Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 291 (20.7.1933)
- Date
- 1933-07-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« S DIE STIMME Nr. Mi — 20. )vn tm Ben Zwi Nachfolger Dr. Arlosoroffs in der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Jerusalem. Die Jüdische Arbeiterpartei Palästinas hat ihre Zustimmung zum Eintritt des Arbeiterführers Ben Zwi, Mitgliedes des Präsidiums des Waad Leumi, in die Exekutive derjewish Agency in Palästina gegeben. Ben Zwi soll in der Exekutive die Funktionen des verstorbenen Dr. Arlosoroff übernehmen und wird sein Amt bereits in den nächsten Tagen an treten. Bald nach der Ermordung Dr. Arlosoroffs war Ben Zwi vom Präsidenten der Jewish Agency Nalium S o k o I o w aufgefordert worden, das Amt des politischen Leiters der Palästina-Exekutive zu übernehmen. Der jüdische Nationalrat Waad Leumi hat im vorigen Monat ein Telegramm Sokolows an Ben Zwi veröffentlicht, in dem es heißt: «Im Hinblick auf die jetzt entstandene Lage und im Interesse der Erhaltung des Vertrauens der Bevölkerung fordere ich Sie als Leiter des Waad Leumi auf, die zeitweilige Leitung der politischen Abteilung der Agency zu übernehmen.» Arlosoroff Fonds proklamiert lm Rahmen des Keren Hazalah Warschau. Anläßlich des Ablaufs der 30 Trauertage nach dem Tode Dr. Arlosoroffs wird folgender, von der Histadruth Haowdim in Palästina, dem Jüdischen Klub im polnischen Sejm, den zionistischen Organisationen in Polen und der Liga für das arbeitende Palästina Unterzeichnete Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt: Tiefe Trauer über den tragischen Tod unseres jungen Kameraden und Führers Chaim Arlosoroff hat alle Kreise der jüdischen und zionistischen Oeffentlichkeit ergriffen. Wo ein Herz für jüdische Erneuerung und Palästinaarbeit schlägt, ist man infolge dieses Unglücks tief erschüttert. Aber Trauer darf nicht der einzige Ausdruck unserer tiefen Erschütterung sein. Sein junges Leben stand im Zeichen von Arbeit und Aufbau. In Arbeit und Aufbau muß die Nationaltrauer zum Ausdruck kommen. Die Ermordung Arlosoroffs fiel gerade in die Zeit der historischen Katastrophe, von der unsere Brüder in Deutschland betroffen wurden. Die Sorge, wie die in Deutschland entwurzelte jüdische Jugend in die produktive Arbeit in Palästina einbezogen werden könnte, bildete eines der großen politischen Probleme, die Arlosoroffs Geist in den letzten Tagen seines jungen, aber arbeitsreichen Lebens beschäftigt hat. Die Leitung der Histadruth in Palästina, die nächsten Freunde und Mitkämpfer des Verstorbenen haben beschlossen, einen seinen Namen führenden Fonds zu schaffen, der in den Zentralfonds zur Kolonisierung deutscher Juden in Palästina eingegliedert werden und folgende besondere Aufgabe haben soll: Chaluzim und Kinder aus Deutschland nach Palästina zu bringen, um dort zu leben, zu arbeiten und zu schaffen. In den Tagen der tiefen Trauer wird dieser Fonds proklamiert. Allgemein wie die Trauer soll auch die Bereitschaft zur Arbeit sein. Nicht nur in Palästina und nicht nur in den Kreisen seiner nächsten Freunde, sondern in der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit soll der Ruf nach Solidarität mit den leidenden Brüdern in Deutschland erklingen, za Mitarbeit an der Erweiterung unserer Position im Lande, zu Opferwilligkeit bei der Verewigung des Andenkens unseres großen jungen Märtyrers. Am Tage der Scheloschim beginnt überall die Sammlung. Sie wird in verschiedenen Formen geführt, angepaßt an die örtlichen Bedingungen und die Dringlichkeit der Aufgabe. Aber umfassend muß der Rahmen der Aktion überall sein, nachhaltig die Antwort der jüdischen Massen auf den Appell. Die Exekutive der Histadruth Haowdim in Palästina: D. Ben G u r i o n, Salman Rubaschow. Der Jüdische Klub im polnischen Sejm: Dr. jehoschua Thon. Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Polens: J. Grünbaum, A. Goldberg, A. Hartglass. Zentralkomitee der Liga für das arbeitende Palästina in Polen: M. Neustadt, D. Rosenbaum, A. Reis. Kirjath Chailm* eine Arbeitersied* lung an der Haifa-Bay Jerusalem. In der Siedlung Kirjath C h a j i m, einer nach Dr. Chaim Arlosoroff benannten Arbeitervorstadt an der Bucht von Haifa, wurden 200 Arbeiterhäuser fertiggestellt. Weitere 200 Häuser sollen demnächst errichtet werden. Für die neue Arbeitersiedlung hat der Keren Kniemeth insgesamt 3000 Dunam zur Verfügung gestellt. Die Untersuchung um den Arlosoroff-Mord Verdächtigte werden Frau Arlosoroff gegentibergestellt Jerusalem. (J. T. A.) Der im Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs von der Polizei verhaftete junge Revisionist Jehuda Minz, sowie der Oegchflftsführer der revisionistischen Wochenzeitung «Hazit Haam», Lichter, wurden Frau Arlosoroff gegenübergestellt. Frau Arolosoroff hat in keinem der Beiden einen der Leute, die Arlosoroff überfallen haben, erkannt. Keine Araber im Zusammenhang mit dem Arlosoroff-Mord verhaftet Jerusalem. (J. T. A.) Von hoher politischer Seite wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß die Meldungen über eine angebliche Verhaftung von zwei Arabern im Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs den Tatsachen nicht entspreche. Die Haft über Stawsky wurde um 15 Tage verlängert. Oer Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Jerusalem gestorben Jerusalem. Im Alter von 52 Jahren verstarb nach kurzer Krankheit der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Jerusalem Isaac E1 i s c h e r, einer der hervorragendsten Vertreter der sephardisch-palästinensischen Judenheit. London. Die Kongreßwahlkampagne in England wurde durch eine Massenversammlung der Allgemeinen Zionisten, die unter dem Vorsitz von Reverend J. K. Goldbloom in der Shoreditch Town Hall zu London stattfand, eröffnet, Neben den Allgemeinen Zionisten beteiligen sich an der Wahlkampagne in England der Mi s ra ch i, die Z ionist e n-R e v i s i o ni s t e n, die Poale Zion und die Unabhängigen Zionisten. Auf der Wahlversammlung in der Shoreditch Town Hall hielten der Präsident der Zionistischen Organisation Nah'um S o k o 1 o w, der Abgeordnete Barnett Jänner, Dr. S. B r o d e t s k y, I. M. S i e f f und Morris Myer Ansprachen, in denen sie auf die besondere Bedeutung des bevorstehenden Zionistenkongresses und die Notwendigkeit innerzionistischer Geschlossenheit angesichts der bedrohten Lage des jüdischen Volkes hinwiesen. Machet diesen Kongreß, sagte Sokolow in seiner Ansprache, vor allen Dingen zu einem Herzl-Kongreß. Es wird für Israel keinen dauernden Frieden außer in Palästina geben; wir müssen mehr Juden hinbringen. Die Arbeit Doktor Arlosoroffs muß fortgesetzt werden. Jüdischer Geist, jüdischer Name und jüdische Tradition müssen neuen Glanz durch die Arbeit bekommen, die der bevorstehende Kongreß zu leisten haben wird. Gegen Parteihader - Sür Einigkeit Der Hauptredner in der Versammlung Dr. S. Brod e t s k y richtete an die Zuhörer den eindringlichen Appell, Parteikämpfe beiseite zu lassen und sich zu einer gemeinsamen Anstrengung zusammenzuschließen, um der Verwirrung ein Ende zu machen, die die tragischen Ereignisse der letzten Zeit in die jüdischen Reihen getragen hätten. Einleitend erklärte Dr. Brodetsky der Kongreß werde nicht vertagt werden, wie dies von mancher Seite vorgeschlagen worden sei. Zwei große Tragödien, fuhr Doktor Brodetsky fort, hätten sich innerhalb der letzten Monate abgespielt, die Vorgänge in Deutschland und der Tod Dr. Arlosoroffs. Beide Ereignisse seien geeignet, Verwirrung in das jüdische Leben zu tragen; eine solche Verwirrung würde nur den Feinden des Judentums Freude bereiten und deshalb müsse man auf der Hut sein. Allen, besonders aber den Zionisten müsse die Bedeutung der jüngsten Ereignisse in Deutschland klar sein. Es werde für die Juden in Zukunft keine Sicherheit und Ruhe geben, wenn sie nicht ihren Platz auf eigenem Boden finden würden. Nichts könne die Grundtatsache ändern, daß die Zukunft der Juden weiterhin in vielen Ländern tragisch sich gestalten werde, solange die Juden überall eine hilflose, der Willkür anderer überlassene Minderheit bleiben würden. Wir müssen, erklärte Brodetsky, unsere Zukunft selbst ln die Hand nehmen. Wir werden zum Kongreß gehen, um vor allem dies nicht nur den Juden, sondern der ganzen Welt klar zu machen. Wir müssen dessen eingedenk sein, daß die Menschheit sich mit der Judenfrage solange nicht ehrlich befassen wird, solange die Juden selbst dies nicht tun. Es gab Zeiten, fuhr Brodetsky fort, da das Wort der Zionisten an das jüdische Volk wirkungsvoll war. Das rikanisohen Gesellschaft Zion Commonwealth. Das Leichenbegängnis fand unter ungeheurer Beteiligung der Bevölkerung von Tel-Awiw statt Am Grabe hielten Henriette S z o 1 d, der politische Sekretär der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Shertok und andere Redner Ansprachen. Der Handel ln Palästina bat letztes Jahr alle bisherigen Zahlen übertroffen. Der Gesamtimport betrug 7,768.920 Pfund, der Export war 2,381.491 Pfund. Die Wirtschaftslage macht auch im letzten Monat anhaltende Fortschritte. Für Grapefruits wurden auf den ausländischen Märkten per Kiste statt 13 Schilling wie leztes Jahr 19 Schilling bezahlt. Makkabi-Radfahrer aus Polen in Tel-Awiw eingetroffen Jerusalem, in Tel-Awiw ist eine Gruppe von elf Radfahrern des Makkabi in Polen eingetroffen. Zu ihren Ehren veranstaltete das polnische Konsulat von Tel-Awrw eine* Empfang im Kasino. Der Konsul, Bürgermeister D i z e n» goff und ein Vertreter des Makkabi von Tel-Awiw begrüßten die Gäste, von denen einer den Dank für den Empfang aussprach. ganze jüdische Volk hörte die Balfour-Deklaration und wurde von ihrer Botschaft ergriffen. Aber mit der Entwicklung eines engstirnigen Parteigeistes ist Verwirrung und Demoralisierung in unsere Reihen gekommen. Wir müssen jeden Juden davon überzeugen, daß es seine Pflicht ist, sich für eine gemeinsame Anstrengung zur - Verfügung zu stellen. Dann, aber auch nur dann, können wir an die Völker appellieren. Der verräterische Mord an Dr. Arlosoroff fügte dem jüdischen Volk einen der größten Verluste zu, die es in letzter Zeit zu ertragen hatte; Arlosoroff wird unter die großen Heroen des Judentums der letzten Generationen eingereiht werden. Unsinnigerweise haben wir uns in einen beschämenden Streit über die Identität der Mörder eingelassen, .ehe noch Arlosoroffs Leichnam erkaltet war. Die den Mord begangen haben, müssen sich über die Uneinigkeit freuen, die eine Folge dieser Tat war. Es wurden mancherlei Erwägungen darüber angestellt, wer an die Stelle Arlosoroffs treten solle. Darüber wird der Kongreß entscheiden. Aber es muß ein arbeitsfähiger Kongreß sein, der einen würdigen Nachfolger finden soll. Wir wollen hoffen, daß die Beschlüsse des Kongresses in allen Fragen dem Format und der Bedeutung dieses Kongresses entsprechen werden. Wir Allgemeinen Zionisten vertreten das Grundprinzip,, daß Palästina mehr Juden braucht; wir kümmern uns nicht darum, ob sie fromm oder weniger fromm, Konservative oder Sozialisten sind. Das ist das Wesen des Allgemeinen . Zionismus, daß er Zionisten aller Richtungen vereinigt Palästina braucht Reiche und Arme, Denker und Philosophen, Maler und Musiker, Arbeiter und Handwerker. Eine Nation muß alle Farben des sozialen Regenbogens enthalten. Wenn auf dem bevorstehenden Kongreß, schloß Brodetsky seine Ausführungen, Partei gegen Partei kämpfen wird, so wird er der unglückseligste Kongreß in der Geschichte der zionistischen Bewegung sein. Aber dieser Kongreß kann auch den Beginn eines neuen Lebens bedeuten. Die Katastrophe in Deutschland könnte den Anfang der Erlösung Israels bezeichnen; auf diesem Kongreß könnte das Unglück der deutschen Judenheit in die Erlösung Palästinas umgewandelt werden. Dr. Stephen Wise nach Europa abgereist New York. Der Ehrenpräsident des American Jew. Congress Dr. Stephen S. Wise Ist nach Europa abgt* reist, um an einer Konferenz von Vertretern verschiedener jüdischer Organisationen teilzunehmen, in der Beschlüsse, betreffend den geplanten jüdischen Weltkongreß, gefaßt werden sollen. Gleichzeitig mit Dr. Wise ist Dr. J. Koralnik, der zusammen mit Samuel U n t e r m y e r an der Spitze der wirtschaftlichen Abwehrbewegung steht, nach London abgereist, um dort mit führenden Persönlichkeiten Besprechungen, betreffend die jüdische Wirtschaftskonferenz, ab* zuhalteik Kleine Patöstina-NariiFichten Palästinafriiehte nach Holländisch-Indlen In letzter Zeit ergaben sich Exportmöglichkeiten für Orangen und Grapefruits nach Holländisch-lndien. Die <Deli Company» hat in Palästina ein Einkaufsbureau errichtet. Die ersten Probesendungen haben nach Qualität und Preis voll entsprochen. Nelly Straus-Mossenson gestorben Jerusalem. Im Alter von 41 Jahren ist in Tel-Awiw die ehemalige Redakteurin der englischen Ausgabe des «Dawar» Nelly Straus-Mossenson einem Schlaganfall erlegen. Die Verstorbene, die früher auch Sekretärin der Hadassah in Palästina war, kam 1919 aus Amerika nach Palästina. Eine Zeitlang war sie auch Leiterin der ame- Dr. Karl Schwarz in Tel-Awiw eingetroffen Jerusalem. Der ehemalige Direktor des Jüdischen Museums in Berlin Dr. Karl Schwarz, der als Kustos für das Jüdische Museum in Tel-Awiw nach Palästina berufen wurde, ist in Tel-Awiw eingetroffen und hat sein neues Amt angetreten. Gründung einer arabischen Sportorganisation für Palästina und die Nachbarländer Jerusalem. Die arabische nationalistische Jugendorganisation hat beschlossen, einen sich über Palästina und die Nachbarländer erstreckenden Sportverband zu schaffen. Der neue eVrband soll nach dem Muster derOlympiaden regelmäßig Sportfeste veranstalten, die nach Antar, einem arabischen National beiden der vorislamitischen Epoche, den Namen «Antariad e n» führen soUen. Sokolow und Brodetsky eröffnen die Kongreßwahlkampagne in England