Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 290 (13.7.1933)
- Date
- 1933-07-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DIB STIMME Wr. 290 — 13, Jrig IQS^ Kongreßwahlm ht Oesterreich hat nun bei dir Kongreßwahl ihren Lohn gefunden, Insbesondere, weil es den Allgemeinen Zlonliten gelungen war, eine allgemein zlo* nlstlsehe Jugendorganisation aufzubauen. So gingen wir mit guten Erwartungen in den Wahlkamp! und haben uns nicht getäuscht. Wir haben unsere Mandatszahl verdoppelt und die auf uns entfallende Stimmenzahl ummehrals lOOProzent erhöht. Bemerkenswert ist aber die Schlappe des Revisionismus in Oesterreich. Bei den Wahlen des Jahres 1931 erlangten die Revisionisten unter allen Parteien die größte Stimmenanzahl, nämlich 1955 Stimmen, gegen nur 1378 Stimmen der Allgemeinen Zionisten. Im Jahre 1933 erhielten beide revisionistische Gruppen zusammcnnur 2700Stimmengegenüber2923allgemein zionistischen Stimmen. Diese Ziffern bedeuten einen relativen Rückgang der revisionistischen Stimmen um 50 Prozent 1 Der Clou dieser Wahl ist aber die Niederlage Jabotinskys. Er hatte persönlich in den Wahlkampf eingegriffen. Vor einigen Wochen sprach er im Konzerthaus, Dienstag, zwei Tage vor der Wahl, in den Sophiensälen, und am Tage vor der Wahl ln vier Versammlungen. Trotz dieser Versammlungen, trotz riesiger Agitation in Wien und in der Provinz, errang Jabotinsky in Wien 76 5 Stimmen, die restlichen 445 wurden für ihn in der Provinz abgegeben. Dipse nüchternen Ziffern beweisen, daß Jabotinsky in Wien ‘keinen Anhang besitzt und daß der Zauber seiner Redekunst nicht mehr verfängt. Seine Stimmen in der Provinz wollen wir nicht auf die Goldwaage legen. Wir wissen genau, wo es in der Provinz wirkliche Zionisten gibt und in welchen Orten zionistische Stimmen plötzlich auftauchen, ohne daß man in den nächsten zwei Jahren etwas von einer zionistischen Betätigung zu spüren bekommt. Es wird uns aber sehr freuen, wenn man uns eines Besseren belehren würde. Und wenn wir von Zionisten auch nach der Kongreßwtahl aus Orten wie Isper, Hochlitz, Timelkam e tuttl quanti hören würden. Wir meinen sogar, daß die Zahl der Provinzorte, in denen zionistische Stimmen bei der nächsten Kongreßwahl abgegeben werden könnten, sich noch sehr vermehren ließen. Wie wäre es einmal mit Hinterstoder und Unterstinkenbrunn? Damit sind wir zum wundesten Punkt unseres Wahlsystems gekommen. In der Vorkriegszeit schrieb Karl K r a u s in seiner «Fackel* seine Satire: «Eine Krone für Zion». Heute kann man leider auch von «2 - Schilling-Zionisten» sprechen, wobei diese Zionisten diese 2 Schilling nicht einmal aus der eigenen Tasche bezahlen. Das ist ein würdeloser Zustand, der nicht weiter geduldet werden kann. Wir Allgemeine Zionisten laufen gegen dieses Wahlsystem seit Jahren Sturm. Beim letzten Kongreß aber wurden alle unsere Verbesserungsanträge niedergestimmt. Von wem? Von den in dieser Frage brüderlich vereinigten Revisionisten und Poale-Zionisten. Wir werden aber nicht locker lassen und wollen mit allen Kräften bestrebt sein, die jetzige Wahlrechtsschande auszumerzen. Wir Allgemeine Zionisten haben reine Wahlen durchgeführt. Und wir sagen es rund heraus: Wir sind mit unserem Wahlsiege zufrieden. Trotzdem müssen wir aber sagen, daß uns die Indolenz bewährter Gesinnungsfreunde um das dritte Mandat gebracht hat. Wenige Stimmen fehlten uns nur für das dritte Mandat. Wir müssen daher erkennen, daß unsere Organisation noch straffer gestaltet werden muß und daß noch vieles bei uns im argen liegt. Trotzdem glauben wir, daß wir*auf dam besten Wege sind, eine imposante, schlagkräftige Organisation zu bilden. Unsere Wahlerfolge in Oesterreich und in Polen beweisen, daß der Allgemeine Zionismus in eine Phase des Wiederaufstieges eingetreten ist. Wir sehen, daß die von den rauschenden Schlagworten des Revisionismus betörten Massen den Weg zu uns wieder finden, weil sie richtig erkennen, daß nur wir es sind, die zielbewußt und beharrlich eine systematische Aufbaupolitik betreiben. Viele kommen auch zu uns, weil sie einsehen, daß die Ueberspitzung des Parteienkampfes die zionistische Weltorganisation der Gefahr des Zusammenbruches aussetzen und weil sie in uns die Hüter der Organisation erblicken. Unsere historische Aufgabe besteht darin, eine mittlere Stellung gegen die Extreme von links und rechts zu beziehen und unser Aufbauwerk so einzurichten, daß es nicht zugunsten von Klassen und und Ständen, sondern im Interesse des ganzen j jüdischen Volkes geführt wird. Wir sind uns dessen bewußt, daß unsere Stellungnahme uns Angriffe von links und rechts eintragen wird. Trotzdem wollen wir aber unseren Weg unbeirrt weitergehen, weil wir glauben, so dem Zionismus am besten zu dienen. Wir Allgemeinen Zionisten wollen ruhig Weiterarbeiten, der Ausgang der Wahl zeigt uns, daß uns die Zukunft gehört. Berichtigung In dem Aufsatz «Oberrabbiuer Dr. David Feuchtjr a n g» in voriger Nummer :st statt Franz Oelitsch richtig Friedrich Oelitsch zu lese* Die am 6. Juli in Wien durch geführten Delegierten- Wahlen zutn XVIII. Zionisttflkcmgreß brachten ein überaus interessantes Ergebnis. Der Ausgang der tfitejährigen De» teglertenwahfen ist charakterisiert durch den grundlosen Sieg der Liste der Allgemeinen Zionisten, die von 4 Mandaten 2 erhielten und, wai noch mehr ins Gewicht fällt, ln ihrer Stimmenanzah! einen großartigen Aufschwung genommen, und die große Schlappe der Jabottasky-Oruppe, die kein etiMiget Mandat erringen konnte. Aber auch die anderen Gruppen, die «Radikalen* und «MiBrachi» vermochten nicht Jene Strmmenanzahl auf Ihre Liste. ZU vereinigen, die für die Erlangung eines Mandate notwendig gewesen wäre. Die Litte des Arbeitenden Palästina erhielt 1 Mandat. Das 4. Mandat fiel der Union der Zionisten-Revisionisten (Stricker) zu. Von den 12.000 Wahlberechtigten (Schekehthiem) wurden insgesamt 8631 Stimmen abgegeben, das ist 75 Prozent, mehr als bei den letzten Wahlen vom Jahre 1931. Die Wahlen verliefen tn voüeter Ruhe. GlUekwunMhteltgrainme an d»i Landeskomltee Dem zionistischen Landeskomitee sind anläßlich des Wahlsieges der Allgemeinen Zionisten aus dem ln- und Auslande zahlreiche Glückwunschtelegramme zugekommen. CESCHKA m HA/5ERSTB 123 0. Aiseasr*. 4 S I6 -SI8 -S20- Wle gewählt wurde Von den abgegebenen Stimmen erhielten: Stimmen Mandate Allgemeine Zionisten .... 2023 t Gewählt: Dr. Oskar G r ü nba um, Dr. Z. F. FInke 1- tel n. Lifte des Arbeitenden Palästina (mit der Liste der AUg. Zionisten gekoppelt) .1801 1 Gewählt: Mendel Singer. Liste der Union der Zionisten-Revisionisten 1490 1 Liste Jabotinsky, des Landesverbandes der Gewählt: Oberbaurat Robert Stricker. Zionisten-Revisiontaten und Brith* Trumpeldor. 1210 — Liste der radikalen Zionisten. 800 —• Mlerachl. 527 — Anläßlich des 29. Todestages Theodor Herzt« veranstaltet die Zionistische Organisation Ungarns eine imposante Kundgebung Im großen Musik* vereinssaale. Dr. Z. F. Finkelsteln wurde eingeladen, bei dieser Kundgebung die Festrede über «Herzls historische Sendung» zu halten*. Offizielle ungarische Kreise haben ihr Erscheinen zu gesagt. Mitteilung der Redaktion Unser Redakteur Dr, Jakob Rosenthai tritt am 17* d, einen dreiwöchigen Urlaub an. WahlreeuUaie Wien I. Bezirk II. Bezirk , , , » , , . Prater ........ III. /Xl. Bezirk und Schwechat IV. /V. Bezirk. VI. Bezirk VII. Bezirk., VIII. Bezirk IX. Bezirk und Klosterneuburg X. Bezirk . . , . , , , XII. /XIV./XV. Bezirk . . , XIII. Bezirk und Mauer . . XVI./XVII. Bezirk .... XVM. Bezirk ...... XIX. Bezirk ...... XX. Bezirk ...... XXI. Bezirk und Zwischenstücken * ...... ««««•* Provlne Amstetten und Waidhofen Baden . . Bruckneudorf Deutschkreuz Eisenstadt Gattendorf Gmunden . Geisern . Graz . < Groß-Enzersdor Innsbruck Judenburg Kemmelbach Klagenfurt Krems Leoben . Linz . i Mattersburg Mitteregg Mödföng Neunkirchen Pama Rothenseehof Salzburg St. Pölten Scheibbs Steyr . . Stockerau und Kornetrburg Velm-Neuhof. Wiener-Neustadt . . ■ t V) V 3 1 1939 1931 1933 1931 1933 1931 1933 1931 1033 1933 1931 138 43 57 33 47 27 71 80 42 15 8 451 184 335 203 202 81 305 451 212 237 109 190 99 158 116 38 32 148 129 14 33 20 178 118 71 41 15 9 75 112 66 7 15 108 90 59 39 16 10 53 66 31 T~ 1 1271 431 311 221 42 21 76/ 87 32/ 33 ,4i 21 27/ 104 45 3) 82 58 36 15 13 — 46 84 34 2 4 243 145 168 78 80 26 m 187 83 31 19 57 32 60 26 5 — 37 60 5 4 — 108 10 27 11 12 9 17 19 8 2 — 126 10 35 13 7 5 14 21 18 4 — 103 70 56 22 22 5 40 53 18 2 2 107 16 31 25 20 8 26 25 13 3 — 81 37 44 38 23 — 37 49 23 — — 2451 1991 751 1661 117 461 42} 182 44j 94 30/ 89 246 14 »} 22 2462 1171 1457 787 659 322 1319 1686 765 404 202 1 1 r _r . 20 24 _ .. _ 10 — 55 — 2 — 7 — 31 19 — — — 12 — — — — —• —- — — — — — — — 1 — — 33 — — — 11 — — — — 2 — 38 45 — 9 — — — — — — — — 14 12 2 — — — 1 — — — 16 — — — - — 1 — — — — 1T5 77 129 44 — — 70 23 2 — 8 2 5 — 1 — — — 9 20 •— — 37 6 1 — — — 13 13 29 — — _ .— 2 — — — 12 — — — — 2 2 2 — — _ — — 12 8 — — 34 20 9 — — — 11 4 10 — — 21 13 4 2 8 6 9 6 — — 2 2 1 1 — — —- 10 20 41 — — 66 49 61 4 — 15 39 70 — 1 —■ — 3 — — — 3 — — 26 — — __ 3 — — — — — — — — 17 1 1 1 7 2 6 26 4 3 2 — — — — — — — — 34 — — 9 — •— —- —- — —■ —- — — 21 11 5 9 15 4 —w. 1 l 4 2 5 1 — — 3 57 76 1 1 — — — — — — 1 11 19 1 — 1 — 1 — — — — — 24 — — 6 5 13 — — — — 4 1 — — _ _ — — — — 7 — — —• — 24 1 5 — —• . — 1 10 52 1 — 2923 1376 1801 852 68 330 1490 1955 1210 527 262 Vortrag Dr. Z. F. Finkelsteln ln Budapest