Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 284 (15.6.1933)
- Date
- 1933-06-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 9 Dfe STtMMHf Kf. 2S4 ~ 18, Jtmt t«f Orients erfordern die Eröffnung weiterer Abteilungen im Rahmen des Technion. Meines Erachtens ist Palästina noch nicht reif für eine Maschinenbauabteilung. Es wird noch lange dauern, bis hier eine nennenswerte Maschinen- und Motorenindustrie entstehen wird. Die Industrie Palästinas ist jedoch den Kinderschuhen entwachsen und schreitet rüstig vorwärts. Die Zähmung des Jordans zum Zwecke der Elektrizitätserzeugung, die Hebung der chemischen Schätze des Toten Meeres, die Entstehung einer Erdölindustrie im Golf von Haifa, die überraschenden Fortschritte auf dem Gebiete des Verkehres zu Lande, zur See und in der Luft, der in Haifa seinen Knotenpunkt erhält und wodurch diese Stadt offenbar zum Einfallstor und zur Hauptwerkstatt Palästinas und des Nahen Orients heranwächst — diese rasche Entwicklung auf allen Gebieten der Wirtschaft erfordert Ingenieurkräfte. Es fällt mir schwer, für die am Technion fehlende Abteilung den richtigen Namen zu finden. Klar ist jedoch, daß die jüdische und palästinensische Wirklichkeit zugleich die Eröffnung einer Abteilung für Betriebsingenieure oder einer technologischen Abteilung gebietet. Kurzum, das Technion ist in ein Polytechnion zu verwandeln. Unsere Sorge um die Ingenieurabteilungen des Technions darf nicht so gedeutet werden, als ob wir die anderen Zweige der technischen Erziehung vernachlässigen. Wir halten treu zum Beschluß des 17. Kongresses, der uns auferlegte, den Hochschulcharakter des Technions zu wahren und zugleich alle anderen Stufen der technischen und handwerklichen Erziehung zu pflegen, die für Palästina in Betracht kommen. Für diejenigen, die an kontinentale Begriffe gewöhnt sind, mag diese Vielfältigkeit verwirrend Vorkommen. Mir schwebt jedoch das englische Polytechnische Institut vor, das in einem Rahmen alle Formen der technischen Erziehung, von dem mit der Universität verbundenen Engineering College bis zur Handwerkerschule und den Abendkursen für alle Fächer, vereinigt. Eine nicht geringere Rolle für die Hebung des Niveaus des Handwerks im Lande erfüllen unsere Abendkurse. Besondere Beachtung verdienen die Abendkurse für Matrosen, um deren Zustandekommen sich Herr Kapitän S. Hajan außerordentlich bemüht hat. Sie wurden von vierzehn Matrosen und Hafenarbeitern, die im Hafen von Haifa beschäftigt sind, besucht, zwölf von ihnen haben die Prüfungen bestanden und erhalten heute ihre Zeugnisse. Ich hoffe, daß diese Initiative zur Entwicklung der j Q d i s c h e n Schiffahrt, für die Haifa das natürliche Zentrum bildet, in den Kreisen, die von der Eroberung der See sprechen, das nötige Echo hervorrufen wird. Wir beabsichtigen, in der Zukunft mehr System und mehr Zweckmäßigkeit in die Abendkurse hineinzubringen. Die meisten Pläne sind für zwei Jahre berechnet, die durch Prüfungen und Zeugnisse ihren Abschluß finden sollen. Wir beabsichtigen, auch Vertreter der Industrie sowie der Regierung daran zu beteiligen. Ich darf meine Ausführungen nicht schließen, ohne das schmerzliche und traurige Kapitel der finanziellen Lage des Technion zu berühren, auf die Gefahr hin, die festliche Stimmung zu trüben. Es ist meine Pflicht, die öffentliche Meinung und die für das Technion verantwortlichen Instanzen zu warnen. Es besteht ein klaffender Gegensatz zwischen den objektiven Voraussetzungen für den Fortschritt der Anstalt und der Größe der ihr auferlegten Aufgaben einerseits und der mangelnden Sorge der jüdischen Oeffentlichkeit und der zuständigen Instanzen um dhe Existenz des Technion anderseits. Ich möchte bei dieser Gelegenheit besonders den Herrn Comm. Ing. Giuseppe Muggia, Parma, erwähnen, der zum Andenken seiner sei. Mutter Esmeralda Fontanefla Muggia dem Technion eine Summe von 50.000 ital. Lire spendete. Unsere Lehrer und Beamten werden unter dieser Last zusammenbrechen, und die Anstalt wird ihre Tätigkeit einstellen müssen, wenn nicht rasche Hilfe kommt. Unser Ruf wendet sich an die Regierung, an die Jewish Agency, an die großen jüdischen Organisationen im In- und Ausland. Die öffentlichen Anstalten, die Finanzunternehmungen, die Industriewerke werden aufgefordert, der einzigen jüdischen Anstalt für höhere technische Erziehung in Erez-lsrael und in der Welt zu Hilfe zu eilen. Durch die Aufrechterhaltung des Technion werden wir unsere Fähigkeit zu beweisen haben, unsere wirtschaftliche, technische und wissenschaftliche Stellung in diesen entscheidenden Punkten des jüdischen Palästinas zu behaupten. Die „PAH” teilt mit: 1. Die 7. Palästihareise-Gesellschaft der «■PAG» ist unter Führung von Herrn Dr. Pais am 9. Juni in Haifa gut gelandet. 2. Die 8. PaläsUnardse der «PAG» geht am 2. Juli von Wien ab; Preis von S 235.— aufwärts. 3. Die «PAG-Mitteilungen» vom Juni 1933 enthalten u. a. genaue Palästinareiseprogramme für das ganze Jahr 1933 samt Preisangaben und derzeit geltenden Teilnahmsbedingungen. Nichtm i t g 1 i e d e r erhalten diese Nummer bei Einsendung eines internationalen Postantwortscheines. Nur schriftliche Anfragen an die «PAG», Wien, HL, Landstraßer Gürtel 9. Neues von der hebräischen Universität Studenten zuzug Anfragen und Aufnahmegesuche von jüdischen Studenten während des ersten Quartals sind aus 17 Ländern eingelaufen. Die meisten Anfragen kamen aus Polen, während an zweiter Stelle Amerika, und an dritter Deutschland steht Im ganzen betrug die Anzahl der Anfragen und Gesuche 135. Von diesen interessierten sich die Mehrzahl für die geisteswissenschaftliche Fakultät 36 neue Studenten wurden für das Sommersemester inskribiert. * Aufforstungsversuche des Botanischen Institutes Versuche, die vom botanischen Institut der Universität ausgeführt werden, haben Möglichkeiten zur Wiederaufforstung Palästinas ergeben, die von praktischer Bedeutung sind. Es hat sich gezeigt, daß durch Schutz der wildwachsenden, heute aber durch Ziegenfraß und menschliche Eingriffe degenerierten Bäume, wie der palästinensischen Eiche, deren Wachstum von selbst wieder zu hohem und wohlausgebildetem Baumwuchs führen würde. * «Gesellschaft für Förderung der Universität» In Te 1-Awiw und Jerusalem haben sich kürzlich «Gesellschaften zur..Förderung der Universität» gebildet. Nach erfolgreichen Versammlungen an beiden Orten wurden Kommitees gegründet, an deren Spitze in Tel-Awiw Ch. N. B i a 1 i k, in Jerusalem der Richter G. F r u m k i n und M. IJssischkin stehen. Die Gesellschaft hat bereits Jahresverpflichtungen Über 1500 Pfund von ihren Mitgliedern aufzuwetsen, wozu noch Beiträge verschiedener Institutionen kommen. Der Jüdische Nationalfonds stellte der Universität einen jährlichen Zuschuß von 500 Pfund zum Zwecke der Errichtung eines Lehrstuhles für Soziologie mit besonderer Berücksichtigung agrarischerProbleme zur Verfügung. Außer der Beihilfe zum laufenden Budget der Universität plant die Gesellschaft die Errichtung eines Lehrstuhles für die hebräische Sprache (weicher den Namen Bialiks führen soll) und einen zweiten für Pädagogik. * Gastvorlesungen Im Laufe der letzten Monate fanden zahlreiche Gastvorlesungen statt, die von ausländischen Gelehrten gelegentlich ihres Aufenthaltes in Jerusalem gegeben wurden. Unter ihnen sind zu nennen: Professor Samuel Krauß aus Wien; Dr. Josef Patad aus Budapest; Sir Arnold Theiler aus Südafrika; Prof. Jaques Hadamard aus Paris, welcher auch Mitglied des Kuratoriums der Universität ist; Dr. Ch. Brody aus Berlin. Doktor H, Torczyner liest eine Reihe von Gastvorlesungen Aber die hebräische Sprache. t Studentenführer Die Universität hat kürzlich zwei Broschüren veröffentlicht, deren eine einen kurzen Ueberbtick üb«- den Gesamt« aufbau der Universität gibt und vorzugsweise für Besucher bestimmt ist, während die zweite alle diejenigen Regeln und Statuten und sonstige Einzelheiten enthält, die für zukünftig« Studenten von Wichtigkeit sind. * Lehrstuhl für Kunst und Archäologie Prof. L. A. M a y e r, welcher den Sassoon-David-Lehr- Stuhl für die Kunst und Archäologie des nahen Ostens innehat, ist von der palästinensischen Regierung zum Arabischen Epigraphisten und Kurator moslemischer Münzen am Departement für Altertümer ehrenhalber ernannt worden. Prof. Mayer kehrte kürzlich von einer Studienreise nach Konstantinopei und Athen zurück, die dem Zwecke des Besuches von Museen und Bibliotheken diente. ->»as Herbarium erhält Zuwachs Dr. A. E i g und Herr N. Z o h a r i von der botanischen Abteilung verbrachten mehrere Wochen im Iraq und sammelten viel wertvolles Material für das Herbarium der Universität. Dieses Herbarium mit seinen über 100.000 Exemplaren aus Palästina und den Nachbarländern stellt das größte seiner Art im Vorderen Orient dar. * Neuerwerbungen Die geologische Abteilung hat zwei wertvolle Neuerwerbungen zu verzeichnen. Dr. Henri Martin aus Charente in Frankreich hat ihr eine schöne geologische Sammlung gestiftet, und Frau Flora Williams aus Amerika hat es der Abteilung durch eine Spende von 300 Dollars ermöglicht^ einen weiteren Teil der bekannten Blanckenhomschen Sammlung zu erwerben. * Forschungsstipendien Ein Farschungsstipendium zum Gedächtnis von Danje^ Sieff wurde der Abteilung für Parasitologie von Dr. Ch. W e i z m a n n zur Verfügung gestellt. Die Vereinigung der Synagogen Englands sandte der Universität einen Beitrag von 50 Guineen. Die Beteiligung von Juden in der palästinensischen Polizei Jerusalem. Das für die Juden ungünstige prozentuelle Verhältnis von jüdischen und arabischen Beamten in dex palästinensischen Polizei hat eine weitere Verschlechterung erfahren. Am 1. Juni fanden Neuaufnahmen in die Polizeischule statt, bei denen zweiundzwanzig Araber, aber kein e i n z i g e r J u d e in die Schule eingereiht wurden. Am Polizeioffizierskurs nehmen gegenwärtig zwölf Araber und ein Jude teil. Die Umsiedlung der Beduinen von Wadi Hawarith nach Beisan begonnen' Jerusalem. Die Umsiedlung der auf Nationalfondsboden in Wadi Hawarith provisorisch angesiedelten Beduinen auf das ihnen von der Regierung in Tel-Shok im B eisan-Gebiet zur Verfügung gestellte Land hat nach langwierigen Verhandlungen begonnen. Ungefähr zwanzig Beduinenfamilien haben einen Vertrag mit der Regierung unterzeichnet, in dem sie sich bereit erklären, Wadi Hawarith zu verlassen und sich nach Tel-Shok zu begeben. Die restlichen Siedler verweigern vorläufig noch unter dem Einfluß arabischer Agitatoren ihre Zustimmung zur Umsiedlung. Auf Grund des Abkommens mit der Regierung werden den Beduinen von Wadi Hawarith folgende Bedingungen geboten: Sie erhalten 12.000 Dunam fruchtbaren Boden, der innerhalb von zwölf Jahren abzuzaMen ist. Die erste Rate ist erst nach drei Jahren zu zahlen. Die Regierung hat sich verpflichtet, die ersten Ameliorierungsarbeiten durchzuführen, Wohnhäuser für die Siedler zu errichten, ihnen für den Umzug aus Wadi Hawarith eine Entschädigung zu bezahlen und ihnen Kredite zu gewähren. Für die Erwerbung des Bodens in Tel-Shok hat die Palästina-Regierung etwa 40.000 Pfund ausgegeben, weitere 100.000 Pfund werden zur Durchführung der Umsiedlungsaktion erforderlich sein. Bei den Vorbereitungsarbeiten in Tel-Shok sind derzeit 150 arabische Arbeiter beschäftigt. Gründung einer Judenfreundlichen ' Partei in TransJordanien Jerusalem. Mithqal Pascha Fais, der Führer der Delegation transjordanischer Scheiks, die kürzlich in Jerusalem eine Besprechung mit jüdischen Führern, betreffend die Aus-, dehnung der jüdischen Kolonisation auf Transjordanien, abgehalten haben, hat eine neue judenfreundliohe tranSjordanische Partei gegründet, die den Namen «Jordanbrüderschaft» trägt und demnächst ihre^erste Konferenz in Amman abhalten wird. Eine gleichfalls von Mithqal Pascha für Anfang Juni einberufene transjordanische Wirtschaftskonferenz, die als Gegenkundgebung gegen eine für denselben Zeitpunkt einberufene Zusammenkunft transjordanischer Nationalisten gedacht war, wurde von der transjordanischen Regierung verboten. Mithqal Pascha hat in einem Telegramm an Emir Abdullah Protest gegen diese Verfügung der transjordanischen Regierung erhoben. Mitteilungen des Palästina-Amtes Eine Spiritusfäbrik in Palästina sucht einen erstklassigen ^Facharbeiter zur Herstellung von gepreßter Hefe unter besonders günstigen Bedingungen. Reflektanten wollen sich beim Palästina-Amte, Wien, I., Kärntnerstraße 28, zwischen 10 und 12 Uhr vormittags melden. Wichtig für Palästina-Touristen l Im Palästina-Amte, Wien, I., Kärntnerstraße 28, ist der soeben erschienene, vom Zionistischen Informationsbureau für Touristen in Jerusalem herausgegebene «Führer durch das neue Palästina» zum Preise von S 1 JO erhältlich. Palästina-Beratung für Frauen und Mädchen Die «Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs» und die Z. M. V. «M i r j a ra» eröffnete am 5. Mai in den Räumen des zionistischen Landeskomitees, Wien, I., Kärntnerstraße 28, eine Beratungs- und Au'nkunftsstelle für Frauen und Mädchen, die nach Palästina auswandern wollen. Das Bureau steht unter der Leitung Frau Dr. Kantor (Wizo) und Frau Dr, Lichtenstein (Kontinentalbund der Zion. Mädchenvereinigung «Mirjam»), Sprechstunden Dienstag und Donnerstag zwischen 5 und 7 Uhr abends. Ohne Schekel kein Wahlrecht Schluß der Schekelaktion 20. Juni Werbet Wähler für den Allgem. Zionismus!