Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 289 (6.7.1933)
- Date
- 1933-07-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054043--3609-3059140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
m. 39g — & m mm PH ITBPB flWh 1 ' W&tfLendeA Zwz-hKadL fat^stina^eUagA cUa „JiZmmA" Haifa-Bay, Rückschau und Ausblick Von Dr, R M Zweig, Jerusalem (F ortsetzung) Um nun diestädtischeZone zu betrachten, wurde wer gleioh nördlich des Grüngürtels, zwischen Bahn und neuer Straße, ein geräumiger Platz für die von den Zionistenkongressen längst beschlossene S c h’c h u n a t 0 wdim, die Arbeitervorstadt, ausgeschieden. Bisnun stehen hier 160 schmucke Häuschen, wie aus einer Tortenform geprägt und »n vier Straßen geordnet, mitten im Dünensand. Die Gärten ringsum Werden wohl wie seinerzeit in Tel-Awiw rasch nachfolgen. Noch 100 solcher Häuschen sind schon beschlossen und durch weiteren Hypothekarkredit dar PEC., gesichert. Etwa 1 km nördlich wurde ein anderer Platz für vorläufig 100 Häuser der Haifaer M i tt e 1 s t a n d s Organisation bestimmt, und an einen dritten Platz kommt ein spezielles Handwerker viertel. Alle diese Quartiere, bestrichen vom Seewind, zeichnen sich durch gesunde Lage und leichte Verbindung mit Haifa aus, wohin schon jetzt eine Autobuslinie führt. Am Ostrartd der städtischen Zone liegen die eingangs erwähnten Böden der HBOC, und ihrer Kunden. Bearbeitet ist aber nur die 100 Dunam große Farm «Sabina» des Bukarester Pioniere Katz, der dort seit 1929 den wiederholten Angriffen zerstörungswütiger Araber die Stirn bot. Wie nun hat der KKL. seine Böden, soweit noch nicht endgültig über sie verfügt ist, und besonders diese ländliche Zone bisher verwertet? Schon aus politischen Gründen tat nasche Entscheidung not. Es galt, diese Böden gegen die Ueberflutung durch Beduinen und andere arabische Freibeuter und gegen die daraus planmäßig konstruierten Rechtsansprüche zu schützen, sowie das von London her tolerierte Schlagwort von den riesigen unverwerteten Bodenreserven abzutöten. Deshalb wurden zunächst die Grenzen des KKL.-Besitzes durch Pflanzung mit Eukalyptus gut kenntlich gemacht. Die Bäume stehen nun, rasch hochgewachsen, wie treue Wachsoldaten in Reih und Glied da. Ferner wurde der Boden zur extensiven landwirtschaftlichen Bestellung seit 5691 der Gesellschaft «Ossein Chaklai» in Haifa verpachtet, und zwar unter Bedingungen, wonach das nicht geringe Risiko die Gesellschaft trifft. Gefahren drohten nämlich in diesem unerschlossenen Gebiet nicht nur von Menschen, sondern auch von Tieren, zumal durch Mäusefraß. Dennoch verstand die unternehmende Gesellschaft, durch Anwendung moderner Maschinen wie sonstiger rationeller Methoden, ferner durch Bepflanzung der Dünen mit Tunmus (Lupinen), einen Gewinn zu erwirtschaften, woran der KKL. 5692 mit 3000 Pf. St. teilnahm. in Würdigung dieser D^ten wird man sich erst voll der Verantwortungslosigkeit jenes öffentlichen Angriffes bewußt, welchen sich kürzlich in Wien beim Abschiedsabend für die Gbaluzim ein Jüngling gegen den KKL. erlaubte, daß dieser durch Verpachtung großer Rächen, wie hier, <£e Bodenspekulation fördere! 5693 schon konnte der KKL., dank geänderter Verhältnisse, TeMächem von insgesamt 7000 Dunam an einzelne landwirtschaftliche Gruppen, Detachement» der Kolonien Dagania A. und Gineger, in provisorische Pacht abgeben. Die Aufteilung des Bodens zur endgültigen Kolonisierung durch Bauerndörfer ist auch heute, der Malaria wegen, noch nicht spruchreif. Dooh ist schon der Beweis erbracht, daß hier Frühgemüse, Futterpflanzen und alle Arten Fruchtbäume, außer Citrus, gedeihen und in Verbindung mit Hühnerzucht, Milchwirtschaft und dengl. auf Parzellen von 20 bis 25 Dunam hunderte BauemfamiUen ernähren können. Eine nette Ueberrasohung bot sich uns am Kurdanihügel. Dort — am äußersten Teile des Na t ionalfondsbodens — hatte ich 1930 hinter einer verfallenen arabischen Mühle in trostloser Einsamkeit weithin fieberbrütendes Sumpfiand angetroffen. Jetzt herrschte dort pulsendes Leben. Jüdische Arteiter, sonngebräunt und heiter, hatten dien Torfboden au einer Kette weiter Bassins ausgeschaufelt, durch welche das Quettwasser nun In klaren Wellen seinen Lauf nahm. Zwf, der Vorarbeiter, wies stolz auf das Plätschern und Springen kn nächsten Bassin. «KKL.-Fischel», meinte er schmunzelnd. Ein Herr Sitzer aus Zagreb hat hier vom KKL. 85 Dunam gepachtet, um eine Fischzucht einzurichten. Ein Beispiel für viele, was jüdischer Unternehmungsgeist auf nationalem Boden zu schaffen imstande ist! Doch um die Bedeutung des Komplexes Mifraz Haifa vofl zu werten, muß man noch wissen, wie er mit dem übrigen Jfechuw zusammenhängt und welche AusdehnungsmögUchkeiten sich ihm bieten. Nun, er Bteht nioht nur im Süden mit den jüdischen Stadtvierteln von Haifa, Newe Sehaanan, Hadar Hakarmel etc., ferner mit den Komplexen der Zementfabrik Nescher und der KKL.-Kolonie Jadjur in unmittelbarer Verbindung, sondern stößt auch «m Südosten an jüdisches Gebiet, den KKL.-Boden Medjel und die Privatböden in Kfar Atta. Im Norden endet das KKL.-Laitd nur wenige Kilometer^ vor den Toren Akkos, deren Stadtvertretung die Juden wiederholt zur Ansiedlung und Stärkung des dortigen Jischuw ermuntert hat. Der gute Wille der arabischen Bevölkerung Akkos, mit den Juden und dem Fortschritt zu gehen, wird unserer Expedition gleichsam dadurch augenfällig, daß man dort gerade die fetzten Masten festrammt, welche das Licht vom Elektrizitätswerk Rutenbtrgs am Joraan auc,h in diese altorientalisdhe, palmemumrauschte Stadt tragen sollen. Und nordöstlich vom KKL.-Boden, jenseits des Naamen, liegen noch weit» Strecken brach, mit denen ihre Eigentümer in den dmanschen und arabischen Dörfern des Hügellandes nichts anzufangen wissen und die sie trotz aller hochpolitischen Gegenpropaganda gern an uns Juden verkaufen möchten. Wir Meragfim schieden aus Mifraz Haifa mit dem frohen Bewußtsein, daß der KKL. stich hier als Wahrer und Mehrer der nationalen Interessen bewährt hat. Interview mit Frau Dr. Weizmann Kolonisation in Palästina Intellektuelle als ein neues Bauern geschleckt — Die Kooperativsiedlungen Die englische Zeitung «Sunday Times» veröffentlicht folgendes Interview mit Frau Dr. Vera Weizmann. Besteht für die englische Regierung eine Möglichkeit, zur Beseitigung des Arbeitslosenproblems dieselben Kolonisationsmethoden anzuwenden, die in Palästina so erfolgreich durchgeführt wurden? Ein so starkes Interesse rufen die unerhörten Erfolge dieses Experiments bei den Stellen in England, die die Frage der Arbeitslosigkeit zu behandeln haben, henvor, daß man sich an die für die Leitung der Kolonisatfionsarbeit in Palästina verantwortlichen Stellen wandte, um, festzustellen, ob dieselben Methoden auch hier angewandt werden könnten. ich erfuhr das von Frau Dr. Weizmann, der fähigen und bezaubernden Frau Dr. Chaim Weizmanns, die soeben aus Palästina zurückkehrte. Mehrere Jahre lang war sie ärztlicher Berater in sieben Gemedndefürsorgestellen in Manchester — die erste Frau, die jemals ein solches Amt bekleidete. «Ich glaube nicht, daß eine gewöhnliche Kolonisation in derselben Weise hier durchgeführt werden könnte,» sagte sie. «Man kann solche Dinge nicht unter Zwang tun,» «Nur dar enorme Idealismus, der dahinter steht, konnte jüdische Intellektuelle dahinbningen, Ihre Berufe und die Annehmlichkeiten eines zivilisierten Lebens aufzugeben, um Grundstein «her neuen bäuerlichen Struktur zu werden, auf der die Zukunft der Nation aufgebaut wird.» Leben ohne Geld «Unsere Pioniere in Palästina sind Frauen und Männer^ die bereit sind, ohne Geld zu leben, solange sie das zum Leben Notwendigste haben. Es klingt fast wie ein utopisches Ideal, aber es ist trotzdem eine Tatsache.» Als ich das Zimmer betrat, hielt Frau Dr. Weizmann eine kleine blaue Büchse in der Hand, auf der der Davidstem in weiß eingraviert war. Solche Sammelbüchsen werden an alle jüdischen Häuser der ganzen Welt verteilt, um Geld für den Ankauf von Land in Palästina aufzubringen. Dieses Land gehört dann keinem Individuum, sondern ist das unveräußerliche Eigentum des jüdischen Volkes. «Einzelpersonen können soviel Land kaufen wie sie wollen oder bezahlen können», erklärte Frau Doktor Weizmann, «aber der Einwanderer erhält nur soviel Land, wie er und seine Familie bewirtschaften können. Das Land gehört ihm und seinen Kindern und Kindeskindern, solange sie -es mit eigenen Händen bewirtschaften. Sie haben kein Recht, es zu verkaufen. ‘Auf diese Weise werden Landspekulationen vermieden. Das gilt natürlich nur für Einwanderer, die mit Hilfe der zionistischen Fond an gesiedelt werden. Es gibt zwei Arten von Kolonien — eine, die individuelle Siedlung, die aus Farmen besteht. Jedem Individuum wird ein Stück Land angewiesen. Die zweite kollektve, stieht unter Aufsicht einer ausgebildeten Kindergartenlehrerin. Der Erlös aus dem Verkaufe der Produkte kommt in eine gemeinsame Kasse und wird zum Unterhalt der ganzen Gemeinschaft verwendet. Die Mitglieder einer solchen Gemeinschaftssijedlunig arbeiten alle für eine bescheidene Existenz und sind vollkommen glücklich mit den erzielten Resultaten. In anderen Ländern gab es prominente jüdische Wissenschaftler, Künstler, Financiers, aber es gibt außerhalb Palästinas keine jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung. Dort bauen sie die zukünftige palästinensische Nation, basiert auf dem festen Grund einer verwurzelten Bauernschaft.» («Wizo-Pressedienst».) Der Keren Kajemeth hilft der jüdischen Industrie In Erez Israel Der Segen der Erwerbung des Bodens in der Haifabucht, heute Emek Zevulun genannt, beginnt sich auszuwirken. Ein Dunam Boden kostet heute in der Haifa- City bereits 2000 Pfund! Man kann sich ausrechnen, wieviel Menschen in der Lage sind, sich aus eigenen Mitteln den für ihre Unternehmungen erforderlichen Boden zu erwerben. Aus diesen Gründen ist es nur natürlich, daß Personen, die in Erez Israel neue Industriezweige, respektive Unternehmungen schaffen, sich an den Keren Kajemeth mit dem Ersuchen wenden, ihnen aus seinen für die Industrie reserviertem Boden in der Haifabucht Boden zu überlassen. Der Keren Kajemeth tut dies gerne, da er ja berufen ist, alle Schichten zu fördern, d4e am Aufbau Erez Israels teilnehmen. Es ist interessant, daß, noch bevor in der Oeffentlichkeit die Nachrichten über Reservierung von Boden für Industriezwecke bei Haifa drangen, sich jüdische Unternehmer von gelbst an die KKL-Leitungen um Boden wandten; es erschien Ihnen natürlich, daß der Keren Kajemeth hier helfend eingreifen müsse. In einer Reihe von Fällen konnte auch der Keren Kajemeth Oesterreich in seiner Verbindung mit dem Hauptbureau helfend eingreifen. Eine neue Kolonie der Bne Benjamin Jerusalem. Die Hanotaija- Gesellschaft hat einen Vertrag mit einer Gruppe von Kapitalisten aus England und anderen Ländern, die 40.000 Pfund in Bodenkäufen investieren wollen, abgeschlossen. Dieses Kapital Ist zum Erwerb des Bodens für eine neue Kolonie der Organisation Bne Benjamin bestimmt. Die neue Siedlung, die fünfte der von Bne Benjamin gegründeten Kolonien, wird zu Ehren des Vorsitzenden des palästinensischen Kolonistenverbandes Mosche SmMansky Kfar Mosche genannt werden. Durchschnittliche Ergiebigkeit der Pardessim: Orangerien, die gut bebaut und beaufsichtigt werden, geben nach dem fünften Jahr folgende Einkünfte: Kisten per Dunam Im 5. Jahr. 20—30 im 6. „ 30—40 iin 7. „ . 50—60 im 8. * 80 un 9. „ 100 im 10. „ 110—120 im 11. „ 120—130 im 12. 130—140 Für alte Orangerien gibt es heute 150 Kisten und mehr per Dunam! Das Verhältnis für nicht exportfähige Orangen beträgt bei obgenannten Zahlen etwa 15 bis 20 Prozent. Im 5. und 6. Jahr ist dieses Verhältnis naturgemäß ungünstiger als in den darauffolgenden Jahren. Vergrößerung von Beth Chanan Jerusalem. Die Siedlung bulgarischer Juden Beth Chanan wird vom Juni d. J. an bedeutend erweitert werden. Zugelassen werden neue Siedler mit einem Eigenkapital von mindestens 300 Pfund. Der Verkauf der Kolonieerzeugnisse wird auf kooperativem Wege vorgenommen. Ertrinkungstod einer Gewerbelehrerin aus Deutschland in Palästina Jerusalem. Beim Versuche, einen Jungen, der in Ertrinkungsgefahr schwebte, zu retten, ist die 22jährige Geweihe- und Handelsschullehrerin Zehora Schrodek in der Bucht von Haifa ertrunken. Die Verunglückte, Tochter eines Schächters in Leipzig, ist vor vier Jahren nach Palästina gekommen. Kollektivstrafe für Baumfrevel in Nathania Jerusalem. Wie die arabische PrTsse meldet, hat die Regierung von den wegen Baumfrevels in der jüdischen Kolonie Nathania M einer Kollektivst: *fe von 300 Pfund verurteilten Einwohnern des Dorfes Um« K h a 1 e d 50 Pfund ein-getrieben. Der Rest der Strafsumme wurde den Bestraften erlassen. Juden, Zionisten! Abonniert nnd propagiert die Stimme!