Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 291 (20.7.1933)
- Date
- 1933-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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PIE STIMM! Nr. 291 — 20. Juli 1039 2,000,000 Pfund beantragen will. Wenn wir auch diese Anleihe noch lange nicht sehen — nicht ohne Qrund hat Wedgwood dem englischen Steuerzahler drohende Ge** fahren ausgemalt —, wollen wir doch einige erstaunlich# Tatsachen anmerken. Wer wird die Zinsen der Anleihe aufzubringen haben, wer wird die Annuitäten aufbringen müssen? Natürlich die Juden. Wer wird angesledaft werden? Natürlich die Araber, die «Söhne der Heimat». Die Juden bekommen nur — werden sie es bekommen? — das «Niederlassungsrecht». Und dann noch etwas, ln der ganaen Welt, auch im British Empire, bekommt der Verkäufer seine Ware nur einmal bezahlt, in Palästina aber, wenn er ein Araber ist, zweimal. Erst zahlt ihm der Jude für den Boden irrsinnige Beträge. Dann stecht der Araber das Geld ein und erhebt ein großes Geschrei, der Jude habe ihn disloziert, landlos gemacht. Und prompt kommt England dem «armen Araber» zu Hilfe, es muß ihn wieder ansiedeln. Daher also: Anleihe, Juden zahlt! Unsere Exekutive geißelt den French-Bericht in ungewöhnlich scharfer Form als den Versuch, das Mandat zu sabotieren, Unter diesem Aspekt müssen auch die verbindlichen Worte der Exekutive an die Regierung betrachtet werden. Die Exekutive erklärt sich zwar bereit, mit der englischen Regierung weiter zu kooperieren, lehnt aber den French-Bericht kategorisch ab. Mit dieser Stellungnahme weiß ste sich eins mit allen Zionisten. England war am besten Wege, das Vertrauen von 17.000.000 Juden in der ganzen Welt, das im Jahre 1029 einen schweren Stoß erlitten hat, wiederzugewinnen. Wenn es jetzt plötzlich den totgesagten French-Bericht ausgräbt, scheint es die wichtigste politische Tatsache in Palästina, die beginnende politische Einsicht vieler Araber, zunichte machen zu wollen. Die Araber ln Palästina und Transjordanien sehen endlich ln unserem Aufbauwerk ihre Rettung und wollen uns ihren überschüssigen Boden verkaufen. Und da kommt England und will durch «Regierungsmaßnahmen» den Beginn einer sich zwischen Juden und Arabern anbahnenden friedlichen Entwicklung «beeinflussen». Wir müssen daher auf der Hut sein. England ist stolz auf sein «Fair play». Wir wollen uns freuen, wenn wir in Zukunft werden bestätigen können, was Sir Cunliffe Llster von England am 14. Juli im Unterhause sagte, daß es das Palästina-Mandat «a b s o 1 u t f a i r» verwalte. Der French-Bericht (Fortsetzungvon Seite 1, Spalte2 unteh) Dieser Gefahr müsse durch ein Grundstücksübertragungsgesetz vorgebeugt werden. Ein solches Gesetz bedeute keineswegs «Unterbindung weiterer Bodenkäufe durch Juden», sondern nur Kontrolle von Bodenverteilung unu -Übertragung während der auf mehrere Jahre sich erstreckenden Durchführung eines Siedlungsplanes. Erleichterung jüdischer Ein* Wanderung Zur Frage, wie geschlossene Siedlung von Juden ent- »fjrechend der Politik der englischen Regierung erleichtert ■werden könnte, führt French aus: Die einzigen für dichtere Siedlung möglicherweise geeigneten Gebiete, d. h. solche, von denen man weiß, daß sie bewässerbar sind, sind a) Teile der KUstenebene, b) Beisan, c) Huleh und d) ein Teil de* Jordantals. Ein weiteres derartiges Gebiet könnte der Bferscheba-Distrikt werden, wenn die jetzt vorgenommenen Pfobebohrungen das Vorhandensein von Qrundwasser ln genügender Menge zur Anlage artesischer Brunnen ergeben egllten. Dia Gefahr eines Zusammenbruches' der Citrus-Industfie ln Palästina muß vorausgesehen und mit größter Wachsamkeit ferngehalten werden, um so mehr, als kein Beweis vorhanden ist, daß die Citrus-Kultur durch einen anderen rentablen Wirtschaftszweig ersetzt werden könnte, sobald ihr der Boden entzogen würde. Die übrigen Gebiete könnten, die technische Möglichkeit ihrer Bewässerung und damit Ihre Fähigkeit, rentable Ernten zu produzieren, vorausgesetzt, die Wiederansledlung landloser Araber und die Kolonisierung einwandfreier Juden durch allmähliche, eine Reihe von Jahren erfordernde Entwicklung ermöglichen; damit würde der Druck auf die westlichen Teile Palästinas erleichtert werden. Die in Frage kommenden Gebiete liegen abseits von d|n lokalen Märkten und die Siedler müßten sich unter allen Umständen in erster Reihe auf auswärtige Märkte für dfn Absatz ihrer Produkte stützen. Die Forderung nach baldiger Reorganisierung der bestehenden Siedlung im Beisan- und Huleh-Gebiet und nach Neukolonisierting der einzigen großen Gebiete im Lande, nämlich derjenigen im Jordantal, gründet eich auf höchst optimistische Erwartungen. mKAnymsxR.m 0 ÄLSB&ST&. 4 S16S1&-S20.- Fl»* Mit vielleicht verzeihlicher Blindheit gegenüber den Möglichkeiten wind angenommen, daß die berühmte Jaffa-OrtMife und die Palfietina-Grape-Prulte in unbeschränktem Ausmaße, gleichgültig unter welchem KÜma, gezogen werden können und daß der Ausbreitung ihrer Kultur automatisch eine Erschließung zur Aufnahme unbegrenzter Mengen dieser Früchte geeigneter auswärtiger Märkte folgen wird. Diese Auffassung ist meiner Meinung nach irrig. Bezüglich unmittelbarer Hilfe für jüdische Organisationen in der Kolonfsationsarbeit muß daran erinnert werden, daß diese Körperschaften zugegebenermaßen über 40.000 Dunam Boden reserven haben, die noch kolonjafert werden sollen. Die London. Unmittelbar nach dem Eracheinen des French- Berichtes wurden der Jüdischen Telegraphen-Agentur die Einwände der Jewish Agency zu diesem Bericht zur Veröffentlichung Ubergeben, ln der Antwort der Jewjeh Agency, einem von Dr. Arlosoroff namens der Agency am 10. März, wenige Wochen vor aeiner letzten Europareise, gezeichneten Dokument, wird Insbesondere darauf hingewiesen, daß der French- Bericht ebenso wie die Berichte früherer offizieller Untersuchungskommisaionen von der irrigen Annahme ausgeht, daß zwischen arabischen und jüdischen Interessen in Palästina ein naturgegebener Gegensatz bestehe. Deshalb und infolge ungenügender Kenntnis der Landesverhältnisse gelange French zu falschen Folgerungen. Zum Schluß erklärt sich die Agency bereit, der Regierung eigene Vorschläge betreffend die Landentwicklung in Palästina zu machen, Vorschläge, von denen sie überzeugt ist, daß sie dem Interesse aller Teile der Bevölkerung Palästinas entsprechen. In dem Schreiben der Jewish Agency wird unter anderem ausgeführt: Der French-Bericht ist ein Beweis dafür, daß es trotz detaillierter. Begründung und trotz Beibringung einer Menge von Nachweisen nicht gelungen ist, die Denkrichtung der offiziellen Experten zu ändern, von denen tatsächlich keiner mehr als einige Wochen oder höchstens Monate im Lande geweilt hat und infolgedessen kaum Zeit gefunden haben dürfte, sich eine entsprechende Kenntnis der lokalen Verhältnisse anzueignen. Deshalb will die Exekutive in diesem Briefe sich darauf beschränken, einige der den Berichten des Landesentwicklungsdirektors zugrunde liegenden Prinzipien zu analysieren, ohne einzelne Feststellungen anzugreifen. Die Exekutive, heißt es im dem Brief weiter, sieht sich genötigt, zu erklären, daß sie in der im French-Bericht dargelegten Politik nicht die Aufstellung eines Planes erblicken kann, wie er anscheinend von der Regierung Seiner Majestät in Aussicht genommen war, als in dem am 13. Februar 1931 an Dr. Weizmann gerichteten Brief des Ministerpräsidenten Bezug genommen wurde auf «die unfangreichen Ziele der Entwicklung, die die Regierung Seiner Majestät als das wirksamste Mittel zur Förderung der Errichtung eines Nationalheims für die Juden erachtet. Die Berichte Mr. Frenchs scheinen auf falschen Voraussetzungen zu beruhen. Sie gehen fortwährend von Befürchtungen statt von Tatsachen aus. Sie sind im ganzen in konstruktiver Hinsicht steril und gehen gründlich fehl in ihren Vorschlägen betreffend eine restnik- Gemessen an den Bedürfnissen des jüdischen Volkes, an der Not der Massen, an der wirtschaftlichen Notwendigkeit von Wanderung und Siedlung, war der Zionismus stets eine arme, sich hart abmühende Bewegung. Gegenwärtig warten etwa 7000 landwirtschaftliche Arbeiter, die fünf bla zehn Jahre auf privaten Pflanzungen gearbeitet haben, auf Ansiedlung. 40.000 junge Männer und Mädchen sind in den Chaluzorganisationen verschiedener Länder organisiert, schulen sich für Palästina ohne die bestimmte Aussicht, hier mit Land und Inventar ausgestattet zu werden. Könnten sie absorbiert werden, so würden weitere Zehntausende um die gleiche Hilfe bitten. Im Verhältnis zu einer derartigen Aufgabe sind unsere «Körperschaften» nicht «reich und mächtig», sondern eher nicht ausreichend und stehen unter starkem Druck. Andererseits sollte nicht übersehen werden, daß die jüdischen Koloniaationsinstrumente nicht die profitjagenden Unternehmungen auf die Ausbeutung billiger Eingebornenarbeit sich stützender privilegierter Gesellschaften sind, sondern, daß sie den Zwecken des öffentlichen Wohles im höchsten Sinne des Wortes dienen, indem sie einwandernden Arbeitern und Handwerkern landwirtschaftliches Inventar, Behausung und Kreditmöglichkeiten bieten. Der Landentwicklungsdirektor Ist an die jüdische Seite jüdischen Behörden sind der Meinung, daß Beihilfe bei Konsolidierung oder Amelioriening ebstehender oder in Grün# düng befindlicher Kolonien keine richtige Verwendungsart des Entwickluftgifonds darstellen würde. Die Jewish Agpocy glaubt, daß, wenn der Entwicklungsfonds überhaupt zu direkter Kolonisation verwendet werden soll, dies durch Efv fichtung neuer Siedlungen geschehen solle. Was jüdische Siedlungen betrifft, so stimme ich dieser Meinung bei. Biß Eingreifen der Regierung in die innere Wirtschaft bestehender oder in Errichtung befindlicher Kolonien wäre von Jedem Gesichtspunkt aus unerwünscht. tive Gesetzgebung. Sie sind auf der trügerischen An nahm« aufgebaut, daß eine die jüdische Initiative in Fesseln legende Politik denjenigen, der eine solche Politik vertritt, der Pflicht enthebe, positive Wege und Methoden für die Förderung von Juden oder Arabern aufzuzeigen. Die Unterzeichnete Exekutive Ist daher zu dem Schlüsse genötigt, daß diese Berichte nicht als Grundlage einer Land-und Entwicklungspolltik in Pa# lästlna, bei deren Durchführung zu koope* rieren die Jewish Agency in der Lage wäre, akzeptiert werden können. Die erste und ernsteste Prämisse der Berichte Mr. Frenchs, die agch die Grundlage der Kontroverse in den letzten Jahrenwar, ist die von der angeblichen beträchtlichen Verdrängung arabischer Bauern infolge Uebergangs ihres Bodens in jijdi-. sehe Hände. Man sollte dessen eingedenk sein, daß diese. Frage nicht als ein bloßes wirtschaftliches Problem, sondern., als eine schwere politische und soziale Gefahr hingeatellt worden ist, eine Gefahr, der letzten Endes die Unruhe im Lande, die in den Ausschreitungen des Jahres 1929 ihren Höhepunkt fand, zuzuschreiben sei. Diese Anklage nimmt einen hervorragenden Platz Im Bericht der Shaw-Kommission’ ein, deren Mehrheit der Meinung war, «es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß eine Fortsetzung und mehr noch ein« Beschleunigung des Prozesses, der zum Entstehen einer: großen unzufriedenen landlosen Klasse führt, mit schwerer Gefahr für das Land verbunden sei». Seither ist die Be- •' haqptung, es sei in Palästina ein «landloses Proletariat» von Arabern vorhanden, entstanden infolge Verdrängung durch dfa Juden, verdammt zur Vagabondage und Elend, aus der Din* kussion über die Lage in Palästina nicht mehr verschwunden.... So-.wprde die zionlstisehie Bewegung beschuldigt,, dfe Stebfcfcsr? salsgestaltung des jüdischen Volkes auf Kosten der Wohlfahrt der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas zu versuchen. Die Entfernung von etwa 500 Weidenutzberechtigten und Bauern in einem Zeitraum von zwölf Jahren seit Einsetzung der britischen Verwaltung in Palästina oder durch- 1 schnttlich 50 Familien im Jahre kann keineswegs als Ausdruck jenes ominösen Prozesses betrachtet werden, der in den angeführten Dokumenten beschrieben oder angedeutet wird. Selbst wenn Mr. Frenchs ursprüngliche Annahme einer Zahl von 1000 bis 2000 «dislozierten» Arabern sich als richtig erwiesen hätte — was nicht der Fall war — so hätte die Lage keine wesentliche Aenderung erfahren. des Problems nicht unter dem Gesichtspunkte des Mandats« herangetreten, das der Mandatarmacht die positive Verpflichtung auferlegt, die Errichtung des Jüdischen Nationalheims — ein Ausdruck, der im Vokabular Mr. Frenchs picht vorkommt — zu sichern. Statt im Lichte objektiver Tatsachen einzusehen, daß in der Aufgabe des Mandates, die Errichtung des Jüdischen Nationalheims aktiv zu fördern bei gleichezitiger Förderung der Wohlfahrt aller Einwohner Palästinas, nichts Widerspruchsvolles oder Unvereinbares liegt, scheint Mr. French weiterhin von der Annahme einet Antagonismus zwischen den beiden Tellen des Mandates auszugehen. Dieser von Qrund aus falsch« Gedanke muß notwendig zu unfruchtbaren Argumenten führen. Mit ihm als Basis kann nie und nimmer eine konstruktive Politik ausgearbeitet werden. Eine Auffassung, der zufolge all««, was dem Jüdischen Siedler nützen könnte, notwendigerweise sich als schädlich für den arabischen Bauern erweisen müsse, während Jegliche Einschränkung jüdische« Unternehmungswillens und Fortschritts automatisch zum Schutze für den arabischen Nachbarn werde, kann nur m einem Programm führen, das, statt ein Instrument der Entwicklung zu sein, zu einem Mittel werden muß, «Me«« ** obstruieren. Die Einwände der Jewish Agency gegen den French-Bericht Sin won Dr* Arlosoroff gezeichnetes Dokument CAF£ HANS SILLER MARIAHILPERSTRASSE 22 (Stifts-Kaserne) Das CAFE mit der berühmten Meierei Sctiöntser Terrassengaurteil Judennot, Auswanderungsdrang nnd Mandatsverpflichtung Den Auhdruck „Jüd sches Netionalheim“ kennt French's Vokabular nicht