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Die Stimme · 1933-07-13 · Heft 290 (13.7.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 290 (13.7.1933)
Date
1933-07-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nf. 290 — 13. Juli 1933 Seife * Pogrom in Permanens Das jüdische Spital m Berlin befindet sich infolge Einstellung der staatlichen Beiträge in Not. Zahlreiche Entlassungen mußten vorgenommen werden. Trotzdem wird sich die endgültige Schließung nicht vermeiden lassen. * In Quedlinburg und Wernigerode wurden am Marktplatz Schandpfähle errichtet, auf denen die Namen aller Personen verzeichnet wurden, die bei Juden einkaufen. In Bochum wurden alle Personen, die bei Juden einkaufen, mit der Ausweisung bedroht. In Dortmund werden Posten vor den jüdischen Geschäften aufgestellt und die Geschäftsinhaber gezwungen, zuzusperren. * Der jüdische Advokat Dr. Spiegel, der seinerzeit durch die Straßen Münchens mit einem Plakat getrieben wurde, auf dem zu lesen war: «Ich werde mich nie mehr bei der Polizei über die Nazi beschweren», befand sich zuletzt im Konzentrationslager in Dachau. Dort wurde er kürzlich «auf der Flucht» erschossen. * Erst jetzt wird bekannt, daß in der Nacht vom 5. auf den 6. März in Holzminden und Seesen ein Pogrom stattfand. Die Nazi spuckten an die Wand und die Juden wurden gezwungen, den Speichel abzulecken. Mehrere Juden wurden durch Dolchstiche verwundet. Viele wurden gezwungen, sich gegenseitig mit Gummiknütteln zu verprügeln. Im Verlauf der großen Aussprache, die im Rahmen der im englischen Unterhaus abgehaltenen Debatie über Außenpolitik die Lage der Juden in Deutschland behandelte, ergriffen nach den Reden des Abgeordneten George Lansbury und des ehemaligen Außenministers Austen Chamberlai n zahlreiche Abgeordnete aller Parteien das Wort. Colonel Wedgwood regte an, daß in der Frage der Behandlung der Juden in Deutschland eine gemeinsame Note Englands und der Vereinigten Staaten an die deutsche Regierung gerichtet werde. Hinsichtlich der Behandlung der Juden in Deutschland, erklärte Colonel Wedgwood, herrschten in Amerika dieselben Empfindungen wie in England. Man habe gesagt, daß man sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands nicht einmengen solle; aber er müsse darauf hinweisen, daß England in der Vergangenheit für menschliches Empfinden in der ganzen Welt maßgebend war. Sowohl Gladstoneals auch Palmerston hätten in der Vergangenheit die Meinung Englands über Vorgänge im Ausland zum Ausdruck gebracht. Jetzt scheint mir die Gelegenheit geboten, wieder gemeinsam mit Amerika unsere alte Rolle aufzunehmen. Die Absendung gleichlautender Noten durch Amerika und England an Deutschland scheint mir der einzige Weg zur Rettung der Zivilisation Deutschlands zu sein. Wir sind nicht berechtigt, den Dingen in Deutschland ihren Lauf zu lassen, bloß weil wir fürchten, daß unser Eingreifen von der deutschen Regierung nicht enthusiastisch begrüßt werden könnte. Hätten sich solche Dinge in Rumänien, Ungarn oder Oesterreich ereignet, so hätten wir eingegriffen. Die Sache der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, schloß Colonel Wedgwood, fordert von ins die Ausübung Jener Führung, die stets den Ruhm der britischen Regierung ausgemacht hat. Abgeordneter R. H. Bernays erklärte, die Lage der Juden in Deutschland sei heute tatsächlich ärger als vor sechs Wochen. Er frage die Regierung, ob für die jüdischen Flüchtlinge nicht mehr geschehen könne als bisher. Er möchte wissen, ob die Fremdengesetze in diMCOi BESUCHET den idealen Sommeraufenthalt Neukirchen am Großvenediger Salzburg Gastbof und Pension zur Post mit neu eibauter Privatvilla Anton, eigener Fleischhauerei und Meierei. Bürgetliches Haus, Wiener Küche. Herrliche Umgebune mit Schwimmbad. Auch Hochtouristik. Pension 0—7S In Düsseldorf wurde ein Jude namens Eduard Hohns im Keller seines Hauses ermordet aufgefunden. o Der jüdische Direktor der Arhus-Filmgesellschaft, Rosenfeld, wurde von Nazis In eine Berliner SA-Kaserne verschleppt. Seither sind keine Nachrichten über ihn zu erhalten. ♦ Während der Trauerfeier für Dr. Arlosoroff in Berlin verhafteten S. A.-Leute 60 jüdische Kinder, die in blauweißen Uniformen erschienen waren. Sie wurden erst nach Intervention der zionistischen Führer am nächsten Morgen freigelassen. * In Essen haben die Nazi das jüdische Jugendheim beschlagnahmt. Aehnliche Meldungen kommen aus anderen Städten. * Die «Rheinfront» antwortet den Anbiederungsversuchen der national-deutschen Juden unter Führung Naumanns. Das Blatt meint, hier werde der Versuch gemacht in Nachahmung nationalsozialistischer Methoden einen Kampf gegen Ostjuden und Zionisten zu führen. Das sei aber vergeblich. Es komme nicht darauf an, als was sich der Jude betrachte. Der Jude bleibe eben Jude. * In Tilsit wird um 10 Uhr abends ein Horn geblasen. Daraufhin müssen alle Juden von den Straßen verschwinden. Falle weitherzig gehandhabt würden. Frankreich habe etwa 16.000 bis 17.000 jüdische Flüchtlinge aufgenommen, England kaum 1000. Bei Anerkennung der außerordentlichen Schwierigkeiten, die mit diesem Problem verbunden seien, wolle er doch von der Regierung die Versicherung hören, daß die Einwanderungsvorschriften so weitherzig wie möglich gehandhabt werden sollen. Abgeordneter McGovern forderte den Außenminister auf, energische Vorstellungen bei der deutschen Regierung im Zusammenhang mit der Behandlung der Juden zu machen. Antijüdische Wirtschaftspolitik Die Verhältnisse in Oberschlesien Der Abgeordnete Barnett Jänner wies auf die verhängnisvollen Auswirkungen . der antijüdischen Politik Deutschlands auf wirtschaftlichem Gebiet hin. Er erklärte, 600.000 Menschen in Deutschland seien verurteilt, allmählich die Möglichkeit des Lebensunterhalts zu verlieren und ohne Hoffnung auf Arbeit in Verzweiflung getrieben zu werden. Ganz falsch sei die Beschuldigung, daß die Juden einer bestimmten politischen Richtung anhingen. In seinem Wahlkreis, der eine starke jüdische Bevölkerung aufweise, unter der viel Arbeitslosigkeit herrsche, habe der kommunistische Kandidat bei den letzten Wahlen eine weit schwerere Niederlage erlitten als irgendwo anders. Abgeordneter Jänner fragte den Außenminister, ob er nicht die Lage nochmals in ihrem wahren Lichte betrachten und sich mit dem Völkerbund oder durch den Völkerbund mit Deutschland in dieser Frage ln Verbindung setzen wolle. Schlußwort des Außenministers Sir Simon Die Frage der Palästina-Zertifikate Auf die Forderungen und Anregungen der einzelnen Diskussionsredner ging Außenminister Sir John Simon am Schluß der Debatte, die sich bis gegen Mitternacht hingezogen hatte, in einer großen Rede ein. Er führte u. a. aus: Ich nehme es auf mich, mit voller Ueberlegung und Feierlichkeit zu wiederholen, was ich im Namen der Regierung in einer früheren Debatte, die uns allen in Erinnerung ist, gesagt habe. Es war der wirkliche Ausdruck der Reaktion des englischen Volkes als ganzen. Wir sind innerlich mit den Grundsätzen von Toleranz und Gerechtigkeit verbunden. Sie liegen in unserem Blute und in unserer Geschichte, und wir wären uns selbst untreu, wenn wir nicht erklärten, wie tief uns gegenteilige Anschauungen betrüben. Auf zwei vom Abgeordneten Lansbury gestellte Fragen, betreffend die Mögllchkeitelner Hilfsaktion An die Juden Oesterreichs! Gewisse Kreise bemühen sich, die Fremden und auch die einheimische Bevölkerung vom Besuche der österreichischen Kurorte und Sommerfrischen abzuhalten. Wir betrachten es als unsere patriotische Pflicht, dafür zu wirken, daß djfce Österreich IscheVolkswirtschaft durch die Bemühungen der angeführten Kreise nicht geschädigt werde. Die Jüdische Kultusgemeinde in Wien und auch in anderen Städten wandte sich bereits an die Juden Oesterreichs und des Auslandes mit der Bitte, ihre Urlaubszeit in Oesterreich zu verbringen. Nun rufen auch wirallejuden Oesterreichs auf, ihren Sommerurlaub in österreichischen Kurorten und Sommerfrischen zu verbringen, wie auch ihre Verwandten und Freunde im Ausland einzuladen, das gleiche zu tun. Von dem Bestreben geleitet, den Besuch der weltbekannten österreichischen Kurorte und Sommerfrischen zu fördern, ist eine Informationsstelle für das jüdische Publikum eingerichtet worden, wo alle Auskünfte mündlich oder schriftlich unentgeltlich erteilt werden. Die Unterzeichneten sind überzeugt, daß die jüdische Bevölkerung Oesterreichs von dieser Einrichtung Gebrauch machen und mit aller Kraft bei der Werbetätigkeit für die Hebung des Fremdenverkehrs, im Interesse der österreichischen Volkswirtschaft, mitwtrken wird. Jeder erfiil Ie seine Pflicht! Auskünfte erteilt Informationsstelle bei der KKL.- Versicherungs-Abtellung, Wien, II., Aspembrückengasse 2, Telephon R 43-500. Agudas Jisroel (Landesstelle für Oesterreich), Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, Jüdische Volkspartei, Makkabl-Weltverband (Kreis Oesterreich), Union österreichischer Juden, Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich. des Internationalen Roten Kreuzes für die hungernden Flüchtlinge und einer Aktion zugunsten der Staatenlosen, antwortete Sir John Simon, er werde sich mit der Möglichkeit einer Hilfsaktion des Roten Kreuzes befassen. Was jedoch die Frage der sogenannten Staatenlosen betreffe, so ergebe sich daraus eine Schwierigkeit, daß die Betreffenden nicht Staatenlose im eigentlichen Sinne seien; sie seien deutsche Bürger und deshalb dürfte es nicht möglich sein, sie in die «N a n s e n - K a t e g o r i e» einzureihen. Was die Zulassung von Flüchtlingen aus Deutschland nach England betreffe, so habe er hierüber Erkundigungen eingezogen. Anscheinend würden die Einwanderungsvorschriften in einer die jüdischen Kreise Englands befriedigenden Weise gehandhabt. Die Behörden hätten ihr Möglichstes getan, um mit den verantwortlichen Vertretern der jüdischen Gemeinschaft innerhalb und außerhalb des Parlaments, die sich mit der Angelegenheit befassen, in Verbindung zu bleiben. Was die Frage Palästinas betreffe, so seien, den letzten Informationen zufolge, alle von den Vertretern der Jewish Agency in Deutschland vorgebrachten Ansuchen berücksichtigt worden. Der Außenminister erklärte, er werde bezüglich dieses Punktes weitere Erkundigungen einziehen und deren Ergebnisse dem Hause mitteilen. Oie amerikanische Delegation zum 18. Zionistenkongreß Chikago. Die Delegation der amerikanischen Zionistei zum 18. Zionistenkongreß wird nicht, wie es eine Zeit lang den Anschein hatte, ausschließlich aus Mitgliedern bestehen, die sich für die Wiederwahl Dr. Weizmanns zum Präsidenten der Organisation einsetzen. Die Zionistische Organsation Amerikas hat nämlich bezüglich der Zusammensetzung der Kongreßdelegation ein Abkommen mit der Hadassah getroffen, demzufolge die Hälfte der Delegationsmitglieder von der Hadassah nominiert werden. Die Hadassah ist ihrerseits eine Bindung mit der Brandeis-Mack-Gruppe eingegangen und wird als ihre Vertreter u. a. auch Dr. Stephen Wise, Richter Julian Mack, Max D r o d i e, Robert S z o 1 d und Jacob de Haas als ihre Delegierten zum Zioni&tenkongreß entsenden. Pension Katrin streng rituell “ITO Küche, sonnige Zimmer mit Balkons, fließendes Wasser, schöner Garten. Bad Ischl, LindauerstraOe 1 Genen die deutschen Judenverfolgungen: Wieder eine englische Unter hausdebatte Der Keren Mafemeth eine 9e§ells€fiafi§ieise . 18. Zionlsten-Jiongreß Anmeldungen beim Keren Kajemeth, Wien 1. Kärntnerstraße 28 i

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