Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 287 (29.6.1933)
- Date
- 1933-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. BEZUGS- BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1*50, vierteljahrl. S 4*20, gaiutjihrl. . . . S 16eutechld. viertel Ihrl.. .. RM 3 — Tschechoslowakei viertelj. . Ke 24'— Jugoslawien vierteliihrl. . Din. 40 - Poten vierteljährlich . . Zloty 6*50 Ungarn vierteljährlich . . Pengö 4 20 Rumlnien viertelehrl.. . Lei 120 — ebriges Ausland vierteljahrl. Schw. Franken 4*50 irMTBffsncwmaeg 6« Jahrgang Jüdisdte Zeitung Wien, Donnerstag, 29. Juni 1933 (5. Tham. 5693) Preis 35 g Erscheint jeden Donnerstag WIEN J»G LUCK GASSE 2,I£L,R2Sa3*9a Redaktion und Administration Wien, L, KMrntnerstrafie 28 Tel. R-27-4-85 Postsparkassenkonti: Oesterr. D 113.546 Polen . . 191-199 Tschechoslowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 Nummer 287 Palästina unter dem Eindruck des Nordes: Arlosoroffs letzte Stunden Ein Land in Trauer Erster ausführlicher Bericht der ..Stimme“ Mittwoch, den 14. Juni, früh war Dr. Arioso r o f f von seiner mehrwöchigen Europareise nach Palästina zurückgekommen. Am selben Tage noch, ohne auszuruhen, begann er eifrig, munter und frisch wie immer, voll unerschöpflicher Energie mit seiner Arbeit. In einer Sitzung im Kreis seiner nächsten Freunde berichtet er über seine Arbeit in Europa: Ueber seinen Besuch in Deutschland, in Polen, die politischen Konferenzen, die er in London geführt; er erzählt von seinen Plänen, von der großen Aufgabe, die er eben im Aufträge der Exekutive der Jewish Agency übernommen 'hatte: die Kolonisierung der deutschen Juden in Palästina zu leiten. Trofz der angespannten Arbeiten und Strapazen der letzten Wochen ist Arlosoroff voll Arbeitsfreude, von höchsten, unsagbaren Schaffenswillen und Spannung für seine nächsten Arbeiten erfüllt. Donnerstag schon sieht man ihn in voller Arbeit in Jerusalem. Die Erledigung wichtiger politischer Angelegenheiten harrte bereits seiner Ankunft. Der ganze Tag wird mit angestrengtester Arbeit bis spät in die Nacht hinein verbracht. Freitag früh ist Arlosoroff bei der Arbeit in der Exekutive der Jewish Agency. 12 Uhr mittags eine Konferenz mit Ussischkin. 1 Uhr mittags ist er Gast des High Commissionars, mit dem er die erste politische Konferenz nach seiner Rückkehr nach Palästina abhält. Die Nachmittagsstunden des Freitags sind dem Besuche des Kinderdorfes Ben Schemen gewidmet, wo sich die bekannten Erziehungsanstalten für Kinder und COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX., Spitalgasse 3 Tel. B-42-5-38 Ferienreise naoh PALÄSTINA 11. JULI 1933 Jugendliche befinden, die jetzt, im Zusammenhang mit der Transferierung jüdischer Kinder aus Deutschland, vergrößert werden sollen. Von Ben Schemen kehrt Arlosoroff nach Tel- Awiw zurück. Hier besucht er seine alte Mutter, die ständig in Tel-Awiw wohnt. Jetzt fühlt er erst die ganze Müdigkeit der letzten Tage. Der Mutter erklärt Arlosoroff, daß er diesen Samstag, im Gegensatz zu seiner sonstigen Gewohnheit, nicht bei ihr bleiben werde. Er möchte sich an diesem einzigen Samstag gründlich ausruhen. «Und wo wirst du, mein Sohn, diesen Samstag verbringen?» frägt ihn die Mutter.- «Du wirst mich nirgends finden,~Mama. ich werde mich am Mars verstecken», antwortet lächelnd Arlosoroff. Das Abendbrot hat Dr. Arlosoroff zusammen mit seiner Frau in der Pension Käthe Dan in der Jarkonstraße in der Nähe des Tel-Awiwer Strandes eingenommen. Nach 10 Uhr begab er sich auf einen kleinen Spaziergang an den Strand. Der Tel-Awiwer Strand war wie jeden Freitag abends von tausenden Spaziergängern erfüllt. Da es Vollmond war, war, wie immer in solchen Fällen, die elektrische Beleuchtung größtenteils ausgeschaltet. Arlosoroff schlug den Weg in der Richtung zum mohammedanischen Friedhof ein. Frau Arlosoroff erzählte später, daß sie unmittelbar nach ihrem Verlassen der Pension das Gefühl hatte, daß Ihnen Personen in etwas auffälliger Weise folgten. Sie hatte auch ihren Mann darauf aufmerksam gemacht und ihn gebeten, umzukehren, doch Dr. Arlosoroff beruhigte sie immer wieder mit den Worten: «Wir sind doch in Tel-Awiw, unter Juden, und die spazieren genau wie wir, und da sollen wir Angst haben?» Und nur wenige Schritte weiter, knapp neben dem arabischen Friedhof, verlegten zwei Menschen ihnen den Weg. Der eine von den zweien, die ihnen die ganze Zeit gefolgt waren, ein Hochgewachsener von starkem Bau, leuchtete mit einer elektrischen Lampe ins Gesicht Arlosoroffs und fragte ihn, wie spät es sei. Arlo- Die Freude an der Leinenmode wird durch keine Waschsorgen getrübt! Alles, was Leinen ist, zur «H a b s b u r g». Kostüm «auf neu“ gewaschen und gebügelt ab S 1.20. Die neue Habsburg-Nummer U 35-5-65. E soroff, erregt über diese plötzliche Störung durch Fremde, fragt ihn gereizt: «Wie wagst du, uns zu stören?» In diesem Augenblick zog der zweite, von magerer und kleiner Statur, mit orientalischem Aussehen, seinen Revolver und feuerte zweimal gegen Arlosoroff. Der eine Schuß ging fehl. Der zweite traf den Unglücklichen in den Bauch. Arlosoroff stürzt zu Boden, während die Mörder, begünstigt durch das Dunkel der Nacht, städtwärts verschwinden können. Nicht erfassend das fürchterliche Unglück, daß ihrem Mann zugefügt war, blieb Frau Arlosoroff in der Finsternis allein, nicht wissend, was sie beginnen solle. In ihrer Verzweiflung versuchte sie den Schwerverwundeten vom Boden zu erheben, der sie mit einigen Worten beruhigte und selbst den Versuch machte, förmlich auf allen Vieren auf dem Boden kriechend, sich in die Nähe der zahlreichen Spaziergänger zu bringen. Nun erst vermochte die unglückliche Frau um Hilfe zu rufen. Es eilten drei junge Leute herbei, die sich in der Nähe befunden hatten und trugen ihn auf den Händen weg. Während des Transportes litt der Schwerverletzte starke Schmerzen, aber immer vermochte er die Augen aufzuschlagen und sich klar zu äußern. Als man ihn nach Einzelheiten fragte, bat Arlosoroff nur: «Laßt mich jetzt in Ruhe. Laßt mich atmen. Ich werde eucji schon alles erzählen.» Es dauerte einige Minuten, bis das Auto kam, das Arlosoroff ins Hadassah-Spital überführte. Die Nachricht von dem Attentat auf Arlosoroff verbreitete sich mit Blitzesschnelle in Tel-Awiw. Von Mund zu Mund, von Gruppe zu Gruppe, von Haus zu Haus flog die fürchterliche Nachricht, die niemand wahrhaben wollte. Und einige Minuten später war bereits das Hadassah-Spital und alle Gassen, die zu ihm führen, trotz der späten Nachtstunde von tausenden Menschen belagert. Der Eindruck dieser Stunden ist unbeschreiblich. Wer ihn erlebt hat, wird ihn nie los werden. Die Gasse ist schwarz von Menschen, die eine Telephon U 29-4-5/ u. U 23-1-81 Michael Schaum Wien. I«. Hoher Markt Nr. 12 Spezialvetkehr: Wien—Palästina. Gewissenhafte Beratung, Kulante Bedienung Dienstag, 4. Juli 8 Uhr abends Hotel „Bayrische* Hof“, Tabovstvaße — - -- — ^——-—-———-————— i Herzlgedenkfeier Redner: Dr.Z.F. Finkeistein (Gedenkrede) 2. Probleme d«18.Zionistenkongresses Redner: Dr. Desider Friedmann, Dr. Josef Löwenherz und Dr. Oskar Grünbaum Kein Zionist fehle I Juden erscheinet in Massen I