeg von»Hand zu Hand gingen. Er schrie, daß man den einen Gummiabsatz künstlich beschnitten habe und bezeichnete den Vorgang als «Skandal». Seine Verteidiger suchten ihn zu beruhigöh und rieten ihm Schweigen an. <*** Die Verteidigung kam bisher nicht zu ihrem Rechte, da die Sache sich noch im Stadium de? Untersuchung befindet. Sie wäre auf die fallweise Erlaubnis des Richters angewiesen, wenn sie eine Frage stellen wollten. Die nächste öffentliche Untersuchungsverhandlung w rtl am 5. August od*T, bei Verhinderung des Vorsitzenden, am 10. August stattfimlen. Kopfschmerzen und Erkältungskrankheiten bekämpft mau ra;,cii und sicher mit TogaltablCtten. Ueber 0000 Aerzte bestätigen die hervorragende schmerzstillende und heilende Wirkung von Togal. £» ist in jeder Apotheka mi haben. Die indische Boykoiikonfevenz in Mmsievdam Amsterdam. Am 20. d. M. erfolgte im Carltonhotel in Amsterdam die Eröffnung einer jüdischen Weltkonferenz zwecks Organisierung einer Boykottbewegung gegen Deutschland. An dieser Konferenz nehmen u. a. Vertreter nachstehender Länder teil: England, Amerika, Holland, Belgien, Polen und Finnlatfd. Der Vertreter Amerikas. Richter Samuel Untermcier, erklärte, daß die Konferenz im Einvernehmen mit dem britischen Boykottkomitee unter der Leitung Lord Melchetts stehe. Die Konferenz soll nicht nur die Boykottbcwcgung in allen Ländern gegen das barbarische Deutschland organisieren, sondern auch über produktive Hilfe für die Opfer Hitlers entsprechende Maßnahmen treffen. Bel der Eröffnungssitzung referierte der jüdisch-amerikanische Schriftsteller Koralnik über die bisherigen Vorbereitungen, wobei er insbesondere die bereits unternommenen Schritte zur Durchführung eines Weltboykotts gegen Deutschland erläuterte. Zum Schlüsse der Eröffnungssitzung unterzog Untermeier die Haltung Dr. Stephen W i s e s einer scharfen Kritik, indem er ihm Unschlüssigkeit in der Frage der Boykottbewegung vorwarf. Untermeier erklärte, daß Wise keinesfalls den jüdischamerikanischen Kongreß repräsentiere, der in einer neunzigprozentigen Majorität sich für die Boykottbewegung ausgesprochen habe und auch diese tätig unterstütze. Die Konferenz ist für zwei Tage anberaumt und werden deren Beratungen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit durchgcfllhrt. Zum Vorsitzenden der Konferenz wurde der Richter Untermcier aus Amerika, zum Vizevorsitzenden Dr. Koralnik und der |iidische Abgeordnete aus Polen W. Wischlitzky gewählt. Anläßlich dieser Konferenz kamen jüdische Großindustrielle aus Lodz nach Amsterdam, die sowohl mit holländischen als auch mit Londoner Firmen Verträge abgeschlossen haben, die Deutschland aus dem Weltmarkt der Textllbrnnclie ausschließen sollen. Bezeichnenderweise wurde die deutsche Sprache von der Konferenz ausgesclialtet, hingegen nur die jüdische, englische und französische xugelassen. Der Sejmabgeordnete Wischlitzky erklärte während der Debatte, daß die Konferenz nicht dazu cinbcrufcn wurde, Um zu demonstrieren, sondern um praktische Arbeit zu leisten und dem offiziellen Deutschland zu zeigen, daß Konzentrationslager und Verfolgungen der Juden ln Deutschland das Weltjudcntum nicht davon abhalten können, Deutschland seine vernichtende Kraft durch die Proklamierung des Boykotts zu zeigen. Es wurden drei Kommissionen gewählt, die sich mit finanziellen, organisatorischen und agitatorischen Angelegenheiten zu befassen haben werden. Schließlich wurde auch eine ständige Exekutive, bestehend aus zehn Personen unter Vorsitz des Richters Untermeier und Lord Melchetts, gewählt. Diese Exekutive mit dem ständigen Sitz In Amsterdam wird nunmehr im Einvernehmen mit dem Londoner und amerikanischen Boykottkomitec sowohl die Boykottbewegung in die Wege leiten als auch für die produktive Hilfe zugunsten der deutschen Juden ln großzügigster Weise Sorge tragen. Neue antideutsche Kundgebungen in London Zu einem Auflauf im Londoner Eastend kam es, als eine Frau im Laden des jüdischen Modewarenhändlers Louis Friedmann ein Paar Handschuhe kaufte und beim Verlassen des Geschäftes die Entdeckung machte, daß die Handschuhe die Marke «Made in Germany» trugen. Voll Empörung teilte die Käuferin ihre Wahrnehmung den Passanten mit, worauf sich eine Menge vor dem Laden des Louis Friedmann ansammelte und das Geschäft zu stürmen drohte. Polizei mußte eingreifen, um die Auslagenfenster vor der Wut der Demonstranten zu schützen. Der Geschäftsinhaber beteuerte, er hätte selbst nicht gewußt, daß die Handschuhe aus Deutschland stammen. Er habe alle Bestellungen bei deutschen Firmen schon vor drei Monaten storniert und sei persönlich ein Anhänger des antideutschen Boykotts. Ersf auf diese Zusicherungen Friedmanns zerstreute sich die Menge. Jüdische Philantropen fordern deutsche Stiftungen zurück Paris, 29. Juli. (D. P. K.) Wie der «Temps» aus New York erfährt, haben die Erben des verstorbenen jüdischen Millionärs und Philantropen Julius Rosenwald, der aus Deutschland in die Vereinigten Staaten eingewandert war, eine Aktion eingeleitet, um die Rosenwaldschen Stiftungen und Legate aus Deutschland zurückzuziehen. Julius Rosenwald hat mehrere Millionen Dollar deutschen wissenschaftlichen und humanitären Instituten gewidmet. Die Zinsen dieser Stiftungen werden aber jetzt, unter dem neuen Regime, nicht mehr jenen Zwekken zugeführt, denen sie ursprünglich gewidmet waren, da die Juden von dem Genuß von Stipendien und Stiftungsplätzen aller Art im Dritten Reich ausgeschlossen sind. Aus diesem Grunde verlangen die Erben Ros°nwalds die Rückgabe der Legate aus Deutschland. Oie Zahl der Juden in der Türkei Konstantinopel. Laut der neuesten Mitteilung des statl. stischen Amtes wohnen in der heutigen Türkei Si .872 Juden. Die größte jüdische Gemeinde in der Türkei, die in Konstafl* tinopel, zählt 46.698 Seelen, die zweitgrößte, die in Smyrha, 16.501, die drittgrößte, die in Adrianopel, 609S Seelen. In Konstantinope! machen die Juden 6,76 Prozent, in Smyrna 10,53 Prozent der Gesamteinwohnerschaft aus. In der Türkei gibt es heute 22 jüdische Schulen mit insgesamt 5476 Schülern. Eine Jüdische Kolonie in Australien London. Das Projekt der australischen Bundesregierung, in Nordaustralien ein großes Territorium für eine jüdische Kolonie zur Verfügung zu stellen, wird in den hiesigen großen Blättern stark besprochen. Die Regierung ist bereit, den Siedlern wertvolle Konzessionen zu erteilen, z. B. Zolifreiheit und Befreiung von der Einkommensteuer. Die Regierung wird bei der näheren Ausarbeitung der Pläne ihre Institutionen zur Verfügung stellen. Sie will mit Einzelpersonen nicht unterhandeln, sondern nur mit bevollmächtigten Vertretern von jüdischen Organisationen. Oer polnische Staatspräsident zeichnet Schalom Asch aus Warschau. Aus Anlaß des polnischen Nationalfeiertages hat der polnische Staatspräsident Prof. Moszicki einer Reihe um das Land verdienter Personen, unter ihnen dem jüdischen Dichter Schalom Asch, für seine Verdienste nuf dem Gebiete der Literatur das Kommandeur-Kreuz des Ordens «Polonia Rcsfituta» (wiedererstandenes Polen) verliehen. Das Kaivalierkreuz dieses Ordens erhielten der jüdische Gelehrte Doktor Jakob FeitloWitz und einige andere jüdische Persönlichkeiten. Der Maler Leopold Pilichowsky gestorben London» Im Alter von 64 Jahren ist hier der berühmte jüdische Maler Leopold Pilichowaky gestorben. Das Leichenbegängnis des Verstorbenen, der sich in England einer ries-gen Popularität erfreute, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkurtdgebüng, an der sich führende Künstler Englands korporativ beteiligten. Am Grabe hielt u. a. auch Nahum So ko low eine ergreifende Trauerrede. PiliChowsky wurde im Jahre 1869 n Russisch-Polen geboren und lenkte schon in ganz jungen Jahren durch Sein bedeutendes Talent die Aufmerksamkeit auf sich. Seine Ausstellungen in München, Paris und anderen Städten, in denen seine Bilder, die jüdische Thetnen behandelten, zu Sehen waren, stelltet! ihn in die erste Reihe schaffender Künstler Europas. Auch Bildergalerien im Haag, 3arl8, Warschau usw. erwarben Bilder dieses Künstlers. Zu seinen bekanntesten Schöpfungen gehören: «Belm Talmud», «Am Vorabend des Sabbat», «Sukkoth», «Jom- KipUr*. Das letzte weltberühmte Werk Pilichowskys «Die Eröffnung der Hebräischen Universität itt Jerusalem» erregte allgemein Aufsehen. Der Verstorbene betätigte sich auch in hervorragender Weise auf dem Gebiete der jüdischen Fürsorge. Er war u. a. Ehrenvorsitzender der Lodzer Landsmannschaft und Vorsitzender vieler Hilfsorganisationen in England. Ist das noch Jüdisch? Peinliches Aufsehen erregte in der vergangenen Woche eine Erklärung, die. einige angesehene jüdische Journalisten in der polnischen zionistischen Presse veröffentlicht haben. Es sind dies die Herren Rosenberg («NeueB Volksblatt»), N. Neugoldberg (Mitarbeiter einiger jüdischer Zeitungen in Polen), Sch. Rosenstein (Korrespondent deB «Haynt»), In der Erklärung wird festgestellt, daß Wolfgang Weisl in der Pressekonferenz, die im Winter 1932 im Grand-Hotel in Lodz stattgefunden hat, wörtlich folgendes ausführte: «Wenn wir Juden ein normales Volk wären und wenn eg bei uns ein Kriegsgericht gäbe, So müßtet! ln erster Linie zwei Todesurteile gefällt werden, und zwar für Dr. Welzmann und Dok* tor Arlosotoff. Ich selbst würde das Todesurteil durch Hän* gen ausfiihreti, ohne daß dabei meine Hand auch ttur zucken würde.» Bahnvai tsak Meises ge&iotben In Lemberg starb der Bahtirät Isalt MeDer, eine überaus populäre und verdienstvolle jüdische PcrsÖfl* Hchkeit. Der Verstorbene war insbesonder' .:: 1 dem Gebiete der jüdischen Waisenfiirsorge wie auch des jüdischen Schulwesens seit Jahrzehnten in hervorragender Weise tätig. Unsere* geschätzte Mitarbeiterin, die gewesene Abgeordnete Frau Rosa Melzer betrauert in dem Verstorbenen ihren Gatten. Ernst Ullmann Internationale Transporte Wien, VlII., josefstädterstraßc Nr. 43. Telephon ß 42 1-96 Interessengemeinschaft in Palästinas jos. Er märt & {. Braun Haifa, B. P. 391, Jaffa, Tel-Aviv, |erusäiem Spezial-Warentransporte, Uabarsiadlungän, Verpackungen N Palästina. Transport- und Reisegepäck-VersicheFüiigen Auskünfte jeder Art über Palästina