Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 284 (15.6.1933)
- Date
- 1933-06-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Hf. IM - t& Jtfftf 1033 D1C IMII ww? Palästinas Lehranstalt Das Interesse für Erez Israel und die Nachfragen nach Informationen aller Art, die täglich aus den verschiedensten Kreisen der jüdischen Bevölkerung Wiens an die verschiedensten Stehen der Zionistischen Organisation und nicht zuletzt an die Redaktion der «Stimme» gerichtet werden, sind in letzter Zeit ungemein starte angewachsen. In ihrem Bestreben, nach besten Kräften der heute herrschenden palästinazentrischen Strömung publizistisch zu dienen, hat die Redaktion der «Stimme» die Rubrik «Werdendes Erez Israel» geschaffen, die einen lebendigen Spiegel über die Arbeiten und Leistungen auf den verschiedensten Gebieten in Palästina bilden soll Haben wir bisnun aus begreiflichen Gründen Berichte über wirtschaftspolitische Themen und praktische Fragen der Immigration behandelt, so widmen wir diesmal diese Rubrik den Lehranstalten Palästinas, wobei wir vorausschicken müssen, daß bei dem schon heute ausgezeichneten Schulnetz in Palästina unsere Berichte keinen Anspruch auf Vollständig.-'! erheben können. Wir werden von FaU zu Fall auch Uber die anderen Schulen Erez Israels berichten. Die Redaktion. Direktor Dr. Benabon Mossinson: Das erste Hebräische Gymnasium der Welt Der Werdegang des Hebräischen Gymnasium* »HeraUahe in JeUAwlw Das Hebräische Gymnasium «Herzliah» in Tel Awiw existiert seit dem Jahre 1906 und war die erste Mittelschule mit ausschließlich hebräischer Unterrichts* spräche. Iu der ersten Zeit zweifelten sogar anerkannte Hebraisten daran, daß es möglich sein werde, den gesamten Unterricht in hebräischer Sprache zu erteilen. Erst im Jahre 1913, in welchem die ersten Abiturienten die Anstalt verließen, hatten wir uns durchgesetzt. Alle europäischen Universitäten anerkannten die Zeugnisse unseres Gymnasiums als gleichberechtigt mit den der europäischen Mittelschulen. Unsere Abiturienten wurden von den Universitäten in Paris, Wien, Berlin und der Schweiz ohne weitere Prüfung zum Hochschulstudium zugelnssen. Die Anerkennung des hebräischen Diploms des Gymnasiums hat auch wesentlich dazu beigetragen, daß der seinerzeitige Sprachenkampf im Technikum zu Haifa zugunsten des Hebräischen entschieden wurde. Aber auch den vielen hebräischen Mittelschulen, die nach dem Weltkrieg in der Diaspora entstanden srod, diente das Herzliah- Gymnasium als Vorbild. Zur Zeit der Gründung hatten wir 17 Schüler. Vor dem Weltkrieg stieg die Schülerzahl auf über 700 an. Während des Weltkrieges, da Tel-Awiw von den Türken ewakuiert wurde, wurde eine Anzahl Lehrer ausgewiesen. Di« zurückgebliebenen Lehrer mußten mit den Schülern von einem Ort zum andern wandern, Dl« Schülerzahl schrumpfte bis auf 200 «in, Erst nach dem Kriege begann diese anzuwachsen und erreichte Jetzt wieder dl« Höhe von 700 Schülern. Anläßlich des 25jährigen Jubiläums vor zwei Jahren hat dah die Leitung des Herzliah-Oymnasiums an etwa 79 Universitäten, an denen ihre Abiturienten ihre Studien absolvierten, mit der Bitte nach Informationen Über di« Leistungen ihrer Abiturienten gewendet U«b«r 60 von den Universitäten haben geantwortet und sich sehr lobend und warm Uber die Vorbildung dieser Studenten ausgesprochen. Eine der begeistertsten Anerkennungen kam aus der Sorbonne in Paris, die auch die Tel Awiwer Anstalt zu ihrem Jubiläum beglückwünschte. Interessant ist auch die innere Struktur des Gymnasiums, da« aus vier Vorbereitung», und den eigentlichen Gymnasialklaren besteht, ln die erste Vorbereitungsktasae treten die sechsjährigen Kinder ein, die aus dem Kindergarten kommen, Im Qymntarum «albst werden insbesondere In den zwei fetzten Klooten zwei verschiedene Schultypen geführt. Es be«teb«n eine literarische Abteilung, in der hauptsächlich Geschichte, Sprache und Literatur, und eine sogenannte realistische Abteilung, in der hauptsächlich di« naturwissenschaftlichen Pftcher, wie Physik, Math»" matik und Naturgeschichte, gepflegt werden. Schpn in der Crateu Ktegse wird Englisch ala Fremdsprache unterrichtet, m dar dritten Kl*#*« Arabisch und in dar fünften «in« zweite europäische Sprache, Französisch oder Italientech, gelehrt, ln diesem Zusammenhang ist dos große lntere&*e erwähnenswert, das die Italienische Regierung dem italienischen Sprachunterricht im Hebräischen Gymnasium widmet. Dies kommt am besten darin?um Ausdruck, daß m der Anstalt den Lehrer auf ihre Kosten zur Verfügung stellt, ebenso alte Schulhefte gratis bestellt. Aber auch die Schüler des Hersllah-Oymnaaiume genießen von der italiente schsn Regierung besondere Begünstigungen, Bo wurden ihnen, die nach Italien gehen wollen, bereits a b J a f f a eine 75prozentlge Fohrtsrmäßlgungauf allen Schifffahrt»- und Bahnlinien gewährt. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß Latein und Griechisch im Hebräischen Gymnasium nicht unterrichtet werden. Wohingegen außer auf di« obligaten Wlaaenficbafttlcbeu Fächer besonderer Wert auf Handfertigkeit gelegt wird, Pte Schüler erhalten Unterricht Im Garten* bog, Ttseblarai, K»rtonn«g*narzaugung und dis Mädchen außerdem «inen speziellen Unterricht im Nähen, ln den ni>r,r.~i, '<ii *r— ■m « I. -,'i .■—»’i höheren Klassen wird Physik und Chemie im Laboratorium doziert Mehr ala die Hälfte der Absolventen bleibt im Lande. Viele von ihnen werden Lehrer, Regierungs- und Privatbeamte, sehr viele wenden sich der Landwirtschaft zu und arbeiten nach Absolvierung des Herzliah-Oymnasiums als Landarbeiter, Ea gibt kaum eine Kwuzah oder einen Kibbuz, wo nicht Absolventen des Herzliah-Oymnasiums als Land- Anläßlich der 4, Diplomverleihung an die Absolventen des Hebräisch-Technischen Instituts zu Haifa, die in Anwesenheit des High-Commissi«*- ners Sir W a u c h o p e stattfand, hielt der Direktor des Instituts, das ehemalige Mitglied der Zionistischen Exekutive und Führer der palästinensischen Arbeiterbewegung Ing. S. Kaplaneky ein« Rede, die wir hier auszugsweise wiedergeben. (Die Red.) Mit diesem Jahrgang stieg die Zahl der Absolventen beider Abteilungen des Technion — Bauingenieur- und Architekturschule — auf 81, von welchen 30 die Diplom-* Prüfung bestanden haben. Mit großer Genugtuung heben Wir die Tatsache hervor, daß über 90 Prozent aller Absolventen des Technion in ihrem Fache Beschäftigung finden konnten. In gewissem Grade trug dazu die gegenwärtige Hochkonjunktur auf dem Baumarkte bei, aber auch in den vergangenen Jahren waren unsere Absolventen gut beschäftigt und befriedigten vollauf Ihre Arbeitgeber. Soweit unsere Zahlen reichen, arbeiten etwa 25 Prozent bei der Regierung, beim Hafenbau und an städtischen Bauten, etwa 15 Prozent bei nationalen Werken, der Rest ist bei privaten Bauunternehmern und in Ingenieurbureaus tätig. Unter den Anstalten, in denen unsere Absolventen noch nicht Fuß ja wen konnten, sind leider die Statverwaltungen von T e I» Awiw und Jerusalem zu verzeichnen. Ich erwähne die«* traurige Tatsache und gebe dem Wunsche und 4er Hoffnung Ausdruck, dieses Uebel möge baldigst gutgemacht worden. Wir wollen hoffen, daß such das Verhalten dar großen, In Haifa wirkenden internationalen Gesellschaften den Absolventen des Technion gegenüber eine Aenderung erfahren wird. Unsere Ingenieure besitzen den Vorzug, im Lande gelernt zu haben, mit den LandesverhältniMcn und -Problemen, Arbeitsmethoden und -materiallen beseer vertraut zu «ein als auswärtige Ingenieure. Das nach Palästina strömende Internationale Kapital kann sich auch gewissen Verpflichtungen der jüdischen Einwanderung und Arbeit sowie dem jüdischen Ingenieur gegenüber nicht entziehen, der in diesem blühenden Küstenstrich des Mittefmeerez den Weg für die neue Technik und die moderne Wissenschaft gebahnt bat. Das Technion steht im Zeichen des Andranges der verfolgten jüdischen Jugend des Ausländer. Zu Beginn dea Studienjahres 1932/33 wurden auf den ersten Jahrgang SO neue Studenten aufgenommen, von denen 35 aus dem Auslande kamen. Für das näehtte Jahr liegen bereits 50 Gesuche vor. Das über das deutsche Judentum hereingebrocbanc Unglück, das an die airbeiter tätig sind. Von den nach dem Abiturfentenexamtn b» Ausland gegangenen Schülern sind viele nach Absolvierung ihrer Studien wieder ins Land zurückgekommen und dort nunmehr in verschiedenen Berufen tätig. Fünf von ihnen sind gegenwärtig als Lehrer im Qymnasium tätig. Das Schulgeld beträgt 9 Pfund jährlich. Nur die l e t z t n zwei Klassen erfordern mit ihrem ausgedehnten Apparat d!ie jährliche Beitragsleistung von 23 Pfund. In dem Schulgeld sind ärztliche Hilfe und Medikamente inbegriffen. Denn die Lehranstalt «Herzliah*. hat für ihre Zöglinge einen ausgezeichneten Aerztedienst, der von einer Reihe Spezialärzte aufs aufmerksamste durchgeführt wird. Die Schüler werden von Zeit zu Zeit untersucht, damit die Aerzte von der Konstitution der Zöglinge und ihrer körperlichen Entwicklung ein genaues Bild haben, was für die spätere Berufsberatung nicht ohne Bedeutung bleibt. Die Fürsorge für die Schüler erfreut sich größter Popularität, so daß auch die Eltern der Zöglinge immer mit dar Behandlung durch die Schulärzte vollauf zufrieden sind. Da? Herziiah-Gymnasiirm bekommt selbstverständlich auch aus den verschiedenen europäischen Ländern durch di* verstärkte Einwanderung immer neue Zöglinge. In der letzten Zeit haben wir zahlreiche Anfragen wegen Unterbringung solcher Schüler erhalten, nicht zuletzt durch die Ereignis«« in Deutschland. Die Kinder, die nur zu Studienzwecken in die«* Lehranstalt geschickt werden, können, da wir augenblicklich über kein geschlossenes Internat verfügen, nur privat bei Familien untergebracht werden. Die Pension beträgt Wer 4 bis 6 Pfund monatlich, Zahlreiche dieabezflgliche Anfragen liegen in letzter Zeit insbesondere aus Deutschland vor. feme Vergangenheit des dunkelsten Mittelalters, an die spanische Vertreibung und den Dreißigjährigen Krieg gemahnt, stellt an das Technion die erhöhte Forderung, otef Zufluchtsstätte zu schaffen, wo die bedrängte jüdische Jugend technische Ausbildung genießen könnte. Wolfen wir uns mit Protestkundgebungen begnügen, oder saften wir durch Tat helfend eingrelfen? Werden unsere Höheren Anstalten imstande sein, die Großen Israels aufzunehma«, die Gelehrten und Forscher, die der deutschen Wissenschaft soviel Ruhm verschafft haben und die jetzt von de» Tempeln der Wissenschaft verjagt werden, zu deren Errichtung sie soviel heigetragen haben? Wir wollen uns keinen Illusionen hingeben. Wie Palästina selbst noch nicht imstande Ist, den Zerstreuten Israels Zuflucht au bieten, so befindet sich auch das Technion am Anfang seiner Entwicklung, Zu unserem Bedauern kann das Technion heute noch nicht seine Pforten weit genug öffnen, um Tausende jüdischer Studenten uitd die jüdischen Forscher aufzunehmen, die ihrer Schaffen«^ statte entrissen wurden. Wir haben nicht rechtzeitig dafür gesorgt, den Aufbau Palästinas im nötigen Umfang und mit der nötigen Energie zu beteeiben, und nun sind wir in der Stunde der Not nicht genug gerüstet. Die bittere Erfahrung sollte uns anspornen, endlich auch das Technion sieherzu* stellen, damit es an der Rettungsaktion für die deutschen Juden konstruktiv mitwirken kann, Wir werden den Anforderungen der jüdischen «Me* renden Jugend nicht gerecht werden können, solang« di« Technion ln bezug auf Aufnahmefähigkeit und Zahl d«r Abteilungen beschränkt bleibt. Auch die palästinensische Wirk* llchkelt drängt auf eine Erweiterung der Anstalt Wir hatte« bis jetzt eine Bauingenieurabteilung. Daneben besteht ein« kleinere Architekturabteilung, die jedoch auf eine roteh« Baerwald-Ueberlieferung zurüdcblicken kann. Dl« Aufrechte erhaltung der Abteilung für Architektur erfordert stteäte* flehe Lehrkräfte. Die Lage auf dem Baumarkte in PahtetinOf die Bedeutung des Wohnbaues im Baugewerbe, di« Note Wendigkeit, unsere Arohitekturprobleme auf Grund der Kenntnis der Bedürfnisse der Behausung in der Jüdisch«« Stadt und dem jüdischen Dorfe zu lösen — de« altes deutet darauf hin, daß eine Architekturabteilung auch materiell zu rechtfertigen wäre und Wege gesucht werden müssen, um sie zu erhalten und zu erweitern. Meine Losung ist ~ ei« Fonds für einen Baerwald-Kstheder für Architektur. Ward«« seine zahlreichen Freunde und Verehrer unserem Rufe Folg« teilten? Die wachsenden Bedürfnisse das Landes und Min«f Bevölkerung sowie die Entwicklung des auferstehenden ..■ ■ I ■ ■ Ing* «. Kaolanskyt Das Haifaer Tecknilcum i Fortschreitend* Entwicklung 7IMIICTC1I benützet die letzten Tage zur intensivsten UUHIJI Eli Schekel-Aktion. Letzter Termin 20. Junil