Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 286 (22.6.1933)
- Date
- 1933-06-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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m* 0 DIE STIMME Nr. 280 — 22. Juni 1908 wwksdiaften, (he sowohl Juden, ah auch Araber umfassen. Dk größte von diesen ist die dem internationalen Eisenbahn-, Post- und Telegraphenarbeiterverband angeschlossene Gewerkschaft der Eisenbahn-, Post- und Tetegraphenarbeiter Palästinas mit Zweigorganisationen in allen größeren Zentren. Bisher konnte diese Gewerkschaft, die 1919 gegründet wurde, und 300 jüdische, sowie 200 arabische Mitglieder umfaßt, noch nicht jene Bedingungen erfüllen, die die Regierung als Voraussetzung für die offizielle Anerkennung von Gewerkschaften für Regierirngsangestellte festgelegt hat. Alle ■ gemischten Organisationen kooperieren mit der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation PaJüstnas. Ueber die Verwendung von Juden im öffentlichen Dienst und ihre Beteiligung bei öffentlichen Arbeiten werden folgende Angaben gemacht: Ein Drittel der städtischen Beamtenschaft in Jerusalem besteht aus Juden; bei verschiedenen regulären und außerordentlichen Dienstleistungen für öffentliche Institutionen wurden 111.445 Individualarbeitstage gezählt, von denen 31.426 (28%) auf Juden entfielen. Die an Juden ausgezahlte Lohnsumme war jedoch verhältnismäßig weit höher, als deren Beschäftigungsgrad; sie betrug vermutlich 50% der allgemeinen Lohnsumme, da jüdische Arbeiter vorwiegend unter der gelernten Arbeiterschaft vertreten waren, während die Araber zum größten Teil ungelernte Arbeiter waren. Bei der Durchführung der Kana&sationsarbeifen m Jerusalem werden 10.000 Pfund an Löhnen ausgezahtt werden, etwa 50% davon den Vertragsbestimmungen entsprechend an Juden, Eine ähnliche Arbeitskostenverteüung wurde fiir die Durchführung von zwei kleineren Arbeiten im Zusammenhang mit der Wasserversorgung Jerusalems und der Errichtung eines neuen Schlachthauses und einer Verbrennungsanlage vereinbart. In Jaffa wurden in der Regel Juden bei der mehr technischen Seite der von der Stadtverwaltung ausgefflhrten Arbeiten im durchschnittlichen Ausmaß von 12% aller verwendeten Arbeitskräfte beschäftigt. Die Stadtverwaltung von Haifa gab für öffentliche Arbeiten i. J. 1932 6300 Pfund aus; von dieser Summe flössen 77% arabischer und 23% jüdischer Arbeit zu. ln Tibenias war jüdische Arbeit zu 76% an den von der Stadtverwaltung durchgeführten Arbeiten beteiligt. (Registrierung „landloser Araber“, Umsiedlung, fiedtungsverdiebtung, Mooperativbewegung Bis zum 31. Dezember 1932 waren beim Landentwickfungs-Department 3188 Gesuche um Aufnahme in das Verzeichnis landloser Araber von Personen eingelaufen, die behaupteten, von dem von ihnen besetzten Boden dadurch entfernt worden zu sein, daß dieser Boden in jüdischen Besitz überging, und keine anderen Pachtungen oder eine in gleicher Weise zufriedenstellende Beschäftigung erhalten zu haben. Von diesen Gesuchen wurden 542 berücksichtigt, 2441 abgewiesen, 205 werden noch geprüft. Jede* Gesuch wurde vom «Legal Assessor, dem Präsidenten des Kreisgerichtes von Nablus Riobter H. A. Webb, überprüft, wobei der Jewish Agency die Möglichkeit zur Begutachtung unter Bezugnahme auf ihre Aufzeichnungen über die betreffenden Bodentransakitonen gegeben wurde. Im Beisan-Subdistrikt hat die Palästinaregierung 5740 Dunam bewässerten Bodens mit einem Kostenaufwand von etwa 25.000 Pfund erworben, um dort die zu dem nördlichen Teil des Wadi Hawarith-Stammes gehörenden dislozierten Araber wieder anzusiedeln. Inzwischen werden etwa 3000 Dtmam im Wad5 Hawarith-Gebiet in der von der Regelung vom Jüdschen Nätionalfonds übernommenen Pachtung von diesen Arabern weiter bebaut. In einer Reihe von Dörfern in der Küsteneben« wird gegenwärtig eine wirtschaftliche Untersuchung durchgeführt, um festzustellen, welche Bodenflächen in diesen Dörfern für Siodlun gsverdfioh tung geeignet sind. Die bisher von einem Beamten der Rechtsabteilung besorgte Registrierung der kooperativen Genossenschaften wurde einem besonders geschulten Registrator anvertraut, dessen erste Aufgabe es sein wird, gemeinsam mit dem Landentwickfungsbeamten kooperative Genossenschaften unter den arabischen Landwirten zu organisieren. Nach den Ergebnissen der Kooperativbewegung unter den jüdischen Siedlern zu schließen, dürfte dies ein wirksames Mittel darstellen, die arabischen Landwirtschaftsmethoden zu verbessern und das landwirtschaftliche Einkommen der Fellachen zu erhöhen. PRESSESCHRU Die „Brücke" und das „Neue Wiener Journal" Das gleichgeschaltetc «Berliner Tageblatt» veröffentlicht eine Beilage «D i e B r ü c k e», worin Artikel über das Judentum veröffentlicht werden. Die Tendenz der «Brücke» ist nur allzu durchsichtig. Es soll im Auslande der Eindruck erweckt werden, als ob das nationalsozialistische Regime einer freundlicheren Behandlung der Frage der deutschen Juden zugänglich wäre. Es gibt Gimpel, die dem «Berliner Tageblatt» auf den Leim gehen. In Wirklichkeit führt aber, wie jedermann weiß, der Nationalsozialismus in Deutschland gegen die deutschen Juden einen erbarmungslosen Vernichtungskrieg. Es ist daher äußerst bedauerlich, wenn sich Juden fanden, die in der «Brücke» über das deutsche Judentum schreiben, und vollkommen unverständlich, daß inländische Blätter, die sich in jüdischen Händen befinden, dem «Berliner Tageblatt» und seiner «Brücke» eine weitere Publizität sichern. Zu diesen Blättern gehört auch das «Neue Wienerjournal», dessen bisherige Haltung in der Frage der deutschen Juden das peinlichste Befremden hervorgerufen hat. Vollends aber wird dem Faß der Boden ausgeschlagen, wenn man nunmehr Werbezeitschriften des «Neuen Wiener Journals» erhält, in denen der Bundesführer des «Bundes Jüdischer Frontsoldaten», Herr Generalmajor Sommer, den Mitgliedern seiner Vereinigung den Bezug eines ermäßigten Abonnements des «Neuen Wiener Journals» empfiehlt. Es würde uns interessieren, zu erfahren, wie sich Herr Generalmajor Sommer persönlich und der «Bund Jüdischer Frontsoldaten» zu dieser Werbeaktion des «Neuen Wiener Journals stellen. Eine Aufklärung wäre um so wünschenswerter, als die Aussendung des Artikels der «Brücke» die Tatsache zu verdunkeln sucht, daß das «Neue Wiener Journal» aus eigenem Antriebe bisher kein Wort der Mißbilligung für die grausame Behandlung der Juden in Deutschland gefunden hat. Wir müssen annehmen, daß in den Kreisen des «Bundes Jüdischer Frontsoldaten» nicht bekannt ist, welches Bewandtnis es mit den den Werbebriefen des «Neuen Wiener Journals» beigelegten Artikeln des «Berliner Tageblattes» hat. Wir verweisen daher darauf, daß die französische Zeitung «L’ O e u v r e», die kl diesen Artikeln ein AbrUcken Hitlers von seinem antiaemittechen Programm zu erkennen glaubte, bald eines besseren belehrt wurde. Das «Berliner Tageblatt» schrieb nämlich: «Wenn wir auch in der Frage des Antisemitismus unsere eigene Auffassung haben, so haben wir dabei doch auch stets betont, daß die antisemitische Bewegung infolge des Verhaltens zahlreicher, an prominenter Stelle stehender Juden starken Widerhall im deutschen Volke finden mußte. Das «Oeuvre» stellt in seinem Artikel die Dinge so dar, als ob alle Juden schlechthin Unschuldsengel seien und als ob der furor teutonicus ohne jede Veranlassung sich auf wehrlose Menschen stürze. So liegen die Dinge nicht . . . Wie ja gerade aus der «Brücke hervorgeht, haben objektiv denkende Juden in Deutschland selbst zugegeben, daß der Antisemitismus zu einem großen Teil durch das Verhalten ihrer Glaubensgenossen verständlich geworden Ist.» Trotz dieser Tatsachen glaubt das «Neue Wiener Journal», die Werbung jüdischer Abonnenten durch den Abdruck der in der «Brücke» erschienenen Artikel unterstützen zu können. Die obige Antwort des «Berliner Tageblatt» kann nicht niedrig genug gehängt werden und es ist ein starkes Stück, wenn das «Neue Wiener Journal» den Namen eines so ehrenwerten Menschen, wie es Herr Generalmajor Sommer ist, für seine Abonnentenwerbung zu exploitieren versucht. Wir sind davon überzeugt, daß weder Herr Generalmajor Somr mer noch der unpolitische «Bund Jüdischer Frontsoldaten» es ruhig hinnehmen werden, daß ihre Namen als Aushängeschilder für geschäftliche Reklame des «Neuen Wiener Journal» verwendet werden. ★ Gelegentlich der Debatte im Völkerbundrat Uber die Petition Bernheim versprach bekanntlich der deutsche Delegierte die Wiederherstellung des vorhitierischen Rechtszustandes in Oberschlesien. Wie wenig ernst dieses Versprechen zu nehmen ist, beweist die folgende Mitteilung: «Die Kreisleitungen der NSDAP, für die o/berschlesischen Industriestädte erlassen im Verein mit dem .Bund nationalsozialistischer Juristen’ einen Aufruf zur Frage der Wiederzulassung jüdisoher Rechtsanwälte in Oberschlesien auf Grund des Minderheitsgesetzes. In ihm heißt es, es sei selbstverständlich, daß die Anordnungen des Gesetzgebers auch von den Aktivsten inneriialb der Bewegung respektiert und den fremdrassigen Richtern, Anwälten und Notaren bei Ausübung ihres Berufes keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt werden. ,Das bedeutet aber nicht, daß es den Nationalsozialisten und den anderen auf dem Boden der nationalen Revolution stehenden deutschen Volksgenossen gestattet ist, von sich aus durch Inanspruchnahme fremdrassiger Anwälte und Notare diesen die Möglichkeit zu geben, ihren zurzeit ausgeschalteten Einfluß auf das deutsche Rechtsleben wiederzugewinnen. Man glaube nicht, daß derartige Sabotageakte gegen die nationale Revolution im geheimen betrieben werden können/» In «The Sunday Referee» berichtet der nach Berlin entsendete Berichterstatter dieser Zeitung, Nesta Ryall, über seine Wahrnehmungen: «Ich kam nach Berlin mit Empfehlungsschreiben an zwei Geschäftsleute, die nie etwas mit Politik zu tun hatten. Als ich zu einem von den beiden in die Hedemannstraße 5 kam, erfuhr ich, daß er tags zuvor ermordet worden war. Ich ging cur Wohnung des anderen Herrn, an den ich ein Empfehlungsschreiben hatte, und erfuhr nac hlangen Nachforschungen, daß derselbe in die Genera! Pape-Straße (das berüchtigste Nazilokal. Die Red.) verschleppt worden sei. Schließlich erfuhr ich von ehemaligen Mitgefangenen, daß der Unglückliche zu Tode gefoltert wurde. E Oesterrelchlsches Creditinstitut für offenthehe Unter nehmuneen und Arbeiten. Die Bilanzsumme betragt 315.« m Hot!enU SchU1 ing die Post Effekten und Beteiligungen 8.7 Millionen Schillinf! Post Realbesitz weist 4.9 M,”10n^ Sch'"^ erstmalig auf, in welcher das Hochhaus in der Herrengas«« neben sonstigem Realbesitz enthalten ist. Post Debitoren 117.4 Millionen Schilling, Post Kreditoren 124.1 Millionen Schilling. Die Spareinlagen und Kassenscheine weisen eine Steigerung um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf. — Der Verwaltungsrait hat beschlossen, von der Ausschüttung einer Dividende Abstand zu nehmen und den verbleibenden LeoDOidsiädier uoiRskino, li.. Rothensiera- 08380 78, TOI. R-49-0-23 H8UIB U. I80II6R Zum dritten Male verengert AlleinauffUhrung für den «weiten u. dritten Bealrfc Billige Ferien- Sonderfahrt der Czernowitzer Allgemeinen Zeitung nach Klein* Polen und der Bukowina v. 9. Juli bis 11. August (31 tägiger Aufenthalt). Wohlfelle Preise umfassend alle Gebühren für Sammelpass- und Visa, Hin- und Rückreise, Platzkarte, Führung, etc. — Prospekte und Anmeldungen bei der Reiseleitung Wien, I., Schüler* straße 1—3, Stadtbüro «Der Tag», Tel. R-21-6-78 Pattsdnarelsc (Neujahr in Jerusalem). 12. September bis b. Oktober. Pauschalpreis 800 österr. Schillinge von Wien nach Palästina und retour. Am Deck S 140.-— billiger ohne Schiffsverpflegung. Erstklassiges Arrangement. — Reisedurchführung; Schenker & Co., I., Schottenring 9, Tel. R-50-5-10. Teilnehmer-Anmeldungen und Reiseprogramme erhältlich im Gremium der jüdischen Kaufmannschaft, I., Elisabethstraße 9, 1/10, täglich von 3 bis 6 Uhr nachmittags Für die II. KongreA- Sonderreise nach Palästina mit glänzendem Arrangement und billigsten Preisen ebenso Einreisebewilligungen werden infolge der großen Teilnahme Anmeldungen zu allen Sonderzügen täglich von 3—6 Uhr nachmittags im Zentralkongreßbllro des Gremiums I., tllsabethstraße 9, 1/10 oder :eden Montag ab 8 Uhr abends bei den Internationalen Weltkongreßtagungen — Trefftage — Festsaal des Hotel „Excelslor“ I., Rotenturmstraße 24 entgegengenommen Villa Waldruh, Ig|ls (Tlroll ca. lOOO m Htthe, «lau schllnsde See- und Walddebled Tirols. — Ci vnze Öfter halbe Pension nttfn Ev. Verköstigung auch auswärts Wohnender. Zuschriften und Anfragen sind bis zum 1. Juli gefl. ✓ an das Möbelhaus Fuchs, Innsbiuck, W Ihelm-Grellstraße 4 zu richten