Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 283 (8.6.1933)
- Date
- 1933-06-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054038--3558-3059084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nf. 283 — 8. Juni 1933 f)!B STIMME M f 1 W&uLmuUs Zh&z,-h\a&Jl fs» Haushalfskosfen in Palästina Die «Stimme» hat vor einigen Wochen in Ihrer Rubrik «Werdendes E f e a Israel» eine Aufstellung Uber Haushaltungskosten in Palästina veröffentlicht. Als Ergänzung geben wir einer abweichenden Auffassung Raum, die zu niedrigeren Ziffern kommt. (Anm. d. Red.) Die Frage der Haushaltskosten In Palästina beschäftigt Jetzt begreiflicherweise viele deutsche Juden, die sich ernst mit dem Gedanken der Uebersiedlung befassen. Die ersten Ausgaben einer neueingewanderten Familie, die sich im Lande noch nicht orientiert hat, sind selbstverständlich relativ hoch, aber auch anderswo wird der Lebensstandard nicht an den Ausgaben eines Landfremden gemessen. Prüfen wir also die Bedarfsrechnung von Pf. St. 25 bis 30. Der Posten von Pf. St. 6 für eine Dreizimmerwohnung für «ine vierköpfige Mittelstandsfamilie, die «einigermaßen bequem und auskömmlich wohnen will», ist augenblicklich für Tel-Awiw zutreffend, ist aber fUr Haifa Und Jerusalem, ganz abgesehen von Kolonien, zu hoch berechnet. Es Ist auch zu hoffen, daß in Tel-Awiw, mit der Fertigstellung der recht zahlreich im Bau befindlichen Häuser, die Miete niedriger wird. Unlängst hat die palästinensische Regierung die Munizipalitäten durch ein besonderes Gesetz ermächtigt, Schritte zum Mieterschutz zu unternehmen. Es ist damit zu rechnen, daß Tel-Awiw reichlich Gebrauch davon machen wird. Der andere Posten in der Rechnung, der mir anfechtbar scheint, betrifft die Verpflegung. Es mag richtig sein, daß ein Einzelner, der auf Gasthäuser angewiesen ist, etwa Pf. St. 3 im Monat hierfür braucht, es ist aber nicht angängig, diese Summe für eine vierköpfige Familie einfach mit 4 zu multiplizieren. Niemals braucht eine vierköpfige Familie für Verpflegung viermal so viel, ate vier einzelne Personen. Der Korrespondent gibt ferner zu, daß der hohe Poaten für Hausgehilfin von Pf. St. 6 gestrichen werden könne, wenn «die Hausfrau ihre Arbeit selbst besorgt». Hierzu ist zu bemerken, daß eine solche Lebensweise in Palästina — auch in Mittel6tandafamilien — gang und gäbe ist und keineswegs gesellschaftlich negativ bewertet wird. Eher trifft das Gegenteil zu. Die klimatischen Verhältnisse erleichtern die Hausarbeit in hohem Maße. Die empirischen Tatsachen stehen zu der Monatsberechnung von Pf. St. 30 oder auch nur Pf. St 25 in schroffem Gegensätze, Die Gehaltsskala der Arbeiterorganisation für ihre Angestellten, die sich für eine vierköpfige Familie auf Pf. St. 15 beläuft, wird ln dem Artikel erwähnt. Tatsächlich Wird die Mehrzahl der Privatangestellten eher schlechter als besser bezahlt (ich sehe selbstverständlich von den relativ wenigen höheren Beamten ab). Auch das Gehalt der Munizipalitätsangestellten, der meisten Lehrer, vieler Krankenkassen- und Krankenhausärzte ist kaum höher. Wenn wir vom Piantagenbestzer absehen, so ist der Monatsverdienst und damit die Monatsausgabe der meisten Kolonisten eher noch niedriger. Das gleiche gilt für Handwerker und kleine Kaufleute. Zusammengenommen: es handelt sich hier um die überwiegende Mehrzahl des jüdischen Mittelstandes in Palästina. Dabei sind diese Schichten, ihrem Lebensstandard gemäß, keineswegs den Arbeitern oder gar den orientalischjüdischen Familien zuzurechnen. Sie führen kein sehr komfortables Leben, oft müssen sie sich den Groschen genau ansehen, bevor sie ihn ausgeben, ihr Haushalt ist einfach, ihre Kleidung ebenfalls; sie haben aber ein sicheres Dach über dem Haupte, ihre Kinder leiden keinen Hunger und gehen in die Schule, sie können sich eine Zeitung, ein Buch, eine Theatervorstellung ruhig leisten und manche können dabei auch noch Ersparnisse machen. Die bemerkenswerte Entwicklung der Vorstadt-Siedlungen die aus eigenen Mitteln der Kleinhaus- und Wohnungsbesitzer besteuert werden, wurde vor allem durch diesen Mittelstand (Angestellte, Aerzte, Lehrer) und daneben auch durch eine Reihe von Arbeitern, deren Lebensstandard noch niedriger ist, möglich gemacht. Dabei sticht dieser Mittelstand, mit einem Monatseinkommen von, sagen wir Pf. St. 15 bis 18, keinesfalls von dem allgemeinen «Landesbild» ab, eher umgekehrt Und was die Juden anderer Länder anbetrifft — Polen, Rumänien, Litauen und, wenn nicht schon jetzt, so doch in der nahen Zukunft wohl auch Deutschland (von Rußland und den orientalischen Ländern schon gar nicht zu reden —, so hat die große Mehrheit von ihnen auch ln dieser Hinsicht Orund, da9 bescheidene Los des palästinensischen Mittelstandes und auch des palästinensischen Arbeiters zu beneiden. Wieviel jüdische Mittelstandsfamilien gibt es denn in der Welt, die «mit Pf. St. 25 bis 30 einigermaßen auskommen können?» Aus zwei Oründen erscheint es mir wesentlich, die Haushaltsrechnung von Pf. St. 25 bis 30 «herunterzudrucken»: einmal, damit die eventuellen Einwanderer sich durch diese relativ hohe Summe nicht abschrecken lassen, zweitens damit sie einen richtigen Begriff von dem erhalten, was in Palästina als «landesgemäß» und «standesgemäß» gilt, und nicht dazu bewogen werden, den Lebensstandard in die Höhe zu treiben. Palästina muß noch sehr viel Juden aufnehmen, unter ihnen auch recht viele MitteJsfandsfamilien, die von einem Monatseinkommen von Pf. St. 25 bis 30 weit entfernt sind und bleiben werden. Es ist ein hartes und bescheidenes Land, dem ein hartes und bescheidenes Leben entspricht. Moses B e i 1 i n 8 o n Palästina-WlrtschaStsbuUetin 2usamm«ngestellt von Bruno Rabinowitz Einwanderungsbewegung im Jahre 1932. Im Jahre 1932 sind nach Palästina 11.289 Personen eingewandert, davon 9553 Juden. Im vergangenen Jahre waren es nur 5533 Pen* tonen, davon 4075 Juden. Während die monatliche jüdische Einwanderung im Jänner 1932 noch 86 war, atieg sie in den nächsten 6 Monaten auf durchschnittlich 200 und erreichte am Ende des Jahres die Monatszahl von 1000. Die Jüdische Kadoorie-Schuie. Die vom Juden Kadoorie gestiftete Landwirtschaftliche Schule am Berge Tabor wird im Jänner 1934 eröffnet werden. (Bekanntlich besteht die gleichzeitig gestiftete arabische Schule schon zwei Jahrei) Import von Kartoffeln. Nach Palästina werden jährlich für etwa 90.500 Pfund Kartoffel und Zwiebel importiert. Ea werden daher jetzt im Lande selbst verschiedentlich Anbauversuche, und zwar mit wachsendem Erfolg, gemacht. Ein Herausforderungspokal für die rascheste Beförderung von Orangen wurde von der «Citrus Eschange» gestiftet. Jene Schiffahrtsgesellschaft, die dreimal hintereinander diesen Pokal gewinnt, bleibt Besitzerin desselben. Neue Mittelstandsorganisation. 50 Mitteistandsfamilien werden auf einem Areal von 1000 Dunam nach Plänen der Jewish Agency angesledelt. Die Kosten werden per Familie auf 700 Pfund geschätzt, davon hat die Familie innerhalb 5 Jahren 400 Pfund aufzubringen, während 300 Pfund als Anleihe bereitgestellt werden. — in der Nähe von Nathan’* werden auf Nationalfondsboden 35 revisionistische Familien angesiedelt. Weitere 30 Familien aus Bulgarien siedeln sich diesen Frühling in Beth Chanan an. Die Arbeitersiedlung auf 300 Dunam Nationalfondsboden in der Haifa-Bai ist nunmehr vollendet worden. Errichtung einer SUberwarenfabrik. Mit allen modernen Mitteln wurde dieser Tage nach gründlichem Studium die erste Edelstein- und Silberschmiedefabrik von bewährten Fachleuten aus Antwerpen gegründet. Steigende Erfolge der Potash Co. und SHemtn-Oil- Fabfik. Die Potash Company am Toten Meer ist dabei, Ihren Betrieb auf Grund der andauernden Erfolge bedeutend auuudehnen. Die «Shemen»-Oelfabrik hat Ihre Produktion im abgelaufenen Jahr um 17 Prozent erhöht und ihren Export verdreifacht. Neu« Induitriegründungen. ln der letzten Zeit wurden folgende Neugründungen von Industrien eingetragen: Eine Glasfabrik (Rohmaterial aus der Haifa-Akko-Bucht und in der Nähe von Gaza); die Gummiwarenfabrik Agmon hat den Betrieb vergrößert; in Tel-Awiw wird von Schweizern eine Jutefabrik errichtet; tschechische Interessenten gründen ein Unternehmen zur Erzeugung von eisernen Fensterrahmen, Fahrrädern usw.,; die Textilfabrik «Nur» bei Asuleh wurde wieder eröffnet; die Seidenfabrik Delfiner hat neue Artikel in ihrer Fabrikation aufgenommen; eine kleine Zelluioidkammfabrik wurde in Tel-Awiw eröffnet. Oie Heilquellen von Tiberlas ln der ausgezeichneten wirtschaftlichen Zeitschrift «Palestlne and Near East Economic Magazine»*) gibt der Direktor der «Hamai Tiberia Co.», Herr Gesundheit, folgende interessante Aufklärungen Uber die Entwicklung der Gesellschaft, die sich die Modernisierung und den Ausbau der alten Heilquellen von Tiberias zum Ziele gesetzt haben. «Mit Beginn des Jahres 1932 habe die neue Gesellschaft die Leitung und Führung dieser Heübäder übernommen und ausgedehnte Investierungen und Erweiterungen vorgenommen. Es werden jetzt Patienten jeder Klasse mit allem Komfort nach den modernsten europäilchen Ansprüchen bedient. Die Bäder werden sowohl vom mittelständischen als auch vom wohlhabenden Teil der Bevölkerung frequentiert. Für das Jahr 1933 ist ein weiterer Aufschwung zu erwarten, zumal die Gesellschaft für weitere 4000 Pfund Investitionen macht. Nach Abzug der Abgaben, die die Gesellschaft an die Stadtverwaltung abführen muß, und aUrr anderer Ausgaben dürfte die Dividende mindestens 7 Prozent betragen. Die Pläne der Gesellschaft jjehen aber noch weiter. Wenn das notwendige Aktienkapital eingezahlt sein wird, plant man, die augenblicklich bestehenden Gebäude niederzureißen und ganz neue große Thermalbäder mit allen erdenklichen modernen Nebengebäuden und Räumlichkeiten zu errichten. Das palästinensische und auch außerpalästinensische Publikum ist eingeladen, sich an der Subskription dieses sicherlich rentablen und zukunftsreichen Unternehmens zu beteiligen. Die Thermen von Tiberia* wurden bisher jährlich von etwa 3000 Gästen besucht. Man ist überzeugt, daß sich recht bald, da die augenblicklichen Erweiterungen und Modernisierungen beendet sein werden, die Besucherzahl der Patienten sich verdoppeln wird. Man errechnet die Dividende für die nächsten Jahre mit mindestens 10 Prozent. Es ist anzunehmen, daß mit dem Fortschreiten der Verbesserungen im Badebetrieb auch das allgemeine Interesse der Bevölkerung an dem weiteren Ausbau dieser uralten Heilquellen wachsen wird.» p *) Zu beziehen durch Bruno Rabinowitz, Wien, I., Rotenturmstraße 25; Hauswirtschaftflcher Vorbereitung* kure fflr PaOitfaa Die W. I. Z. 0.-0 r gani»a11on zionistischer Frauen Oesterreichs, IX., Nußdorierstraße 42/8, teilt mit, daß sie für Mädchen und Frauen, welche nach Palästina aus wandern, einen hauswirtschaftlichen Vorbereitungpkurg für Patt* stina im Dr.-Krüger-Heim, IL, Msfegim 7, veranstaltet. Dieser Kurs beginnt am S o n.n t a g, den 18. Juni, dauert acht Wochen und endet am Mittwoch, denP. August. Praktische Kochübungen sind an 24 Tagen, und zwar Sonntag von 8 bis 12, Montag und Dienstag von l/a7 bis */210 Uhr abends. Der Sonntag wird einbezogen, um einen Großküchenbetrieb (70 bis 90 Personen) ketnnenzulernen. Der Kurs umfaßt einfache bis feinste Küche, mit Berücksichtigung der modernen Ernährungslehre, der vegetnrischen und der Rohkost sowie der Diätküche. Die acht Mittwochabende sind den theoretischen Fächern gewidmet und. werden hervon* ragende Professoren und Aerzte Über Kinder-, Kranken- und sonstige Diätkost sprechen, Uber Gesandhdtslehre und übet Hygiene des jüdischen Hauses. Außerdem wird die bekannte Kücheninspektorin und Verfasserin modernster Kochbücher, Frau Marianne Stern, über Ernährungslehre, Lebensmittelkunde und Servierkunde sprechen sowie einige hauswirtschaftliche Uebungen a« zu bessthmnatden Tagen veranstalten. Der Preis richtet sich nach der Zahl der Anmeldungen und verbilligt sich stufenweise bei einer Zrfbl von unter zehn Teilnehmerinnen bis maximal f5 bfe 20 von S 22.— auf S 15.—. Anmeldungen bis Freitag, den 19. Jurfl, übernimmt das Sekretariat der W. I. Z. 0., IX., Nußdorferstjraße 42/8, täglich von 2 bis 3 Uhr nachmittags, ün<f die 2. M. V. «Mirjam», 1., Jordangasse 7, von 5 bis 7 Uhr nachmittags. Kolonisation mit eigenen Mitteln Bis in die letzte Zeit hinein erfolgte die Ansiedlung Mittelloser in der Regel durch die Mittel der nationalen Fonds: Den Boden stellte der Keren Kajemeth pachtweise zur Verfügung und sorgte für die Assanierung dieses Bodens sowie für die Wasserversorgung, alles übrige der Keren Hajessod. ln der letzten Zeit, seit 1930; macht sich in den Kreisen der im Lande ausgebildeten Chaluzim in immer stärkeren Maße die Tendenz bemerkbar, durch eigewe Ersparnisse und durch die herangezogenen Mitte! von Verwandten sich das zur landwirtschaftlichen Unabhängikeit erforderliche Kapital zu beschaffen. Eigene Ersparnisse, d. i. das Geld, düs sich der Chaluz, der in der jüdischen Orangenzone dauernde Lohnarbeit findet, vonseinen Lebensrtotwewdigkeitenabspart, von dem Drange beseelt, endlich nach sechs- bis siebenjähriger gründlicher Ausbildung sich Aussicht auf dir eigene Scholle zu sichern. Seine Ersparnisse machen zirka 130 Pfund aus, die Jedoch nur ausreichen, um sich ein Häuschen amzuschaffen und die Bewässerung seines Bodens durchzuführjen. Seines Bodens! Hier zeigt sidh die entscheidende Bedeutung des nationalen Kapitals. Die eigenen Mittel des Ansiedlungswerbers reichen natürlich für den En* werb des Bodens nicht aus; sie reichen nur für Häuschen und Bewässerung aus, aber für mehr nicht. Soll also ein solcher glänzend ausgebildeter Arbeiter sein Lebensziel erreichen können, muß er Boden in Pacht erhalten. Diese Pacht muß iedoch Erbpacht sein, damit der Ansiedler die Sicherheit hat, daß die von ihm in sein Anwesen hineingesteckte Arbeit ihm und seine« Kindern erhalten bleibe. Diese Bedingungen kann jedoch nur der Keren Kajemeth erfüllen. 4000 landwirtschaftliche Arbeiter dieser Art harren, noch richtiger drängen zur Amsiedlung auf Keren- Kajemeth-Boden. 4000 Arbeiter bedeuten jedoch 4000 F a m 1! 1 e n, da der Arbeiter an die Oründung einer solchen schreitet, sobald ef begründete Aussicht auf Selbständigkeit hat. Ein Rekordjahr des palästinensischen Außenhandels Wie aus der soeben veröffentlichten neuen Nummer des von der Palästinaregierung herausgegebenen «Commercial Bulletin» hervorgeht, war das abgelanfene Jahr 1932 ein Rekordjahr für den palästinensischen Außenhandel. Der Gesamtimport im Jahre 1932 belief sflch auf 7,768.920 Pfund, der Export auf 2,381.491 Pfund. Beide Ziffern sind höher als die entsprechenden in irgendeinem Jahre seit Beginn der britischen Okkupation und selbstverständlich weitaus höher als die Export- und lmportzlffem der Vorkriegszeit. Die Steigerung des Export« betrifft zum überwiegenden Teil den Orangenexport, während die Vermehrung der Ausfuhr palästinensischer Industrieprodukte bloß 70.000 Pfund betrug. Der Orangenfcxport int ia dieser Saison um mehr als 800.000 Kisten größer als 1931/32. Die diesbezüglichen Erwartungen dfer paUttinensischsu Orangenpflanzer haben sich voll erfüllt* Erhöhung der ReglerungMUftveotlMt Die Palästina-Regierung hat die Subvention an die Jewish Agency für das heurige Jahr um 16.000 Pfund erhöht, wovoi 6000 Pfund auf das Schulwerk entfaüctl