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Die Stimme · 1933-06-15 · Heft 284 (15.6.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 284 (15.6.1933)
Date
1933-06-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Mil DIB STIMME Nr. 284 — 15. Jot! 1935 ~ ■— i ■ ■■ >i»— enSTSTflTTEA II für JESERDIHHH Ui II. Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstraße Nr« 61 Haltestelle der Badoer Elektrischen Selbstbedienung, keinerlei Nebenspesen. Speisen u. Getränke f. jeden Geschmack b. zeitgemäßen Preisen Modern st eingerichteter Betrieb Sehenswfirdigkeit der Stadt 11 bis 3 Uhr Menü OANZTÄOIG GEÖFFNET BÜRGERSTÜBERL OTTO Ul waren sie von dem herrlichen Geist des Opfermuts für ein Ideal entflammt Solange Ihr aus solchem Stoff gemacht seid, meine jüdischen Freunde, rief Macdonald aus, könnt Ihr Aechtungen und Verfolgungen ertragen und dannoch gedeihen! Sie und ich, fuhr der Ministerpräsident fort, haben etwas sehr Wichtiges, vielleicht Entscheidendes, gemeinsam: unsere religiöse Grundrage. Ich wurde ln höherem Maße als ein Engländer im allgemeinen im Geist des alten Testaments erzogen. Man lehrte mich, daß ln einer bestimmten Zeit eine neue Vergebung der Sünden erfolgte, aber wenn ich auf meine presbyterianischen Vorfahren xurückbficke, aut John Knox und die übrigen, so sehe ich, daß die Furcht Gottes sie vom Frevel frefmachte und daß seine Verheißungen ihnen Lebensmut gaben; eine Denkungsart die mehr dem Alten als dem Netten Testament entspricht Dies brachte ich mit, als ich nach Palästina kam. Ich kam als Tourist und war doch mehr als das. Wenn Ich fragte: Ist <8ee die Ebene Saron, sind dort die Berge von Judäa, ist dies hier Jerusalem?, so fragte Ich dies nicht wie ein Vergnügungsrelsender, sondern wie ein Pilger, der ins wahre Heilige Land gekommen war, um mit den Wurzeln seiner Seele, seines religiösen Seins, Berührung su finden. leb sah Eure Arbeiten, Eure Eisenbahnen und Straßen, tnd als ich Jetzt durch die Straßen dieser Ausstel* hfflg schritt, kam mir die Erinnerung an jene anderen, und ich bringe Euch meine herzlichen Glückwünsche dar. Palästina hat heute weniger als irgendein anderes Land eine Arbeitslosen frage. Sie haben Ihr Budget ins Gleichgewicht gebracht. Wie ist Ihnen dies gelungen? Muß ich trat diese Frage stellen? Kann heute überhaupt irgend Jemand, der nicht Jude oder Schotte ist, sein Budget Ins Gleichgewicht bringen? Ich sah die erste Urbarmachung des Bodens fei den ersten Kolonien, Kolonien, die heute Mer nicht mehr nur als eine große Deklaration von Zuversicht und Hingabe figurieren, sondern auch durch die Früchte harter Arbeit und eines reichen Bodens vertreten sind. Schreiten Sie fort in Ihrer erfolgreichen Arbeit Ich hoffe, Sie werden Ihren Enthusiasmus für eki großes Ideal nicht verlieren. Ich hoffe, Sie werden weiter bereit sein, Körper und Geist ln den Dienst des Aufbaues eines schöneren Heimatlandes zu stellen. Und wenn ich an die Engländer, Schotten und Waliser, die hier zugegen sind, einen Appel] richten soll, so möchte ich sagen: Gehet nach Palästina! Gehet dahin, hinauf nach Nazareth, jene herrliche Straße entlang, an der jede Stelle von großen Ertonerungen spricht Gehet durch jene wunderschönen Dörfer, deren jedes geheiligte Gedankenverbindungen wachruft! Gehet nach Nazareth und Tiberias, und je weiter Ihr kommen werdet um so mehr werdet Ihr den Drang fühlen, die Schuhe von den Füßen zu ziehen, denn Ihr tratet heiligen Boden. Es ist sehr schön, in Kirche und Kapelle zu sitzen und über all dies predigen zu hören; aber weit besser Ist es, den Boden unter den eigenen PflBen zu fühlen. Heute, wo Reisen so billig und der Sinn für Reisen erfreulicherweise so verbreitet ist, wohin könnte man eher reisen als nach Jerusalem und nach Palästina, um dort das Leben zu erfahren, das unserem Sein zugrunde liegt Nach ah dem aber sind wir auch Realisten, d,enn Im Ideal Ist das Praktische mit beschlossen. Vom kommerziellen Gesichtspunkt Ist die Entwicklung Palästinas, die Sie durchführen, von höchster Bedeutung. Ich möchte Ihnen auch sagen, wie sehr ich mit dem Teil der Rede Lord Readings einverstanden bin, in dem er von Zusammenarbeit mit den Arabern sprach. Dies ist der Weg, der Ihnen und den Arabern zum Segen gereichen wird. Hört nicht auf die, die versuchen, Euch uneinig zu machen. Die Zukunft Palästinas wird auf gesunder, loyaler und verständnisvoller Zusammenarbeit beruhen. Sie haben auch Klagen gegenüber der Regierung. Auch ich habe solche Klagen. Es ist das Schicksal von Regierungen, allzu rasch vorwärtsdrängende Menschen zu enttäuschen. Sir Herbert Samuel weiß das. Aber ohne Regierung hätten Sie heilte kein ins Gleichgewicht gebrachtes Budget und wären nicht frei von Arbeitslosigkeit, Das Problem Palästina ist ein außerordentlich schwieriges. Es ist dn Problem von Siedlung, Entwicklung und Einwanderung, eines der schwersten Probleme, dessen Lösung von irgendeiner Regierung verlangt werden kann. Setzen Sie Ihr Drängen und Fordern fort; wir wollen nach Kräften bestrebt sein, Sie zufriedenzustellen. Es gereicht mir zur besonderen Freude, diese Ausstellung als eröffnet zu eridären. Vergangenheit und Zukunft wirken ln Palästina zusammen: Die Ansprache Lord Melchetts Der Vorsitzende des Ausstellungskomitees, Lord Mel- hett, führte u. a. aus: Großbritannien und Palästina sind kleine Länder, aber Ci haben Oroßes geleistet. Das eine hat die Bibel geschaffen, das andere das britische Weltreich. Im Verzeich- Mi der Leistungen werden diese beiden Taten aneinander sich messen können. Wir dürfen unseren Idealismus nicht verlieren. Wenn Palästina sich entwickelt, dürfen wir nicht zurückfallen. Die Judenhdt hat als Nation 2000 Jahre lang Ihre Zuflucht nicht zu den Waffen genommen. Ihre Wehr waren die Kräfte des Intellekts und des Geistes. So soll es auch ln Zukunft sein. Vergangenheit und Zukunft wirken in Palästina zusammen. Dr. Welzmatuas Dank an Macdonald Das Schlußwort sprach der Vorsitzende der English Zionist Federation und ehemalige Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Welzmann. Er dankte dem Ministerpräsidenten für dessen Bekundung seiner freundschaftlichen Oesinnung gegenüber dem jüdischen Volk und seiner Arbeit in Palästina und erklärte: Die heutige Anwesenheit des Ministerpräsidenten schätzen wir Im Hinblick darauf, daß er vor einer wicht!- Keine Anleihe ohne Parlamentsbefragung Zu der auf der ersten Seite unseres Blattes gebrachten sensationellen Meldung über die Möglichkeit einer Wiederaufnahme des French-Planes, die in diesem Augenblick in jüdischen Kreisen tiefe Besorgnis erregt, erfahren wir aus London folgendes; Auf Anfragen beim Colonial Office wurde bisher weder eine Bestätigung, noch ein Dementi, betreffend die Meldung über eine durch die Palästinaregierung beabsichtigte Anleiheaufnahme, erlangt. Im Colonial Office erklärt man, man sei derzeit außerstande, Mitteilungen über diesen Gegenstand zu machen. In dem Telegramm des ehemaligen Kolonialministers Lord P a s s f i e 1 d, in dem Lewis F r e n c h beauftragt wurde, einen Palästinalandentwicklungsplan zu entwerfen, war ausdrücklich darauf hingewiesen worden, daß die gesamte Frage zunächstim Unterhause erörtert werden müsse, bevor die Zustimmung zur Aufnahme einer Anleihe gegeben werden würde. Diese selbst sollte etwa zwei und eine halbe Million Pfund betragen. In Londoner zionistischen Kreisen erwartet man* daß auch für die von der Palä* stinaregierung jetzt geplante Anleihe, die nicht ausschließlich der Verwirklichung von Vorschlägen Frenchs, sondern auch anderen als Zwecken der Landwirtschaftsentwicklung dienen soll, ln analoger Weise die vorherige Zustimmung des Parlaments eingeholt werden soll. In Londoner politischen Kreisen hält man es für unwahrscheinlich, daß der Plan und die Deteils der Anleihe, die die Palästinaregierung aufzunehmen gedenkt, der nächsten Sitzung der Mandats« kommission des Völkerbundes, die noch in diesem Monat in Genf eröffnet werden soll, vorgelegt werden werden. Man weist darauf hin, daß eine Behandlung des Projektes durch die Mandatskommission die Bewilligung der zur Durchführung des Planes notwendigen Ausgaben durch das englische Parlament zur Voraussetzung haben würde. Es sei aber kaum möglich, daß diese Bewilligung noch vor Eröffnung der Sitzung der Mandatskommission erfolgen könne. Vom Tage i. Die Sprache der Toten Wir haben schwere Tage hinter uns. Ein unschuldiger jüdischer Geschäftsmann, Norbert Futterweit, fiel einem bestialischen nationalsozialistischen Bombenanschlag der Hakenkreuzler zum Opfer. Er hat nie jemandem etwas zuleide getan, er mußte sterben •— well er Jude war. Aber mit ihm fiel ein zweites Todesopfer, ein Christ namens Josef Hodik, der harmlos an der Mordstelle vorbeikam. Und auf die Produktenbörse erfolgte ein Bombenattentat, das mißglückte. Wäre es geglückt, man hätte hunderte von Toten zu beklagen gehabt. Uns will es scheinen, daß die armen Opfer eine beredte Sprache sprechen. Sie klagen an. Der tote Jude Futterwelt schreit in die Welt: «Ich bin ein unschuldiges Opfer in der ungeheuren Reihe der jüdischen Märtyrer. Christen, was tat ich Euch? Könnt Ihr verantworten, daß Ich mein Kind vaterlos, meine Frau ohne Stütze zurücklassen muß? Euer Antisemitismus hat mich ums Leben gebracht. Nicht nur Ihr Hakenkreuzler, die Ihr mich ermordet habt, Ihr alle, die Ihr euch nicht an das Gebot Eures Heilandes gehalten habt: «Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst», Ihr steht schuldbeladen vor mir. Ihr habt geglaubt die antisemitischen Schlagworte in die Tat umsetzen zu müssen. Viele Eurer Politiker glaubten die Hakenkreuzler Übertrumpfen zu müssen und haben tatenlos zugesehen, gen Konferenz, die ihn sehr ln Anspruch nimmt, Mer er« schienen ist, doppelt hoch ein. In dieser Zelt, da das jüdische Volk eine trübe Periode seiner Geschichte dureb» macht, in diesen Tagen eines modernen Arianismus, ist is ein# große Genugtuung, zu sehen, daß ein arischer Ministerpräsident sich der jüdischen Sache an schließt Wir heben gesehen und gehört, daß Palästina sich friedlich und schnell entwickelt hat Der Ministerpräsident hat erklärt, es gäbe dort nur sehr wenig Arbeitslosigkeit Ee sei mir gestattet ihn in dieser Hinsicht .respektvollst za berichtigen. Nicht nur keine Arbeitslosigkeit herrscht dort sondern Mangel an Arbeitskräften. Das Ist eine der Besonderheiten dieses Landes: Je mehr Menschen in ihm leben, um so mehr Raum wird für andere — eine merkwürdige Elastizität. Auch dies ist eine der besonderen Bedeutungen dieser Ausstellung: daß sie den Erfolg konstruktiver jüdischer Bemühungen, die unter ungünstigen Bedingungen vor sich gingen, vor Augen führt. wie man uns Juden zum Freiwild machen wollte. Schauet zurück ln die Oeschichtel Alle Länder mit starkem Antisemitismus sind rettungslos dem Niedergang verfallen, weil der Antisemitismus an die rohesten Instinkte der Masse appelliert und die Geister nicht loa wird, die er ruft. Christen in Oesterreich, Ihr habt eine große Kultur zu wahren, Deutschland soll Euch eine Warnung sein! Denkt an meinen zerfetzten Körper und an meine Hinterbliebenen, wenn Ihr über Oesterreich und wenn Ihr über Juden sprecht und denkt daran, daß die Bomben des Antisemitismus auch Euch in Stücke reißen.» Und der zweite Tote, der Christ Hodik klagt an: «Seht, liebe Christen, was Christen an mir getan haben. Niemandem tat ich etwas zu leide, kein Jude tat mir jemals etwas zu leide. Und trotzdem mußte ich durch die Hand eines Christen sterben. Liebe Christen« ich beschwöre Euch! Verhindert, daß außer mir Hekatomben von Christen fallen. Der Antisemitismus lat wie ein Bumerang, der zurückschnellt und den ungeschickten Schützen zerschmettert. Ich fluche dem Antisemitismus, er hat mir und einem armen, unschuldigen. Juden ein entsetzliches Ende bereitet. Christliche Mitbrüder, wendet .Euch, ab vom Antisemitismus! Er hat mich gemordet, er vergiftet die Seele Eurer Kinder mit unchristlichem Haß und er macht, daß Eure Kinder die Hand aufheben gegen Euch Vater, und Mutter, so wie ein Christenkind mich ermordet hat. Fluch, dem Antisemitismus! Lehret Euere Kinder, daß sie Im Juden den Mitmenschen lieben lernen. Und denket daran, daß ich Arm in Arm mit dem Juden Fütterweat einziehe in ein besseres Jenseits.» So sprechen die Toten. Werden die Lebenden hören? Wehe der Menschheit, wenn sie die Sprache dieser Toten nicht versteht und sie nicht beherzigt. II. Mauschel in der »Arbeiter Zeitung“ Das ist eine Frage, die alle Gemüter in Oesterreich bewegt. Und es hat den Anschein, als ob die energischen Maßnahmen der Regierung geeignet sind, die braune Mordpest aus Oesterreich zu verbannen. Sie ist Importware, dem Charakter des Oesterrelchers wesensfremd, sie wurde genährt durch die rollende Mark. Die Explosionen der Bomben haben die verantwortlichen Faktoren veranlaßt, endlich Energie zu zeigen; wie es uns scheint, müßte noch mehr getan werden, steht doch die Existenz Oesterreichs auf dem Spiele. Wie schlagen wir den Terror? Fragt auch die «Arbeiter-Zeitung» ln Ihrem Leitartikel am 13. Juni. Sie verzapft Weisheiten wie: «Es gibt gegen politische Terrorakte ein sehr wirksames Mittel: Echte, kraftvolle, schöpferische Demokratie.» Da muß man doch fragen :^Warum hat uns die Sozialdemokratie diese schöpferische Demokratie nicht gezeigt, als sie die Geschicke des Parlaments wesentlich beeinflußte? Aber das nur nebenbei. Wir wollen nur ein paar Worte über die Judenpölltlk der Sozialdemokratie sagen. Vor einer Woche wurde die Kultusgemeinde von der «A.-Z.» verhöhnt, weil die jüdische Gemeinde für den Fremdenverkehr Propaganda machte. Da witzelte sie etwas von der Regierung, die In die «Jüdische Laubhütte» gegangen sei. Und heute wird die «A.-Z.» deutlicher. Sie schimpft über die Zeitungen, die radikale Maßnahmen gegen die Nazi verlangen. Da lesen wir: «Sie erniedrigen den Kampf gegen den Natlonalfaschismus, der ein Kampf für die Freiheit des deutschen Volkes, ein Kampf gegen die Knechtung der deutschen Arbeit und der deutschen Kultur durch eine barbarische Diktatur ist, indem sie ihn als einen Kampf um den Schutz der Juden führen. Sie entwerten ihren Kampf gegen den Nationalfaschismus, indem sie sich mit jedem anderen Faschismus ver-

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