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Die Stimme · 1933-06-22 · Heft 286 (22.6.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 286 (22.6.1933)
Date
1933-06-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 286 — 22. Jyini 1,933 ff anSTSTflTTEA If rtnlEOERmnHHU.il. Wien, 1. Bezirk, Ktrntn erst raße Nr. 61 Selbstbedienung, keinerlei Nebenspesen. Speisen u. Getränke f. jeden Geschmack b, zeitgemäßen Preisen Modern st eingerichteter Betrieb Sehenswürdigkeit der Stadt 11 bis 3 Uhr Menü OANZTAOIO GEÖFFNET BÜRGERSTÜBERL OTTO K9SEDER übertreiben oder zu generalisieren. Wir schämen uns mit allen Revisionisten über den abscheulichen Mord. Aber wir erheben neuerlich warnend unsere Stimme nach allen Seiten Wir Allgemeine Zionisten sind dazu berufen, Wir tragen Herzig Vermächtnis: Wir sind ein Volk, ein Volk! Unsere Aufgabe ist es, die Flügel, die uns mit Bruchstücken unseres Programme! davongelaufen sind, wieder einander näher zu bringen und die Organisation zu vereinheitlichen. Wir predigen den Primat des Volkes vor den Sonderinteressen von Klassen und Ständen, wir wollen in Palästina einen neuen Typus sozialer Gerechtigkeit schaffen. Es brennt im Zionismus. Selbst wenn der Allgemeine Zionismus nichts anderes wäre als eine «F e u e r s p r i t z e», so muß man sagen: Wenn es brennt, ist die Feuerspritze die einzige Rettung. Wenn es brennt, schließt man die Reihen, um zu retten, da kapselt man sich nicht ab. Wir Allgemeine Zionisten halten die Fahne der Organisation, wir rufen zur Besinnung, wir verzichten auf Popularität, wir sind die Männer der stillen zähen Arbeit, die allein Tatsachen schafft. Deklarationen schaffen nur Makulaturpapier, Aufpeitschung der Leidenschaften schafft politischen Brand und Mord. Als Arlosoroff im vorigen Monat in Wien weilte, konnte er nicht verstehen, warum hier die Allgemeinen Zionisten von den anderen Parteien allein gelassen wurden. Er, der Poale-Zlonlst, sagte das und zollte unserer Arbeit Anerkennung. Und als Arlosoroff seine Rede im Konzerthaus am 8. Juni beendete, die letzte Rede seines allzu kurzen Lebens, da beendete er sie mit seinem politischen Testament. Er erzählte: «In einem russischen Städtchen brannte es. Der Wind trug das Feuer von Haus zu Haus. Die Juden löschten, aber schließlich ging das Wasser zur Neige, Da rannten die Juden zum Rabbiner und baten um Rat, Der weise Mann dachte minutenlang nach und sagte schließlich: Kinder, es gibt keine andere Hilfe: Gießt Wasser!* Und Arlosoroff fügte hinzu: «Das sage auch ich Ihnen. Gießen Sie Wasser, gießen sie nach Palästina Ideen, Arbeit, Energien, Kapital, Menschen, aber gießen Sie.» Diese Worte sollte die ganze zionistische Welt beherzigen. Man soll diesen Mord der Vergessenheit anheimgeben, Indem man Separatismus und jede Assimilation aus den Köpfen, Haß und Verachtung aus den Herzen verbannt. Nur die gemeinsame Arbeit, die Zurückstellung von persönlichem Ehrgeiz, nur der Primat des Volkes kann die mörderische Selbstzerfleischung beenden. Wenn es heute keinen Allgemeinen Zionismus gäbe, heute müßte er geschaffen werden, heute erst recht Hebräische Beileidsdepesche der Wiener Kultusgemelnde Das Präsidium der Wiener jüdischen Gemeinde hat aus Anlaß des tragischen Todes Dr. Chaim Arlosoroffs an die Kenesset lUsrael Jerusalem folgende, ln hcbräischer Sprache abgefaßte Beileidsdepesche abgesandt: Kenesset Jlssrae! Jerusalem Belew nlscbbar wenldka atufim awelut anu mischtattefim bezaar hauma al mot beschlr baneha boneha Chaim Arlosoroff. Hannessiut «diel hakkehllla hajebudit bewina. ln deutscher Uebertragung lautet sie: Gebrochen und bedrückten Herzens, in Jammer gehüllt, nehmen wir Anteil am Leid der Nation wegen des Heimganges dtes beeten Sohnes und Führers Chaim Arlosoroff. Das Präsidium der jüdischen Gemeinde in Wien. Der Eindruck in Wien Die Nachricht von der Ermordung Dr. Arlosoroffs, die in W 1 e n bereits Samstag nachts einlangte und sich mit Blitzesschnelle verbreitete, rief inallenKrelsen der jüdischen Bevölkerung tiefste Erschütterung hervor. Die Redaktion unserer Zeitung wurde telephonisch durch Anfragen bestürmt. Unsere Redaktion stand Sonntag und Montag in telephonischer Verbindung mit der Zionistischen Exekutive in London, sowie mit allen Redaktionen der großen jüdischen Tagesblätter in Warschau, Lemberg und Krakau. Am Montag gab die «S11 m m e* eine Extraausgabe heraus, die allgemeines Aufsehen erregte. Pension „Sonnennol * . Seefeld ln Tirol, 1200 m Modernes Haus, fließende« Kalt- und Warmwasser, sonnige Llegeteriasse, staubfrei, freier Rundblick Pensionspreis S 10 — bis 12'— Besitzer; Andrea« Meir Irsihiitternder iindtutft in Palästina und in der SHaspora Die Nachricht von der Ermordung Dr, Arlosoroffs hat ln ganz Palästina und in den zlonlstlichen Kreisen aller Länder der Diaspora tiefste Erschütterung und Erregung hervorgerufen. Die führenden Persönlichkeiten der Zionistischen Organisation und der Palästina-Bewegung stehen mit dem Londoner Hauptbüro ln dauernder Verbindung, um sich über den Fortgang des von der palästinensischen Polizei eingeleiteten Ermittlungsverfahrens und die sonstigen mit dem erschütternden Erelg« nis in Zusammenhang stehenden Vorfälle zu informieren. Die Londoner Exekutive der Zionistischen Organisation ist am Abend dee 17, Juni zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten, um zu der durch den Tod des Leiters der Palästina-Exekutive geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Trauer des Jisdtuw Sintifiiae Arbeitsruhe Zu unserer, in der Extraausgabe bereits gebrachten Meldung über das Leichenbegängnis Dr. Arlosoroffs Ist noch folgendes zu erwähnen: Zum Zeichen der Trauer war eine eintägige Arbeitsruhe angeordnet worden, auch sämtliche Schulen blieben geschlossen. Am offenen Grabe hielten der Arbeiterführer Bert Katzenelson, der Bürgermeister von Tel-Awlw, Meir Dizengoff, und der Direktor des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Usslschkln, Ansprachen. Nahum Sokolow und Lord Melchet zum Tode Dr* Arlosoroffs London. Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Nahum Sokolow veröffentlicht anläßlich des Todes Dr. Arlosoroffs folgende Erklärung: «Durch den plötzlichen Vertust dieses ausgezeichneten aktiven Mannes wurde unsere Sache eines wirklichen Pioniers beraubt Sein an Strebungen und Leistungen reiches Leben war zwar kurz, wird aber stets im Lichte des Ideals fortleuchten und für immer ln unseren Herzen leben.» Lord M e 1 c h e 11 erklärte, es habe ihn tief erschüttert, daß ein derartiger Vorfall sich ereignen konnte, Arlosoroff, der hervorragende Führer in4er zionistischen Bewegung, sei nun zum Märtyrer für den liaoijförÄus geworden. ni KAI5ER5TR. 123 nr. Alserstr, 6 SX6 -S Iß - $20, Konstituierung des Zionistischen Parteirates Der Parteirat des Zionistischen Landesverbandes hielt eine konstituierende Sitzung ab, bei der zum Präsidenten Prof. Moses Rath, m Stellvertretern Ing. Samuel Ehrlich und Fr, Dr. Henny Llchtenstein-Rappaporf gewählt wurden, worauf der neugewählte Präsident des Parteirates einen warm empfundenen Nachruf für Doktor Arlosoroff in hebräischer Sprache hielt. Nach erfolgter Konstituierung und Verifizierung der Mandate erstattete der Präsident des Zionistischen Landeskomitees Dr. Oskar Grünbaum einen ausführlichen Bericht über die bisherige Tätigkeit des Landeskomitees. Ueber dieses Referat wurde eine eingehende Debatte abgeführt, bei der die Frage der Propaganda, Jugendarbeit und die Stellungnahme aum bevorstehenden Kongreß in eingehendester Weise behandelt wurden. Im Anschluß an die Diskussion erstattete der Vizepräsident der jüdischen Gemeinde Dr. Josef Löwenherz ein erschöpfendes Referat über die Tätigkeit der zionistischen Mandatare in der Kultusgemeinde. Nach einer eingehenden Debatte vervollständigte das Referat der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann, indem er sich zugleich mit den Problemen, die von den Diskussionsrednern berührt wurden, erschöpfend auseinanidersetzte. An der Diskussion beteiligten sich die Og. Dr. Nüssen Watt, Dukes, Dr. Flnkelstein, Dr. Groß, Nimhäuser, Heller, Dr. Schmerler. Ingenieur Ehrlich, Dr. Menczer, Dr. Grünberger, Apotheker Groß, Dr. Rottenberg und Frau Dr. Rappaport, Dr. Steinberg, Wittün, Frau Bauer und Prof. Freud. Schließlich wurde die Aufstellung einer Liste der Allgemeinen Zionisten zu den bevorstehenden Kongreßwahlen mit dar Listenführung Dr. Oskar Grünbaum beschlossen. Gedanken zum Tode Dr. Arlosoroffs Die überlebensgroße Aufgabe unserer jüdischen Generation — der Wiederaufbau des jüdischen Volkes durch Wiederaufbau des jüdischen Landes — brachte auch unsere großen Männer hervor: Theodor Herzl, . Chaim Weizmann und zuletzt Chaim Arlosoroff. Man war Qott dankbar, daß er uns ln so kurzer Zeit so reich beschenkte, und nun diese Katastrophe! Schreiber dieser Zeilen äußerte in den letzten Wochen zu Freunden und Bekannten vlelemale die Befürchtung, wir könnten dank dem unglücklichen Ueberwuchern des innerzionistischen Parteiwesens Arlosoroff verlieren; daß wir Ihn so verlieren würden, ahnte natürlich keiner. Arlosoroff ahnte seine Berufung und bereitete sich für sie gründlichst vor. Er eignete sich eine außerordentlich tiefe und weite Bildung an. Er studierte das neue Judentum ln Erez Israeli er durchschürfte das amerikanische, wie keiner. Er verstand es auch wie selten einer, so tief und so weit die jüdische Wirklichkeit zu sehen und zu schildern. Er erkannte, daß sich das jüdische Volk neu schichten müsse, um leben und sich entwickeln zu können, und daß diese radikale Umschichtung nur in Erez Israel möglich sei. Er lehnte es stets ab, für die Heilung unseres Volkes fremde Rezepte zü^verwenden. Daher way!stets seih'Ausgangspunkt das jüdische Volk, das Gör samtvolk, das aber aueh der Punkt war, zu dem er stets zurückkehrte. Er war auch stets der flammende Prophet der zionistischen Einheit, weil er in der zionistischen Organisation jene historische Macht sah, die berufen war, das Instrument für die Lösung der Judenfrage zu sein. Er verehrte, er liebte Weizmann mit ganzer Seele, ja, sein Verhältnis zu ihm war das eines Kindes zu seinem Vater, freilich eines modernen, das auch seine eigenen Wege zu gehen verstand. Er war es, der stets predigte, und speziell in das Zelt nach den Unruhen des Jahres 1929, daß man di« Beziehungen zu England neu aufnehmen müsse. El durchbrach auch die eiserne Wand. Ihm war es auch beschieden, gute Beziehungen zu den Arabern anzubahnen und die Mauer, welche sich unserem Tätigkeitsdrang ln Transjordanien entgegenstellte, zu überrerinen. Die deutsch-jüdische Katastrophe offenbarte wieder sein wunderbares Konstruktionstalent, er zeigte sich hier als ein Verarbeiter Herzlscher Ideen, als die Zelt für sie reif wurde. Kaum 34 Jahre war er alt, wahrhaft jugendlich, schöpferisch, arbeitsfreudig, mit allen Fähigkeiten eines Führers und Staatsmannes ausgestattet, im vollsten Glanze seiner Entwicklung, die wahre Offenbarung des ewigen Erneuerungswillens unseres alt-neuen Volkes — und er wurde uns so jäh entrissen! Stets focht er für die Einheit der zionistischen Organisation, er war der große Mahner zur Einheit auf unseren Kongressen, und er' wäre auf dem nächsten Kongreß für die straffe Zusammenfassung der Parteien mit dem ganzen Elan seiner Persönlichkeit eingetreten. Möge es uns vergönnt sein, diesen seinen Willen — sein heiligstes Vermächtnis — zu verwirklichen, es wäre ein Trost für den Untergang dieser großen Persönlichkeit, dieses echten Volksführers. Dr. Chaim Tartakower. E Kennen Sie Togal? Togaltabletten sind ein rasch und sicher wirkendes Mittel bei rheumatischen und gichtischen Beschwerden sowie Kopfschmerzen. Die große Beliebtheit verdankt Togal den vielen ausgezeichneten Erfolgen, die zahlreiche Aerzte und Kliniken mit diesem Präparat erzielten. Togal ist stark harnsäurelösend und geht daher direkt zur Wurzel des Uebels. Es wirkt ferner in hohem Maße als inneres Antiseptikum. Jeder Apotheker führt Togal. CAFE HANS SILLER MARIAHILFERSTRASSE 22 (Stifts-Kaserne) Das CAFE mit der berühmten Meierei Schönster Terrassenoarten

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