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Die Stimme · 1933-06-29 · Heft 287 (29.6.1933) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 287 (29.6.1933)
Date
1933-06-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seife 3 PTC STIMME Nr. 287 — 29. Juni 1933 DHSTSTflTTlfl V rtiiJBDERMHifflU.ll. Wien,!• Boslrk, Kirntnerstrtßc Nr* St Haltottalta der Bedner Eiektri»the* Selbstbedienung» keinerlei Neben* 11 bis 3 Uhr Menü Spesen, Speisen u. Getränke f, jeden GANZTÄGIG GEÖFFNET Otichmack b. zeitgemäßen Preisen BÜRGERSTÜBERL Modernst eingerichteter Betrieb Sehenswürdigkeit der Stadt OTTO KÜSERER einzige weinande Mais« sind. Unbekannte Menschen, dif Arlosoroff nie gekannt haben, raufen sich die Hlfre. Frauen schreien wild auf. Im Httda«i«h-Spital selbst ist der ganze Aeratestab mobilisiert. Arlosoroff Ist die ganze Zeit bei vollem Bewußtsein. Zum Bürgermeister Disengqff, der ihn als enter begeht, sagt er: «Sehen Sie, Herr Disengoff, was man mir getan hat! Man hat auf mich geschossen 1» An seinen Schwager, Dr. Rosolio, richtete er Fragen nach dem Befinden seiner Frau, und bat ihn auch, wichtige Dokumente, die er bei sich hatte, in Verwahrung zu nehmon. Zum Schwerverwundeten wird niemand zugelassen mit Ausnahme seiner nächsten Freunde, der Führer der Hlatadruth und die Aerzte, die sich um Ihn vor der ’i Operation bemühen. Während der Vorbereitungen zur | Operation, die fast eine Stunde dauern, sammelt sich vor dem Krankenhaus eine Immer riesiger anwaehsende Menschenmenge an. Fünf Aerzte sind zum Konsilium versammelt. Eine Bluttransfusion erscheint notwendig, da der Verwundete viel Blut durch seine Verletzung verloren hat. Und Jetat folgt einer der rührendeten Augenblicke. Eine Schar von Arbeitern drängt eich vor. Bin jeder mdchte der Blutspender sein für den, der «das Herz und Hirn der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina» ist. Es muß zuvor eine Blutuntersuchung erfolgen und die Auswahl getroffen werden, wer der glückliche Blutspender sein soll. Der bekannte Chirurg Dr. Markus, der erst vor kurzem aus Berlin hier eingetroffen war, führt die Operation durch. Nach der Operation sind die Aerzte ln heller Verzweiflung. Sie hatten gesehen, welche fürchterliche Verwüstungen die Kugel im Innern Arlosoroff« ungerichtet hatte und sie erkennen den Zustand als hoffnungslos. Der Todkranke öffnete einigemal noch seine Augen. Er wacht aus der Narkose für eine Welle wieder auf. Es sind die letzten Zuckungen. 1 Uhr nacht», zwei Stunden nach dem Attentat, hat er seine große Seele ausgehaucht. Und das jüdische Volk war um eine seiner größten Hoffnungen ärmer geworden. Arlosoroffs letzte Worte waren: Oebt mir noch Narkose. Traiiov nt« Toi-Awiw Diese Freitagnacht hat Tel-Awiw nicht geschlafen. Die Gassen um das Hadassah-Spital waren von tausenden und zehntausenden Menschen belagert. Die ganze Nacht hindurch standen diese Menschen wie versteinert vor Trauer und Schmerz und zornerfüllt über dieses sinnlose Verbrechen. Aus dem großen Hof des Spitals schleichen still die Schatten, die nächsten Freunde des Ermordeten, die Vorsteher der Exekutive, die unmittelbar nach dem Mord aus Jerusalem gekommen waren, und höhere Polizeioffiziere, die die Ausforschung führen. Der Leichnam Arlosoroffs wird in die Totenkammer des Spitals überführt. Auf einem Tisch aufgebahrt, ln blau-weißes Linnen gehüllt, liegen die sterblichen Ueberreste des großen Führers, der so jung durch verbrecherische Hand sein Leben lassen mußte. Die ganze Nacht stand das Telephon des Hadassah- Spltals und das Telephon der Hlstadruth keinen Augenblick still. Aus dem ganzen Lande, von Metullah bis Chuldah, eine bange Frage: «Ob das wirklich wahr Ist?» Niemand weiß, wie es möglich war, daß die Nachricht dieses Unglücks bis in die entlegensten und entferntesten Winkel des Landes so rasch gelangen konnte. Mit Blitzeseile hat die fürchterliche Nachricht den ganzen jüdischen Jischuw aus dem Schlafe geweckt und jedes Gefühl der Freude verstummen lassen. Samstag früh begann der Aufmarsch vor der aufgebahrten Leiche, Ungeheure Menschenmassen ziehen vorbei und grüßen und wenden den letzten Blick auf das tote Antlitz des Führers. Achtzehn Stunden lang zieht sich dieser Zug, der keinen Augenblick aussetzte. Vor dem Spital und später vor dem Heim der Histadruth, wohin der Tote Samstag nachts überführt worden war, kamen kilometerlange Reihen von Juden aus allen Kreisen und Schichten und Klassen des Jischuws, die in ehrfurchtsvoller Stille vor dem Toten vorbeidefilierten. Totenwache hielten die ganze Zelt hindurch die Ehrenfpeziahe rhehre I nach Palästina I Reiiegebäok, Gütertransport, ßeiatung, Fahrkarten. I besorgang — Nana Neumr ft Waltor Philipp, I Wim, Hl*« RadeskysttaBe 6, Tel. U 13»3»01 I wache vom Hapoel und Makkabi. Noch in der Nacht von Freitag auf Samstag begann der Zuzug von Menschen aui dem ganten Lande und auf eilen möglichen Wegen nach Tei-Aviv. Die Leitung der Hlitadrqtn hatte gleich eine Verordnung an alle Arbeitsbewirtschaftungen, Kolonien und Klbbmlm Im ganzen Lande erlassen, daß man nicht massenweise die Arbeitsplätze verlasaan und sie nleht ohne Schutz lassen solle. Alle Institutionen des jüdischen Jischuws und zahlreiche private Hauser flaggen echwsrs. Zum Zeichen der Trauer haben alle Regierungsgebäude und die ausländischen Konsulat« auf Halbmast die Trauerfahne gehißt. Samstag ist die ganze Stadt in Trauer gehüllt. Der unter dem Verdacht der Beteiligung an der Ermordung Dr. Arlosoroffs verhaftete Abraham Stavsky wurde von Tel-Awlw ins Hauptgeffingnii von Jerusalem überführt und ln einer Einzelteile untergebracht. Von den drei Männern, die Staviky als z«u* gen dafür geführt hat, daß er in der Nacht vom 16, zum 17. Juni Im Hotel Turgeman ln Jerusalem zugebracht habe, wurden zwei einvernommen, der dritte konnte noch nicht stellig gemacht werden. Einer der beiden Zeugen bestätigt die Behauptung Stavekys, der andere widerspricht ihr. Das Rätsel des bei Klrjath Anawim gefundenen Toten ist noch nicht gelöst. Die Identität des Toten wurde noch nicht festgestellt, obwohl photographische Abbildungen der Leiche in sämtlichen Zeitungen ver- I öffentlicht wurden. Es mehren sich die Verdachts- | Kein Singen und kein Lachen ist vernehmbar, Die Baifourstraße ist erfüllt von Menschen, auf deren Lippen nur ein Wort zu hören lat: Ein Oroßer In Israel fit gestorben. Der Zug erstreckt sich durch die ganze Längs der Allsnbystraße und mit unterdrückter Träne und gebrochenem Herzen tritt man ins kleine Hadftssahilmmer, in dem sich der tote Körper des gefallenen Führen befindet. Samstag Abend macht Tel-Awiw den Eindruck wie ZU Tlichah b’aw. Niemand hat befohlen und niemand hat verordnet, aber wie auf einen Wink sind alle Theater, Kinos , und Konzerthäuser geschlossen. Die Oneg-Schabbath-Stunde ist ln eine Trauef- Itunde verwandelt und verstummt sind auch dl« Tischgesänge.der Chassidim. momente hinsichtlich eines Zusammenhangs zwischen dem Toten und den Mördern Dr. Arlosoroffs. Die Polizei hat ein besonderes Bureau zur Untersuchung des Mordfalles eingerichtet. Die zweite Verhaftung Dlo Polizei hat in Tel-Awiw in Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs eine zweite Verhaftung vorgenommen. Der Verhaftete heißt Samuel Ben Mordechai, soll Kommunist sein und sieht dem zuerst festgenommenen Revisionisten Abraham Stavsky außerordentlich ähnlich. Die bald nach der Verhaftung Stavskys seitens der Polizei abgegebene Erklärung, der Verhaftete sei Kommunist, wird auf eine Verwechslung mit einem in Tel- Awiw wohnenden bekannten Kommunisten gleichen Namens zurückgeführt. Unsere Abteilung für Fremdenverkehr erteilt und besorgt im Inlande und in 20 Ländern Europas und des Orients Auskünfte für Reisen und Aalenthalt in Oesterreich und steht Gemeindeämtern und Vermietern von Sommerwohnungen sowie Sommerfrischlern und Touristen völlig kostenlos zur Verfügung. Zuschriften erbeten an LetonmvsIdieviiMiS' nUFSIJIV GescHschaff HilvIilA Wien» I. Wallnerstraße 6, Qraz, Jakominiplatz 23 / Linz, Landstraße 63, Rlagenfurt, Paulitschgasse 15 Meranerstraße 7 / Salzburg, Eisenstadt, Permayerstraße 356. / Innsbruck, Kapitelgasse 9, Um den Nord an Arlosoroff Stavsky In« HauptgafBnanis von Jarusalem Überführt Spendet für den Wahlfonds derZionistei.! ^81835

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