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Die Stimme · 1833-08-03 · Heft 293 (3.8.1833) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 293 (3.8.1833)
Date
1833-08-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite t DIE STIMME Nr. 293 — 3. August 1933 * Der Jud* isi schuld! Sine österreichische Groteske Während sich in Deutschland die unversehens zur Macht gelangte Brutalität des Hakenkreuzes gegen die überrumpelte Bevölkerung austobt, exzediert in Oesterreich die Impotenz rechtzeitig an der erstrebten Befriedigung der gleichen Machtgier gehemmter Bestialität derselben Marke. Angesichts der im Nachbarreich nur allzudeutlich in die Erscheinung getretenen Gefahr, die ein nationalsozialistisches Regime für die Kultur des Staates und die Sicherheit der friedliebenden, werktätigen Bürger, Bauern und Arbeiter bedeutet, haben sich die politisch heterogensten Elemente unter der umsichtigen Führung einer energischen Regierung zu einer vaterländischen Front zusammengeschlossen, die zwar die Machtergreifung durch die gefährliche Clicjue, aber nicht deren Wutausbrüche über den ungeahnten Widerstand verhindern konnte. Die unglaubliche Sittenrohelt dieser Exzesse, mit denen der sich schor zur Regierung reif glaubende Größenwahn seine Enttäuschung abreagiert, rechtfertigt wiederum den von höchster Stelle organisierten Abwehrkampf aller Oesterreicher, die sich nicht mit Hitlers Menschheitsbeglückungsmethoden gleichschalten lassen wollen, und ein von der Regierung vorbereitetes Braunbucli, das nur wegen der fast von jedem neuen Tage gelieferten Ergänzungen noch nicht abgeschlossen werden konnte, wird der entsetzten Welt Aufklärung geben, wessen man sich von einem hemmungslos über Land und Leute losgelassenen Hakenkreuzrcgimes zu versehen hätte. Den abstoßendsten von all den niederschmetternden Eindrücken, die man dabei reichlich genug empfängt, macht wohl die unsägliche Feigheit der nationalsozialistischen Mordbrenner, die niemals den Bekennermut aufbringen, durch den politisch Fanatlsierte sonst die größten Freveltaten heroisch zu verklären pflegen; die im Dienste des Hakenkreuzes tätigen Verbrecher suchen immer ihre Motive zu tarnen. Mit Recht sind die österreichischen Behörden am Werke, diese Taktik zu durchkreuzen, indem sie den traurigen Helden die Tarnkappe herunterreißen und so die wahrhaft Schuldigen, die, sich selbst vorsichtig im Hintergründe haltend, verhetzte Jugendliche zu Desperadotaten verleiten, an den Pranger stellen. Es ist nur selbstverständlich, daß sich auch die Presse lebhaft an dieser Entlarvung beteiligt. Leider erlebt man aber dabei die groteskesten Ueberraschungen. Man weiß z. B., daß die übelsten Elemente, die die ganz Uhösterreicblsche’Nöte von Bombenattentaten, Brandstiftungen, Trärtengasattacken usw. ‘ ht‘ die hiesige' Politik'eingeführt' haben, aus Deutschland zugereist sind, wo sie ja auch im Bedarfsfälle ein stets empfangsbereites Asyl vor den Fangarmen der Justiz finden. Man kann sich also nicht wundern, wenn in der österreichischen Presse die Forderung’ nach Abriegelung der Zuwanderung unerwünschter Elemente aus dem Ausland und die Unschädlichmachung der bereits im Inland befindlichen gefordert wird. Baß erstaunen muß man aber, wenn man diese aktuelle Forderung folgendermaßen formuliert findet: «Mit Recht herrscht in unserem Volke eine Empörung über... gewisse Frechheiten polnischer Juden ..V Gescheite, bodenständige Juden verzeichnen bei all der Treue zu ihrer Rasse diesen Umstand mit Bedauern, weil natürlich eine selbstverständliche Reaktion nicht sonderlich kultiviert umgehen wird. Durch die unheilvollen. «Friedensverträge» bringen wir leider das Uebermaß jüdischer Zugewanderter nicht über die Grenzen. Daher muß etwas anderes geschehen: Der jüdische Einfluß muß ssurückgedrängt werden .. .» Also während alle patriotischen Oesterreicher mit der Regierung an der Spitze in einem harten Abwehrkriege gegen die Frechheiten aus dem Westen zugereister Antisemiten stehen, ertönt plötzlich der Ruf nach Abwehr angeblicher Frechheiten von Ostjuden, die hier auf Grund der Friedensverträge Heimatsrecht besitzen! In einem Moment, da sich die Welt über die beispiellose Verrohung der unter den Einfluß des Hakenkreuzes geratenen deutschen Jugend entsetzt, entrüstet sich das zitierte Blatt über die Entartung der — jüdischen JugendI Nichts hat die österreichische Oeffentlichkeit in den letzten Tagen so sehr erschüttert, wie die Bekanntmachung, daß ein nationalsozialistischer Lehrer in Niederösterreich seine Zöglinge zur Verübung gemeingefährlicher Bubenstücke im Dienste der von ihm propagierten Politik angestiftet und Ihnen dazu Sprengstoffe' zur Verfügung gestellt’ hat. Gerade der richtige Moment, um festzustellen:' «Auch in der Demoralisierung ist der Jude führend, allerdings be^ treibt er sie nur für Christen.'» Die frommen Bewohner der österreichischen Alpenländer stehen unter dem ihr Gemüt aufwühlenden Eindruck nationalsozialistischer Kirchenschändungen. Katholische Gotteshäuser wurden durch Hakenkreuze und frivole Inschriften entweiht, die das Christentum als eine jüdische Mache bezelchneten. Die Verurteiler dieser Schandtaten bornierter Judenhasser erfahren zu ihrer Verblüffung: «Auch im Kampf gegen unsere Religion gibt der Jude den Ton an.» Das geniale Blatt, das so tiefgründige Erkenntnis der wahren Kampfrichtung verzapft, die angesichts der Hltler-Kampägne. gegen Oesterreich am gebotensten erscheint, ist der «Bauernbündler», das Organ des Niederösterreichischen Bauernbundes. . Dieses .christlichsoziale Agrarierblatt ist über den verderblichen ’ Einfluß der Juden auf dem Gebiete der Kunst und: Kultur So gut informiert, daß es als dringlichste Forderung des Tages die nach Einführung des numerus clausus der Juden in allen Berufen erhebt... Eine bedauerliche Entgleisung provinzlerischer Bierbankpolitik, doppelt deplaciert tn einem Augenblick, da die geschlossene Abwehrfrönt aller Gegner des Hakenkreuzes das höchste auch von der Regierung wiederholt als solches anerkannte taktische Prinzip bilden müßte? «Nein!» sagt der gewesene Vizekanzler Oesterreichs Dr. Schmitz und wirft die Autorität seiner Persönlichkeit in einem im «Neuigkelts-Weltblatt» vom Sonntag erschienenen Artikel zugunsten des «Bauernbündlers» in die Waagschale. In diesem Aufsatz wird darauf hingewiesen, daß der Antisemitismus in der christlichsozialen Partei .immer lebendig war und ist, wenngleich er zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Gegenden sich nicht immer, mit der gleichen Intensivität auswirkt:‘«In dem von zahlreichen Juden bewohnten Wien, da Wahlergebnisse ’ von der jüdischen Wählerschaft entschieden werden, Ist deir Antisemitismus lebendiger und eher zum Radikalismus geneigt, als etwa im judenrdnen Vorarlberg, dessen Industrie und Handel fast durchwegs Im Besitze christlicher deutscher Familien sich befindet.» So doziert der Herr Minister .a.’D'. und’’merkt ' offenbar gar nicht, welch üblen Dfenst er mit dieser Erklärung dem «Bauernbündler», dem' er doch helfend, beispringen wollte, leistet. Denn ist das flache Land Niederösterreich weniger judenrein als Vorarlberg, sind die niederöster.reichische.n Aecker etwa in - jüdischem.. Besitz und gibt in den niederösterreichischen Bauerndörfern die jüdische Wählerschaft den Ausschlag bei- Wahlen? Wenn Herr Dr. Schmitz diese Fragen verrielftt — und wie könnte er anders —, dann gibt er zu, daß er nicht nur die überraschende Taktik des «Bauernbündlers» keineswegs verständlicher machen konnte,- sondern, daß auch sein weitergehender V e r ö u c ft, in die Juden feind schaft Sinn und Methodik hineinzudeuten, mißglückt ist. Dehn es widerspricht allen Erfahrungen, daß der Antisemitismus dort am lebendigsten ist, wo Juden ‘ in größerer Zahl wohnen: Nicht in Wien, sondern in der judenarmen Provinz Ist die Judenhetze am. erfolgreichsten. In rein arischen Wahlkreisen sind auch für alle antisemitischen Parteien, voran die christlichsoziale, die Mandate am sichersten, während Wien allen Rückeroberungsversuchen durch die Lueger- Partei erfolgreichen Widerstand geleistet hat. Der Aerger über diese Tatsache ist das einzig Echte, das man in dem Aufsatz des Herrn Dr. Schmitz findet. Sein Mißvergnügen darüber, daß die Österreichische Sozialdemokratie von Juden geführt wird, wird auf jüdischer Seite vielfach geteilt; durch ungerechtfertigte Angriffe auf die Juden von konservativer Seite wird aber die Sympathie jüdischer Wähler für die Sozialdemokratie nicht vermindert, sondern im Gegenteil erhöht. Jüdische Akademiker und jüdische Unternehmer werden durch ihr Klasseninteresse vom Marxismus eher abgestoßen als angezogen. Aber noch tiefer verletzt wird ihr Standesbewußtsein, wenn sie von repräsentativen Antimarxisten Rechtfertigungen des Antisemitismus hören, wie die von angeblicher Bevorzugung jüdischer Acrzte durch Sozialdemokraten und ' Tante Hans mmmmm nr s-ishmk Payerbach a./d. Rax, Tel. 13 (vormals Schloß Vetcera), Altbewährt: Gut jüdisches Kinderheim ersten Ranges. Idealste Höhenlage, Sonnenteffassen, nadelwaldreicher Praclitpark. Erstklassige Verpflegung, sorgsamste Aufsicht." Zeitgemäße Preise, Strandbad, Sport, Sprachen. Ueberraschende Erfolge mit schlecht* essenden Kindern. Pflegcächwesterrt, Hofmeister, Kinderpädagoginnen im Haus. Besichtigung erwünscht. dem starken Hervortreten jüdischer Elemente bei Bankenzusammenbrüchen. Der von Dr. Schmitz hochverehrte und auch in seinem angezogeoen Artikel oft zitierte Dr. Seipel war kein Sozialdemokrat und hat doch einen Arzt jüdischer Rasse bevorzugt! Weniger begreiflich ist es uns”, warum christlichsoziale und Helmwehrminister dem gewesenen jüdischen Präsidenten der Credit-Anstalt ganz unzweideutige Ausdrücke ihrer lebhaftesten Sympathie .trotz des Zusammenbruches .seiger Bank widmeten, als sein Roß; däs letzte österreichische Derby gewann. Wir billigen dies um so weniger, als. wir annehmen müssen, daß nur der einseitige Umgang mit solchen jüdischen Kreisen den . chnstlichsozlalen Führern «die Beobachtung» vermittelt, daß Inmitten fortschreitender Verelendung des bodenständigen Volkes der jüdische Besitz weniger leidet, die Lebensführung zahlreicher jüdisoher Familien nicht mit der gleichen bitteren Not zu kämpfen braucht...» Alle Wiener FUrsorgeräte, die christlichsozialen miteingeschlossen, können täglich die entgegengesetzte Beobachtung machen. Der christlichsoziale Minister scheint aber alle Juden für. Rothschilds zu halten. Und dies ist ein Irrtum, der sehr verhängnisvoll werden kann — nicht bloß für uns, sondern auch für ihn und seine politischen Kreise. Denn von den jüdischen Finanzmagnaten ist es bekannt, daß sic Forderungen von Ministern, auch ausgesprochen judenfeindlichen gegenüber, stets eine offene Hand zeigen, da sie unter dem Antisemitismus, den diese Politiker gelegentlich mit diesem .Judengeld propagieren, persönlich .nicht.?« leiden’ifäucheii. undLcUe- Beziehuri«' gen zu ..leitenden Staatsmännern ihnen etliche Opfer .wert erscheinen. Die jüdischen Massen sind aber'in bezug auf jüdische Ehre viel empfindlicher. Die Führer der Vaterländischen Front erliegen daher einem Trugschluß, wenn sie glauben, die Juden würden, ihnen auf alle Fälle nachlaufen . und. sie brauchten auf diese keine Rücksicht zu nebmen;; wennr:.6a>gHt,i;denjn’htjonal^ozia^-- listlschen Anhaiig zti; gewinnen, indem: Ste-Sselrje': anti^. semitischen Prögfamrftpurikte übernehmen. Die jude.h sind naturgemäß die festesten Stützen jeder Kampf-, front, .die e h r 11 c h gegen die Prinzipien und Methoden des;Hakenkreüzes gerichtet ist: Aber -als- Kanonen-» futter in einem Kriegej der gegen Hitler nicht als. grundsätzlichen Gegner, sondern bloß als;unbequemen.. Konkurrenten' beim Umsetzen desselben -• politischen: Ramsches geführt wird, fühlen wir uhs'zii -f; Die Extratouren einiger christlichsozialer :Biätter:_ haben im Ausland lebhaftes Befremden hervörgefufeh- und die .'Regierungkonnte nicht umhin, in -den. .aus.-, ländischen Blättern feierlich zu erklären, es. werde an der Gleichberechtigung der Juden ln- Oesterreich nicht gerüttelt werden. Wir möchten aber feststcllcn, daß unsere 'Gleichberechtigung zwar gesetzlich verankert Ist, sich aber in der Praxis nicht immer durchsetzt. So wird z. B., um nur ein Faktum unter vielen anzuführen, berechtigte Klage Über die Behandlung geführt, die Gesuche jüdischer Aerzte um Aufnahme als Aspiranten und Sekündarärzte in den staatlichen Spitälern erfahren. Die Regierung würde gut daran tun, hier nach dem rechten zu sehen. Wir Juden sind gute Staatsbürger 0 e s t e r e i c h s, wir’ verlangen aber ebenso, daß uns.ere Rechte respektiert werden. Palästinareisende besuchen den schönsten Punkt des Landes Mount IM Teltsch House, Haifa Herrliche Lage im.Kieferwald, europäisches Klima,, 10 Minuten vom Meeresstrand. Wiener Küche. Bürgerliche Preise Der Meten 3iatemeth veranstaltet eine Qeselisdkaftsreise zum IS. Ztonisten-Monüreß .Anmeldungen beim Keren Kajemethf Wien L Kärntnerstraße 28

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