Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 287 (29.6.1933)
- Date
- 1933-06-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 287 — 29. Juni 1933 DIB STIMME Seife S Programm des Weltverbaitdes der Allgemeinen Zionisten Eingedenk seiner großen Verantwortung gegenüber der zionistischen Bewegung und der Zukunft unserer Nation, gestützt auf die Beschlüsse seiner ersten Gründungskonferenz in Basel vom Jahre 1931, durchdrungen vom WHIen, das ruhmvoll begonnene Werk des Zionismus mit Hilfe der ganzen jüdischen Nation bis zum vollen Siege zu führen, hat der Weltverband der Allgemeinen Zionisten nachstehende Grundsätze und Forderungen als Richtschnur seiner gegenwärtigen Tätigkeit festgesetzt: I. Politik Treu dem Basler Programm vom Jahre 1897 erstrebt ad fordert unser Weltverband die Verwirklichung «ines unbedingten und uneingeschränkten Zionismus. Eine realistische, zielbewußte und erzieherische Politik soll uns zur Verwirklichung unseres historischen Ideales führen. Die Politik unserer Bewegung gegenüber der Mandatarmacht und dem Völkerbünde hat unsere Rechte aus der Balfour-Deklaration und dem Mandat würdig und entschieden zu verteidigen und eine Kooperation mit der Mandatarmacht anzustreben, welche die volle Verwirklichung dieser Rechte sichert. Wir fordern vom Völkerbund und der Mandatarmacht: sofortige und systematische, finanzielle Hilfe zur Verwirklichung des Mandates, um der wirtschaftlichen Katastrophe der durch Verfolgungen verdrängten Juden entgegentreten zu können. Uebergabe von Staatsländereien jn Erez Israel für Zwecke der jüdischen Kolonisation, Aufhebung der Immigrationseinschränkungen und Uebertragung der Immigrationskontrolle im Einklang mit den jeweiligen wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes an die Exekutive der Jewish Agency. Erleichterung der jüdischen Kolonisation und wirtschaftlichen Arbeit i n T r a n s j o r d a n i e n. Die Politik gegenüber den Arabern soll sowohl die notwendigen Lebens- und Entwicklungsbedingungen des Zionismus und die Wiederherstellung unserer historischen Heimat sichern, als auch eine konkrete Verständigung mit den Arabern würdig und im Einklang mit diesen Lebensinteressen unserer Bewegung suchen. Der Ausbau einer gerechten lokalen Selbstverwaltung soll wohl gefördert werden, wir lehnen jedoch die Einführung einer autonomen, zentralen, gesetzgeberischen Körperschaft derzeit ab. II. Sozial Wirtschaft Unbeirrt von sozialistischen oder kapitalistischen Klassentheorien soll der Aufbau Palästinas im Geiste des sozialen Fortschrittes und der sozialen Gerechtigkeit erfolgen. Umschichtung unseres Volkes durch .Hinüberleitung, Seßhaftmachung und Verwurzelung in Urproduktion und Produktion auf dem Lande und in der Stadt zwecks Entwicklung einer möglichst selbständigen, geschlossenen, nationalen Wirtschaft auf sozialer, gesunder Basis ist unsere oberste Aufgabe. Zu diesem Zwecke fordern wir die Vereinigung und Aktivierung aller schöpferischen Kräfte der Arbeit und der Privatinitiative in der Weise, daß dem nationalen und privaten Kapitale gleichmäßig konstruktive Aufgaben in Palästina zugewiesen werden. Der wirtschaftlichen Not des jüdischen Volkes in der Galuth soll Rechnung getragen werden. Für Tausende von Juden, die aus Handel, Handwerk und Gewerbe verdrängt wurden, sollen Bedingungen einer produktiven Seßhaftmachung in Erez Israel geschaffen werden. Die Forderung der jüdischen Arbeit in Erez Israel (Awodah iwrith) soll überall und auf allen Gebieten des jüdischen Wirtschaftslebens verwirklicht werden. Die nationalen Fonds sollen mit größtem Nachdruck gestärkt und gefestigt werden. Aus dieser Quelle soll sowohl die Arbeit der Chaluzim sowie die Privatinitiative in Landwirtschaft und Industrie organisiert und gefördert werden. Der Ausbau einer zentralen Bodeneinkaufs- und Parzellierungsstelle soll gefördert werden. Die Schaffung einer Bodenreserve für weitere ländliche und städtische Kolonisationen des Keren Kajemeth soll als zentrales Problem des Wiederaufbaues mit aller Energie und im Bewußtsein des großen Zieles betrieben werden. Zu diesem Zwecke soll unter anderem einmal jährlich eine großzügige nationale Sammlung durchgeführt werden. Gegen Bodenspekulation sollen zweckmäßige Maßnahmen ergriffen werden. 1800 m fl. M. (Sehweis) AROSA BERGSTRANDBAD HOTEL METROPM. Bhs B. Uvin — 1. R*n*, fl. Wssser und eJ -Anochi. In alle i Zimmern, Appart. m. Hsd. SUdbalkons, Mod. unterballun ’sr ume. Ping-Ponggaal, Litt eto. Reduzierte Preise. m% en8h*«W®»**,l*m KlRdtrltBiM I Der Weltverband sieht in der Festlegung unserer Wirtschaftspolitik auf eine Monokultur eine bedeutende Gefahr für den Aufbau und fordert deshalb eine allseitige Förderung der Landwirtschaft, insbesondere auch der gemischten Wirtschaft. III. Arbeit und Kapital Arbeit und Kapital sollen dem Primat der gesamtnationalen Interessen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens in Erez Israel unterworfen sein. Von beiden sollen gleichmäßige Opfer im Dienste der Nation verlangt werden, beide soflen unter der Kontrolle der Nationalen Instanzen stehen und von ihnen geregelt werden. Für den Arbeitgeber müssen die Sicherung eines menschlichen, würdigen Daseins des Arbeiters, für den Arbeiter die Produktionsbedingungen des Landes mitbestimmend, für beide stets die Stärkung der nationalen Wirtschaft maßgebend sein. Die Erziehung und Organisierung des Arbeiters und Arbeitgebers und die Schaffung einer öffentlichen Meinung im Lande im Sinne und im Geiste dieser zionistischen Lösungen betrachtet der Weltverband der Allgemeinen Zionisten als eine Lebensnotwendigkeit für den harmonischen Aufbau und für die Erschließung des Landes. Die sozialen Gegensätze zwischen Arbeit und Kapital sollen in der Zeitperiode des Aufbaues von Erez Israel auf allen Gebieten des Ausbaues durch eine freiwillig festgesetzte, objektive Oberinstanz bindend geregelt werden. (Zwangsarbitrage.) Unter allen Bedingungen soll unsere kolonisatorische Aufbautätigkeit fortgesetztwerden. Wir halten fest an dem Prinzip der Wechselwirkung wirtschaftlicher und kultureller Arbeit einerseits und der politischen Arbeit andererseits und fordern deshalb die notwendige gleichmäßige und gleichzeitige Arbeit auf allen diesen Gebieten, Wir fordern Einführung sozialer Gesetze zum Schutze der Arbeit, insbesondere für den Fall von Krankheit, Unfall, Invalitität, Alter und Arbeitslosigkeit Wir fordern Beseitigung aller jener Gesetze, die das freie Verfügungsrecht des Privateigentümers beschränken unter Sicherung von bereits oben (III) erwähnten Maßnahmen gegen Bodenspekulation. IV. Immigration Insolange das gegenwärtige Zertifikatsystem besteht, fqndem wir, daß die Verteilung der von der Jewish Agency zugewiesenen Gesamtzahl der Zertifikate durch die Palästinaamtskommissionen der einzelnen Länder autonom erfolgen soll. Bei dieser Verteilung sollen die Wünsche der Jewish Agency als Grundlage möglichst berücksichtigt werden. Das Hachscharahsystem soll reorganisiert werden. Bej der Auswahl der Olim soll auch die individuelle Hachscharah außerhalb der Chaluzorganisationen berücksichtigt werden. V. Finanzen Wir fordern Vereinigung und administrative Zentralisierung des Keren Kajemeth und des Keren Hajessod in den einzelnen Ländern. Der Weltverband fordert, daß sämtliche KoHektivsammhmgen, größere und kleinere Finanzaktionen von Gruppen und einzelnen Personen lediglich nach vorheriger Zustimmung der legitimen Instanzen der Organisation erfolgen dürfen und daß die vollen Erträge dieser Aktionen ausschließlich der Exekutive der Jewish Agency abgeführt werden müssen. Der Weltverband ist der Ueberzeugung, daß die gegenwärtige Gesamtlage des jüdischen Volkes und die zentrale Bedeutung Erez Israels für das jüdische Volk die Wiederaufnahme der Forderung einer durch den Völkerbund garantierten Anleihe für Zwecke der jüdischen Kolonisation in Palästina notwendig macht. Der Weltverband spricht sich dafür aus, daß die Exekutive der Weltorganisation die Verwirklichung einer jüdischen Anleihe für den Aufbau Erez Israels raschestens in die Wege leitet. Der Weltverband fordert die Durchführung der Beschlüsse des XV., XVI, und XVII. Kongresses bezüglich des Kontrollam tes. VI. Organisation Der Weftverband der Allgemeinen Zionisten vertritt den Tante Biani's Sommersonnenhelm tor 3-lsiährige Payerbach a./d. Rax, Tel. 13 (Vorm.bchloß Vetcera) Bereits eröffnet: Altbewährt: GUT JUEDISCHES KINDER¬ HEIM ersten Ranges. Idealste Höhenlage, Sonnenterrassen, Nadelwald, reicher Prachtpark. Erstklassige Verpflegung, sorgsamste Aufsicht. Zeitgemäße Preise. 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Der Weltverband betrachtet es als seine Aufgabe, dem weiteren Ueberhandnehmen der Parteikämpfe und der ZerspHtterungstendenzen entgegenzutreten und sowohl die Jih gend als auch die Parteien im Geiste einer gegenseitigen Toleranz zu erziehen und die Schaffung einer einheitlichen Front derjüdischen Nation in der ganzen Welt zur Arbeit für ihre zentralen Ziele vorzubereiten. Wir fordern eine Re Organisierung der erweiterten Jewish Agency unter Berücksichtigung der bisherigen Leistungen des nichtzionistischen Teiles der I*3wish Agency. VII. Leitung der Zionistischen Weltorganisation Der Weltverband vertritt die Losung, daß die Zusammenfassung aller Gruppen im Zionismus, welche die Forderung der unbedingten und vorbehaltslosen Disziplin gegenüber der zionistischen Weltorganisation anerkennen, in der Bildung einer solchen Leitung zum Ausdruck kommen soll, welche vom Vertrauen der breitesten Kreise des jüdischen Volkes getragen wird. Hiedurch soll die Forderung der Stunde nach Zusammenfassung des politischen Kräfte des jüdischen Volkes berücksichtigt werden. Ein gemeinsames Arbeitsprogramm für die nächste Zukunft für alle diese Richtungen betrachtet der Weltverband als möglich und erforderlich. VIII. Jugend Die Zusammenfassung allgemein zionistischer Jugendverbände in einer Jugendorganisation im Rahmen des Weltverbandes, und zwar sowohl der chaluzischen als auch der nichtchaluzischen und akademischen Jugend auf der Grundlage des ideologischen Programmes des Weltverbandes ist mit aller Kraft zu verwirklichen. K r a k a u, am 15. Juni 1933. Die Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten. Wien, am 21. Juni 1933. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich: Dr. Grünbaum m. p. Dr. Berger m. p. Sabine Paßweg m. p. Dr. Steinberg m. p. Kandidaten der „Liste des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten" für Oesterreich Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Wien, I., Wallfischgasse 10. Dr. Z. F. Fink ei stein, Chef-Redakteur der «Stimme», Wien, I., Wipplingerstraße 12. Frau Sophie Löwenherz, Präsidentin der Wizo, Wien, IX., Nußdorferstraße 42. Ing. Jonas Landau, Obmann der Zionistischen Ortsgruppe Wien, Graz, Grazbachgasse 12. Prof. Moses Rath, Vorsitzender des Zion. Parteirates, Wien, 11., Taborstraße 20 a. Isidor Lebensohn, Mitglied des Zion. Landeskomitees, Wien, II., Lilienbrunngasse 18. Dr. Gustav Morgenstern, Obmann der Zionistischen Ortsgruppe, R. A., Linz, Promenadegasse 9. Dir. Gerson W i 11! i n, Vizepräsident der Zionistischen Sektion II, Wien, II., Aspembrückengasse 2.! Sonderangebot: BlOCh Dr. Jo*ef, Israel und die Völker S 830 Se te , Leinen, statt S 27.— . . . 9 9.80 Orfl s Dr. Heinr., Gesohiohte der Juden 3 Bände, Leinen.S 11.80 N«rsl Theodor, Oer Judens*aat, kart. S 1*90 1 Buchhandlung Josef Belf, i Wien, I., Rabensteig Nr, 3 m \ i i i i!