Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 290 (13.7.1933)
- Date
- 1933-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1 ■}« 4 ■-; i . (• 'L: 1 t sV. K I ,-i t i i J i Se:fe 6 m STIMME Nf. 200 — 13. Juli 1033 fie sind schon längst gestorben und missen es selber haum Ein Aufruf der Union Oesterreickischer Juden Innere ist im großen ganzen wie das der Synagoge von Troki, doch prunkvoller. Vor der Bundeslade lagen reiche .Teppiche von orientalischem Muster. Zu beiden Seiten, in je einem Alkoven, war je eine glänzend rote Seidendecke, darunter befand siah, so erklärte der Kantor, ein Pentateuch in hebräischer Sprache. Gegenüber der Bundeslade Stand das Pult des Kantors, beiderseits ein bequemer Lehnstuhl, einer für den Kantor, der andere, etwas prächtigere, für den «Haham»; oben war die Galerie für Frauen, wo Sie gut hören, aber nicht leicht gesehen werden konnten. Der Kantor sagte mir, der Tempel werde teils von seinen Mitgliedern, teils von der Regierung erhalten. In Wilna, fuhr er fort, lebten im ganzen nur 40 karaitische Familien, kleine Gemeinden der Sekte in Haiicz und Sukk. Sie behaupten der Rasse nach nicht Juden, sondern Tartaren zu sein. Ihr Gebetbuch, ich blätterte es durch, enthält tatsächlich viele Gebete in tartarischem Dialekt. Die Umgangssprache aber ist polnisch. Das religiöse Oberhaupt wird zu allen von der Regierung und den lokalen Behörden einberufenen wichtigen öffentlichen Anlässen zugezogen und man erzählte mir (nicht der Kantor), daß er, was die Wahl des Fleisches anbelange, nicht sehr heikel sei. Diese Gleichgültigkeit, sogar biblischen Verboten gegenüber, scheint daher zu kommen, daß der Kontakt mit der traditionellen Form der Gesetze Moses immer mehr schwindet, denn die Gesetzesrolle liegt meist in der Bundeslade und wird nur zu besonderen Gelegenheiten ans Tageslicht gebracht, da der Samstaggottesdienst in Troki abgehalten wird, hauptsächlich wegen des verständlicheren Textes im gedruckten Pentateuch. Ich bemerkte zu dem Kantor, daß die Zahl der Karaiten ja bereits in einem solchen Maße zusammengeschmolzen wäre, daß es nur eine Frage der Zeit sei, wann sie nur mehr 60 wenige sein würden, wie die Samaritaner und vielleicht einen ähnlichen Kampf um ihre Existenz führen müßten. Worauf er erzählte, daß es an der Wolga zirka 300.C00 Kosaken gäbe, die dem karaitischen Glauben angehören, aber an anderer Stelle eingeholte Erkundigungen ließen keinen Zweifel, daß diese Ziffer eine phantastische Uebertreibung sei und daß — wie viele karaitische Kosaken es auch vor dem Kriege gegeben habe — die Sowjetbehörden ihnen vermutlich ihren «Karaismus» durch ihre 6trengen Verwaltungsimaßnahmen ausgetrieben haben. Juden in Schweden Samstag, den 27. Mai 1. |., hielt der schwedische Journalist Dr. Leon Fried aus Stockholm im Zionistischen Heim der zionistischen Ortsgruppe in Leoben einen V o rtrag über die Geschichte der Juden i n S c h w e d e n. Dr. Fried ist ein Sohn des verstorbenen Stockholmer Rabbiners Dr. Moses Fried. Der Vortragende, der Mitarbeiter des «Jüdischen Verlages» und Korrespondent großer schwedischer Zeitungen ist, sprach über das Leben der Juden in den nordischen Ländern überhaupt und die zionistische Bewegung dortselbst. Die ersten Juden — führte der Vortragende aus — kamen 1774 nach Schweden. Dar schwedische König Gustav III. (ein Neffe Friedrich des Großen), der, wie Josef II., für die Emanzipation war, erklärte s«ich bereit, Juden in größerer Zahl einwandarn zu lassen. Zu jener Zeit wanderte auch der. Jude Berlin ein, der mütterlicherseits ein Vorfahre Sven H e d i n s war. Der erste Jude, der Schweden betreten durfte, hieß Aron I s a k. Nach dem blutigen Sturz der aÄten Dynastie kam der General Napoleons, Carl Johann B e r n a d o 11 e, auf den Thron, der judenfreundlich gesinnt war, und viele Juden wanderten zu dieser Zeit ein. Verschiedene politische Störungen brachten es mit sich, daß im Jahre 1838 und 1848 judenfeindliche Stimmung in Schweden aufkam und Militär zum Schutze jüdischer Einwohner aufgeboten werden mußte. Seit 1870 haben die Juden in Schweden vollste bürgerliche Gleichberechtigung. In ganz Schweden gibt es 6500 Juden, wovon ca. 4000 in Stockholm leben. Außer in Stockholm gibt es jüdische Gemeinden in Malmö und Göteborg. Sehr viele und wichtige und hohe Aemter in Stockholm sind von Juden bekleidet worden und werden heute noch eingenommen. Der frühere Finanzreferent von Stockholm war Jude. Sehr viele juden hatten an der Stockholmer Universität die Rektörenwtirde inne, und auch jetzt gibt es viele jüdische Universftätsprofessoren. Zu erwähnen sind Wendiksohn, Professor für Mathematik, jetzt Rector magnificus, Oscar L e v e r t i n, Professor für Literatur an der Stockholmer Universität und bekannter jüdischer Dichter. Der vormalige Polizeipräsident von Stockholm, Senny Rübensohn, war Jude. Der berühmteste Maler Schwedens war Ernst Josephson, er starb 1906. Sein Neffe Ragnar Josephson ist jetzt Professor für Kunstgeschichte in Lund. Der Oberrabbiner von Schweden Dr. Ehrenpreis ist ein Freund und Weggenosse Theodor He r z I s und als Forscher und Kritiker der junghebräischen Bewegung bekannt In Stockholm Ist auch eine zionistische Vereinigung, der Vorsitzende ist Dr. V a 11 e n t i n, Dozent an der Universität in Upsala. Die jüdische Gemeinde ist gut verwaltet und wird der Religionsunterricht besonders gut gepflegt. Da die Juden zu allen Berufen und Aemtern zugelassen sind und es keinen gesellschaftlichen Unterschied zwischen Juden und Christen gibt, ist die Assimilation sehr stark. Aber die Juden bleiben ihrem Volke treu, Taufen kommen nie vor. Die jetzigen Vorgänge in Deutschland haben beim schwedischen Volk tiefe Abscheu erregt, da Schwedens Volk auf hoher Kulturstufe steht. Da man vom jüdischen Leben in den nordischen Ländern weinig hört, war das Interesse für den Vortrag sehr groß, und der Saal konnte kaum alle Zuhörer fassen. Der junge Gelehrte (der in Begleitung seiner Gemahlin war, die Beamtin in der Stockholmer Stadtverwaltung ist — beide hielten sich zu Studienzwecken in Oesterreich auf) schloß unter begeistertem Beifall dar Zuhörer mit dem Wunsche, in jedem Orte, wo Juden wohnen, solche begeisterte und arbeitsfreudige Zionisten zu finden wie in Leoben. Bad Gleichenberg streng Zimmer samt erstklassiger Verpflegung, reichliche 4 Mahlzeiten, zum Preise von S 7*— pro Tag, bietet nur Pension VILLA FRANZENSBURQ, Leitung: Rosa Frucht« Im Wahlkampf haben wir es «riebt, daß die «Union» den Patriotismus der Zionisten in niedrigster Weise verdächtigt hat. Die «Union» hat damals von der Wählerschaft die Antwort bekommen. Sie und ihre politischen Bettgenossen, die werktätigen Juden von Dannebergs Gnaden, mußten einer zionistischen Majorität weichen. Trotzdem haben sie es nicht wahrgenommen, daß die Zeit über sie hinweggegangen ist. Es ist ihnen auch noch nicht zum Bewußtsein gekommen, daß ihre Gesinnung in Deutschland durch die Tatsachen ad absurdum geführt worden ist. Die Assimilation ist zu Schanden geschlagen worden und ihre Anhänger, die jahrelang so wie jetzt auch die Union den Zionsmus wegen des doppelten Patriotismus denunzierten, überlaufen jetzt die zionistischen Palästinaämter. Es ist ihnen klar geworden, wie gut es doch gewesen wäre, wenn auch in Deutschland das Minoritätenrecht bestünde. Die Union scheint noch nicht dieser Ansicht zu sein. Sie versendet einen Werbeaufruf, der wieder mit einer niedrigen Verdächtigung der Vaterlandstreue der Zionisten beginnt. 18 Herren von Bettelheim bis Dr. Ticho wenden sich an die Wiener Juden, die ihnen schon bei der letzten Wahl zur Kultusgemeinde eine deutliche Absage zuteil werden ließen. Diese 18 Herren (sind das alle oder kommen noch ein paar nach?) unternahmen es also, die Gespenster verstorbener Gedanken frisch aufgepatzt in die Sonne zu stellen. Sie konstatieren zuerst frisch und fröhlich, «das Schicksal der deutschen Juden wird nichtunserSchicksal s e i n, wenn wir den alten Traditionen der österreichischen Judenschaft treu bleiben». Zum Hauptsatz wollen wir nur sagen, ob die Herren das wirklich so genau wissen, oder ob sie diesbezüglich Zusicherungen vonDanneberg haben, der ihren Wahltag mit den Werktätigen Juden gesegnet hat. Zum Nebensatz stellen wir die Frage, worin denn eigentlich diese großartigen Traditionen bestehen? Drei viertel des Judentums nimmt an, daß jüdische Traditionen eben jüdische sind und auf das vorbehaltslose, uneingeschränkte Bekenntnis zum Judentum hinweisen. Aber die Union benützt das, um dann zur Hauptsache zu kommen: Sie lehnt die Absonderungspolitik ab, sie will keine Sonderpolitik, auch keine jüdisch-nationale Landespolitik. Denn — warum also? — «Wir dürfen den ohne die uns Juden gegenüber bestehenden feindlichen Bestrebungen nioht durch eigenes Verlangen auch nur den Schein der Berechtigung geben.» Die 18 Herren dürften wohl aus der Oeffentlichkeit von den Zeitungen erfahren haben, daß die feindlichen Bestrebungen in der Hauptsache nicht aus politischen, sondern aus Konkuirenzmotiven kommen. Wo sich politische Feindschaft zeigt, wendet sie sich gegen die Teilnahme von Juden an sozialistischen Bestrebungen und'dagegen, daß die Juden in allen Lagern nur nicht in jüdischen sich sammeln. Davon weiß die Union, die schon durch alle politischen Wässer geschwommen ist, ein Lied zu singen. Die jüdisch-nationale Politik aber ist immer nur mit Respekt behandelt worden, weil sie der Ausdruck männlicher Ehrlichkeit ist. Diese jüdische nationale Politik war es ja, die das MinJtrheitarecht erreicht hat, das — wir wollen es nicht hoffen, —- eines Tages für die Juden, auch für die 18 Herren von der Union, eine recht wirksame C9S95E5SS9SE9SBE9E5S9B9S9SBEBS9E9SM9HBBB9 Council der Jewish Agency für den 31« August einberufen London. Die Exekutive der Jewish Agency hat beschlossen, die 3. ordentliche Tagung des Council der Jewish Agency für den 31. August und 1. September 1933 nach Praha, Tschechoslowakei, einzuberufen. Die zionistischen Mitglieder des Coucil werden im Einklang mit der Verfassung vom Zionistenkongreß bestimmt werden, ln bezug auf die Bestellung der Vertreter der Nichtzionisten in den verschiedenen Ländern wird die Exekutive die nötigen Anordnungen treffen. Das Administrative Committee der Jewish Agency wird am 30. August 1933 in Praha eine ordentliche Tagung abhalten. Aus der Jüdischen Studentenschaft Das Gartenfest des Jüdisch-akadem. Juristenvereines und des JUdisch-akadem. Philosophenverelnes findet, das es wegen ungünstigen Wetters verschoben werden mußte, diesmal bei jeder Witterung am Donnerstag, den 13. Juli, um halb 8 Uhr abends am KonstantinhUgel statt. Karten sind im Heime der Jüdischen Studentenschaft, IX., AlserstraQe Nr. 26, und an der Abendkasse erhältlich. * Das Sportamt der Jüdischen Studentenschaft teilt mit: Sonntag, den 16. Juli, findet ein Sportmeeting der Jüdischen Studentenschaft statt. Zur Austragung kommen unter anderem Laufkonkurrenz, Sprung- und Kugelstoß-Konkurrenzen, ein Hand- und ein Fußballmatch u. a. m. Meldungen im Heime der Jüdischen Studentenschaft, IX., Alsterstraße Nr. 26. Das Meeting beginnt um halb 9 Uhr vormittags am Hakoah-Platz. * Der JUdisch-akadem. Medizinerverein teilt mit, daß der letzte Termin für Anmeldungen für die Ferienreise nach Warna der 13. Juli, 7 bis 8 Uhr, ist und Freitag von 6 bis 7 Uhr im Heime der Jüdischen Studentenschaft, IX., Alserstraße 26. Im Preis« von S 168 sind inbegriffen 4 Wochen Waran, Fahrt, Visa und Turnt, Waffe sein kann. Diese jüdisch-nationale Politik hat auch das Aufbauwerk in Palästina geschaffen, das die Union — sicher ist sicher — nicht aus den Augen verlieren will. Wir wollen übrigens registrieren, daß die Union in der Palästinafrage in ihrem Werbeaufruf gewaltig zum Rückzug bläst. Noch vor kurzer Zeit hörten wir da eine ganz andere Melodie. Unbeschadet dieser plötzlich entdeckten Liebe ztrtu zionistischen Aufbauwerk in Palästina zitiert die Union dann nochmals «unsere altbewährten, politischen Grundsätze». Keines Menschen Auge hat jemals diese Grundsätze noch weniger ihre alte Bewährung gesehen. Sie bestehen darin, daß man sie dulden lassen will, wo nur die laut und deulh lieh wiederholte Forderung nach Recht und Ellenbogenfrei, heit Respekt und Gehör schaffen kann. Die Herren von der Union haben ihre Zeit verschlafen'. Die jüdische Masse wird jüdisch und je weiter der Druck fortschreitet, um so stärker wird ihr jüdisch-nationales Empfinden, um so stärker wird ihre Treue zur jüdischen Tradition, um so sicherer findet sie den Weg zum Zionismus. Das Judentum ist erwacht, die Union hat ihm nidris mehr zu sagen! Victoria-Versicherung E Die Generalversammlungen der Victor!a- Versicherungs -Gesellschaften fanden am 28. Juni statt. Neben angemessenen Abschreibungen ermöglichten die Abschlüsse für das Geschäftsjahr 1932 über den rechnungsmäßigen Bedarf hinaus besondere Rückstellungen. Diese Rückstellungen betragen bei der Victoria zu Berlin, Allgemeine Versicherungs A. G. (Lebens- und Unfallversicherung) 6.6 Millionen RM. Die festen Vermögensanlagen dieser Gesellschaft (ohne das Aufwertungsvermögen) wuchsen im Berichtsjahre um 21.1 Millionen RM. Der Versicherungsbestand beträgt am Ende des Jahres 1932 über 1 Milliarde RM. Die Dividendensätze für die Versicherten verblieben auf derselben Höhe wie im Vorjahre. Von dem Ueberschuß von 9.4 Millionen RM. werden den in der Lebensversicherung mit Gewinnbeteiligung Versicherten 8.7, Millionen zugewiesen; damit beläuft sich der gesamte Dividendenfonds für diie Versicherten auf 45.2 Millionen RM. Als A ktionär-Divi dien de wird wie im Vorjahr 90 RM. für jede Aktie vorgeschlagen. Palästinareisende besuchen den schönsten Punkt des Landes Mount Carmel Tcltsch House, Haifa Herrliche Lage im Kieferwald, europäisches Klima, 10 Minuten vom Meeresstrand. Wiener KUche. Bürgerliche Preise MOSES RATITS „SFATAMENU” LeAfBucD a. tehPMen spräche für Schul- und Selbst« unterricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mit deut« scher, polnischer, ungarischer, rumänischer oder eng« llscher Unterrichtssprache. Einzige Methode zur v o 11« ständigen Erlernung der hebräischen Sprache In Wort und Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur S 3.60 der englischen Ausgabe Dollar 1.—. 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