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Die Stimme · 1933-06-15 · Heft 284 (15.6.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 284 (15.6.1933)
Date
1933-06-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2M — M. Jwil 19» DTP PTTMiMB Mb* Donnerstag, 22. Juni 8 Uhr abends Hoiet Poai, I., FteUchmarM 24 DR. BENZION MOSSINSON Direktor des Herzi-Gymnasiums in Tel-Awiw spricht Oben Der 48. Kongreß und die Situation im Judentum „Die Stimme“ bringt vertrauliche Mitteilungen aus einem auswärtigen Konsularbericht t Nahrungsmittelboykott gegen deutsche Juden! Die ökonomische Lage der deutschen Juden blinden, wenn er nur nicht antisemitisch ist. Sie führen den Kampf gegen den Natlonalfaschismus nicht im Namen der Demokratie, sondern nur aus dem Interesse der jüdischen Bourgeoisie.» Das hätte Frauenfeld nicht besser schreiben können I Erniedrigung des politischen Kampfes dadurch, daß er «nur als Kampf um den Schutz der Juden» geführt wird, «nur aus dem Interesse der jüdischen Bourgeoisie.» Mit anderen Worten: Was schert es die Sozialdemokratie, was mit den Juden geschieht? Die Hauptsache ist die Demokratie, Marke Wienzeile. Und überhaupt. Jüdische Bourgeoisie! Wie ein römischer Imperator scheint der Leitartikel zu sagen: Jüdische Bourgeoisie? In däe Arena mit Ihr, vor die Löwen! Jüdischer Proletarier, das sind deine Vertreter. Du wirst sehen, wenn es hart auf hart gehen wird, wenn Du zu den Genossen um Schutz laufen wirst, dann wird es heißen, man könne den Kampf nicht degradieren zum Kampf «Nur um den Schutz der Juden» und, armer jüdischer Proletarier, vielleicht wird man Dir sagen, daß Du ein «jüdischer Bourgeois» bdsL Blickt man aber tiefer, dann sieht man: Hier antisemitelt Mauschel, biedert sich den christlichen Genossen an, die in ihm plötzlich den Juden sehen, die Ihn abschütteln wollen. Aber Mauschel läßt nicht locker. Der ganze Jammer der Assimilation schüttelt ihn. Er winselt. Er macht in Antisemitismus. Uns aber schüttelt der Ekel vor so abgrundtiefer Würdelosigkeit Und wir sagen mit der A. Z., aber anders als sie es meint: «Vor diesen Ausbrüchen der Hysterie muß eindringlich gewarnt werden.» Entlassung jüdischer Angestellter In Oesterreich als rechtsunwirksam aufgehoben Die deutsche Gleichschaltung in der österreichischen UFA und in der ihr zugehörigen «Zentral-Kiuo-Geseltechaft» hatte auch in Wien Kündigungen und Entlassungen jüdischer Direktoren und Angestellter zur Folge. Die Wiener Gewerksöhaftskojnmission hat einzelne hervorragende Fälle beim staatlichen Einigungsamt angefochten, da eine Arbeifskündigung aus politischen und konfessiondien Gründen nach österreichischem Geetz unzuläsig ist. Der diese Klagen behandelnde Gerichtssenat hob die Entlassung von Juden als xechtsunwirksam auf. Glossen Maxe wird von einem Juden ft. o. geschlagen Ausgerechnet ein Jude mußte es sein, der frisch-fröhlich und rassenrein dem Heros der Nazi den Garaus machte. Wie klopfte da das Herz des Führers, als er dem Maxe die Erlaubnis gab, 6eine germanischen Fäuste mit jüdischen in Berührung zu bringen. Aber — o weht Diese Berührung ist gar nicht nach den germanischen Begriffen von Siegeswillen und «Pardon wird nicht gegeben». Gefallen ist hingegen Maxe unter den wuchtigen Hieben eines jüdischen Frechlings und zerbeult und zerknittert lag da das deutsche Häuflein von Heldentum auf dem Boden und mußte unter dem Jubel von Tausenden ausgezählt werden. Ist das nicht eine neue Greuelpropaganda, die gegen dieses unschuldsvolle deutsche Volk in Amerika von den verruchten Juden angezettelt wird? Eine solche jüdische Frechheit muß sich auch auf dem Boxring das Nazi-Deutschland bieten lassen I Wenn wir wenigstens den jüdischen gegen unseren Maxe eintauschen könnten. Rassenreinheit in allen Ehren — aber was würde sie nicht alles für einen großen deutschen Sieg opfern! Armer Führer! Wo man Hinschaut, regnet es lauter knock-outst Und überall die Juden! Es hilft ihnen keine Ausschaltung und kein wirtschaftliches Abschlachten, — kaum ergibt sich außerhalb Deutschlands die Möglichkeit, in freiem Wettbewerb die Kräfte zu messen — prompt kommt die Niederlage! Armer Maxe — es gab für ihn vor der Wut des Führers wirklich nur eine Flucht — in die Arme der holden Germanin Anny Ondra. Dort mag ihn nun der Führer suchen, um Deutschlands Niederlage zu rächen. Hoffentlich kommt ihm nicht der jüdische Frechling Max auch hier mit Onem k. o. zuvor! fe—fe. Streng ResiaurantLeopolilKeiniiler flenl, rue, du RtiOne 54 Kürzlich ist eine neue Parteiorder der nationalsozialistischen Partei an die Naziparteizellen und sämtliche Geschäfte erlassen worden. Es wird darin verlangt, daß ohne jede Ausnahme und Gnade rücksichtslos sämtliche jüdischen Angestellten per 1. Oktober definitiv entlassen werden müssen. Auch getaufte Juden, Judenstämmlinge und selbst gewesene Frontsoldaten dürfen nicht ausgenommen werden und sollen eventuell unter allerhand Vorwänden entlassen werden. Auch arische, christliche Wirtschaftsführer beginnen bereits ängstlich und nervös über diese Situationen zu werden, welche durch das Verjagen der Juden entstanden sind, da die Nazikommissäre, die an ihre Stellen traten, begreiflicherweise weder die richtigen Erfahrungen noch die nötigen Eignungen haben. Daher sind selbst Kreise, die sonst zu den Nationalsozialisten gehören, sehr betroffen, um so mehr, als ausnahmslos alle früheren jüdischen Unternehmen, die von den Nationalsozialisten expropriiert wurden, jetzt schwere Defizite zeigen. Die jüdischen Besitzer wurden mit offener Gewalt oder unter schweren Drohungen enteignet oder wie man frühem sagte «sozialisiert», aber die «Intelligenz» der früheren Besitzer konnte nicht auch mitenteignet werden. Zum Teil beginnt auch der ausländische Boykott sich jetzt fühlbarer zu machen. Tatsache ist, daß früher hochrentable Unternehmen, wie etwa die «Epa»-Einheitspreisgeschäfte, die Warenhäuser Karstadt, Wertheim, Tietz, und noch sehr viele andere Läden jetzt starke Defizite haben und sowohl das Reichsfinanzministerium als auch die Großbanken belasten, welche ja in Deutschland ohnehin schon zu 70 Prozent dem Staate gehören. Diese sozialisierten Großindustrien und -unternehmen erfordern jetzt ständige neue Anleihen, da sie sonst vor dem völligen Zusammenbruch stehen. Aber auch die Herrn Hugenberg nahestehende Großindustrie und die Großhandelskreise beginnen nun mit etwas gemischten Gefühlen die Angelegenheit der sozialisierten jüdischen Betriebe zu betrachten, weil verschiedene Naziparteizellen bereits die Frage aufzuwerfen beginnen, daß auch für nichtjüdische Betriebe «Naziparteikommissäre» zu ernennen seien. Damit würde sich dann die bisher jüdische Expropriation auch auf arische Kreise weiter ausdehnen und damit die ganze Nazibewegung in rein kommunistisches Fahrwasser geraten... Die stattgefundene Auswanderung des Pelzwarenengroshandels voti Leipzig beginnt sich dort bereits auch sehr fühlbar zu machen und die Veranstalter der nächsten Leipziger Messe befürchten auch mit Recht, daß sowohl viele jüdische Aussteller als. ausländische jüdische Besucher nicht mehr zur Messe kommen werden, wie vorher seit vielen Jahren. Inzwischen nimmt die Ausdehnung des «stillen jüdischen Boykotts» weiter an Ausdehnung zu und sogar nach solchen Richtungen, bei denen dies '. i uivrir."blich erscheint. Die Naziparteizellen beginnen nü;i; < gegen deutsche Juden einen Nahrungsmittelboykott aufzurichten, wie ihn bisher die Weltgeschichte noch nicht kannte. Es wird vielleicht in absehbarer Zeit jüdischen Familien (selbst mit Kindern) nicht mehr möglich sein, Nahrungsmit* tel zu kaufen. Die Organisation der deutschen Engros-NahrungsmittHhändler hat nämlic h den Entschluß gefaßt, nicht mehr an Juden weiter zu verkaufen. Da nun die früheren jüdischen Engros-Nahrungsmittelhändler alle sozialisiert wurden, wjrd wahrscheinlich in kurzer Zeit der Fall eintreten, daß sich jüdische Kreise nur mehr schwer Lebensmittel beschaffen werden können, denn auch die Detailnahrungsmittelgeschäfte werden nun gedrängt, keine Waren an Juden mehr abzugeben, und man deutet ihnen an, daß man sie sonst auch vom Warenbezug ausschalten würde. Auch hört man bereits davon, daß gewisse jüdische Kaufmannsdetailläden Schwierigkeiten haben, bestimmte Waren (besonders Markenartikel) aufzutreiben. Infolgedessen beginnt jetzt auch eine Art Wanderbewegung der Juden von den kleinen Provinzstädten nach Berlin einzusetzen, weil dieselben dort in Berlin nicht so bekannt sind und auch daher beim Einkauf weiter nicht besonders auffallen. In Berlin glaubt man daher auch, daß dieser Zustrom von Juden weiter anhalten wird. Viele Juden, die wenig bemittelt sind und denen die deutsche Regierung die Pässe verweigert, obwohl sie um Auswanderung bitten, ziehen nach dem Saargebiet. Saarbrücken ist bereits überfüllt mit Juden, die aus Preußen und Bayern geflüchtet sind. leopoldsfädter Volks-Kino Wien, II., Rotensterngasse 7 a, Tel R 49-0-23 Ab 16. Juni täglich — Der grandiose Sitfcenfilm aus dem Ghetto New Yorks Onkel Sldneg Erst- und Alleinaufführung für den II. Bezirk — Beginn der Vorführungen halb 6, viertel 8 viertel 10 Uhr abds., Sonntag ab 4 Uhr Hillionenpetition an Roosevelt Intervention zugunsten der deutschen Juden New York. Die Zentrale des Unabhängigen Ordens Bne Brith hat die Sammlung einer Million Unterschriften für eine Petition an Präsident Roosevelt eingeleitet, in der dieser gebeten wird, bei der deutschen Reichsregierung offiziell Verwahrung gegen die Zurücksetzung der deutschen Juden einzulegen, Der Orden weist auf eine Reihe von Präzedenzfällen für eine solche Aktion in der Geschichte Amerikas hin. Judenpässe Eine eigenartige Methode wird von den deutschen Paßstellen neuerdings angewertdet, um den Inhaber des Ausweises als Juden zu kennzeichnen. Jüdisch klingende Namen werden im Paß unterstrichen. Man hat zu dieser Maßnahme gegriffen, weil ja nach nationalsozialistischer Auffassung die Konfession, die obendrein in den deutschen Pässen bisher nicht vermerkt worden ist, über die Rassenzugehörigkeit des einzelnen nichts besagt. Heldengedenkfeier der Jüdischen Frontsoldaten Oesterreichs Am Sonntag, den 1 8. J u n i, veranstaltet der «Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs» beim Heldendenkmai auf dem Wiener Zentralfriedhof eine große Heldengedenkfeier für die im Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten. Das Sekretariat des B. j. F., Wien, II., Aspernbrückenstraße 2, erteilt Auskünfte und gibt Platzanweisungen aus. Beh. konz. Realbüro ING. N. MUHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken L, II. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro: Franz Josefs-Kai 11 Tel. R-25-0-44 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88

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